Administrative Aufgaben der Divisions-militaires

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  • Aide de Camp
    Erfahrener Benutzer
    Sergent
    • 14.12.2020
    • 167

    Administrative Aufgaben der Divisions-militaires

    Hallo zusammen,
    vielleicht kann mir jemand weiterhelfen...? Ich versuche gerade, die Organisation und die administrativen wie militärischen Aufgaben der Befehlshaber in den französischen Divisions-militaires genauer zu verstehen.

    Hier das, was ich bisher recherchieren konnte:
    Am Ende des Kaiserreiches gab es 32 dieser Divisions-militaires. Sie umfassten in der Regel drei bis vier Départements. Als Befehlshaber wurde ein Divisionsgeneral berufen, dem als Stabschef oftmals ein Adjudant commandant beigestellt wurde.

    Die Divisions-militaires waren wiederum in 2 - 4 Subdivisions aufgeteilt, in denen ein Brigadegeneral Befehlshaber war.
    Innerhalb dieser Verwaltungsbereiche wurden die Militärischen Plätze und ihre kommandierenden Offiziere verzeichnet. Diese Plätze waren von 1-4 kategorisiert, je nach ihrer militärischen Widerstandskraft im Belagerungsfall. Ebenso waren die Militärposten aufgeführt, die eigene Truppenbewegungen unterstützen oder Bewegungen des Feindes verlangsamen könnten, aber nicht für eine Belagerung ausgestattet waren, sowie die Präfekturen, die insbesondere von logistischem Wert waren und Verbindungsstellen zu den militärischen Behörden darstellten.

    Ich nehme an, dass der Kommandeur der jeweiligen Division-militaire den reibungslosen Verwaltungsablauf in diesen Einrichtungen zu garantieren und die materielle Ausstattung zu kontrollieren hatte...?

    Des weiteren lagen in den Divisions-militaires auch noch die Dépôts der einzelnen Infanterie-, Kavallerie- oder Artillerie-Regimenter verteilt. Waren diese Dépôts dem Befehlshaber der Division-militaire unterstellt?

    Eine weitere Aufgabe der Befehlshaber ist die Sicherstellung des Nachschubs an Pferden gewesen.

    Inwieweit waren die Divisions-militaires auch in die Konskriptionen eingebunden?

    Gibt es online verfügbar die jeweiligen Dekrete, die die Aufgaben der Divisions-militäires genauer erläutern oder Dienspostenbeschreibungen für die Kommandeure enthalten?

    Ich würde mich über jede Ergänzung oder Anregung sehr freuen

    Beste Grüße
    Immo



  • Sans-Souci
    Erfahrener Benutzer
    Major
    • 01.10.2006
    • 1882

    #2
    Laut Bardins Dictionnaire de l'Armée de Terre wären die divisions militaires im Jahre 1776 eingeführt worden:

    https://books.google.de/books?id=mvJ...sec=frontcover

    Es gibt noch ein loi du 10 juillet 1791 und ein décret du 9 décembre 1811, die neuere Bestimmungen über die divisions militaires oder divisions territoriales enthalten.

    Kommentar

    • Tom
      Erfahrener Benutzer
      Chef de Bataillon
      • 03.10.2006
      • 1079

      #3
      Tulard, L'armée napolonienne, S. 426, verweist unter "Divisions militaires" neben der o.g. Ordonnanz vom 1. März 1768 noch auf ein Dekret vom 25. Dezember 1811, in dem für Friedenszeiten Organisation und "Service" der Stäbe (die offensichtlich den Befehlshabern der Militär-Divisionen unterstanden) in den Festungen festgelegt wurden.

      Kommentar

      • admin
        Administrator
        Colonel
        • 30.09.2006
        • 2700

        #4
        Wie Tom schon schreibt, gibt Alain Pigeard (nicht Tulard ) auf Seite 426, dass bis 1811 insgesamt 32 Divisions militaires im französischen Kaiserreich existierten, an deren Spitze an Général de division stand, der täglich (!) dem Kriegsminister über die Vorgänge innerhalb der von ihm geführten Militärdivision Bericht erstattete. Jede Division militaire umfasste zwei oder mehrere Départements, die Militäradministration jedes Département wurde von einem Général de brigade geführt, der wiederum dem Divisionsgeneral der Militärdivision unterstand. Im Département des Hauptortes einer Division Militaire übernahm der Divisionsgeneral auch die Aufgaben des "Département-Generals".

        Über die Verwaltung der befestigten Plätze wird von Pigeard das Dekret vom 25.12.1811 erwähnt, welches ein früheres königliches Dekret vom 1.3.1768 bestätigt. Schaut man nun unter "État-major des places" im Pigeard auf Seite 429 wird dieses Dekret zitiert, das ich im Folgenden im Original wiedergebe:

        Art. 1er. L'état-major des places fait partie de l'état-major des divisions territoriales militaires, et forme une section de l'état-major général de l'armée.

        2. Il y aura dans chaque place de guerre un état-major permanent et ordinaire, composé d'un commandant d'armes, et du nombre d'officiers et employés nécessaire au service et au détail de la place.
        l'état-major permanent et ordinaries des places est composé de manière suivante [hinten ist der vorgegebene Dienstgrad angegeben]:
        Un commandant d'armes 1re classe Général de brigade
        Un commandant d'armes 2e Classe Colonel
        Un commandant d'armes 3e Classe Major
        Un commandant d'armes 4e Classe Chef de bataillon
        Un adjutant de place 1re Classe Major
        Un adjutant de place 2e Classe Chef de bataillon
        Un adjutant de place 3e Classe Capitaine
        Un adjutant de place 4e Classe Lieutenant
        Secrétaires-Archivistes 1re classe Capitaine
        Secrétaires-Archivistes 2e classe Lieutenant
        Secrétaires-Archivistes 3e classe Sous-Lieutenant
        Secrétaires-Archivistes 4e classe Adjutant
        Portiers-Consignes 1re Classe Sergent-major
        Portiers-Consignes 2e Classe Sergent
        Portiers-Consignes 3e Classe Caporal-fourrier
        Portiers-Consignes 4e Classe Caporal
        Die "places de guerres" kannten drei Status, nämlich Frieden, Krieg oder Belagerung.

        In jedem "place de guerre", also auch Zitadelle, Fort, Schloss oder besonders ausgewiesene Posten, wurde ein commandant d'armes eingesetzt. Diese Kommandeure entsprachen einer der o.a. erwähnten Klasse und waren daher mindestens vom Range eines Stabsoffiziers. Ihnen wurden einer oder mehrere Adjutants de place, ein secrétaire de place sowie portiers-consigne unterstellt. Die secrétaires waren mit dem Führen der Befehlsbücher betraut.

        Die Konskription fiel nicht unter die Aufgabe der Militärdivisionen, sondern war gemäß Konskriptionsgesetz Aufgabe der lokalen Administrationen.

        Schöne Grüße
        Markus Stein
        "Wenn wir geboren werden, weinen wir, weil wir diese große Narrenbühne betreten" (King Lear) ... jedem also sein ganz persönliches (Hof-) Narrenleben

        Kommentar

        • Sans-Souci
          Erfahrener Benutzer
          Major
          • 01.10.2006
          • 1882

          #5
          Die Ordonnanz vom 1. März 1768 findet sich hier abgedruckt, samt einer deutschen Übersetzung:



          Und hier noch was von 1800:



          Zuletzt geändert von Sans-Souci; 18.12.2021, 14:32.

          Kommentar

          • Aide de Camp
            Erfahrener Benutzer
            Sergent
            • 14.12.2020
            • 167

            #6
            Ganz herzlichen Dank euch dreien für die interessanten Links und die wertvollen Informationen!

            Ich denke, dass ich die Aufgaben und die Offiziersstellen, die den Militärdivisionen zugewiesen worden sind, jetzt wesentlich besser verstehe.

            Ich konnte inzwischen noch ein bisschen dazu recherchieren...Insbesondere die im nord-östlichen und östlichen Grenzgebiet sowie an den Küsten zu England gelegenen Militärdivisionen hatten wohl zu Beginn ihrer Einrichtung vor allem Nachrichten über Truppenbewegungen jenseits der Grenze zu berichten oder den Schiffsverkehr auf den Meeren zu beobachten. Anscheinend änderte sich die Art und Vielfalt der Berichterstattung unter Napoleon in den Jahren des Kaiserreichs nocheinmal grundlegend. Die Militärdivisionen mussten nicht nur tägliche Berichte an den Kriegminister senden, der seinerseits diese Berichte zu wöchentlichen Situationsberichten umformte, die dem Kaiser dann vorgelegt wurden, sondern sie scheinen mit zunehmenden Fortschreiten des Empire auch das Instrument gewesen zu sein, mit dem die öffentliche Stimmung in den Départements eingeschätzt wurde. Das galt natürlich vornehmlich für unruhige Gebiete wie die Vendée, war aber allumfassend und betraf nicht nur die ab 1811 hinzugekommenen "ausländischen" Départements. Insofern scheint auch durchaus eine Verbindung zur Konskription vorgelegen zu haben. Die Durchführung oblag zwar den zivilen Stellen, die Stimmung in der Bevölkerung wurde aber durch die Befehlshaber regelmäßig an den Kriegsminister gemeldet. Interessant ist in dieser Hinsicht, dass auch Napoleon sich hier der typischen Herrschaftsmethode in Überwachungssystemen bediente, indem er neben den militärischen Kommandostellen noch ein ziviles Gegenstück, nämlich die Präfekturen, einführte, deren Kompetenzen sich wohl des öfteren mit denen der Generäle überschnittten haben, ganz gemäß dem Grundsatz "divide et impera"...

            Kommentar

            • Tom
              Erfahrener Benutzer
              Chef de Bataillon
              • 03.10.2006
              • 1079

              #7
              Hallo Aide de Camp,
              vielleicht noch zur Ergänzung: Ich nehme an, dass die Militärdivisionen auch für die Durchführung bzw. Sicherung der Konskription verantwortlich waren? Dazu gehörten ja auch z.B. militärische "Jagdkommandos" (Gendarmen u.ä.), die die flüchtigen Konskribierten - teilweise Banden von Hunderten Flüchtigen - verfolgten. Auch typisch für Diktaturen: Mehrere Wege zur Überwachung der Stimmung der Bevölkerung, das wichtigste Mittel stellte natürlich die Geheimpolizei dar (in der späteren Phase des Kaiserreichs unter Savary).
              Gruß, Tom

              Kommentar

              • Aide de Camp
                Erfahrener Benutzer
                Sergent
                • 14.12.2020
                • 167

                #8
                Hallo Tom,
                die Konskription ist ein schönes Beispiel dafür, wie sich die Kompetenzen der zivilen und militärischen Behörden überschneiden und sowohl die Präfekten in den Departements als auch die befehlshabenden Generäle in den Militärdivisionen über die Befugnisse ihrer Aufgaben absichtlich im Unklaren gelassen werden. Die Aushebung und Registrierung war eine Aufgabe der Departements, die der Prafekt zu organisieren hatte, aber wenn die Konskribierten erfasst waren, wurden sie von den Capitaines de recrutement übernommen, die sie dann zu den Depots der Regimenter brachten. Ab hier unterlag die weitere Durchführung der Konskription dann eher der Zuständigkeit der Militärdivisionen. Das wäre schon sehr interessant, zu wissen, wer sich eigentlich vornehmlich um die diejenigen jungen Männer zu kümmern hatte, die enttweder vor der verwaltungstechnischen Erfassung getürmt waren oder jene, die später desertierten...? Zumindest scheinen die Generäle sehr regelmäßig Stimmungsberichte zur Konskription an den Kriegsminister geschrieben haben, während die Präfekten das gleiche taten, ihre Berichte aber überwiegend an den Innenminister schickten. Am Ende lief dann eh alles bei Napoleon zusammen, der somit sowohl aus ziviler wie auch militärischer Perspektive über die öffentliche Meinung in den Departements bestens unterrichtet war.

                Michel Roucuad hat einen interessanten Aufsatz zur Überwachungspraxis in den Departements durch die Militärdivisionen geschrieben... https://www.cairn.info/revue-napoleo...-3-page-62.htm

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                • Blesson
                  Erfahrener Benutzer
                  Adjudant
                  • 03.10.2006
                  • 778

                  #9
                  Zitat von admin Beitrag anzeigen
                  Wie Tom schon schreibt, gibt Alain Pigeard (nicht Tulard ) auf Seite 426, dass bis 1811 insgesamt 32 Divisions militaires im französischen Kaiserreich existierten, an deren Spitze an Général de division stand, der täglich (!) dem Kriegsminister über die Vorgänge innerhalb der von ihm geführten Militärdivision Bericht erstattete. Jede Division militaire umfasste zwei oder mehrere Départements, die Militäradministration jedes Département wurde von einem Général de brigade geführt, der wiederum dem Divisionsgeneral der Militärdivision unterstand. Im Département des Hauptortes einer Division Militaire übernahm der Divisionsgeneral auch die Aufgaben des "Département-Generals".

                  Über die Verwaltung der befestigten Plätze wird von Pigeard das Dekret vom 25.12.1811 erwähnt, welches ein früheres königliches Dekret vom 1.3.1768 bestätigt. Schaut man nun unter "État-major des places" im Pigeard auf Seite 429 wird dieses Dekret zitiert, das ich im Folgenden im Original wiedergebe:



                  Die "places de guerres" kannten drei Status, nämlich Frieden, Krieg oder Belagerung.

                  In jedem "place de guerre", also auch Zitadelle, Fort, Schloss oder besonders ausgewiesene Posten, wurde ein commandant d'armes eingesetzt. Diese Kommandeure entsprachen einer der o.a. erwähnten Klasse und waren daher mindestens vom Range eines Stabsoffiziers. Ihnen wurden einer oder mehrere Adjutants de place, ein secrétaire de place sowie portiers-consigne unterstellt. Die secrétaires waren mit dem Führen der Befehlsbücher betraut.

                  Die Konskription fiel nicht unter die Aufgabe der Militärdivisionen, sondern war gemäß Konskriptionsgesetz Aufgabe der lokalen Administrationen.

                  Schöne Grüße
                  Markus Stein
                  Zu ergänzen ist hier, dass die commandants d'armes in Friedenszeiten auch die Kommandanten der Festung waren, dass aber im Kriegsfall, d.h. in der Regel bei der Armierung oder Erklärung des Belagerungszustandes, ein weiterer ranghöherer Offizier als gouverneur bzw. Kommandant vom Kriegsministerium ernannt wurde. Siehe z.b. DG Bizanet in Bergen-op-Zoom 1813-14.

                  Der commandants d'armes trat dann sozusagen ins 2. Glied und hatte dann Aufgaben, die in etwa mit dem deutschen Major vom Platz vergleichbar waren. Siehe z.B. DG Louis Charbonnier, Géneral Commandant d’armes de la place in Maastricht 1813-14.

                  Die Planstellen für die commandans d'armes wurden meist mit älterern, verdienten Offizieren besetzt, die nicht mehr feldtauglich waren. Bei vielen belagerten Plätzen der 3. und ganz besonders der 4. Klasse blieb der commandant d'armes weiter in Funktion des Kommandanten.
                  Zuletzt geändert von Blesson; 28.12.2021, 12:29.
                  Do, ut des

                  http://www.ingenieurgeograph.de

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