Ankündigung

Einklappen
Keine Ankündigung bisher.

In Pyrmont kurende französische Militärangehörige

Einklappen
X
 
  • Filter
  • Zeit
  • Anzeigen
Alles löschen
neue Beiträge

  • In Pyrmont kurende französische Militärangehörige

    Für eine Arbeit habe ich die Pyrmonter Kurlisten der Jahrgänge 1800-1815 ausgewertet. Pyrmont war damals noch ein Bad ersten Ranges und zumindest für Norddeutschland als Kommunikationszentrum ähnlich bedeutend wie etwa Karlsbad im Süden und Südosten, wenn es auch nie mit Bath oder Spa konkurrieren konnte und im 19. Jahrhundert zunehmend seinen Glanz zugunsten eines breiteren Publikums verlor. Pro Saison strömten grob zwischen Tausend (etwa in den Kriegsjahren 1807 und 1813) und Zweitausend Kurgäste (1806 und 1814 als Spitzen), namentlich genannt in den Kurlisten, in das Bad. Der Einzugsbereich konzentrierte sich grob auf den norddeutschen Raum, von Dänemark bis Frankfurt und von den Niederlanden bis ins Baltikum, wobei natürlich besonders das heutige Niedersachsen und Westfalen samt der Hansestädte Hauptherkunftsorte sind. Die Zahl der eindeutig als Franzosen oder französische Militärangehörige zu klassifiziernden Gäste ist zu Zeiten der französischen Okkupation weiter Teile Norddeutschlands allerdings überschaubar. Bei einigen, den rot markierten, ist die Zugehörigkeit zum französischen Militär nicht eindeutig. Vielleicht sind die genannten Personen ja von Interesse oder durch Zufall auch weiteres über sie bekannt, auch wenn eine Zuordnung der spärlichen Informationen zu genauen Personen häufig wohl aussichtslos ist. Die Zahlen dienen nur zur Nummerierung innerhalb der Listen.

    1803:
    1013 Herr Lochet, Obrist in franz. Diensten
    1804:
    528 Hr. Obristlieutn. v. Schenk, in Franz. Dst.
    1044 Herr Regimentsquartiermeister Rangon, aus Hameln
    1045 Herr Hauptmann Rougou, aus Hameln
    1427 Lieutnant von Longe, aus Cleve
    1433 Obrist de la Motte, in Franz. Diensten
    1805
    488 Herr Blonditta, Capit. In etrurisch. Dst.
    910 Herr Gancey, Escadrons-Commandant der franz. Husaren
    1807
    17 HerrRittmeister von Fechenbach aus Mainz
    917 Herr Chirurg. Major Beggers aus Hameln
    1079 Herr Jozef Lipski (Polnischer General)
    1808
    120 Obristlieutenant Lemoyne, erster Adjutant des Kaiserl. Französ. Generals Herr Graf Bouruer
    205 Obrist Dupuy, in K. Franz. Dstn.
    435 Herr Major du Roy (aus Braunschweig?)
    468 Herr Brigadier Wawrzecki, aus Polen (wohl Joseph Wawrzecki)
    607 Herr Kuid, Directeur des equipages, aus Hannover (Militär oder ziviler Beamter?)
    627 Herr Bourdin, kaiserlich franz Offizier
    1115 Herr Oberst Baron du Mas
    1119 Herr Kriegscommissair Mainebeau, aus Celle
    1164 Herr de Moncanbrie, Kaiserl. Franz. Marine-Commandant
    1809
    38 Herr Sermeter, Directeur des Hospitals, aus Hameln
    1049 Herr Chabost, Aide de Camp des Prinzen von Ponte Corvo (Bernadotte)
    1066 Herr Camps, Generalintendant des Prinzen von Ponte Corvo
    1084 Herr Cayrol, Kriegscommissair
    1228 Herr Guaiter, Kuirass. Offic. a. Strasburg
    1811
    544 General le Clerc, aus Hannover (wohl Louis Nicolas Marin Leclerc des Essarts)
    982 Cpt Masquere, aus Hannover
    1298 General Pigne de Rumecy, aus Calais
    1360 Capitain d Averge, aus Osnabrück
    1401ff General intendant Chambon a Hamburg, (Claude-Gauderique-Joseph-Jérôme Chambon (1757-1833), Militärindentand unter Davout), Nachfolgende Honot und Calriout eventuell auch zur französischen Verwaltung gehörend
    1812
    375 Oberst von Reitzenstein, aus Walsrode
    481 Herr Pugnaire, inspecteur de subsistances militaires aus Cassel
    523 Graf von Ansenburg, k.k. französischer Husarenoffizier
    1813
    188 Oberstleutnant Longe de Beauveset
    245 Herr Supereceur, Lt. der kaiserl. Douaniers, a. dem Ems Departement
    520 Herr de Lagree, Chef der Gendarmerie, aus Hannover (wohl eher westphälisch oder gab es in Westphalen neben französischen Douaniers auch eine französische Gendarmerie?)

  • #2
    Hallo Moritz,

    vielen Dank, für Deine Arbeit zu Vergleichszwecken vllt. interessant: Ganz ähnliche Informationen (Gästeliste) gibt es zu Bad Landeck 1813, das allerdings damals von russischen, preußischen, englischen usw. Offizieren und Zivilisten bevölkert wurde. Siehe die in Bibliotheken verfügbare Monographie "Die Landecker Bilderhandschrift aus dem Jahr 1813" ( https://books.google.de/books?id=kySpgMtM8pMC ).

    Zu Schen(c)k - ist evtl. dieser Autor / Offizier:
    Schenck, C. Chr. L. Mittheilungen aus dem Leben des französischen Oberstlieutenants Carl Christian Ludewig Schenck : Enthaltend die Geschichte seiner Gefangennahme in der Schlacht bei Borodino in Rußland am 7ten September 1812, seines Transports an die Grenze von Asien, so wie seines Aufenthalts und seiner Behandlung daselbst als Kriegsgefangener in den Jahren 1813 und 1814. Celle : G. C. F. Schulzesche Buchhandlung, 1829 ( https://books.google.de/books?id=Zy3UAAAAMAAJ )

    General Pigne de Rumecy: Möglicherweise Gen. Picquet, seit Sept. 1810 Brigadegeneral und "disponibel" (Six, Généraux, II, 310f), erst 1813 wieder aktiv (längere Rekonvaleszenz nach Verwundung/Krankheit in Portugal??).

    Gruß, Tom

    Kommentar


    • #3
      Hallo Moritz,

      was für eine interessante Liste!

      Hier noch ein paar Infos zu den aufgeführten Kurgästen

      Lemoyne, Hilaire (1771-1852), wurde am 20.06.1800 zum Adjudanten des Generals Bourcier ernannt, als dieser Generalsinspekteur der Kavallerie bei der Rheinarmee war. Im Feldzug von 1805 übernahm Bourcier das Kommando über die 14. Dragoner-Division und Lemoyne wurde zuerst bei Ulm durch einen Schuss in die linke Schulter und bei Austerlitz durch einen Kartätschsplitter in die rechten Seite verwundet. Vielleicht deshalb der Kuraufenthalt in Pyrmont? 1808 endete seine Zeit als Adjudant Bourciers als er zum Major befördert wurde.1809 führte er ein Kommando in Tirol bevor er im August 1809 zum Colonel der 14. Chasseurs à cheval ernannt wurde. Er diente in der Folgezeit in Italien, Spanien und Deutschland. Er ging 1822 in den Ruhestand.

      Bei der Nummer 1049 handelt es sich möglicherweise um einen Schreibfehler in der Liste. Einen Adjudanten Bernadottes mit diesem Namen gibt es nicht. Aber Chef d'escadron Palasne de Champeaux, Francois (1775-1822) könnte der Kurgast sein. Er war von 1807-1810 Adjudant Bernadottes.Er diente 1810 noch für ein paar Monate als Chef d'escadrons bei den 15. Chasseurs à cheval bevor er im April 1811 aus dem Dienst schied (gesundheitliche Probleme?).

      Kommentar


      • #4
        Bei der Nummer 1013 handelt es sich aller Wahrscheinlichkeit nach um Colonel Lochet, Pierre-Charles (1767-1807). 1803 war er der Kommandeur des 94.Linien-Infanterie-Regiments, das zu den französischen Truppen gehörte, die das Kurfürstentum Hannover besetzt hatten. Im August 1803 wurde er zum Brigadegeneral befördert und wurde Brigadekommandeur in der Division des Generals Friant, die wiederum Bestandteil des III. Armeekorps unter Marschall Davout war. Lochet nahm an den Schlachten von Austerlitz und Auerstedt teil und fiel durch Kopfschuss am 08.02.1807 in der Schlacht bei Preußisch-Eylau.

        Kommentar


        • #5
          Bei der Nummer 205 handelt es sich möglicherweise um Colonel Dupuy de Saint-Florent, Francois-Victor (1773-1838). Zum Zeitpunkt des Kuraufenthalts in Pyrmont war er Officier à la suite des Großen Generalstabs, bevor er im Oktober 1808 zum Generalstab des IV. Armeekorps der Spanienarmee kommandiert wurde. Auch er wird möglicherweise gesundheitliche Probleme aufgrund vorangegangener Verwundungen gehabt haben. Allein 14 Wunden am 15.10.1805 vor Ulm, eine schwere Prellung in der Schlacht bei Jena am 14.10.1806 und schließlich nochmals durch Artilleriesplitter am 08.02.1807 bei Preußisch-Eylau verwundet. Am 21.01.1814 wurde er noch zum Brigadegeneral befördert.

          Kommentar


          • #6
            Zitat von Tom Beitrag anzeigen
            Hallo Moritz,

            vielen Dank, für Deine Arbeit zu Vergleichszwecken vllt. interessant: Ganz ähnliche Informationen (Gästeliste) gibt es zu Bad Landeck 1813, das allerdings damals von russischen, preußischen, englischen usw. Offizieren und Zivilisten bevölkert wurde. Siehe die in Bibliotheken verfügbare Monographie "Die Landecker Bilderhandschrift aus dem Jahr 1813" ( https://books.google.de/books?id=kySpgMtM8pMC ).

            Zu Schen(c)k - ist evtl. dieser Autor / Offizier:
            Schenck, C. Chr. L. Mittheilungen aus dem Leben des französischen Oberstlieutenants Carl Christian Ludewig Schenck : Enthaltend die Geschichte seiner Gefangennahme in der Schlacht bei Borodino in Rußland am 7ten September 1812, seines Transports an die Grenze von Asien, so wie seines Aufenthalts und seiner Behandlung daselbst als Kriegsgefangener in den Jahren 1813 und 1814. Celle : G. C. F. Schulzesche Buchhandlung, 1829 ( https://books.google.de/books?id=Zy3UAAAAMAAJ )

            General Pigne de Rumecy: Möglicherweise Gen. Picquet, seit Sept. 1810 Brigadegeneral und "disponibel" (Six, Généraux, II, 310f), erst 1813 wieder aktiv (längere Rekonvaleszenz nach Verwundung/Krankheit in Portugal??).

            Gruß, Tom
            Vielen Dank für den Hinweis auf Bad Landeck, Tom! Da werfe ich gerne mal einen Blick ins Glatzer Gebirgsland. Auf die Franzosen folgten in Pyrmont 1814 dann übrigens auch Scharen an preußischen und russischen Offizieren (samt Blücher, Tauentzien und Bennigsen). Vielleicht werde ich dazu auch noch eine Namensliste erstellen, wenn es meine Zeit erlaubt. Besten Dank auch für die Hinweise zu den möglichen Gästen
            Das gilt natürlich auch ganz besonders für die Beiträge von Aide de Camp! Ich bin wirklich begeistert, was sich da noch für konkrete Informationen zu den teils doch kryptischen Einträgen finden, zumal Schreibfehler in den Listen wirklich alltäglich sind. Herzlichen Dank! Zum Adjutanten Bernadottes finde ich noch interessant, dass er im Sommer in Pyrmont kurte, während Bernadotte ja wohl nicht mehr in Hamburg saß, sondern in Österreich oder Walcheren eingesetzt war (die genauen Daten zum Abgleich, sowohl von Bernadottes Einsätzen als auch der Kurdauer Champeaux',habe ich gerade nicht im Kopf). Vielleicht war er ja tatsächlich wegen gesundheitlicher Probleme freigestellt

            Kommentar


            • #7
              Der Vollständigkeit halber soll hier noch ein Eintrag ergänzt werden, den ich wohl überlesen habe. Dabei handelt es sich wohl um Etienne Michaux, der als Commissaire Ordonnateur en chef in Hannover tätig war und sich wohl durch eine nicht ganz uneigennützigen Amtsführung auszeichnete

              1805
              481 General Ordonateur michaud, aus Hannover

              Kommentar

              Lädt...
              X