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Ab wann kämpft ein verwundeter Soldat nicht mehr weiter ?

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  • #46
    Im Laufe der Diskussion war die Frage aufgekommen, ob es üblich war, dass man sich beim Vorgesetzten abmeldet. Die Beispiele kamen aus dem preussischen Bereich.
    Aufgrund der Kriegesartikel 16 und 17, und der Darstellung derselben in dem Werk: Handbuch des preussischen Militairrechts von v. Rudloff, 1826, ergibt sich eben diese Verpflichtung und zudem die Notwendigkeit, die Schwere der Erkrankung ( Verletzung ) oder der gänzlichen Entkräftung vom Regiments- oder Bataillonschirurgen bestätigen zu lassen. Ansonsten lief der Soldat Gefahr wegen Wegschleichens aus der Schlacht oder dem Gefecht ( rechtlich: Feigheit vor dem Feinde ) bestraft zu werden. Die Bestrafung erscheint für das erstmalige Vergehen relativ gering: Arrest von 4 Tagen bis 6 Wochen und "verhältnismäßige" Züchtigung nach Versetzung in die 2. Klasse des Soldatenstandes. Bei Wiederholung drohte mehrjährige Festungsstrafe oder die Todesstrafe. Die Wiederholungsstrafe ergibt sich danach aus einer Verordnung vom 13. Juni 1815 und zeigt an, dass dieser Fall immerhin so häufig vorgekommen sein muss, dass er einer rechtlichen Regelung bedurfte.

    Klaus-Martin
    PS Nachtrag: In der Ursprungsausgabe der Kriegesartikel vom 31.08.1808 standen auf das Wegschleichen aus der Schlacht 2-3 Jahre Festungsstrafe.
    Zuletzt geändert von Klaus-Martin; 11.01.2013, 20:02. Grund: notwendige inhaltliche Ergänzung

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    • #47
      "Schade dass es für die Napoleonische Zeit kein so schönes Buch gibt als wie

      With Hard Tack and Coffee, da wird auf die verschiedensten Typen von Soldaten eingegangen im ACW."


      Da kann ich helfen. Für die napoleonische Zeit:
      Elzear Blaze: Military Life under Napoleon, Emperors Press

      Digital gibt es eine deutsche Ausgabe bei Google Books.
      Das Buch ist eine Fundgrube erster, weil zeitgenössisch, Qualität.
      Der Alltag wird meisterhaft beschrieben.
      Tu dir den Gefallen und Lies es, Hans-Karl. Du wirst begeistert sein.
      U.a. wird dort auch erklärt, was Savate ist


      Chasseur
      Zuletzt geändert von Chasseur; 12.01.2013, 11:54.

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      • #48
        Zitat von Chasseur Beitrag anzeigen
        "
        Da kann ich helfen. Für die napoleonische Zeit:
        Elzear Blaze: Military Life under Napoleon, Emperors Press

        Digital gibt es eine deutsche Ausgabe bei Google Books.
        Das Buch ist eine Fundgrube erster, weil zeitgenössisch, Qualität.
        Der Alltag wird meisterhaft beschrieben.
        Tu dir den Gefallen und Lies es, Hans-Karl. Du wirst begeistert sein.
        U.a. wird dort auch erklärt, was Savate ist Chasseur
        Die deutsche Ausgabe heißt "Der französische Soldat unter Napoleon".

        Band 1: http://books.google.de/books?id=JcA5...page&q&f=false

        Band 2: http://books.google.de/books?id=OMA5...page&q&f=false

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        • #49
          Nun kann man Tolstoi nicht als historische Quelle nenen, gleichwohl war er ein Kenner der Militärgeschichte.

          In seinem epochalen Werk " Krieg und Frieden " beschrieb er das Verhalten vieler russischer Soldaten in der Schlacht von Borodino was die Hilfe für Verwundete betraf, sinn gemäß so.

          " .... oft trugen drei Soldaten einen Verwundeten aus dem Feuer, wobei diese lauter schrien als der Blessierte selber und zwei von denen kamen nicht zurück....."

          Dessen eingedenk ließ Kutusow übrigens einige Tausend Milizen in Riegelstellungen liegen, die selbst Offiziere mit drastischen Maßnahmen zur Front zurück drängten.

          Nachzulesen übrigens bei Liven oder Zamoiski, was ich jetzt momentan nicht genau sagen kann.

          Über diese " Sperrabteilungen " hatte ich auch schon in 1980 in einer militärgeschichtlichen Vorlesung gehört.

          Die Russen blieben übrigens dieser Praxis insbesondere im WKII treu.
          Das nebenbei.
          Tu´ im Kriege das, was der Gegner für unmöglich hält.

          Alexander W. Suworow

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          • #50
            Zu Blaze - seine Memoiren kenne ich schon, immerhin auch sehr interessant dass er 1814 desertiert ist, aber man wird in vielen Memoiren fündig - zur Savate -z.b. Pelleporte Band 1, S. 47
            Interessant die "Savate" kommt ca. 1795 auf, und die Schläge unterschieden sich in

            du gras (mit dem Absatz des Schuhs)
            du maigre (mit der Sohle)

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            • #51
              Blaze ist eine gute Quelle für den Alltag.
              Gleichzeitig ist er, was sein eigenes Leben und seine Karriere betrifft, sehr Kreativ.
              Erstens verschweig er die Desertion, wie du bereits geschrieben hast, zweitens macht er sich zum Major, obwohl er als Capitaine ausschied und es keine Belege für eine Beförderung gibt.
              Bei Autobiographien muß man mit einem sehr tolerante Umgang mit der Realität rechnen.

              Chasseur

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              • #52
                Ja schon, man findet interessante Sachen aber manchmal trägt er schon dick auf - manches hat er wohl auch nur am Lagerfeuer gehört aber auch hier

                se non e verro, e molto ben trovato

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                • #53
                  Zitat von Suworow Beitrag anzeigen
                  Nun kann man Tolstoi nicht als historische Quelle nenen, gleichwohl war er ein Kenner der Militärgeschichte.

                  In seinem epochalen Werk " Krieg und Frieden " beschrieb er das Verhalten vieler russischer Soldaten in der Schlacht von Borodino was die Hilfe für Verwundete betraf, sinn gemäß so.

                  " .... oft trugen drei Soldaten einen Verwundeten aus dem Feuer, wobei diese lauter schrien als der Blessierte selber und zwei von denen kamen nicht zurück....."

                  Dessen eingedenk ließ Kutusow übrigens einige Tausend Milizen in Riegelstellungen liegen, die selbst Offiziere mit drastischen Maßnahmen zur Front zurück drängten.

                  Nachzulesen übrigens bei Liven oder Zamoiski, was ich jetzt momentan nicht genau sagen kann.

                  Über diese " Sperrabteilungen " hatte ich auch schon in 1980 in einer militärgeschichtlichen Vorlesung gehört.

                  Die Russen blieben übrigens dieser Praxis insbesondere im WKII treu.
                  Das nebenbei.
                  Im WWII war das der NKWD und Offiziere bis hoch zum Generalsrang wurden, wenn sie entgegen dem Befehl Stalins, zurückwichen, standrechtlich erschossen. Nach den anfänglichen Niederlagen wurde viele Offiziere wegen angeblicher Feigheit hingerichtet. 1812 war man humaner. Das ist also nur bedingt vergleichbar, denn unter Stalin wären sowohl Barclay de Tolly als auch Kutusow wahrscheinlich erschossen worden.

                  Dieter

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