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Napoleonische Gardes d'honneur

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  • #16
    Der Befehl, daß die Ehrengarden fortan der Kaisergarde zuzurechnen seien, stammt vom 29, Juli 1813:

    https://books.google.de/books?id=nxQ...q=incertitudes

    Kommentar


    • #17
      Émile Marco de Saint-Hilaire

      Nun ja, Marco de Saint-Hilaire schreibt: "...Deux jours après (le 29) un second ordre les réunit à la Garde impériale..."

      Und im zitierten Befehl heisst es:"..., les gardes d'honneur feront désormais partie de ma Garde,..."

      Das kann man so auslegen, dass die Ehrengarden offiziell Teil der Garde wurden, man kann es aber auch als informelle Angliederung an die Garde interpretieren. Ich weiss nicht, was zutrifft. Ist mir auch wurscht.

      Interessant jedenfalls, was bei Saint-Hilaire sonst noch steht:

      "Nous transcrirons textuellement cet ordre encore manuscript, pour bien établir le rang que tinrent les gardes d'honneur dans l'armée et fixer les incertitudes de beaucoup de monde à cet égard, et plus particulièrement celles d'un grand nombre d'officiers de la vieille armée."


      Dass offenbar viele Offiziere der ehemals kaiserlichen Armee eine - zumindest offizielle - Eingliederung der Ehrengarden in die Garde anzweifelten, ist ja doch bemerkenswert. De Saint-Hilaire hält deren Zweifel einen angeblichen Befehl Napoleons entgegen, der aber offenbar nur in handschriftlicher Form existiert hat (haben soll). Eine genaue Herkunftsangabe bzw. einen Hinweis darauf, welche amtliche(?) Stelle das Papier aufbewahrt bzw. wo er es gefunden hat (haben will), fehlt auch. Oder hab ich da was übersehen?


      Tja, und da kommt dann wieder einmal die Frage nach der Zuverlässigkeit de Saint-Hilaires auf, der meines Wissens schon zu seiner Zeit als Schwätzer und Aufschneider galt, der gerne Fakten mit Fiction vermischte und auch mal das eine oder andere in seinem Sinne zurechtbog oder gar neu erfand. Zumindest für seine Angaben betreffend die "Märsche und Fanfaren der Kaisergarde" kann ich das bestätigen. Da werden fröhlich gut bezeugte authentische Stücke mit solchen vermengt, für deren Existenz es überhaupt keine zeitgenössische Quellen gibt. Die in seiner von 1847 datierten "Histoire..." aufgeführten Notationen sind typischerweise allesamt keine Originalpartituren, sondern von einem Alex. Soria (whoever he may be) "arrangiert" (und - so sieht's leider aus - exakt diese "Arrangements" sind dann von den Humbahumbatätärä-Bands des 20. Jahrhunderts für "moderne" Blasmusik "zurückarrangiert" worden. Da kann man sich ja denken, was dabei rauskommt...).

      De Saint-Hilaire geht zum Teil recht subtil vor. Z.B. führt er Stücke an, deren Namen zwar in zeitgenössischen Quellen auftauchen, für die aber das zeitgenössische Notenmaterial gar nicht überliefert ist.

      Das gilt z.B. für die "Regimentsmärsche" "La Grenadière", "La Carabinière", "Le Branle-bas des Marins de la Garde".

      Oder er verwendet Hinweise in der Art, dass die Einheit X in der Schlacht Y zu einem Marsch Z vorgegangen sei, so, dass er daraus einen ganz neuen Marsch kreiert. Beispiel: "Marche de la Garde consulaire à Marengo". Es fängt schon mal damit an, dass das ein Angriffsmarsch sein soll, bei ihm kommt der aber als langsamer Marsch im Viervierteltakt daher. Das ist schon deshalb unglaubwürdig, weil Tempo und Zweck des Marsches inkompatibel sind. Wie gesagt, keine zeitgenössische Melodie erkennbar. Das Ganze wird oft etwas "aufgepeppt", indem bekannte zeitgenössische Melodien in schnellerem Tempo als Trio eingefügt werden (jedenfalls von den "Traditionalisten" der Garde Républicaine u.a. so gehandhabt), im vorliegenden Fall jene Melodie, die bei Marengo vermutlich (und bei Austerlitz sicher, begleitet vom schnellen Trommelsignal "La Charge") tatsächlich gespielt wurde, nämlich "On va leur percer le flanc". Der Rest ist frei erfunden bzw. es wird dem angeblichen Komponisten Guiardel (ein kurzzeitig tatsächlich existierender Chef de musique der Konsulargarde) untergejubelt, er habe die ersten drei Takte der "Marche de la Garde consulaire à Marengo" dem Requiem von Jean Gilles (welches von 1700 datiert!) entnommen, was beweise, wie gebildet der betreffende chef de musique gewesen sei (so O-Ton eines Musée de l'Armée-Schreiberlings in einem "Spezialheft" des Museums über die Militärmusik). Na,"gebildet" dürften da vor allem die gewesen sein, die nachträglich aus dem einfachen "On va leur percer le flanc" einen (übrigens äusserst langweiligen) "Marche de la Garde consulaire à Marengo" konstruiert haben. Und wieder: Ein Marsch aus einem Requiem (Trauermarsch!) als Angriffsmarsch der Konsulargarde bei Marengo... Da hat scheinbar alles Denken ausgesetzt.

      Ein weiteres Beispiel für so einen Fake- Marsch ist "La Marche des bonnets à poil". Wieder ein langsamer Langweiler-Marsch, dem man als Trio "La Victoire est à nous" beigegeben hat. So wirkt doch alles viiieeel authentischer...

      Oder: "La Marche de la Vieille Garde à Waterloo", der auf Melodien aus Spontinis "Fernand Cortez" basieren soll. Mit Verlaub, ich bin zufällig mit den Melodien dieser Oper vertraut und auch wenn ich als Nichtmusiker nicht das absolute Gehör habe, kann ich mit Bestimmtheit sagen, dass ich da keinen Spontini höre (anders als etwa bei einer Reihe von Märschen, die in der Königlich Preussischen Armee-Marsch-Sammlung enthalten sind, und bei denen zurecht darauf hingewiesen wird, dass sie auf einschlägigen Melodien aus Spontinis Oper beruhen). Ich zweifle, wohlgemerkt, keinen Moment daran, dass bei Waterloo ein Marsch oder Märsche basierend auf Spontinis Melodien gespielt wurde(n), aber so, wie bei de Saint-Hilaire präsentiert, hat er/haben sie mit Sicherheit nicht geklungen.

      Die Liste liesse sich noch verlängern.


      Ein weiterer unsauberer Trick de Saint-Hilaires besteht darin, berühmte Komponisten als angebliche Komponisten bestimmter Märsche anzuführen. Beispiel: "La Marche des Pupilles de la Garde". Komponist sei Cherubini, der Marsch sei 1811 während eines Aufenthalts Cherubinis bei der Königin von Holland, Hortense de Beauharnais, entstanden. Tatsache ist, kein seriöses Verzeichnis der Werke Cherubinis, einschliesslich des von ihm selbst angefertigten, kennt einen "Marche des Pupilles de la Garde". Weiter ist nicht bekannt, dass Cherubini jemals die Königin von Holland getroffen hätte, die übrigens 1811 nicht mehr Königin war.

      Hier übrigens ein Link zu einem interessanten Artikel von Francis Pieters zu den tatsächlich von Cherubini komponierten Märschen und auch zu seinen Aufenthaltsorten während des Kaiserreichs...(http://www.igeb.net/pdf/MBlatt/MBlatt2013-2.pdf, S.32-37; sehr interessant die beigefügten Abbildungen: diverse Partituren von Märschen und eine von Cherubini selber angefertigte Darstellung der Janitscharen-Kapelle [des Fürsten?] von Chimay, deren Zusammensetzung im wesentlichen genau der einer durchschnittlichen Regimentskapelle jener Zeit entspricht).

      Ich frage mich, wann endlich auch in Frankreich seriöse Musikhistoriker ans Werk gehen, um dem von Garde Républicaine und Anverwandten, in der Folge leider auch von sonst sehr gut informierten Historikern, fröhlich weiter verbreiteten Traditionalisten-Humbug (der seinerseits, so scheint es, seinen Ursprung in der "Quelle" Marco de Saint-Hilaire hat) das längst verdiente Ende zu bereiten...



      Der Nicht-Historiker, sondern Schriftsteller und Feuilletonist Marco de Saint-Hilaire: Für mich ganz allgemein eine dubiose Figur, die ich nicht wirklich als zuverlässige Quelle zu akzeptieren vermag und die meiner Meinung nach sehr viel - zu viel - Schaden angerichtet hat in der Forschung, bis in die heutige Zeit.
      Zuletzt geändert von Tellensohn; 29.11.2015, 17:29.

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      • #18
        Der Befehl, daß die Ehrengarden fortan der Kaisergarde zuzurechnen seien, stammt vom 29, Juli 1813:
        Hier wird sich ja auf einen Befehl Napoleons berufen, der müßte in der Correspondance de Napoléon Band 25 zu finden sein

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        • #19
          Im Artikel von Croyet findet sich ein Hinweis auf ein möglicherweise von Saint-Hilaire unabhängiges Dokument zum angeblichen Befehl vom 29. Juli 1813. Von wann es datiert (zeitgenössisch oder später kompiliert? Im letzteren Fall: vor oder nach Saint-Hilaire/1847?) und was da genau drin steht, weiss ich leider nicht. Vielleicht hat ja jemand Lust, nachzuforschen. S.57, Anm.229: S.H.A.T. Xab 55 - wobei diese Signatur in der Bibliographie zum Artikel, S.75, seltsamerweise nicht aufgeführt wird. Dort findet sich lediglich: Service Historique de l'Armée de Terre XAB 53-XAB 54 (?).
          Zuletzt geändert von Tellensohn; 30.11.2015, 15:07.

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          • #20
            Zitat von HKDW Beitrag anzeigen
            Hier wird sich ja auf einen Befehl Napoleons berufen, der müßte in der Correspondance de Napoléon Band 25 zu finden sein
            Wenn ich das richtig sehe, findet sich da nichts. Die Einträge zum 29. Juli 1813 finden sich auf S.601-604. Die Gardekavallerie und Lobau werden im Eintrag 20316. (S.602f.) erwähnt. Nichts zu den Ehrengarden.

            http://gallica.bnf.fr/ark:/12148/bpt...f612.item.zoom

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            • #21
              Aus meiner Sicht gibt es eine Quelle, die eindeutig klärt ob eine Einheit direkt zur Garde gehörte oder ihr nur zugeteilt war: den Alamanach Imperial. Dummerweise ist der von 1813 offenbar schon vor der Errichtung der Ehrengardenregimenter herausgekommen und später gab es keinen mehr. Zweifel an der Zugehörigkeit zur Garde sind allein schon deshalb berechtigt, weil gleichzeitig auch Kavallerie der Jungen Garde bestand, die bei den Regimentern der Alten Garde aufgestellt wurden. Früher hatte es bei diesen, genau wie bei der Infanterie, Veliten gegeben, die ebenfalls eine ähnliche Funktion wie die späteren Ehrengardenregimenter erfüllten, wenn gleich in geringerer Zahl. Das wurde aber wieder aufgegeben. Warum also nicht einfach das alte Konzept erneuern und stattdessen eine neue Truppenklasse schaffen? Ging es nicht doch nur um Kanonenfutter zum Verheizen, wobei nun endlich auch mal die Söhne der Privilegierten in größerem Maßstab mitbluten sollten?

              Grüße

              Gunter

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              • #22
                Im Napoleon-series Forum hat Dominque Timmermanns auf eine Quelle hingewiesen, die Frage endgültig zu klären scheint:

                http://www.napoleon-series.org/cgi-b...read;id=171244
                Zuletzt geändert von Sans-Souci; 01.12.2015, 20:18. Grund: bereits geposteten Link entfernt

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                • #23
                  Uniformkundlicher Artikel aus Uniformes Nr. 47, 1979

                  Da ich gerade meine alten Zeitschriften digitalisiere hier nun ein wunderbarer Artikel von Christian Blondieau über die vier Regimenter Ehrengarden der Kaiserlichen Garde - mit vier sehr schönen Tafeln von Lucien Rousselot.

                  Ich denke, sie liefern einen schönen Eindruck der Uniformierung dieser vier Regimenter.

                  Schöne Grüße
                  Markus Stein
                  Angehängte Dateien
                  "Wenn wir geboren werden, weinen wir, weil wir diese große Narrenbühne betreten" (King Lear) ... jedem also sein ganz persönliches (Hof-) Narrenleben

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