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Schützen bei sächsischen Grenadieren?

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  • #16
    Auch wenn seit der Anfrage des verehrten Corporal bereits einige Zeit vergangen, so will ich doch meine nunmehrigen Erkenntnisse zum Besten geben. Auch wenn ich als lebender Beweis der Sarazin’schen These, dass es dem hier Lebenden besonders an der Fähigkeit des verstehenden Lesens gebricht, gelten kann, so will ich es lieber auf die im Urlaub gehabte Zeit zur Beschäftigung mit diesem Thema schieben.

    Das „Exerzirreglement für die Churfürstlich Sächsische Infanterie vom Jahre 1804“ regelt die Übungen und Manöver für die Kompanien, Batillone und Regimenter. Im 5ten Abschnitt § 15 wird u.a. die Stellung der Schützen geregelt, deren Zahl mit 1 Uffz. und 10 Schützen angegeben wird. Weitere Ausführungen werden nicht gemacht und müssen auch nicht gemacht werden, da der im gleichen Jahr erschienene „Unterricht für die Scharfschützen bey der Churfürstlich Sächsischen Infanterie“ alles weitere regelt. Beide Instruktionen setzen Musketier-und Grenadier-Kompanien gleich.
    Die 1810 herausgegebenen „Berichtigung und Zusätze des Exerzirreglements für die Infanterie vom Jahre 1804“ geben zum genannten § 15 des 5ten Abschnitts nur Änderungen hinsichtlich der Unteroffiziere und Tambours, d.h. die Stellung der Schützen bleibt die gleiche. Gleichfalls 1810 wird das „Reglement für die Königlich Sächsische leichte Infanterie zu den Uebungen außer der geschlossenen Ordnung“ in Kraft gesetzt. Da – wie der Name besagt – hierbei nur auf das zerstreute Gefecht eingegangen wird, gilt auch für die leichte Infanterie das Reglement von 1804 in der Version von 1810. Dies bedeutet, dass im Grunde ein leichtes Regiment nicht anders aufgebaut war, als ein Linienregiment zu 2 Musketierbataillons ohne Grenadiere. Zwangsläufig haben also auch die leichten Regimenter besondere (Scharf-)Schützen gehabt, wie dies u.a. der § 30 des letztgenannten Reglements auch bestätigt: „ Einzelne Rotten aus den Zügen sollen nie zum Debandiren vorgeschickt werden, weil hierdurch der Zusammenhang des Ganzen gestört wird. Die vorhandenen Schützen machen den Gebrauch der einzelnen Rotten zum Debandiren ganz unnöthig.“

    Fazit: Jede Kompanie – egal ob Musketiere, Grenadiere oder später die Leichte - hatte spätestens seit 1804 (Ausnahme Leib-Grenadier-Garde) ihre eigenen Schützen.
    Wenn der Feind in Schußweite ist, bist Du es auch. Vergiss dabei nie, dass Deine Waffe vom billigsten Anbieter stammt.

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    • #17
      Dank für die Aktualisierung. Wurden die Schützen irgendwie speziell ausgebildet oder wo war sonst der Unterschied zu den übrigen Soldaten? Faszinierend finde ich den Befund, dass die Sachsen ihre Schützen schon so lange zwischen den Schließenden platzierten. Das letzte Mal war das noch um 1861 der Fall.

      Grüße

      Gunter

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      • #18
        Für interessante Informationen ist es nie zu spät ...
        Danke für die Aktualisierung - ich habe meinem Grenadierbataillon also zu Recht Schützen beigegeben (im Herbst gibt es vielleicht Bilder vom fertigen Produkt).

        Apropos, Jörg, kommst Du nach Eggmühl?

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        • #19
          Gunter,
          den Instruktionstitel „Unterricht für die Scharfschützen bey der Churfürstl. Sächs. Infanterie“ hielt ich bzgl. Deiner Ausbildungsfrage für selbsterklärend.
          Bei 1861 kann ich nicht mitreden, bei mir hört es Ende 1813 auf. Vermutlich standen die Schützen seit 1793 in der Linie der Schließenden. Wo sollen die sonst auch hin?

          Michael,
          nein, Eggmühl wird dieses Jahr leider bei mir nix.
          Auf die Bilder bin ich gespannt.
          Wenn der Feind in Schußweite ist, bist Du es auch. Vergiss dabei nie, dass Deine Waffe vom billigsten Anbieter stammt.

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          • #20
            Alles klar, natürlich.
            Falls es jemanden interessiert, hier mal die entsprechende Passage aus meinem Buch dazu:
            "Um 1853 war die sächsische Infanterie noch weitgehend mit glattrohrigen Musketen ausgerüstet. Zunächst wurden 18 Mann jeder Kompanie mit gezogenen, so genannten Dorngewehren des Modells Thouvenin aus Lütticher Produktion ausgerüstet. Die so ausgestatteten Leute wurden in die Linie der Schließenden gestellt, so dass die Infanterie in Linienformation praktisch eine vier Glieder tiefe Aufstellung einnahm. Diese ungewöhnliche Praxis konnte nur als eine Zwischenlösung gelten, die später wieder abgeschafft wurde. Bei der im Zusammenhang mit dem Krieg in Italien 1859 erfolgten Mobilmachung begann man mit der Anschaffung von 5.000 weiteren Dorngewehren, zunächst nur für Unteroffiziere und die als Plänkler vorgesehenen Leute des dritten Gliedes."

            Ich muss mich daher etwas berichtigen, diese Platzierung der Schützen galt nur bis 1859. Ob das vor 1853 lückenlos auch schon so war oder ob man an die hier diskutierten älteren Vorbilder anknüpfte, wird daraus nicht ersichtlich.
            Ein muss ich anmerken: es ist nicht zwingend, dass spezielle Schützen zwischen den Schließenden stehen, die können auch unter die sonstigen geschlossenen Glieder gemischt werden, s.o. Die Aufstellung im "vierten Glied" ist natürlich praktischer, weil dadurch beim Abstellen der Schützen keine Unordnung in der geschlossenen Truppe entsteht. Leider konnte ich bisher noch nicht herausfinden, wie das in nichtsächsischen Armeen der napoleonischen Zeit gehandhabt wurde, die auch eine ähnliche Einrichtung hatten. Es wäre man interessant zu wissen, wie das bei den preußischen Schützen um 1806 und zeitgleich bei den russischen Jägern gehandhabt wurde, denn die hatten sogar spezielle gezogene Waffen.

            Grüße

            Gunter

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