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    Hallo zusammen,
    Soldaten konnten bei bestimmten Vergehen zu öffentlichen Arbeiten (travaux public) verurteilt werde - so geregelt im „Arrêté concernant les Dépôts de Conscrits déclarés réfractaires, la composition et la compétence des Conseils de guerre spéciaux, la procédure devant ces Conseils et les peines contre la Désertion” vom 19 vendémiaire an XII (12.10.1803) . Bei den zur Zwangsarbeit Verurteilten heißt es lediglich, dass sie eine Bekleidung nach Art der Militärkleidung sein sollte, von der Farbe her auffällig, aber nicht mit einer Uniform zu verwechseln. Aber nirgendwo findet sich eine Beschreibung dieser "Arbeitskleidung".
    Weiß jemand im Forum mehr?
    Vielen Dank vorab

    Peter

  • #2
    Charmy: Soldat condamné au boulet

    Hallo Peter,

    vielleicht hilft die Tafel in Charmys Infanterie-Band, S. 158: "Soldat condamné au boulet" weiter? Die "Uniform" wirkt eher wie ein Arbeitsanzug eines Bauern, scheint aber geregelt gewesen zu sein...

    Viele Grüße, Tom

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    • #3
      Hallo Tom,
      danke für die schnelle Antwort. Die Abbildung aus Chamy kenne ich zwar nicht, weiß aber, dass die zur Kugel Verurteilten definintiv keine einer Uniform ähnliche Bekleidung haben sollten. In der nach- und vornapoleonischen Zeit trugen die Jungs eine Art grau-braunem Bauernkittel mit dunklelrotem Kapuzenkragen und weißem Hemd, dazu Holzschuhe und phrygische Mütze, ich denke, das ist das was Du meinst. Auch in der Bartracht mussten sich die "Kugler" von den "Zwangsarbeitern" unterscheiden. Insgesamt ein hochkomplexes Thema.
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      • #4
        Ein Circulaire du Directeur de l'Administration de l Guerre, vom 5 Pluviôse an 12 schreibt (die kleinen Montierungsstücke habe ich weggelassen):

        L'habillement des condamnés aux travaux publics consiste dans les effets suivans: une veste longue à manches, une culotte et un bonnet de grosse étoffe de laine gris-de-fer tirant sur le noir;

        Le collet de la veste d'une grosse étoffe de laine noire; le tout doublé d'une toile forte; [...]

        Une paire de gros souliers à semelle garnie de clous, et en hiver, un capot de la même étoffe, et de la même couleur que la veste; [...]

        L'habillement des condamnés au boulet sera composé ainsi qu'il suit:

        Un gilet long à manches, une culotte et un bonnet de grosse étoffe de laine brune;

        Le tout doublé d'une toile forte; le gilet et la culotte attachés avec de grosses agraffes au lieu de boutons; et le bonnet portant en chiffres blancs le n°. des condamnés; [...]

        Une paire de sabots;

        Et en hiver, un capot de la même étoffe de laine brune; [...]
        Interessanterweise haben die sabots eine Haltedauer von nur zwei Monaten ! Hat jemand eine Erklärung hierfür ? Ich dachte immer, sabots wäre Holzschuhe ?

        Quelle: Mémorial d'officier de l'Infanterie. Ist irgendwo bei Google Books zu finden.

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        • #5
          Das von Peter erwähnte Arrêté concernant les Dépôts de Conscrits déclarés réfractaires, la composition et la compétence des Conseils de guerre spéciaux, la procédure devant ces Conseils et les peines contre la Désertion vom 19. Vendémiaire an XIIfindet sich unter anderem hier:

          http://www.histoire-empire.org/docs/...12_10_1803.htm

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          • #6
            Hallo Sans-Souci,
            schön, wieder alte Bekannte zu treffen.
            Auch herzlichen Dank für die Angaben, die waren mir bislang fremd.

            Der von Dir angegebene Link scheint nicht ganz vollständig zu sein, zumindest habe ich den Teil zur Bekleidung nicht gefunden.

            Das Gesetz schreibt (für die zur Arbeit Verurteilten):
            "Ihre Kleider können etwas von den Soldaten=Formen beybehalten, allein sie sollen von den für die Armee bestimmten Farben und von denen verschieden seyn welche die zur Kugel verurtheilten haben: sie tragen Schuhe.
            Sie dürfen ihren Bart weder abschneiden noch rasiren, sie behalten ihre Schnurrbärte; ihre Haare sollen alle acht Tage rasirt werden."

            Für die zur Kugel Verurteilten:
            "Sie sollen eine besondere Kleidung tragen, wovon die Form und die Farben gänzlich von der Form und den für die Armee bestimmten Farben verschieden seyn; sie tragen nur Holz=Schuhe.
            Sie dürfen ihren Bart weder abschneiden noch rasiren; ihre Haare und ihre Schnurrbärte sollen alle acht Tage rasirt werden.
            ...
            Der Kriegs=Minister soll ... den Stoff, die Form und die Farbe ihrer Kleidungen ... bestimmen."
            Zitiert nach "Recueil de Lois, Décrets et Avis du Conseil d'Etat" in der Ausgabe für die deutschen Departements (daher auch die deutsche Übersetzung), Bd. 15.
            http://gallica.bnf.fr/ark:/12148/bpt...%27Etat.langFR

            Viele Grüße
            Peter

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            • #7
              Das von mir zitierte Circulaire diente sicherlich dazu, die Fragen, die im Arrêté offen gelassen worden waren, zu klären. Es gibt auch noch Details zu der Form der Kettenkugeln.

              Da es keine Gesetzeskraft hatte, sondern lediglich eine Erläuterung zur Ausführung des Gesetzes darstellte, taucht das Circulaire natürlich auch nicht im Bulletin des Lois auf.

              Ob es auch noch spätere Bestimmungen zur Bekleidung der Verurteilten gab, weiß ich nicht.

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              • #8
                Hallo Sans-souci,
                Dei Tipp war wirklich Gold wert. Ich habe das Manuel auch, wäre aber nie auf die Idee gekommen, dort nachzuschauen.
                Nochmals vielen Dank
                Peter

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                • #9
                  Hallo,
                  das Bild ist etwas Vornapoleonisch. Den dazu gehörigen Artikel habe ich leider nicht, kann also auch nicht sagen, ob der für Euch interessante Zeitraum angeschnitten wird.
                  Grüße
                  Henning
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                  Wenn man merkt, dass man auf einem toten Pferd sitzt, sollte man absteigen!

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                  • #10
                    Hallo Henning,
                    klasse, vielen Dank.
                    Das Bild zeigt, dass sich einiges geändert hat, einiges gleich geblieben ist. So ist der Gürtel, an dem die Kette befestigt ist, auch in späterer Zeit gleich. Außerdem trugen die Gefangenen vor und nach Napoleons Zeit eine Nummer an der Mütze (wahrscheinlich auch in unserem Zeitraum). Lediglich Schnitt und Farbe der Kleidung haben sich geändert. Ebenso sind die Kollegen glatt rasiert und der Haarschnitt ist auch als nomral zu bezeichnen, während zu N's Zeit die Gefangenen geschoren und mit Vollbart (Strafarbeiter) und Vollbart ohne Schnurrbart (zur Kugel Verurteilte) für alle Welt kenntlich waren, sollten sie sich aus dem Staub machen.
                    Übrigens hatten die zur Kugel verurteilten ebenfalls Zwangsarbeit zu verrichten.
                    Insgesamt ein hochspannendes Thema (finde ich jedenfalls).
                    Tschö
                    Peter

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