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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Roman Töppel: Die Sachsen und Napoleon



Charlotte Corday
09.04.2012, 11:30
Ein Stimmungsbild 1806 - 1813

Das Buch von Töppel (= Doktorarbeit) finde ich sehr gut, vor allem, weil er versucht, die Stimmung im "Volk" zu fassen und welche Vor- und Nachteile die Franzosenzeit für die Bevölkerung Sachsens hatte.

Der Zeitraum ist interessant gewählt - vom Anfang der Franzosenzeit im Zuge des 4. Koalitionskriegs (Eintritt Sachsens in den Rheinbund) 1806 bis zur Völkerschlacht bei Leipzig 1813.

Ludwig Hußell
20.04.2012, 19:35
Töppel gehört mit seiner Arbeit zu den Autoren, die einen selbst wieder antreiben, Originale zu sichten. Er hatte auch die Zeit dazu, alles in den Archiven durchzuforsten. M.E. hat er aber dem Thema abgeschworen, weil er nunmehr in München mit anderen Themen zu tun hat. Schade nur, dass er bei seiner Beurteilung meines Namensgebers so absolut geurteilt hat. Ich sehe mich eher nicht als Franzosenhasser (S. 49 "völlig einseitig antifranzösischer Geschichtsschreiber":()

Gunter
21.04.2012, 13:27
Naja "abgeschworen" liest sich hier so, als könnte man sich das als junger Geisteswissenschaftler so einfach aussuchen. Wenn man davon leben will, muss man eben Themen bearbeiten, für die man bezahlt wird. Dass sich jemand jahrzehntelang mit derselben Thematik befasst, dürfte nur seltenst der Fall sein. Das ist schon ein erheblicher Unterschied zum Hobbyhistoriker, der zeitlich frei und finanziell nicht von seiner Forschung abhängig ist.

Grüße

Gunter

Ludwig Hußell
21.04.2012, 20:27
Kein Widerspruch, zumal ich heute gehört habe, dass sich Herr Töppel mit seinen Betreuern aus Dresden in Richtung 2013 positioniert, aber derzeit das nicht unspektakulärer Thema Kursker Bogen beackert.

Da Capo
15.05.2012, 09:25
Am 11./12.05. fand in Torgau auf Schloß Hartenfels die Tagung der Historiker und Festungsforscher, eine interessante Veranstaltung im halbjährlichen Turnus, statt. (wer näheres hierzu erfahren möchte, kann dies auf www.festung-torgau.com (http://www.festung-torgau.com/) nachlesen).
Hier konnte ich mit Herrn Töppel über seine Arbeiten sprechen.
Sachsen und Napoleon waren nicht sein favorisiertes Thema, da er schon immer etwas zum WK II (speziell Kursk) erarbeiten wollte. Er ist also kein – und ich sage dies ohne jedwede Wertung – Napoleoner. Neben den zweifellos dadurch bestehenden Nachteilen besteht wiederum der Vorteil, dass er zwangsläufig Fragen stellt, die in der „Szene“ zwar als beantwortet gelten, es aber meist nicht sind.

Ich habe also einen engagierten jungen Mann kennen gelernt, der sich vor 5 Jahren intensiv mit einem napoleonischen Thema auseinandergesetzt hat, allerdings als „Job“ und nicht als Hobby.
Und natürlich hat Gunter in der Beziehung recht, dass sich Herr Töppel das Thema nicht frei wählen konnte.

Leider hat sich in dem Gespräch eine Aussage des gleichfalls anwesenden Herrn Prof. Kronenbitter (Augsburg) vom 12.05. vollumfänglich bewiesen, nämlich die, dass derjenige Geisteswissenschaftler, welcher sich mit mehr als einem militärhistorischen Thema (die Beschäftigung mit 1 Thema als Dissertation ist gerade noch hinnehmbar) beschäftigt, in Deutschland (Prof. Broucek bestätigte dies auch für Österreich) seine wissenschaftliche Karriere an den Nagel hängen kann. Herr Töppel ist nunmehr freier Historiker und lebt – da seine Frau eine Job in München bekommen hat – nun in Bayern.

P.S. zu 2013 hat er nichts gesagt!

Gunter
15.05.2012, 15:40
Man muss zu dieser Thematik unbedingt erwähnen, dass das Verfassen geisteswissenschaftlicher Dissertationen nicht unbedingt an eine Anstellung als Doktorand geknüpft ist. Viele müssen sich während dieser Zeit irgendwie über Wasser halten, zum Teil sogar unter HartzIV-Niveau. Über welche Themen man forscht, hängt auch von der Förderung ab. Stipendien und die Aufnahme an entsprechenden Sonderforschungsbereichen, Graduiertenkollegs etc. wird auch nur denen zuteil, die "angesagte" Forschungsfelder und Theorien aufgreifen. In maximaler Eigenständigkeit kann man wahrscheinlich nur noch extern promovieren, wenn man einen Doktorvater findet, der die akademische Freiheit noch groß schreibt. Mit wissenschaftlicher Karriere hat das aber wenig zu tun. Die Externen werden häufig belächelt. Freie historische Forschung ist eben eine Herzensangelegenheit, die keinen Anspruch auf akademische Anerkennung erheben kann.

Die genannte Haltung zur Militärgeschichte zeugt von tiefster Ignoranz und wirft kein gutes Licht auf die Zunft. Es wirkt dünkelhaft und inkompetent sich über Forschungsfelder zu mokieren, von denen man selbst nicht die geringste Ahnung hat.

Grüße

Gunter