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Grenadierbataillon Waldenfels

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  • Grenadierbataillon Waldenfels

    Moin zusammen,
    ich bin neu in diesem Forum und immer wieder von dem geballten Fachwissen hier beeindruckt! Momentan befasse ich mich etwas mit der Belagerung Kolbergs. Dort spielte das Grenadierbataillon Waldenfels ja eine prominente Rolle. Soweit ich weiß, wurde es zu großen Teilen aus Ranzionierten und Versprengten aufgestellt und dementsprechend buntscheckig seien auch die Uniformen gewesen. An einer Stelle las ich, dass man die Mannschaften aus dem Kolberger Depot aber einheitlich mit Grenadiersmützen habe ausstatten können. Ist bekannt um die Mützen welches Regiments es sich dabei handelte? Borcke oder Owstien oder doch ein anderes? Und gibt es noch weitere Hinweise auf die Uniformen des Bataillons? Für das ebenfalls in Kolberg provisorisch aufgestellte Bataillon von Moeller scheinen gemäß der Tafel in Knötels Uniformkunde ja zumindest einige einfache Uniformen geschneidert worden zu sein. Gibt es etwas ähnliches zum Bataillon Waldenfels? Ich bin gespannt auf mögliche Antworten

  • #2
    An einer Stelle las ich, dass man die Mannschaften aus dem Kolberger Depot aber einheitlich mit Grenadiersmützen habe ausstatten können.
    Bei solchen Aussagen wäre es sehr hilfreich zu wissen wo - also Autor - Titel - Ort - Jahr und Seite.

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    • #3
      Da sich die Grenadier-Mützen in einem Depot vorfanden, kommen eigentlich nur die Depots der Infanterie-Regimenter von Owstien [IR 7, rosenfarbene Abzeichen] und von Borke [IR 30, chamoisfarbene Abzeichen] in Frage:

      https://books.google.de/books?id=CqhDAAAAcAAJ&pg=PA3

      Von beiden Regimentern befanden sich aber nur die 3. Bataillone in Kolberg, die übrigen Bataillone samt Grenadieren waren in Stettin. Also würde ich annehmen, daß die Grenadier-Mützen dieser Regimenter auch dort gelagert wurden.

      Zu weiteren Depots von Infanterie-Regimentern, die Ende 1806 nach Kolberg gekomen wären, habe ich nichts gefunden.

      Das dritte zur Pommerschen Inspektion gehörende Regiment, das Infanterie-Regiment von Pirch [IR 22, ponceaufarbene Abzeichen], hatte seine Garnisonen in Stargard, Köslin und Damm. Sein 3. Bataillon kapitulierte am 30. Oktober 1806 in Stettin, wohin dann wohl wahrscheinlich auch am das Depot des Regiments transportiert worden war. Die Grenadiere dieses Regiments hatten jedoch ihre Garnison in Köslin, 30 km östlich von Kolberg, das somit die nächstgelegene Festung war (nach Stettin etwa 150 km).

      Ebenfalls in Köslin waren die Grenadiere des Infanterie-Regiment von Puttkammer [IR 36, weiße Abzeichen, also hellblauer Bräm an den Grenadier-Mützen].

      Ich würde also am ehesten auf Grenadiermützen mit ponceaufarbenem oder hellblauem Bräm tippen, falls es im östlichen Teil Pommerns nicht noch weitere Friedens-Garnisonen von Grenadier-Bataillonen gab, die dann auch in Frage kämen.

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      • #4
        Hier eine Beschreibung der Uniformierung des Bataillons 1807/1808:

        https://books.google.de/books?id=nshoAAAAcAAJ&pg=PA164

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        • #5
          Zitat von HKDW Beitrag anzeigen

          Bei solchen Aussagen wäre es sehr hilfreich zu wissen wo - also Autor - Titel - Ort - Jahr und Seite.
          Anton von Etzel: Das Kaiser Alexander Grenadier-Regiment. Erster Theil. Berlin 1855, S. 109.
          https://books.google.de/books?id=nsh...page&q&f=false

          Vielen Dank an Sans-Souci besonders für die Übersicht über die Standorte der Grenadiere in Pommern und natürlich den Link. Ich hätte also nur weiterlesen zu brauchen, um auf eine grobe Uniformbeschreibung zu kommen. Diese scheint ja am ehesten auf die Zeit nach der Belagerung zuzutreffen. Das schwarze Lederzeug finde ich recht interessant. Die Farbe des Bräms der Grenadiermützen zur Aufstellungszeit des Bataillons lässt sich wohl nicht mehr eindeutig klären. Vielleicht wurden bis zu tatsächlichen Belagerung Kolbergs ja noch die Depots aus anderen Garnisonen in die Festung geführt und so auch verschiedene Grenadiermützen ausgegeben

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          • #6
            In die Regimentsgeschichte zum IR 9 von Bagensky habe ich auch geschaut und dort findet sich zum Passus der Bataillonsgründung auf Seite 4-5 folgende Abschnitte:

            ... Die Garnison bestand aus den 3ten Bataillons v. Owstien (Major von Hagen) und v. Borcke (Oberst v. Britzke) und einer FEstund-Artillerie-Compagnie, (Major Marke), welches amtlich ihre Beurlaubten erst nach der Kapitulation von Stettin einzuziehen begannen. Die Ergänzung derselben wurde sehr erleichtert durch die von allen Seiten herzuströmenden Ranzionirten, aus welchen von dem Kapitain v. Möller in Greiffenberg noch ein Füsilier- und ein Grenadier-Bataillon errichtet wurde; über letzteres erhielt der im Januar 1807 zum zweiten Festungs-Commandanten ernannte Capitain v. Waldenfels das Commando
            ...
            Zur Instandsetzung der demnächst anlangenden schwedischen, so wie der noch vorhandenen alten preußischen Gewehre bot man alle Büchsenmacher Pommerns und der Neumark auf. Die Bekleidung der Truppen war mit eben so großen Schwierigkeiten verbunden.
            Für den 6. Januar 1807 schreibt Bagensky auf Seite 7 vom "noch äußerst schwachen Bataillons v. Waldenfels und v. Möller" ... für April 1807 gibt Bagensky für das Grenadier-Bataillon schon eine Stärke von 850 Mann an.

            Ich kann mir daher lebhaft vorstellen, dass die beiden neu aufgestellten Bataillone ein bunter Mix an Depot-Uniformen sowie noch getragenen Effekten hatte.

            Schöne Grüße
            Markus Stein
            "Wenn wir geboren werden, weinen wir, weil wir diese große Narrenbühne betreten" (King Lear) ... jedem also sein ganz persönliches (Hof-) Narrenleben

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            • #7
              Hier noch ein Grenadier der 3. oder 4. Kompanie des Leib-Grenadier-Bataillons (das ja aus dem Grenadier-Bataillon Waldenfels hervorging), 1812 von Weiland veröffentlicht. Die alten Grenadiermützen wurden noch einige Zeit nach 1808 aufgetragen, aber nicht bis 1812. Die Abbildung fußt also wohl auf früheren Notizen oder Beschreibungen. Weiland stellt ja die ganze französische Armee samt ihrer Verbündeten dar und publizierte in Weimar, kann also gar nicht alle dargestellten Truppen selbst gesehen haben.

              Für unsere Frage interessant der ponceaurote Bräm an den Grenadiermützen, der allerdings auch ernst nachträglich bei einer Erneuerung des Tuchs angebracht worden sein kann, um mit der Abzeichenfarbe zu korrespondieren. Das farbige Abzeichentuch an den preußischen Uniformröcken sollte nach sechs Monaten gewendet werden und wurde nach einem Jahr Tragezeit ersetzt, während das Tuch des Uniformrocks nach einem Jahr gewendet wurde. (Nach zwei Jahren Tragezeit war dannn ein neuer Uniformrock fällig.)

              Auch hier das schwarze Lederzeug, das für Grenadiere eigentlich untypisch ist.

              image_4652.jpg

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              • #8
                Evtl. lohnt sich auch ein Blick in die Erinnerungen Nettelbecks (ein prominenter Vertreter der Bürgerschaft, gewissermaßen rechte Hand Gneisenaus in dieser Zeit) und in das Generalstabswerk (Kolberg 1806/07. In: Urkundliche Beiträge und Forschungen zur Geschichte des Preußischen Heeres, Hefte 16-19) zu werfen, vllt. finden sich dort Passagen zur Uniformierung?

                Gruß, Tom

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                • #9
                  Wenn ich mir die Beschreibung durchlese, Grenadiermützen die von der Zeit Friedrichs es Großen bis zum Jahr 1806 üblich waren, waren sie aber nicht, FWIII führt ja neue Grenadiermützen ein, wenn dann die Mützen aus dem Zeughaus kamen und nicht Depot, dann waren das unter Umständen noch die alten Grenadiermützen mit Mützenblech.

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                  • #10
                    Die Vorstellung, daß friderizianisch aussehende Grenadiere die Wolfsschanze verteidigen und wieder erstürmen, ist natürlich bestrickend.

                    Thümen, Die Uniformen der preußischen Garden, Heft 2 (1828), S. 25, beschreibt die Uniform jedoch so:

                    Bei der Errichtung erhielt das Bataillon blaue Uniformen mit zwei Reihen Knöpfen, gelben Kragen und Aufschlägen und Grenadiermützen, wie sie bis zum Jahre 1806 in der Armee üblich waren. Die Offiziere trugen dieselbe Uniform, dazu Hüte mit weißen Federbüschen.
                    Zuletzt geändert von Sans-Souci; 24.04.2020, 14:02.

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                    • #11
                      Hier ist ja wirklich viel an Informationen zusammengekommen. Vielen Dank! Das schwarze Lederzeug finde ich nach wie vor sehr interessant. Vielleicht ein weiteres Kennzeichen als Elite? Wobei die Landwehr ja auch schwarzes Lederzeug bekommen sollte, wenn ich mich nicht täusche

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                      • #12
                        Das schwarze Lederzeug wurde wahrscheinlich genommen, weil kein Sämischleder für weißes Lederzeug verfügbar war.

                        Erst 1808 wurde für die preußische leichte Infanterie allgemein schwarzes Lederzeug eingeführt, weil das für den Vorpostendienst (Sichtbarkeit bei Nacht) praktischer war.

                        Das Leib-Grenadier-Bataillon war nach einer Abbildung von Wolf und Jügel (falls die auf persönlicher Beobachtung beruhte) bis spätestens 1812 mit dem vorschriftsmäßigen weißem Lederzeug versehen.

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                        • #13
                          Die preußischen Füsiliere hatte ja 1806 schon schwarzes Lederzeug - wahrscheinlich war es eben wie Sans-Souci oben schreibt, im Depot verfügbar.

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                          • #14
                            Zitat von Sans-Souci Beitrag anzeigen
                            Die Vorstellung, daß friderizianisch aussehende Grenadiere die Wolfsschanze verteidigen und wieder erstürmen, ist natürlich bestrickend.

                            Thümen, Die Uniformen der preußischen Garden, Heft 2 (1828), S. 25, beschreibt die Uniform jedoch so:

                            Bei der Errichtung erhielt das Bataillon blaue Uniformen mit zwei Reihen Knöpfen, gelben Kragen und Aufschlägen und Grenadiermützen, wie sie bis zum Jahre 1806 in der Armee üblich waren. Die Offiziere trugen dieselbe Uniform, dazu Hüte mit weißen Federbüschen.
                            So war es vorgesehen ! Ursprünglich war angewiesen , dass die Kolberger Bataillone ein Regiment bilden sollten. Siehe Ordre dazu.

                            Das Grenadier -Bataillon v. Waldenfels trug die oben beschriebenen Röcke mit gelben Abzeichen. Runde Aufschläge mit Patte in Rockfarbe. Es sind auch Röcke ohne Patte vorgekommen. Grenadiermützen des Modells 1799, gelbes Kopfteil, schwarzes Schild, innen wie üblich gelb. Weißes Lederzeug.
                            Zuletzt geändert von Spaen; 04.07.2020, 16:51.

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                            • #15
                              Zitat von Spaen Beitrag anzeigen
                              Es sind auch Röcke ohne Patte vorgekommen. ... Weißes Lederzeug.
                              Interessant. Was ist die Quelle dafür ?

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