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Aufbau einer Büchsenkartätsche?

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  • Aufbau einer Büchsenkartätsche?

    Hallo Allesamt,

    weiß zufällig jemand, wie eine österreichische Büchsenkartätsche mit 6-löthigen Kugeln für sechspfündige Kanonen aufgebaut war.

    Wenn ich richtig informiert bin, enthielt diese insg. 28 Kugeln. Nun würde mich interessieren, wie diese in der Büchse waren – also einfach reingefüllt, oder gab es eine feste Anzahl Reihen mit jeweils gleich vielen Kugeln (z.B. 4 Reihen mit je 7 Kugeln) und waren dann zwischen den einzelnen Reihen Trennböden?

    Vielen Dank im Voraus.

    Viele Grüße,
    Günter
    "But Linden saw another sight, when the drum beat at dead of night,
    commanding fires of death to light the darkness of her scenery." (Thomas Campbell)

  • #2
    Füllt man Kugeln in einen Zylinder ordnen sich selbige von selbst.
    In den Vorschriften wird auch nachhaltiges rütteln empfohlen..
    Zumeist war der Durchmesser der Kugeln entsprechend dem Kaliber gewählt und die Zwischenräume wurden entsprechend mit Füllmaterial
    ausgefüllt ( Harz, Sägespäne o.ä.)
    In den Büchern der "Ernstfeuerwerkerei" gab es umfangreiche Tabellen,
    welche Kugeln in welchen Kartätschen zu verwenden sind.

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    • #3
      Hallo genkideskan,

      besten dank für die Antwort. Bei mir haben sich ein paar der besagten Kügelchen angesammelt (leider noch keine 28) und die würde ich dann beizeiten gerne korrekt präsentieren, vorausgesetzt, ich finde einen passenden Plexiglas- oder Glaszylinder mit ca. 9cm Durchmesser.

      Ich hab im Netz mal ein Bild einer original Kartätsche aus dem amerikanischen Bürgerkrieg gefunden (siehe Anhang) und da sieht es schon so aus, als hätten die Kugeln eine feste Ordnung. Wobei hier ja in der Mitte jeweils keine Kugel sein dürfte, denn die würden dann aufeinander liegen und höher gehen, als die seitlichen, die sich versetzt ineinander fügen.

      Viele Grüße,
      Günter
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      commanding fires of death to light the darkness of her scenery." (Thomas Campbell)

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      • #4
        Leih dir bei den Kindern mal Murmeln und nehme ein zylindrisches Glas.
        Dann verstehst du, dass sich alles selbst ordnet - wenn der Kugelduchmesser stimmt.

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        • #5
          Hier ein österreichisches Beispiel (1818) über den Aufbau von Kartätschen:

          http://books.google.com/books?id=Hqk6AAAAcAAJ&pg=PA87

          Und hier was preußisches (1817):

          http://books.google.com/books?id=-7I6AAAAcAAJ&pg=PA62

          Die Kugeln der Haubitz-Kartätschen werden, wie sie fallen, in die Büchsen eingezählt, und dabei zum öftern festgeschüttelt. Bei den übrigen Geschützen werden die Kugeln Lagenweise verpackt [...]

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          • #6
            @genkideskan: deine Theorie funktioniert aber nur, wenn ich die genaue Höhe der Büchse wüsste. Rein theoretisch wäre ja auch möglich, dass zwischen eine feste Anzahl Kugeln immer ein Zwischenboden kommt, oder dass in der Mitte ein fester, dicker Stab wäre, um den die Kartätschkugeln angeordnet werden.

            @Sans-Souci: vielen Dank für die tollen Literatur-Links . Im ersten ist meine Frage schon mal fast beantwortet "Es schießt nämlich jeder Caliber der österreichischen Kanonen, 28 soviel löthige Schrote, als er Pfunde hat, welche in vier Lagen übereinander, jede Lage zu 7 Schroten, aufgeschichtet sind". Ich gehe mal davon aus, dass es keine Trennböden gab, denn sonst wären die hier sicher erwähnt worden.

            Viele Grüße,
            Günter
            "But Linden saw another sight, when the drum beat at dead of night,
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            • #7
              Es gab Ende des 18. Jahrhunderts auch Kartätschbüchsen, in denen die einzelnen Kugeln mittels schmaler Holzkeile von der Länge der Büchse in Position gehalten wurden, also jeweils genau übereinander lagen. Die Idee war, daß sich so die Energie vom Boden der Büchse besser auf alle Kugeln übertrug. Der praktische Effekt ließ sich aber anscheinend nicht messen ...

              Leider weiß ich nicht mehr, wo ich das gelesen habe, und in welcher Artillerie es versucht (beibehalten ?) wurde.

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              • #8
                Hallo Sans-Souci,

                ist das vielleicht eine "Klemm-Kartätsche"? Eine solche wird in "Geschichte der österreichischen Artillerie" von Anton Dolleczek erwähnt.

                Viele Grüße,
                Günter
                "But Linden saw another sight, when the drum beat at dead of night,
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                • #9
                  Ja, merci, die waren es, irgendwann vor dem Siebenjährigen Krieg vom preußischen Artillerie-Obersten Ernst Friedrich v. Holtzmann entwickelt:

                  http://www.deutsche-biographie.de/sfz33563.pdf

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                  • #10
                    Zitat von Drusus Beitrag anzeigen
                    @genkideskan: deine Theorie funktioniert aber nur, wenn ich die genaue Höhe der Büchse wüsste. Rein theoretisch wäre ja auch möglich, dass zwischen eine feste Anzahl Kugeln immer ein Zwischenboden kommt, oder dass in der Mitte ein fester, dicker Stab wäre, um den die Kartätschkugeln angeordnet werden.

                    "Es schießt nämlich jeder Caliber der österreichischen Kanonen, 28 soviel löthige Schrote, als er Pfunde hat, welche in vier Lagen übereinander, jede Lage zu 7 Schroten, aufgeschichtet sind".

                    Viele Grüße,
                    Günter
                    Aha, hier meldet sich der Geometriker zu Wort: Vier lagen a 7 Kugeln machen 28 Kartäschkugeln gesamt. Das ist die dichteste Kugelpackung in einer Ebene: 6 Kugel außen, eine in der Mitte. Die nächste Schicht um 15° versetzt, was die schwerkraft und das Rütteln dann auch von alleine bewirken (stabilste Lage). Bei einem 6 Pfünder mit ca. 9cm Kaliber darf der Durchmesser einer Kartätschkugel also höchstens ca. 3,0 cm betragen, damit diese 6+1 Lage geschichtet werden kann. Eine 6 löthige Kartätsche hat ca. ein Kaliber von 2,7 cm. Paßt also und hat etwas Luft. Die lichte Höhe der Büchse sollte nach diesen Überlegungen mind. 10,5 cm betragen.

                    Merkwürdigerweise machen 28 x 6 löthige Kartätschen nur eine Masse von ca. 4,6 Pfund, also deutlich weniger als das Geschoßgewicht der Vollkugel. ERst ca. 37-38 Kartätschen würden das Gewicht der Vollkugel ergeben...

                    Bei einer Traubenkartätsche mit 3 Kugeln darf der Durchmesser höchstens 4,2cm betragen, wie Förmelken sagt.
                    Zuletzt geändert von Blesson; 07.06.2011, 23:05.
                    Do, ut des

                    http://www.ingenieurgeograph.de

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                    • #11
                      Zitat von Blesson Beitrag anzeigen
                      Merkwürdigerweise machen 28 x 6 löthige Kartätschen nur eine Masse von ca. 4,6 Pfund, also deutlich weniger als das Geschoßgewicht der Vollkugel. ERst ca. 37-38 Kartätschen würden das Gewicht der Vollkugel ergeben...
                      Jetzt bin ich etwas verwirrt – hatte das Pfund denn nicht 32 Loth?

                      Somit käme ich auf 28 x 6 / 32 = 5,25

                      Die fehlenden 0,75 Pfund könnten auf die Büchse selbst gehen.

                      Viele Grüße,
                      Günter
                      "But Linden saw another sight, when the drum beat at dead of night,
                      commanding fires of death to light the darkness of her scenery." (Thomas Campbell)

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                      • #12
                        Risszeichnungen Kartätschen

                        In den Wilhelmshöher Kriegskarten (digam.net) findet sich im Band 43 unter der Nummer 41.9 ein handgezeichnetes Blatt mit den Risszeichnungen einer 6pfündigen, einer 8pfündigen und einer 10pfündigen Kartätschenpatrone, Datierung nach 1806. Leider gibt es keinen Massstab oder eingezeichnete Kartätschenkugel, die beschreibenden Texte lauten:
                        Eine durchgeschnittene 6-pfündige Patrone von Flanell, so 2 Pfd. Pulver in sich fasset, woran vermittels eines hölzernen Spiegels eine blecherne Kartätschenbüchse mit 48 Stück 4lothigen eisernen Kugeln befestigt ist.
                        Eine 8-pfündige Patrone von Flanell, so 2,5 Pfd. Pulver in sich fasset,woran vermittels eines hölzernen Spiegels eine blecherne Kartätschenbüchse mit 64 Stück 4lothigen eisernen Kugeln befestigt ist.
                        Eine 10-pfündige Patrone von Flanell, so 3 Pfd. Pulver in sich fasset,woran vermittels eines hölzernen Spiegels eine blecherne Kartätschenbüchse mit 80 Stück 4lothigen eisernen Kugeln befestigt ist.
                        Wahrscheinlich beziehen sich diese Angaben auf die Kurhessische Artillerie. Es zeigt sich, dass auch bei unterschiedlichen Kalibern die gleichen Kugeln verwerdet wurden. Welches Lot und welches Pfund hier zu Grunde liegen ist schwer zu sagen, vielleicht die preussischen, die auch in Kurhessen unter anderem verwendet wurden, vor 1856 Loth 14,606 g und Pfund 467,404 g.

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                        • #13
                          Zitat von Drusus Beitrag anzeigen
                          Jetzt bin ich etwas verwirrt – hatte das Pfund denn nicht 32 Loth?

                          Somit käme ich auf 28 x 6 / 32 = 5,25

                          Die fehlenden 0,75 Pfund könnten auf die Büchse selbst gehen.

                          Viele Grüße,
                          Günter
                          Stimmt, danke für den Hinweis, mit dem korrigierten Lot (1 Lot = 14,6 g) kommt man auf genau 32 sechslöthige Kartätschen.
                          Do, ut des

                          http://www.ingenieurgeograph.de

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