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Truppenzusammenstellung

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  • Truppenzusammenstellung

    War es in der französischen Armee üblich, Regimenter nach der Region ihrer Aushebung zusammenzustellen? Im Klartext: Kamen Soldaten, die im Rheinland ausgehoben wurden, in die selben Kompanien/ Regimenter und bleiben dort? Ich weiß aus dem amerikanischen Bürgerkrieg, dass man darauf streng geachtet hat und dass z.B. Regimenter, die hohe Verluste erlitten hatten, nicht etwa auf andere aufgeteilt wurden, sondern u.U. als "Thorso" erhalten blieben. War das in der napoleonischen Armee auch so?
    Colet

  • #2
    Truppenzusammenstellung

    Einige Infos, die ich am Wochenende gefunden habe.

    Zunächst ist festzustellen, dass seit der Revolution oft umstrukturiert wurde. Das erschwerte sicher die Auffüllung der Regimenter.

    Das Dekret vom 31.07.1806 legte fest, dass jedes Infanterieregiment Offiziere und Unteroffiziere für die Rekrutierung abordnet. Das Dekret schreibt die Organisation und das Personal fest:
    • 1 Capitain für das Department,
    • 1 Lieutenant oder Sous-lieutenant für das Arrondissement,
    • 1 Sergent für 4 Kantone und
    • 1 Caporal für 2 Kantone.
    Die Dienstorte legte der Capitain im Einvernehmen mit dem Präfekten des Departements fest. Je 1 Regiment stellte das Personal für je 1 Departement. Wenn das Regiment in Frankreich stand, zählte das Personal zur Mannschaftsstärke, sonst nicht. Inwieweit die rekrutierten Soldaten bei ihrem Regiment zur Auffüllung ankamen, kann ich nicht sagen.

    Mit dem Dekret vom 18.02.1808 wurde das Depotsystem geschaffen. Das heißt, jedes Infanterieregiment hatte unter der Oberaufsicht des Majors 1 Depot-Bataillon, bestehend aus 4 Füsilier-Kompanien.

    Zum Depot kamen Kranke und Verwundete des Regiments. Gleichzeitig wurden, neben anderen Aufgaben, Rekruten ausgebildet. Von den Depot-Bataillonen wurden Marscheinheiten zur Feldarmee entsandt. Nach den vorliegenden Ordre de batailles sind sie aber wohl nicht immer bei den Stammregimentern angekommen, sondern wurden je nach Lage ( besonders 1813/1814 ) einfach in Brigaden eingegliedert.

    Den größten Teil der Informationen habe ich dem Tradition-Magazine Hors Série Nr. 19 "Die napoleonische Infanterie 1791-1815" entnommen.

    Viele Grüße

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    • #3
      Hier eine Übersicht über die empfohlene Verteilung der Rekruten des Jahres
      1806, vom 21. Mai:

      http://www.napoleon-series.org/resea...nscripts7.html

      Die Aufteilung erfolgt hier noch nicht nach regionaler Zugehörigkeit, zum Beispiel erhält das 56e de ligne Rekruten aus den Departements Ardennes und Allier.

      Vielleicht war die räumliche Nähe des aktuellen Standorts des Regiments zu den jeweiligen rekrutenliefernden Departements ein Faktor, der die Zuteilung beeinflußte - ich weiß es nicht.

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      • #4
        Vielen Dank für die Infos! Man kann also schon davon ausgehen, dass Soldaten, die im Rheinland ausgehoben wurden z.B. in ein Regiment in Köln kamen (jemand war in diesem Forum schon so nett, die Stationierungen mal aufzulisten).
        Der Link zu napoleon-series hat sich auch schon als sehr nützlich erwiesen, wenn man einzelne Leute mal über Jahre nachverfolgen will (in diesem Fall Gen. Friant).
        Grüße
        Colet

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        • #5
          Kann man eigentlich nicht so annehmen, ich kenn auch Memoiren, wo die Rekruten hunderte von Kilometer - natürlich zu Fuß - unterwegs waren - um zu ihrem Depot zu stossen.

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          • #6
            Ich hab mal irgendwo gelesen - weiß aber nicht mehr wo, und auch nicht, ob es stimmt - daß im späten Kaiserreich Rekruten oft absichtlich in ein Depot weitab von ihrem Heimatdepartement geschickt wurden, um ihnen eine eventuelle Desertion zu erschweren.

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            • #7
              Es wurde auch regelmäßig geändert, ein Regiment x hat ein paar Jahre Rekruten aus bestimmten Departements erhalten, und dann wurde es geändert, und er bekam sie aus anderen Departements.

              Diese Liste aus dem englischen Forum gibt auch das Datum an: 1806. !812 zum Beispiel war diese Liste nur noch teilweise gültig.

              Schöne Grüße
              Pierre-Yves

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              • #8
                Die Rekruten wurden nach Bedarf an andere Einheiten abgegeben auch an andere Waffengattungen. Dazu kam noch, dass die Depots auch verlegt wurden. Eine landmannschaftliche Kontinuität war so nur bedingt vorhanden. Sie ergab sich wohl nur, wenn zu einem Zeitpunkt eine Menge Leute aus derselben Region rekrutiert wurden, was sich aber mit der Zeit wieder verflüchtigte.

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                • #9
                  Dann drängt sich mr als nächstes die Sprachfrage auf: In den neuen Departements wurde den Leuten ja keinesfalls das Französisch aufgedrängt, sodass die wenigsten sprachsicher gewesen sein durften, wenn sie rekrutiert wurden. Klar, dass aber die Dienstsprache Französisch war - oder? - und vor allem, wenn sich die Truppen später durchmischten, mussten die sich ja auf das Französisch einigen!? Blieben die Leute dem Learing-by-doing überlassen oder gab es am Ende Nachhilfe?
                  Colet

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                  • #10
                    Colet,
                    die Sprache interessierte nicht. Im Zweifelsfall machten die Leute einfach das nach, was alle taten. Irgendwie ging das schon. Sprachkurse gabs da nicht extra.

                    Viele Grüße,

                    Gunter

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                    • #11
                      Zitat von Gunter Beitrag anzeigen
                      Colet,
                      die Sprache interessierte nicht. Im Zweifelsfall machten die Leute einfach das nach, was alle taten. Irgendwie ging das schon. Sprachkurse gabs da nicht extra.
                      Das Muster funktioniert heute noch in der Schweizer Armee
                      Je l'ay emprins

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                      • #12
                        In meinem aktuellen Recherche-Buch finde ich die Aussage:
                        "Wegen der schlechten Erfahrungen, die rheinische Freiwillige in den französischen Einheiten gemacht hatten, stimmte das Direktorium im Dezember 1799 der Gründung der " Nordfrankenlegion" von etwa 6000 Mann zu." Leider gibt der Autor keine Quelle an: Was kann er mit "schlechten Erfahrungen" meinen? Und weiß jemand mehr über die Nordfrankenlegion? (Sie existierte wohl nur bis 1801)
                        Colet

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                        • #13
                          Die Légion des Francs du Nord wurde per Dekret vom 22 fructidor an 7 gegründet, zusammen mit der Légion italique und der Légion polonaise.

                          Mehr weiß ich aber auch nicht über sie.

                          Kommentar


                          • #14
                            Mach Dir mal keine Sorgen, ein bischen Französisch erlernten sie schnell, mit der Zeit auch den Rest.

                            Wie wufi schon schreibt.: " Das Muster funktioniert heute noch in der Schweizer Armee "

                            Grüsse vom Voltigeur

                            Kommentar


                            • #15
                              nicht nur ein Problem der "Beutefranzosen"

                              wer unter
                              www.napoleon-series.org sich über 18./19. century life (oder so ähnlich) durchhangelt zu dem Artikel

                              A Simple Matter of Speaking French

                              wird auf einen Text stoßen, dessen zentrale Aussage auch ist, daß die Revolutions- und Empire-Kriege nicht nur Ausländer mit der Problematik der französischen Kommandosprache konfrontierten.

                              Viel Spaß
                              Jörg
                              The light at the end of the tunnel
                              is from an oncoming train.

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