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Preussische Festungsgefangene

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  • Preussische Festungsgefangene

    Hallöchen,

    in der von Gunter entdeckten "Geschichte des 1.Wetpreuß. Inf.Regts" findet sich auch eine Beschreibung der Uniformen preuß.Armeeangehöriger, die zu Festungsstrafe verurteilt waren.

    Gruß
    Jörg
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    The light at the end of the tunnel
    is from an oncoming train.

  • #2
    Diese Bekleidung war in §. 11. des "Regulativ wegen Behandlung der [...] Festungs-Arrestanten." vom 31. Oktober 1808 vorgeschrieben worden.

    Kommentar


    • #3
      Darf ich das so deuten, daß ALLE Festungsarrestanten so gekleidet waren, also auch "verknackte" Zivilisten (man denke an Otto Reutter)?
      Auch Offiziere?

      Gruß
      Jörg
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      • #4
        Mist, Schreibfaulheit zahlt sich halt doch nicht immer aus.

        Der vollständige Titel ist:

        Regulativ wegen Behandlung der, zur besonderen Aufsicht der Regiments-Garnison-Compagnien verurtheilten, Festungs-Arrestanten.

        Also nur die zu Festungshaft verurteilten Soldaten, die nicht aus dem Soldaten-Stande ausgestoßen wurden (vgl. Artikel 53 der Kriegsartikel vom 3. August 1808).

        Diejenigen, die nicht würdig waren, weiterhin Soldat zu sein, wurden den sogenannten "Bau-Gefangenen" zugeteilt, darunter scheinen die zivilen Gefangenen verstanden worden zu sein.

        Grüße,

        Oli

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        • #5
          Sicher, ich bin nervig, aber wenn ich jetzt mußhmaße, daß Offiziere, so sie festungsgefangen waren, nicht der besonderen Aufsicht der Regiments-Garnison-Compagnien unterstellt waren und folglich nicht die o.g. Bekleidung tragen mußten, würdest Du meiner Muthmaßung beipflichten?

          Gruß
          Jörg
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          • #6
            Ja, das sehe ich auch so.

            Die Verurteilung zur Festungsstrafe für Unteroffiziere und Gemeine war etwas gänzlich anderes als die für Offiziere. Offiziere durften sich in der Regel innerhalb der Festung frei bewegen und mußten auch nicht arbeiten.

            Die genauen Bedingungen einer Festungshaft für Offiziere kenne ich aber leider nicht. Ich glaube, sie unterstanden direkt dem Festungskommandanten.

            PS. Meintest Du Otto Reutter oder Fritz Reuter ?
            Zuletzt geändert von Sans-Souci; 05.04.2007, 16:24.

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            • #7
              Offiziere als Festungsgefangene hatten es doch recht locker. Sehe ich das richtig, dass ihr Status eher dem von erweitertem Hausarrest oder Verbannung gleichkam?

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              • #8
                Hallo Gunter,
                erweiterter Hausarrest ist gut: Nach den Erinnerungen Johann Conrad Friederichs, eines gewesenen neapolitanischen Offiziers deutscher Herkunft, konnte es so ablaufen:
                "Endlich kam das in meiner Sache .. gefällte kriegsrechtliche Urteil bestätigt von Berlin und lautete für mich auf sechsmonatlichen Festungsarrest in Weichselmünde bei Danzig und drei Monate für meinen Gegner in Kolberg......
                [Weichselmünde] liegt in einer geringen Entfernung von der Stadt an der Weichsel. Ich bekam ein ziemlich bequemes, aber sehr vielwinkliges Zimmer angewiesen. Der Kommandant dieses Forts war der Oberstleutnant von Brockhusen, ein artiger Mann, der mich freundlich aufnahm, mir ankündigte, daß ich alle Freiheit habe, in Zivilkleidern hinzugehen, wo ich wolle, nur müsse ich mich zum Schlafen wieder einfinden. Das ganze Offizierskorps eines Landwehrkavallerie-Regiments hatte samt seinem Kommandeur und Obersten von Himmel, die Offiziere auf achtzehn Monate und der Oberst für drei Jahre, hier Festungsarrest. Die Verheirateten hatten sogar meist Frauen und Kinder bei sich und alle führten ein ziemlich lustiges Leben........

                [später wieder in Kolberg, erneut verknackt]
                "Der Kommandant wies mir eine Stube auf dem Geldertor an, mit dem Verbot, mein Arrestzimmer zu verlassen und noch weniger in die Stadt gehen zu dürfen. Ja, er trieb es so weit, daß die wachthabenden Offiziere dieses Postens Order erhielten, daß ich ohne seine Erlaubnis keine Besuche annehmen dürfe und alle an mich gerichteten Briefe durch die Hände der Kommandantur gehen sollten. Nur zwei Stunden vor- und zwei nachmittags war mir ein kurzer Spaziergang auf dem Wall unter den Augen der Schildwache erlaubt. ..... Ich hatte Kameraden und Unterhaltung genug; ein alter, sehr lustiger Rittmeister, drei Offiziere, ein Bürgermeister, der einen Landrat geprügelt, ein Forstmeister, der aus Versehen einen Wilddieb erschossen hatte, saßen alle auf demselben Tor in verschiedenen Arreststuben. ...... Ich hatte mein Klavier heraufbringen lassen..... "

                @Oli, Du hast recht: Den Ernst konnte ich noch umschiffen, aber beim Versuch, zwischen Schnurre und Couplét durchzukommen, bin ich eben doch am falsche Reutter angeeckt.
                Fritz war es wohl, der seine "Festungstid" hatte.
                Gruß
                Jörg
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                • #9
                  Das ganze Offizierskorps eines Landwehrkavallerie-Regiments hatte samt seinem Kommandeur und Obersten von Himmel, die Offiziere auf achtzehn Monate und der Oberst für drei Jahre, hier Festungsarrest.
                  Weiß jemand zufällig etwas näheres hierzu, was diese Landwehr-Offiziere angestellt haben ? Wann genau war Friederich in Weichselmünde ?

                  Das ähnlichste, das ich finden konnte, war das 1. Westpreußische Landwehr-Kavallerie-Regiment. Es wurde von Major Heinrich Ludwig Reinhard v. Hymmen (aus Geldern, im Dezember 1808 war er 34 Jahre alt und hatte 18 Jahrre gedient) kommandiert, der 1806 Premier-Lieutnant im Husaren-Regiment Blücher gewesen war, und 1816, immer noch Kommandeur dieses Westpreußischen Landwehr-Regiments, als Oberst-Lieutenant mit W[arte]-G[ehalt ?] aus dem aktiven Dienst ausschied.

                  Im September 1814 zählte dieses Westpreußische Landwehr-Regiment 11 Offiziere, am 17. Juni 1815 waren es 14 Offiziere (beidesmal einschließlich der Reserve-Eskadron).
                  Zuletzt geändert von Sans-Souci; 05.04.2007, 21:41.

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                  • #10
                    Friederich:
                    "Die Ursache ihres Arrestes war folgende: Das Regiment hatte einmal, als es der General Graf Henkel von Donnersmarck zum Manöver ausrücken ließ, nicht zu dessen Zufriedenheit exerziert. Der General, darüber erbost, hatte sich gegen das Offizierskorps, das meist aus gedienten, wackeren Leuten bestand, sehr beleidigend ausgedrückt und geschrien: "Meine Herren, Sie manövrieren wie die S.....". Die Offiziere hatten sich darauf verabredet, am folgenden Tag, wo das Regiment wieder zum Exerzieren ausrücken sollte, samt und sonders wegzubleiben und dieses durch einen Rittmeister dem General vorzuführen., der es ihm mit den Worten: "Ich habe die Ehre, Euer Exzellenz das Regiment vorzuführen", übergab. dann seinen Säbel wieder einsteckte, davonritt, den ganz verblüfften General, der eben angeritten war, stehen lassend.
                    Graf Henkel von Donnersmarck blieb nun nicht anderes übrig, als die Truppen, vom ältesten Wachtmeister geführt, wieder einrücken zu lassen und den Vorfall dem Kriegsminister anzuzeigen, was eine umständliche Untersuchung veranlaßte, die das oben erwähnte Resultat hatte, aber auch dem General einen sechswöchentlichen Arrest zuzog."

                    [Frage: Wenn das ganze Offizierskorps jahrelang in Arrest saß, wurde das Regiment dann von kommandierten Offizieren anderer Regimenter geführt oder von seinen Uffzen?]
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                    • #11
                      Interessant. Die Frage, wer das Regiment eineinhalb Jahre lang führen sollte, stelle ich mir auch. Vielleicht wurden für das nötigste Offiziere von anderen Regimentern kommandiert. Da es ein Landwehr-Regiment war, dürften die meisten Mannschaften sowieso beurlaubt gewesen sein.

                      Zu welchem Zeitpunkt (Jahr - Monat) hat das ganze stattgefunden ?

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                      • #12
                        Bei einem Landwehrregiment dürften doch nur ganz geringe Kader im Frieden präsent gewesen sein.
                        Der General ist noch sehr gut davongekommen, die Beleidigten hätten ihn auch zum Massenduell (mit Anstellen) fordern können. Das soll es alles mal gegeben haben.

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                        • #13
                          @Gunter, die Überlebenden Deines Vorschlages wären auch auf der Festung gelandet. Die meisetn von Friederichs Kolberger "Arrestkollgen" saßen wegen Duellen.

                          Gruß
                          Jörg
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                          • #14
                            Ich habe mal in Henckels Erinerungen, Zerbst 1846, nachgelesen. Dort, S. 362 f., ist der Vorfall beschrieben, es handelt sich tatsächlich um das 1. Westpreußische Landwehr-Kavallerie-Regiment.

                            Henckel steckte demnach seine Degen ein (der gezogene Degen ist ein Zeichen, daß ein Offizier eine Kommandofunktion ausübt), sagte zum Kommandeur: "Sehen Sie zu, wie Sie die Horde nah Hause bringen." und ritt selbst nach Hause - ließ den Major also einfach stehen.

                            Das Offizierkorps fühlt sich durch den Ausdruck beleidigt und verklagte ihn beim kommandierenden General (General Yorck v. Wartenburg), bis zur Antwort wolte es keinen Dienst mehr unter Henckel tun. Dieser beordete es gleich für den nächsten Tag zusammen mit einem anderen Regiment zum Exerzieren.

                            Das Regiment wurde von nur einem Rittmeister zum Versammlungsplatz geführt, der vorhatte, dann gleich wieder zurückzureiten. Henckel befahl ihm jedoch dazubleiben, was er auch tat. Die Züge wurden mit Offizieren und Wachtmeistern vom anderen Regiment besetzt, und Henckel "exercirte nun, als wenn gar nichts vorgefallen wäre".

                            Henckel meldete den Vorfall dem kommandiernden General und drohte den Offizeren des Landwehr-Regiments Arrest an, wenn sie nicht bis nachmittags 4 Uhr wieder Dienst täten. Sie fügten sich.

                            Im Oktober, als Henckel "schon in Erfurt" war, erging ein Urteil, daß Henckel 14 Tage, die Offiziere für 2 oder 3 Jahre in Festunsghaft sollten. Der König erließ Henckel acht Tage, der daraufhin den König "sogleich" bat, auch den Offizieren die Strafe zu halbieren.

                            Er zitiert dann ein Schreiben des Königs vom 19. November 1816, in dem dieser auf Henckels Schreiben vom 21. September des Jahres [!] antwortet, daß er die Festungsstrafe des Offizierkorps halbiert habe.

                            Henckel trat das Kommando der Reserve-Kavallerie des V. Armee-Korps aufgrund einer A.K.O. vom 10. Juni 1815 an, erhielt diese jedoch erst am 23. Juni 1815 in Guise, und wurde aufgrund einer A.K.O. vom 3. Oktober zunächst zum Brigadekommandeur der Brigade in Erfurt, und dann am 25. Oktober 1815 zum Brigadechef beim Okkupations-Korps in Frankreich ernannt. Der Vorfall ereignete sich also irgendwann zwischen Juli und Oktober 1815.

                            Das V.Armee-Korps rückte nicht mit nach Frankreich aus, deswegen konnt man sich den Luxus erlauben, ein ganzes Offizierkorps in Haft zu setzen. Leider steht auch bei Henckel nichts, wie das Regiment dann später ohne Offiziere geführt wurde.

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