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Preußen: gut exerzierte Landwehr - schlecht exerzierte Linie ?

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  • Preußen: gut exerzierte Landwehr - schlecht exerzierte Linie ?

    Am 16. September 1816 schreibt in Königsberg Carl Paris, aggregierter Premier-Lieutenant, im 1. Bataillon des 1. Infanterie-Regiment (1.Ostpreußisches), herversetzt vom 15. Schlesischen Landwehr-Infanterie-Regiment (in Neisse) und eingetroffen den 11. September 1816, in sein Tagebuch:

    Zum Exerzieren vor Steindammer Thor, großer Platz. Bemerkung gemacht, dass alles sehr nachlaessig betrieben wird, die Leute [zeigten] viel [guten] Willen. [...] Anrede eines Offs, wir ziemlich lässig geantwortet.
    Da Paris' Vergleichsmaßstab nur sein bisheriges Regiment sein kann, schließe ich aus dieser Bemerkung, daß das 15. Schlesische Landwehr-Infanterie-Regiment weniger "nachlässig" exerzierte als das 1. Infanterie-Regiment (1.Ostpreußisches) ?


  • #2
    War das eine einmalige Beobachtung oder hat er das über einen längeren Zeitraum beobachtet ?

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    • #3
      Carl Paris ist leider meist sehr knapp in seinen Einträgen. Das hier beschriebene ist sein erster Eindruck kurz nach dem Eintreffen beim Regiment, als er es zum erstenmal exerzieren sieht. In der Folge geht er auf die "Nachlässigkeit" nicht mehr ein.

      Von Paraden vor höheren Vorgesetzen mehrere Monate später und in den folgenden Jahren berichtet er manchmal, daß diese Vorgesetzten "zufrieden", und manchmal, daß sie "nicht zufrieden" waren. Ich habe mir beim Lesen nicht die Mühe gemacht zu versuchen, hier eine Tendenz zu erkennen. Vielleicht gibt es eine, vielleicht auch nicht.

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      • #4
        Tja, aber warum eigentlich soll eine vielleicht gut motivierte und geführte Landwehrtruppe nicht besser exerziert haben als eine Linientruppe ? Hängt ja letztlich immer von den Vorgesetzten ab. Oder es war nur eine Momentaufnahme.

        Unter welchem Titel ist das Tagebuch denn eigentlich veröffentlicht ?

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        • #5
          Ja, warum nicht ? Auch innerhalb der Landwehr gab es bisweilen starke Unterschiede zwischen den Bataillonen. In einem gewissen Sinne war immer der jeweilige Kommandeur die "Seele" seines Bataillons.

          Ich fand die Stelle zitierenswert, weil die Ansicht weitverbreitet ist, daß die Linientruppen immer eine Klasse besser waren als die Landwehr.

          Auf der anderen Seite bedeutet "nachlässiges" Exerzieren nicht notwendigerweise, daß die Truppe im Manövrieren und im Feuergefecht schlechter als Carl Paris' alte Einheit gewesen sein muß. Die Handgriffe sahen wohl halt nur nicht so gut (exakt und gleichmäßig) aus wie im 15. Schlesischen Landwehr-Infanterie-Regiment.

          Zum Buch:

          http://www.napoleon-online.com/forum...ead.php?t=2124

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          • #6
            Ist es möglich, dass Paris sein neues Regiment nicht mit seinem alten Landwehrregiment vergleicht, sondern mit den Erfahrungen in seiner Dienstzeit bevor er zur Landwehr versetzt wurde?

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            • #7
              Es war über drei Jahre her, daß Carl Paris das Leib-Infanterie-Regiment verlassen hatte.

              Denkbar ist natürlich, daß er als Vergleichsmaßstab andere Linienregimenter nimmt, die er in der Zwischenzeit gesehen hat.

              Es wäre aber eine selten distanzierte Einstellung zu seinem Beruf, wenn er zwar genaue Vostellungen davon hat, wie "nicht nachlässiges" Exerzieren betrieben wird, diese Vorstellungen aber selber in seiner Zeit in der Landwehr (zuletzt als Kompanieführer) nicht verwirklicht hätte.

              Eindeutige Klarheit darüber, was genau er mit seiner Notiz meinte, werden wir aber leider wohl nie bekommen.

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