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preußische Mantelrolle mit Regendeckel

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  • preußische Mantelrolle mit Regendeckel

    Peter Bunde hat mich auf eine interessante Frage gestoßen.

    Der "typische" preußische Infanterist der Befreiungskriege, wie er auf zahlreichen Abbildungen und Gemälden auftaucht, trägt seinen Mantel zur Wurst zusammengerollt über die linke Schulter. Direkt über der Schulter hat er diese Mantelrolle noch einmal zusammengebunden, damit sie nicht aufgeht, und häufig sie an dieser Stelle vorher noch mit den Regendeckel seiner Muskete oder etwas ähnlichem umgewicklt. Auf dem Knötelbild unten ist das auch zu sehen (der etwas dunklere "Abschnitt" der Mantelrolle).

    Kennt jemand zeitgenössiche Abbildunegn oder Erwähnungen dieser Praxis, die Mantelrolle mit dem Regendeckel zu verstärken ?

    Ich kenne keinen einzigen Beleg dafür, würde mich aber über Erweiterung meines Wissenhorizonts freuen !




  • #2
    Mich würde auch echt die gezeigte Trageweise interessieren, gerollt - über den Tornister, das muss ja ein megalanger Mantel gewesen sein, ich frag mich immer sowieso wie die Mantelrollen auch bei den Rußen - immer so schön weiter heruntergehen, Eigenversuche lassen das gute Teil ja schon eher oben an der Hüfte enden.

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    • #3
      Der preußische und russische Mantel waren unten am Saum sehr weit geschnitten, um Gegensatz zu den französischen Capote.

      Der preußische und russische Mantel wurde dann nicht entlang der Vertikalachse gerollt, sondern quer, vom Kragen angefangen, so daß die Länge der fertigen Mantelrolle dem Umfang des Mantelsaums entsprach. Deswegen sieht man an den Enden der Rolle auch den Stoff vom Kragen nicht.

      Die im Vergleich dazu viel engeren französischen Mäntel kann man auf diese Art und Weise nicht rollen.

      In meinem Warrior hab ich auf Seite 28 zwei Bilder drin, die Re-Enactors vom Leib-Infanterie-Regiment beim Mantelrollen zeigen, nach einer Anleitung aus den 1830er Jahren. Leider muckt zur Zeit mein Scanner.
      Zuletzt geändert von Sans-Souci; 20.11.2006, 14:38.

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      • #4
        Die früheste Anweisung zum Wickeln, die ich kenne, findet sich bei G. v. Griesheim, Der Compagnie-Dienst. 2. Auflage, Berlin 1838, S. 184 f.

        Hier wird "das feldmäßige Wickeln" nach der "Probe v. 1826" beschrieben (Probe = Musterstück). Der Mantel wird ausgebreitet, oben und unten eingeschlagen, und dann von oben nach unten gerollt.

        Der Regendeckel taucht hier nicht auf, der fertig gewickelte Mantel ist in der Mitte etwa 5 Zoll, an den Enden etwa 2 Zoll "breit" und soll dem gepäcklosen Mann umgehängt bis an die rechte Handwurzel reichen.

        Solche späteren Beschreibungen lassen sich natürlich immer nur unter Vorbehalt auf frühere Zeiten zurückprojizieren.

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        • #5
          Quer kann ich mir das noch viel weniger vorstellen, die Länge der Rolle muß ja wohl 2 Meter betragen.

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          • #6
            1,50 Meter müßte es jedenfalls mindestens sein, auch bei kleinen Menschen, aber das bedeutet nur, daß der Mantel untenso weit geschnitten ist, daß er einen Umfang von 1,50 Meter hat.

            Die preußischen Mäntel waren wie die russischen hinten auf den Rücken extrem stark gefaltet.

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            • #7
              HDKW,

              Du mußt es nicht glauben, aber wir rollen den Mantel so und tragen ihn.
              Natürlich reicht er dann nicht bis an die Handwurzel (mit Gepäck), aber etwa so wie bei Knötel abgebildet klappt es schon.

              Gruß
              Jörg

              P.S. Die Rollerei dauert (auf dem Boden) etwa drei Minuten.
              The light at the end of the tunnel
              is from an oncoming train.

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              • #8
                Jörg

                Das Thema interessiert mich schon sehr, und da ihr ja den Mantel so tragt muss es wohl klappen, das muss ich mir bei Gelegenheit genauer ansehen, aber wird er dann über den Tornister getragen - oder darunter?

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                • #9
                  "Probe von 1826" heißt doch eigentlich nach russischem Vorbild, oder? Bei Wolf und Jügel werden die Mäntel alle auf dem Tornister gerollt oder nach russischer Art getragen, d. h. unter dem Tornister. Von Regendeckeln ist da keine Spur zu sehen. Die Abbildungen von Thümen, zum 1. Garderegiment z. F. zeigen auch keine solchen Deckel, sind natürlich auch nicht zeitgenössisch.

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                  • #10
                    @ Hans-Karl,

                    kommste mal vorbei und ich rolle für Dich
                    Wir tragen ihn über dem Tornister (noch aber ohne Kochgeschirr). Wenn der Riemen, der die Wurst unten bündelt aber zu lasch sitzt, geht sie schon gern mal auf.
                    Der Mantel ergibt eine ziemlich dicke Rolle. Bei dem einzigen Versuch, den Tornister darüber zu tragen (Parade-Befehl von 1814), kam mir das eher unvorteilhaft vor.

                    Wenn es mit dem französischen Capote so schwierig ist, wie machen es dan die Offiziers, die man auf Abbildungen immer mal mit Mantelrolle sieht?

                    Gruß
                    Jörg
                    The light at the end of the tunnel
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                    • #11
                      Wenn man den Tornister über dem Mantel trägt, muß dieser statt zu einer runden Wurst zu einer Art breitem Band zusammengelegt werden, wie man es auf den Bildern von Wolf & Jügel sieht. Willibald Alexis schildert irgendwo die Probleme bei dieser Art des Zusammenrollens, und daß es dem Mateial sehr schadete.

                      Die französischen Offiziere trugen natürlich nicht das Mannschaftsbekleidungsstück "Capote", sondern eigene Mäntel, die dann auch weiter geschnitten sein konnten, wie die preußischen und russischen Infanterie-Mäntel.

                      Aber gibt es denn zeitgenössische Abbildungen von französischen Offizieren mit Mantelrolle ?

                      Die "Probe von 1826" ist wahrscheinlich eine vom preußischen Kriegsministerium herumgeschickt genaue Instruktion zum Zusammenlegen des Mantels, zur Vereinheitlichung innerhalb der ganzen Armee. Im Griesheim füllt diese Anleitung eine halbe Druckseite, ich habe sie nur zusammengefaßt wiedergegeben.
                      Zuletzt geändert von Sans-Souci; 21.11.2006, 09:52.

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                      • #12
                        das problem der heutige mäntel im hobby ist ein altbekanntes...
                        sie sind viel zuuuu dick, da der stoff mechanisch aufgerauht ist..
                        der preuss. mantel war seinerzeit ein dünner tuchlappen, innen bis zum leib
                        mit alten mantelstoff gefüttert... ein dünner mantel lässt sich leicht rollen...
                        im dem neuen buch , die deutsche kavallerie 1871-1914 ist ein solcher mantel
                        sehr schön abgebb.

                        anbei eine abb. um 1900 , pariser weltausstellung...die figurinen sind ein mix aus original und -centenaranfertigungen...

                        ps...der musketier erhält laut rippentrop einen regendeckel und einen! pfannendeckel...regendeckel also nur für mantel?
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                        • #13
                          Pfanndeckel und Regendeckel sind zwei verschiedene Dinge mit unterschiedlichen Funktionen.

                          Der Pfanndeckel ist eine Art ledernes Futteral, das - trotz seines Namens - über die Batterie gestülpt wird, als Sicherungsmaßnahme gegen ein unerwünschtes Losgehen des Hahns - schlägt der Hahn mit Feuerstein nach vorne, gibt es wenigstens keine Funken.

                          Der Regendeckel, ebenfalls von Leder, wird um das gesamte Schloß gewickelt und dient zum Schutz gegen Staub, Feuchtigkeit etc., zum Beispiel auf Märschen oder im Biwak.

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                          • #14
                            dann gab es ja noch die ..lederne mausefalle...zum schiessen bei regen..,
                            kenne aber keine abb. dazu...
                            Ein Soldat kann seinen Kopf verlieren, aber niemals einen Knopf!

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                            • #15
                              Salve
                              Danke für das Bild, es sagt ja einiges aus, die Rolle endet eigentlich schon oberhalb der Hüft, mich wundert nur, dass sie nicht beim Patronentaschenöffnen behindert.

                              Zur Mausefalle, das war ja ursprünglich ein Gestänge und endete später in diesen rein ledernen Batteriefutteral, in einem der alten Circulaires habe ich die Mausefalle abgebildet.

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