Ankündigung

Einklappen
Keine Ankündigung bisher.

Sächsische Tschako-Überzüge aus Kuhfell

Einklappen
X
 
  • Filter
  • Zeit
  • Anzeigen
Alles löschen
neue Beiträge

  • Sächsische Tschako-Überzüge aus Kuhfell

    Manchmal sieht man sächsische Linien-Infanterie in Tschakos mit einem Überzug aus geflecktem Kuhfell.

    Gab es die wirklich, trotz der höheren Kosten des Fells im Vergleich zu einfachem Wachstuch ? Oder war es eine Art Sparversion der Bärenfellmütze für Grenadiere ?

    Wann wurden sie eingeführt, für welche Truppenteile, und wann abgeschafft ?
    Zuletzt geändert von Sans-Souci; 13.02.2014, 18:50.

  • #2
    Die Quellenlage zu den Kalbfellüberzügen ist dünn. Hauptsächlich bezieht man sich auf das Podobna-Gemälde von Schubauer bzw. dessen Beschreibung in der ZfH. Ob in den diversen Memoiren etwas steht, wäre noch zu prüfen.
    Reglementsmäßig waren Wachstuchüberzüge (mit und ohne Nackenschirm/Berichte der Musterinspektoren von 1811). Da diese aber häufig durchscheuerten (z.B. an der Kokarde), kann Kuhfell zum Einsatz gekommen sein.
    Die Regimenter erhielten ja Schlachtvieh zugewiesen, deren Decken an die Intendanz abzugeben waren. Da in Rußland sicher nicht an jeder Ecke ein Wachstuchhändler aufzutreiben war, kann die Intedanz diese Decken den Regimentern überwiesen bzw. überlassen haben.
    Wenn der Feind in Schußweite ist, bist Du es auch. Vergiss dabei nie, dass Deine Waffe vom billigsten Anbieter stammt.

    Kommentar


    • #3
      Merci. Das Gemälde, oder ein Photo, scheint im DHM in Dresden zu sein.

      http://www.deutschefotothek.de/db/ap...edrich Leopold

      Thomas hat einen Stich nach dem Gemälde ins Netz gestellt:

      http://www.forum.napoleon-online.de/...read.php?t=657

      Doch erkenne ich auf dem Stich jedenfalls keine Kuhfellüberzüge:



      Und es gibt eine - unlesbar klein veröffentlichte - Skizze mit Erläuterungen:

      http://www.bildarchivaustria.at/Page...BildID=5361255

      Ob man Kuhfell einfach so als Tschakoüberzug verarbeiten kann ? Man müßte es doch mindestens vorher gerben, und das Nähen kann auch nur ein in Lederarbeiten erfahrener Mensch übernehmen.
      Zuletzt geändert von Sans-Souci; 13.02.2014, 18:56.

      Kommentar


      • #4
        Auf dem Stich siehst Du keine Fellüberzüge. Dr.Lünsmann beschreibt sie in seinem Artikel über das Podobna-Bild in der ZfH von 1934. Zu dem Artikel gibt es auch 3 kleine Bildchen, wohl Fotos des Bildes. Wenn ich das Heft finde, kann ich Dir sagen, ob man darauf die Überzüge sieht.

        Die Häute mussten vor der Verarbeitung natürlich gar gemacht werden. Das Garmachen wird im Plümicke und im Rouvroy (der sich auf Plümicke bezieht) beschrieben. Rouvroy gibt für das Garmachen von Häuten bei warmen Wetter 3 – 4 Stunden, bei kaltem bis 20 Stunden und scheint das Verfahren im Feld mit Bordmitteln durchaus anwendbar zu sein.

        Da jede Kompanie ihren Sattler hatte, dürfte Herstellung und Verarbeitung kein allzu großes Problem gewesen zu sein.
        Wenn der Feind in Schußweite ist, bist Du es auch. Vergiss dabei nie, dass Deine Waffe vom billigsten Anbieter stammt.

        Kommentar


        • #5
          Bei der von Plümicke beschriebenen Art der Bereitung des fettgaren Leders im Felde werden die Haare alle entfernt:

          http://books.google.de/books?id=vRFLAAAAcAAJ&pg=PA296

          Das mit dem Kompaniesattler ist ein Argument.

          Kommentar


          • #6
            Wenn ich das Verfahren richtig verstanden habe, dann wird die Haltbarkeit und Geschmeidigkeit des Leders durch das Einarbeiten von fettigen Subtanzen (z.B. Tran) erreicht.
            Ohne es jetzt ausprobiert zu haben, könnte ich mir vorstellen, dass es auch mit „Fell bleibt dran“ funktionieren kann. Der Fettgehalt würde dann sogar noch besser die Feuchtigkeit abhalten.
            Aber ob das wirklich funktioniert????????????
            Im HZM Warschau – man war ja praktisch zu Hause – oder im Ausland können solche Felle auch über die normale Requisition erlangt worden sein.
            Wenn der Feind in Schußweite ist, bist Du es auch. Vergiss dabei nie, dass Deine Waffe vom billigsten Anbieter stammt.

            Kommentar


            • #7
              Ich hab in der ZfH 1934 - Seite 12 nachgesehen, hier findet sich die Beschreibung Lünsmanns, bei den 2 kleinen sw Bildausschnitten ist von Infanterie wenig zu sehen, im Text werden diese Kalbfellüberzüge aber erwähnt, die beim ersten Betrachten wie Husarenpelzmützen aussahen (vielleicht warens ja welche )
              Ohne dem Bild in guter Qualität und in Farbe werden wir wohl wenig sagen können, interessant wäre es.

              Kommentar


              • #8
                Das Podobna-Bild ist nicht mehr existent (es sei denn, es hängt bei irgendeinem Cowboy oder einer Kolchose), Bilder in guter Qualität und in Farbe werden wir da vergessen können.
                Gesetzt den Fall, dass es wirklich Pelzmützen waren, dann nicht aus sächsischen Beständen. Der Einzige, der in dieser Armee eine Pelzmütze (außerhalb der Grenadiermützen) trug, war der Husaren-Stabstrompter.
                Die Russen trugen Tschako oder Helm, so dass das „Schiessen“ einer solchen Mütze wohl auch nicht in Frage kommt.
                Die Polen hatten welche, aber die werden die freiwillig nicht hergegeben haben und an eine befehlsmäßige Übergabe mag ich nicht glauben.
                Dazu war es warm (Podobna war am 12.08.) und welcher Infanterist setzt sich freiwillig einen Kaffeewärmer auf (da nervt der Tschako schon, aber der schütz wenigstens vor Säbelhieben)?
                Natürlich gab es auch in der sächsischen Armee Abweichungen von der Uniformvorschrift, aber Pelzmützen statt Tschakos? Nee!
                Wenn der Feind in Schußweite ist, bist Du es auch. Vergiss dabei nie, dass Deine Waffe vom billigsten Anbieter stammt.

                Kommentar


                • #9
                  Das Thema wurde anderswo schon einmal behandelt. Beitrag 2 von aba enthält einen Link zum Artikel von Lünsmann:

                  http://www.forum.napoleon-online.de/...=fell%FCberzug

                  In Peter Bunde, Markus Gärtner, Markus Stein, Die Sächsische Armee 1810-1813, Berlin: Zeughaus Verlag, 2009, S.21, findet sich eine Tafel von Patrice Courcelle (nach Schubauer und Skizzen von Forthoffer) mit der Darstellung eines Sappeurs des Grenadierbataillons von Liebenau (1812) mit einer Pelzmütze. Nicht reglementsgemäss, aber für einen Angehörigen der Tête de colonne des Regiments sicher nicht undenkbar. Die Mode folgt vielleicht der französischen. Man vergleiche die Kopfbedeckung des Tambour Maître Louis Charnet vom 88e de ligne (1813) in der zeitgenössischen Meissner Bilderhandschrift (Thomas Hemmann, Die Meissner Bilderhandschrift aus den Jahren 1809-1814, 2013, S.128, Abb.28: Blatt I.12). Das ist wohl nicht nur ein gewöhnlicher Tschako, wie die gekrauste Silhouette der Kopfbedeckung deutlich macht. Das ist m.E. eine Art Kolpak, also eine nach Art der Husarenmütze gefertigte und mit einem Visier versehene Kopfbedeckung. Auch hier sicher ein aussergewöhnliches Stück, aber für einen Angehörigen der Tête de colonne durchaus denkbar.

                  Kommentar


                  • #10
                    Wegen der Husarenmützen, vielleicht war es ja doch russische Beute - von Kossaken.
                    Ich kann er mir sehr schwer vorstellen, das aus Kalbsfellen Tschakoüberzüge gemacht worden sind, da ist doch der Aufwand eigentlich viel zu groß und das Material kann man auch besser für was anderes verwenden.
                    Das Thema bleibt spannend, aber meine Tendenz geht eher Richtung Fehlinterpretation von Lünsmann.

                    Kommentar


                    • #11
                      Nein, keine Pelzmützen. Wenn es nur die angesprochene Tete de colonne beträfe, wäre es eine Überlegung wert gewesen. Aber Lünsmann beschreibt schließlich auch einfache Mannschaft mit diesem Stück. Das wäre ein Bruch, den ich bisher in der Uniformierung so nicht feststellen konnte. Die Kopfbedeckung der Infanterie war der Tschako.
                      Ich habe selbst einen Kalbfellüberzug für meinen Tschako geerbt. Ich kann mir also nicht vorstellen, warum das nicht gehen soll.

                      Es stellt sich doch die Frage, ob es in Polen genug Wachstuch zu erschwinglichen Preisen gab oder ob nicht doch das Kuhfell billiger und in ausreichender Menge zu haben war?

                      Curcelle und Forthoffer (= Quartiärquellen) als Garanten für das Aussehen der sächsische Armee zu nehmen, halte ich für gewagt. Wenn ich es richtig in Erinnerung habe, war doch Forthoffer der mit der Erfindung des Jalonneur-Zimmermanns. Eine wirklich reife Fantasieleistung.

                      Man darf nicht vergessen, dass Sachsen auch als Rheinbundstaat eher süddeutsch/österreichisch als französisch geprägt war.
                      Wenn der Feind in Schußweite ist, bist Du es auch. Vergiss dabei nie, dass Deine Waffe vom billigsten Anbieter stammt.

                      Kommentar


                      • #12
                        Ich rede nicht von reglementsmäßig ausgegebenen Kopfbedeckungen - sondern von Notbehelfen, soweit ich ja von deinen Publikationen sehen kann, waren die Sachsen sehr schnell verschlissen.
                        Ein Tschakoüberzug muss ja auch nicht aus Wachstuch sein und Kalbsfell konnte man eigentlich doch besser für andere Sachen nutzen.

                        Kommentar


                        • #13
                          Hallo,

                          gibt es inzwischen neue Ergebnisse in der Forschung, auch was speziell die ebenfalls genannten grünen Überzüge betrifft ? Aus welchem Material sollen die gewesen sein? Welcher Grünton?
                          Weiß da jemand was ?

                          Kommentar

                          Lädt...
                          X