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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Wenzlik/Handrick Schlacht bei Auerstädt



Da Capo
13.02.2009, 10:04
Als Mitglieder der Zinnfigurenfreunde Leipzig arbeiten wir derzeit an der Realisierung eines Dioramas zur "Schlacht von Auerstädt".
Hierfür sind umfangreiche Recherchen zwingend erforderlich, da wir als „darstellende“ Historiker das höchste verfügbare Maß an Gewißheit bzw. Wahrscheinlichkeit haben müssen und nicht - wie der schreibende Historiker - galant über Details hinweggehen und/oder folgenlos spekulieren können.

In Zuge der genannten Recherchen ist mir von einem Sammlerfreund das Buch „Wenzlik/Handrick – Die Schlacht bei Auerstädt / Die Napoleonischen Kriege Band 22“ zur Einsichtnahme überlassen worden.
Im Bezug auf die Schlacht ist dieses Buch - ich muß es leider so sagen - leider eines von vielen, die ohne Detailkenntnis Übersichtsdarstellungen Dritter unter Auslassung notwendiger Quellen durch Hinzunahme ungeeigneten Kartenmaterials wiedergeben.
Ein Urteil über die preußische Herresverfassung unter Auslassung der Quellen
Jany - Gefechtsausbildung der preußischen Infanterie
Jany - Gefachtsausbildung der preußischen Kavallerie
Schöning - Historisch-Biographische Nachrichten zur preußischen Artillerie
Höpfner - Der Krieg von 1806
abzugeben, ist wirklich sportlich.
Die Schlacht nur auf Basis von Sekundärquellen und den Berichten übergeordneter Leitungsebenen zu analysieren ist aber noch viel sportlicher und leider dementsprechend fruchtlos.
Mit etwas Mühe - und die sollte bei einem Projekt, welches "Schlacht bei Auerstädt" heißt, auf die Schlacht verwendet werden - können allein für die preußische Infanterie die Gefechtsberichte/ Regimentsgeschichten einer Vielzahl von Einheiten (IR's 3,12,20,21,28,34,35 und 59, GB's Krafft und Hülsen, der Garden) sowie der Brigade Wedel (IR's 3+5, GB Hanstein) als Quellen aufgetan werden.
Bei einer Lektüre dieser Quellen wäre die ja schon peinliche Verschiebung des IR 28 /(Malschitzky) von der Straße (S.89,91,93; wo das Regiment nie war) hakenbildend auf den linken Flügel der Division (S.97) genauso wenig vorgekommen wie die Aufstellungen der beiden Divisionen Schmettau und Wartensleben direkt vor Hassenhausen in jeweils 2 Treffen. Ein nach Aufmarsch der Division Wartensleben vor und später in Hassenhausen stehendes Gren.Btl. Krafft (es kam auf den rechten Flügel der Division Wartensleben) entbehrt genauso jedweder Grundlage, wie eine über Hasenhausen hinaus gekommene Brigade Wedel. Der Einsatz der Brigade Lützow (IR's 25 und 59), deren Stellung parallel zur Straße vor Hassenhausen usw. findet in diesen Buch nicht statt, usw., usf.

Das Kartenmaterial ist ungeeignet, um die Schlacht auch nur annähernd zu verstehen. Als wichtigstes Element fehlt die alte Poststraße, die von Eckartsberga über Rehehausen nach Kösen ging. Das Defilee von Rehehausen spielt eine nicht unwesentliche Rolle für das IR 21 und die Artillerie der Division Wartensleben. Der Verbindungsweg von der alten Poststraße über Hassenhausen nach Spielberg, der aufgrund seines Hohlwegcharakters den Franzosen so gute Deckung bot, fehlt gleichfalls. Das Dorf Hassenhausen befand sich körperlich nur links der Straße von Tagwitz nach Kösen (und nicht beiderseits der Straße) usw. usf.
Dabei ist gutes Kartenmaterial - wie z.B. die Karte des Geographischen Institutes Weimar von 1807 - leicht beschaffbar.

Außerhalb der Schlachtdarstellung irritieren eine Reihe von Aussagen. Wahllos herausgegriffen folgendes:
So wird auf S.41 der Hofbericht - letztenendes - als eine Falschdarstellung verbreitend dargestellt, weil er die Stärke eine Inf.Btl. mit 600 Mann darstellt, wo die Autoren doch wissen, dass das Btl. 800 Mann hatte. Die Frage - ob der Hofbericht nicht doch Recht haben könnte - scheint ohne Relevanz zu sein. Ein Blick in den Jany hätte den Autoren die Information verschafft, dass das preuß. Btl. mit 200 Rotten (bei dreigliedriger Aufstellung = 600 Mann ohne Musiker, Artilleristen, Offiziere und schließende Unteroffiziere) hatte und deswegen die Musketierkomp. 120 Mann (120x5=600) und die Grenadierkomp. 150 Mann (150x4=600) stark waren.

Auf S.15 treffen die Autoren die Aussage "Die Beibehaltung des Magazinwesens zur Versorgung der Armee stellte sich als äußerst anfällig heraus." und begründen dies mit der Aufgabe des Magazins bei Hof durch die Preußen unter Tauenzien.
Welche Heeresverpflegung ist denn nicht anfällig gegen die Wechselfälle des Krieges? Selbst in heutiger Zeit - im letzten Irakkrieg - konnten die Amerikaner die Versorgung ihrer Kampftruppen nicht mehr sicherstellen, da die Nachschubwege überdehnt waren und Verbände schneller als geplant vorwärts kamen.
Die Franzosen haben während der napoleonischen Kriege zu Hause auch Magazine angelegt (und die Preußen waren 1806 "zu Hause") und nur außerhalb Frankreichs requiriert, aber später auch Magazine angelegt, wie im Feldzug von 1812. Mit ihrem Requisitionssystem (Der Krieg ernährt den Krieg) sind sie im Winterfeldzug 1806/07 nämlich ganz gewaltig auf die Nase gefallen.

Äußerst interessant sind im Buch gegebene exakte Zeitangaben (wie 12:20 Uhr), deren Quellen in keinster Weise ersichtlich sind.

Alles in Allem ist dieses Buch im Bezug auf die Schlacht äußerst unsauber und oberflächlich gearbeitet. Das auf den ersten Blick wissenschaftliche Daherkommen entpuppt sich bereits nach dem Lesen weniger Zeilen als reine Verbrämung. Ein Verständnis für die Schlacht kann für den Text und besonders für die Karten nicht attestiert werden.

Es kann in diesem Zusammenhang auch nicht als Lapsus abgetan werden, dass zwar seitenweise aus dem Werk "Großer Generalstab - Das preußische Offizierskorps und die Untersuchung der Kriegsereignisse" zitiert wird, das Werk aber nicht im Quellennachweis auftaucht. Die möglichen Folgen sollten dem Verleger, der ja Jurist ist, bekannt sein.

Fazit – Insofern Interesse an einer Darstellung der Schlacht besteht, können die für dieses Buch erforderlichen EUR 45,00 weitaus sinnvoller eingesetzt werden.

Gunter
16.02.2009, 07:18
Das hätte ich dir auch gleich sagen können. Was erwartet man denn auch von einem Autor, der Bücher am Fließband produziert? Das Nichtkenntlichmachen seitenweise zitierter Literatur ist mir auch schon übel aufgestoßen. Vermutlich spekuliert man ganz locker darauf, dass sowieso bei allen verwendeten Materialien keine Urheberrechte mehr bestehen. Sowas kommt dann dabei heraus. Folgen hat man dafür wohl keine zu erwarten.

Blesson
16.02.2009, 13:09
Ich muß da in die gleiche Kerbe hauen:

Nehmen wir als Beispiel

Die napoleonischen Kriege, Sonderheft 5: Taktik der Infanterie

Da steht Herr Wenzlik fett und breit auf dem Umschlag; fein denkt man sich, dann schaun wir doch einmal an, was der Autor kluges geschrieben hat. Auf Seite 4, dem Impressum, findet sich auch kein Hinweis auf die wahre Autorenschaft. Es folgt ein wahrhaft beiendruckendes Inhaltsverzeichnis, und dann enthüllt sich erst auf Seite 7, dem Vorwort, der einzigen Seite, die Herr Wenzlik selbst geschrieben hat, die wahre Autorenschaft:

Carl v. Decker (1780-1844), pr. General und Militärschriftsteller.

Ich werte das als gezielte Irreführung, Schmücken mit fremden Federn, Verletzung geistigen Eigentums, selbst wenn es 200 Jahr zurückliegt. Ich weiß nicht, wo man diesen schlampigen Umgang mit Quellen lernt, auch Juristen bekommen das im Studium beigebracht.

Was ist denn schlimmes dabei, bei einem Neudruck Ross und Reiter zu nennen, und als Herausgeber, so wäre die korrekte Rolle nämlich, ganz bescheiden im Hintergrund zu bleiben? Bei den Reprints des LTR-Verlags wird selbstverständlich der Autor genannt!

Bei allen Publikationen aus dem VRZ ist also höchste Skepsis angebracht.

LB