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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Russen, Engländer und Preußen 1816 von Duplessi-Bertaux



admin
04.06.2007, 21:40
Ich bleibe der Endzeit der Napoleonischen Kriege treu und habe heute eine aus meiner Sicht sehr schön gezeichnete Serie von 1816 veröffentlicht, nämlich die je 12 Tafeln mit Russen, Engländern und Preußen, die zu dieser Zeit als Besatzungstruppe in Paris weilten.

Durch die Friedenszeit könnten diese Darstellungen recht authentisch sein, zumindest über die Preußen könnte Oli etwas sagen ... interessant auch die zahlreichen Rückansichten und die Darstellungen in Kleiner Uniform oder auch "im Neglige" (d.i. im Mantel) - eine der Typen war ja auch schon Gegenstand des Uniformquiz.

Hier der Link zur Serie : http://www.napoleon-online.de/duplessi_bertaux.html

Markus Stein

Sans-Souci
04.06.2007, 22:36
Nun, auf mich wirken die Preußen (zu den anderen kann ich nichts sagen) wie nach Hörensagen oder aufgrund von Skizzen anderer gezeichnet - oder der Zeichner war schon halbblind, as er sie abbildete. Vielleicht auch beides. Die preußischen Garden hatten Paris schon im Herbst 1815 wieder verlassen und waren in die Heimat zurückmarschiert, ebenso die Landwehren.

Wie schon gesagt, wirkt es so, als habe der die Halbmonde der Epauletten der Offiziere bis hin zum Capitaine als Schulterwülste mißverstanden. Die Farben wirken auch irgendwie seltsam unpreußisch, aber vielleicht sollen sie auch nur etwas ausgeblichen sein.

Ringkragen bei preußischen Offizieren waren auch schon länger aus der Mode, und pickelhaubenähnliche Helme mit Tschapkaoberteil wurden bei den preußischen Ulanen erst ich glaube 1862 eingeführt ...

Weil den Zeichnungen aber doch - wenn wohl auch nur mittelbar - reale Uniformen zugrundeliegen, ist es trotzdem eine interessante Serie !

Sehr hübsch der Mantel des Liniensoldaten (gelbe Schulterklappen gab es bei der Garde und den Grenadieren nicht), auch wenn er vorne 7 Knöpfe statt 6 und der unterste sogar auf der linken Seite einen vereinzelten Freund hat. Das hier ist die einzige zeitnahe Abbildung, die ich kenne, die die 1813 bei manchen Reserve-Bataillonen eingeführte "Sparversion" eines preußischen Kragens zeigt, bei dem nur ein Teil mit Abzeichentuch besetzt ist. Knötel und andere zeigen eine ganz andere Form. Vielleicht gab es damals aber auch mehrere Varianten, oder der Zeichner irrt auch bei diesem Detail.

Das gut wiedergegebene Kochgeschirr aus Weißblech ist wohl im Feuer geschwärzt.

http://www.napoleon-online.de/Bilder/duplessi_bertaux_tafel34.jpg

admin
04.06.2007, 22:44
Hi Oli,

erst einmal Danke für diese Beurteilung ... das Erscheinungsjahr 1816 muss nicht heißen, dass diese auch dann angefertigt wurden - ggf. schon 1815?

Na, und gar eine vorausschauende Darstellung? Was will man mehr :D

Schöne Grüße
Markus Stein

Cuirassier
05.06.2007, 09:19
schöne serie!!....aber bestimmt nicht nach der natur gezeichnet....zumal die preussen wie oli schon sagte....viele fehler im detail erhalten...**
die garde kürassiere ( die trugen blaue abzeichen)..bzw, garde du corps hat einen falschen kürass....der helm stimmt nicht...koppel, degen..etc.....

die halbmonde sind vollständig wohl erst nach 1815 ausgegeben worden...1815/16..war vieles noch auf dem stand von 1813....bei den kürassieren weiss ich nachweisslich, alles war seit 1814 französisch...pallasch, lederzeug, holster, sattel. zaum, tuche...usw.

de russen sind auch ein wenig geschummelt....trotzdem, wieder mal hochspannend....hält mich mal wieder von der arbeit ab...**)

Sans-Souci
05.06.2007, 09:36
Mit Cuirassiers de la Garde Royale Prussienne ist hier das Regiment Garde du Corps gemeint - die einzigen Kürassiere, die die preußische Garde zu dieser Zeit aufzuweisen hatte. Das Garde-Kürassier-Regiment wurde ja erst 1819 aus dem 1815 neu formierten Garde-Ulanen-Regiment umgewandelt.

Somit stimmen auch die rote Abzeichenfarbe und der schwarze Küraß (1814 dem Regiment vom Zaren Alexander geschenkt, daneben gab es auch noch den 1814 aus französischen Beständen beschlagnahmten messingnen Küraß).

HKDW
05.06.2007, 10:28
Da würden mich mal die Kommentare der England Kenner interessieren, interessanterweise sind hier bei den Trommler getauschte Farben zu sehen - die ja eigentlich nicht getragen werden sollten.
Der Künstler ist ja sehr klar in seinen Details, so dass eben auch die Fehler auffallen, wie der 42nd Hochländer mit einer Muskete mit Ringbefestigung, anstelle von Stiften wie bei der Brown Bess.

admin
05.06.2007, 10:57
In der Tat wäre es jetzt interessant, die einzelnen Typen auseinander zu nehmen ... und es stellt sich wie bei vielen Serien (auch Augsburger) die Frage, was der Zeichner überhaupt selbst gesehen hat!

Schöne Grüße
markus stein

Cuirassier
05.06.2007, 11:34
hi oli, der kürass ist aber trotzdem falsch...hatte die tage einen echten von 1814 in der hand....die manschetten stimmen nicht, der bügelhelm ist falsch.......der schnallenverschluss....naja, der maler hat es nie u. nimmer nach der natur gezeichnet..., wenn , nur teilweise...

der oberst der infanterie mit blauen hosen und husarenstiefel..?
aber trotzdem eine sehr aufschlussreiche serie....

Cuirassier
05.06.2007, 12:16
bei den engländern das gleiche...der helm vom kanonier sieht seltsam aus...auch andere details passen bei der engl kavallerie ebenfalls nicht.... obwohl nicht so gravierend...

Cuirassier
05.06.2007, 14:58
ps...der eng. sgt....hat auch 2 wings zu wenig...*)
hatten die 95th rifles dunkelgrüne offiziersmäntel?

Latour-Maubourg
05.06.2007, 18:17
2 Dinge die mir bei Russland auf die schnelle Aufgefallen sind:

1. Carabiniers der Garde? :confused: mit Messingkürassen? :confused:

2. Der Donkosak der Garde sollte doch eigentlich ein Schwarzmeerkosak sein, wegen der falschen Ärmel. aber die tafel ist eines der Highlights der Serie würde ich mal behaupten.

HKDW
05.06.2007, 20:51
Duplessi Bertaux ist ja sehr akribisch, die Sachen die er kennt, stellt er total korrekt da, wie z.b. die mittlere Gamaschennaht beim Fußteil der Gamschen, war so üblich bei den Franzosen, ansonsten scheint es ja auch verschiedene Varianten dieser Serie zu geben.

wufi
06.06.2007, 09:47
2 Dinge die mir bei Russland auf die schnelle Aufgefallen sind:

1. Carabiniers der Garde? :confused: mit Messingkürassen? :confused:


(Nur aus dem Bauch ohne nachzuschauen): Könnte das einer der Chevaliergarde sein? Die hatten doch glaub ich die rote Farbe.

HKDW
06.06.2007, 10:05
Messingkürasse - vielleicht auch als Beutekürasse, die Preußen benutzen das ja auch, vielleicht auch war dem Maler der Unterschied Preußen / Rußen nicht immer ganz klar, oder in der Erinnerung verschwommen.

aba
06.06.2007, 18:33
Also die Russen sehen für mich sehr authentisch aus. Mit den Engländern und Preußen habe ich mich nie so intensiv beschäftigt.

M.W. habe ich irgendwo gelesen, das Pskoff "später" also nach 1814, seine franz. Kürasse "an die Garde" abtreten mußte. Danach wäre ein Gardekürassieroffizier im franz. Carabinier Küraß (der weißmetallene Rand ist genau dargestellt) gar nicht so falsch für 1815.

Best Grüße

Alexander

Latour-Maubourg
06.06.2007, 21:30
die Pskow Kürassiere, vormals Dragoner, hatten erbeutete Cuirassier-Kürasse, also polierte, nicht die der Carabiniers mit Messingbeschichtung, jedenfalls soweit ich weiss.

hier ist eine Übersetzung aus dem russischen von Mark Conrad zum Thema der Kürasse: http://home.comcast.net/~markconrad/PskovCuir4-13.htm

aba
07.06.2007, 07:27
Die Mannschaften hatten bei Umwandlung der Einheit franz. Kürasse aus poliertem Eisen, die Offiziere aber aus Messing (Carabiniers).

Der von mir zitierte Hinweis findet sich - ohne weitere Quellenangabe - bei Olmes Tafel Nr. 32 Bearb. G. Schäfer

Die Tafeln haben eine gewisse Tendenz zur Karikatur, indem sie damals vorhandenen Besonderheiten wie die "Taubenbrüste" und schmalen Taillen der Offiziere hervorheben. Ein besonderes Detail ist auch die Tschapka des Ulanenoffiziers mit ihren "geschwungenen" Deckelrändern, ein Detail, das sonst vor allem bei J.A.Klein deutlich zu erkennen ist. Die russische Tschapka unterschied sich nämlich nicht unerheblich vom franz./polnischen Modell, die ein "dickeres" Mittelteil hatte.

Beste Grüße

Alexander

Henning
07.06.2007, 08:31
Die Quelle von Olmes, wie so oft bei der russischen Armee, könnte der Wiskowatow sein. In der englischen Übersetzung findet man den Hinweis, das besagtes Regiment mit vom Feind erbeuteten Kürassen aus Messing und Eisen ausgerüstet wurde. Siehe übrigens auch hier: http://www.napoleon-online.de/html/ru_1812kurasspskow.html
Die Übersetzung von Mark Conrad ist leider nur Teil drei einer Artikelserie, die für uns interessanteren Teile befinden sich in den Ausgaben 10 und 11 des Magazins "Zeughaus". Aus Nr. 11 stammt auch das angehängte Bild. Ein Offizier vom Regiment "Pskow", noch mit der Dragoneruniform und mit Carabinierkürass, datiert Frühling 1813.
Gruß Henning

joerg.scheibe
07.06.2007, 08:47
Nach dem Betrachten verdichtet sich der Eindruck, daß die Serie vor allem etwas über die Rezeption der unterschiedlichen Uniformen durch die (nur?) französische Öffentlichkeit aussagt.
Hinsichtlich der Details weist sie doch starke Abweichungen zu den sonstigen Quellen auf.
Problematisch scheint dem Künstler insbesondere auch die Darstellung der Kragenlitzen bei Preußen und Russen gewesen zu sein, die sich regelmäßig als weißer Streifen am vorderen Kragenrand wiederfinden.
Seine Figuren bemalen oder gar seine Montur nach schneidern kann man wahrscheinlich nicht :o

Gruß
Jörg

Nur der Ordnung halber:
Der von Henning angeführte Link führt auf einen Text von Parchäjew. Der hat zwar oft bei Wiskowatow abgemalt, die Tafel ist aber (glaube ich) keine Kopie der Wiskowatowschen.

aba
07.06.2007, 10:05
Der link zu Teil 11 ist hier

http://home.comcast.net/~juneblum/V11/V11.htm

und die s/w Tafeln gibt es hier

http://www.memorandum.ru/viskowatov/T11/pic/index.php

und mit den google sprachtools läßt sich der Text einfach ins Englische umwandeln.

Die Zeughaus Artikel sind sind z.T. sicher sehr interessant, nur müßte man es übersetzen :-)

Gunter
07.06.2007, 16:37
Cuirassier,
der britische Sgt. scheint ein Colour Sergeant sein zu sollen. Darauf deutet die Krone auf seinem Ärmel hin. Insofern ist das sogar schon ein Winkel zuviel.

Cuirassier
08.06.2007, 10:16
hmm...., der preuss. gernadier mit kochgeschirr...trägt ne mütze mit schirm?
war aber nicht üblich....nur ausserhalb des dienstes erlaubt, und die mützekokarde war doch erst 1842 offiziell?!?.....scheint mit ne mischung aus linie u landwehr zu sein....wahrscheinlich hat der gute mann flüchtige skizzen gemacht und die ausarbeitung in der heimischen stube...das würde die fehler erklären....das passiert selbst akribischen ”könnern„ wie franz krüger....da hatte sich der russ. hof einst über seine fehlerhafte uniformdarstellungen beschwert....