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Bayerisches Bürgermilitär in zeitgenössischer Darstellung

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  • #16
    Zitat von admin Beitrag anzeigen
    Nie kehrt der Bürger seine Waffe gegen den äußeren Feind.
    Ich frage mich immer noch, wie dieser Satz zu nehmen ist. Nehmen wir einmal den Fall des kleinen Krieges an, in dem ein Streifcorps oder andere irreguälre Truppen in bayer. Territorium eindringen, um Depots und Transporte auszuheben. Das wäre ja wohl nach o.g. Definition der äußere Feind. Wenn dann Truppen des Bürgermilitairs angegriffen werden, dürften diese sich nicht wehren, den Feind verfolgen oder versuchen ihm möglichst großen Schaden anzutun? Wohl kaum.

    Ich denke eher, daß der Satz politisch gegenüber dem Bürgertum der Städte zu verstehen ist, d.h. eine Garantie gegeben wird, daß das Bürgermilitär (Nationalgarde II. und III. Classe) nicht für einen Feldzug in die reguläre Feldarmee einzugliedern ist. Außerdem, wie oben schon erwähnt, behält die Regierung damit eine Reserve, wenn auch eine nicht sonderlich schlagkräftige, im Lande.

    In dem Zusammenhang würde mich interessieren, welche Rolle die Nationalgarden im Frühjahr 1809 bei der k.k. Invasion gespielt haben.

    Das pr. Landsturmedikt vom März 1813 propagiert demgegenüber den Volkskrieg, ist also wesentlich offensiver.
    Do, ut des

    http://www.ingenieurgeograph.de

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    • #17
      Zitat von Bürgergardist Beitrag anzeigen
      Um auf den Punkt von Tellensohn noch einmal zurück zukommen.Auch ich kann mir nicht vorstellen,das alle keine Unifomen getragen haben.A
      Hat das jemand behauptet? Nur schöne Uniformserien sollten nicht davon abhalten, sich mit der Realität zu beschäftigen. Bayern stand vor dem Staatsbankrott. Ich kann nur spekulieren, daß die reichen Städte wie München Uniformen für die NG III. Classe leisten konnten, ärmere kleine Städte auf dem Land wohl eher nicht. Die Quellenlage dürfte schwierig sein.

      Hier der Auszug aus dem Erlaß:
      Angehängte Dateien
      Zuletzt geändert von Blesson; 15.01.2013, 20:27.
      Do, ut des

      http://www.ingenieurgeograph.de

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      • #18
        Behauptet wurde,

        Zitat von Blesson Beitrag anzeigen
        daß der Nationalgarde III. Classe erst ab dem 13.1.1814 erlaubt war, eine Uniform zu tragen,
        Und das ist schlicht falsch.

        Der Erlass von 1814 bezieht sich (wie schon die darin erwähnte Verordnung vom Oktober 1813) klar auf die Ausdehnung der Nationalgarde III. Klasse, also nicht auf schon Diensttuende in bestehenden Einheiten, die eben sehr wohl uniformiert waren (man beweise das Gegenteil). Den neu Hinzugekommenen (Individuen oder Einheiten) wurde das Tragen einer bestimmten Uniform erlassen, so sie sich keine leisten konnten oder wollten. So verstehe ich das.
        Zuletzt geändert von Tellensohn; 15.01.2013, 22:17.

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        • #19
          Servus allseits,

          Zum "Salzburger Bürgerlichen Militär" einige Bemerkungen:

          Bereits unter den Fürst-Erzbischöfen, ab 1803 im säkularisierten Kurfürstentum unter Erzherzog Ferdinand von Toskana wurde das "Salzburger Bürgerliche Militär" zur verstärkung des Sicherheitsdienstes herangezogen. Die Stadt verfügte über den Wachdienst (Hauptwache, Rathauswache, 5 Torwachen und der GESAMTE sicherheitspolizeiliche Dienst der Stadt) nur über eine, vom Magistrat besoldete Stadtwache von ca. 100 Mann. Diese Assistenzleistungen kam nun in Kriegszeiten, besonders 1801 und 1809, verstärkt zur Anwendung. Immer aber nur im Bereich von Stadt und deren Weichbild. Bei derartigen Assistenzen erfolgte auch eine Bezahlung duch Magistrate bzw. Landesregierungen (damals noch: Gubernien genannt)

          In der gesamten Monarchie (d.h. ab 1803 auch im Habsburgischen Agnatenfürstentum Salzburg) gab es zwar eine "Polizei" im behördlichen Sinne (also z.B. Feuer-, Fremden-, politische Polizei und ansatzweise Kriminaldienst, der personalintensive sicherheitspolizeiliche Dienst lag aber in den Händen der Landstände ("Kreisdragoner, "Landreiter") und städtischen Magistrate (z.B. Wiener Stadtguardia oder Salzburger Stadtwache) In deren Gefolge wurden, besonders in Kriegszeiten, die diversen Stadtgarden, Schützenkorps etc. zu Militärassistenzen herangezogen, dies praktisch aber nur im sicherheitspolizeilichen Dienst.

          Zu Ausrückungen zu Kampfeinsätzen war ab 1808 nur die Landwehr bestimmt. In Salzburg waren das 4 Bataillone, die u.a. am Pass Lueg, in St. Michael und Raab kämpften, aber sehr stark unter Desertionen zu leiden hatten.

          Lit: H. Hinterstoisser, Die Bürgergarde der Stadt Salzburg, Salzburg 2005

          Ciao, Klaus

          PS: Detail am Rande: Die schönen Artilleristen (danke, Tellensohn, für die Bildquelle) bedienten übrigens zwei der legendären "Löffler-Falconette" aus dem 16. Jh. Beutegeschütze, die dem Salzburger Bürgermilitär 1801 von den Franzosen (!) geschenkt wurden und auch heute noch bei der Salzburger Bürgergarde im "Dienst" sind.

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          • #20
            Zitat von Blesson Beitrag anzeigen
            Wenn dann Truppen des Bürgermilitairs angegriffen werden, dürften diese sich nicht wehren, den Feind verfolgen oder versuchen ihm möglichst großen Schaden anzutun? Wohl kaum.

            Ich denke eher, daß der Satz politisch gegenüber dem Bürgertum der Städte zu verstehen ist, d.h. eine Garantie gegeben wird, daß das Bürgermilitär (Nationalgarde II. und III. Classe) nicht für einen Feldzug in die reguläre Feldarmee einzugliedern ist. Außerdem, wie oben schon erwähnt, behält die Regierung damit eine Reserve, wenn auch eine nicht sonderlich schlagkräftige, im Lande.
            Klar würden sich die Bürgergardisten wehren - freiwillig "abschlachten" sicher nicht.

            Wobei ich Deine Vermutung ja auch schon formuliert hatte - die süddeutschen Staaten (v.a. die liberaleren Badener und Bayern) standen dem Militär deutlich distanzierter gegenüber als z.B. Preußen. Und ich glaube auch, dass es dieses Passus bedurfte, um überhaupt eine ausreichende Zahl an Bürgern für das Bürgermilitär zu gewinnen.

            Schöne Grüße
            Markus Stein
            "Wenn wir geboren werden, weinen wir, weil wir diese große Narrenbühne betreten" (King Lear) ... jedem also sein ganz persönliches (Hof-) Narrenleben

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            • #21
              Nationalgarden 1809

              Zitat von Blesson Beitrag anzeigen
              In dem Zusammenhang würde mich interessieren, welche Rolle die Nationalgarden im Frühjahr 1809 bei der k.k. Invasion gespielt haben.
              Ich möchte da aus unserem Buch (siehe http://www.forum.napoleon-online.de/...ead.php?t=2303) zur Nationalgarde 1809 zitieren:

              Da das Bürgermilitär sich ausschließlich auf Städte und Gemeinden konzentrierte, zeigte sich mit der Mobilisierung zum Feldzug von 1809 der Bedarf nach weiteren Maßnahmen zur Landesverteidigung. Die Verordnung vom 6.4.1809 regelte die Errichtung von 6 Bataillonen à 4 Kompanien Nationalgarde. Eine weitere Verordnung vom 6.7.1809 regelte eine weitergehende Profilierung der Nationalgarde. In diesem Erlass wurden 3 Klassen der Nationalgarde bestimmt. Die Nationalgarde 1. Klasse sollte eine Reserve für das Feldheer darstellen, die Nationalgarde 2. Klasse als Landesverteidigung gegenüber inneren und äußeren Feinden eingesetzt werden, und die Nationalgarde 3. Klasse ausschließlich zur Aufrechterhaltung der inneren Ordnung herangezogen werden.
              Übrigens haben sich ab August 1813 einige Nationalgarden 2. Klasse für den aktiven Dienst außerhalb der Landesgrenzen freiwillig gemeldet, dieser Wunsch wurde akzeptiert - siehe die Liste dieser Bataillone in unserem Buch.

              Schöne Grüße
              Markus Stein
              "Wenn wir geboren werden, weinen wir, weil wir diese große Narrenbühne betreten" (King Lear) ... jedem also sein ganz persönliches (Hof-) Narrenleben

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              • #22
                Und hat die Nationalgarde III. Classe, obgleich sie nicht dazu bestimmt war, irgendeine ruhmreiche Tat an ihre Fahnen heften können?
                Do, ut des

                http://www.ingenieurgeograph.de

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                • #23
                  Bamberger Bürgermilitär 1809

                  Bei einer Recherche bin ich auf diese wunderbare Zeichnung von E.T.A. Hoffmann gestoßen, die das "Bamberger Bürgermilitär" im Jahre 1809 zeigt und dessen Original sich in der Staatsbibliothek Bamberg befindet.



                  Hier der Link zur Provenienz in Bamberg: https://www.staatsbibliothek-bamberg...ec0438608fef57

                  Schöne Grüße
                  Markus Stein
                  "Wenn wir geboren werden, weinen wir, weil wir diese große Narrenbühne betreten" (King Lear) ... jedem also sein ganz persönliches (Hof-) Narrenleben

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                  • #24
                    Of possible interst:

                    Chronologische Sammlung aller in den Königl. Regierungs-Blättern seit dem Jahre 1807 enthaltenen und andern erschienenen allerhöchsten königl. Baier. Verordnungen, Rescripten und Befehlen das ehemalige Bürger-Militär, nunmehr National-Garde III. Klasse des Königreichs Baiern betrefend by Markus Joseph Göhl von Pothorstein. 1811. 160 pages:
                    http://books.google.com/books?id=DgBDAAAAcAAJ

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                    • #25
                      Bayerisches Bürgermilitär

                      ist diese Quelle bekannt ?

                      Uniformirung und Organisation des Bürger-Militärs in dem Königreiche Baiern
                      http://gallica.bnf.fr/ark:/12148/btv1b8427436s

                      die Gallica ist ein wunderbare Quelle. Für das I pad gibt es einen Reader , der das Stübern und Lesen zum Vergnügen macht

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                      • #26
                        Hallo Bettina,

                        Danke für den Hinweis - aber diese Quelle habe ich schon vor einiger Zeit aufbereitet ... und jetzt Deinen Post an die damalige Diskussion angehängt.

                        Schöne Grüße
                        Markus Stein
                        "Wenn wir geboren werden, weinen wir, weil wir diese große Narrenbühne betreten" (King Lear) ... jedem also sein ganz persönliches (Hof-) Narrenleben

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