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Gebrauch von Wallbüchsen

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  • Gebrauch von Wallbüchsen

    Da ich gerade am Probebauen für mein Dioramenprojekt zur Belagerung Wittenbergs Ende 1813 bin, lese ich natürlich nebenbei auch viel in zeitgenössischen Publikationen. Hoyer erwähnt in seinem Buch über die Kriegsbaukunst die Verwendung von Wallbüchsen, z. B. bei der Verteidigung des gedeckten Weges. Dies wäre natürlich ein schönes Detail, welches ich gerne darstellen würde. Allein. Trifft dieser Verwendungszweck auch noch während der napoleonischen Kriege zu und haben speziell die Franzosen solche Wallbüchsen im Festungskrieg verwendet?

  • #2
    Im Buch
    Der Krieg des verbündeten Europa gegen Frankreich im Jahre 1815 von carl v. Plotho

    wird auf Seite 387 der Gebrauch von Wallbüchsen gegen eine Sappenspitze von Seiten der Franzosen in der belagerten Festung Phillipeville, erwähnt. Also waren die Dinger wohl doch noch im Gebrauch?
    Zuletzt geändert von Mr. Pett; 19.04.2018, 06:45.

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    • #3
      Im Französischen heißt die Wallbüchse: fusil de rempart.

      Laut Bardin wurden (leider macht er hier keine Datumsangabe) zur Verteidigung 60 Stück per Angriffsfront gerechnet:

      https://books.google.de/books?id=EKwWAAAAQAAJ&pg=PA2439

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      • #4
        1794/95 wurden sie nicht mehr produziert. Foissac schreibt, man könne sie daher nur in den Festungen verwenden, wo sie vorhanden sind:

        https://books.google.de/books?id=aulXAAAAcAAJ&pg=PA128&dq="fusils+de+rempa rt"

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        • #5
          Und Carnot fordert 1812 pro belagerter Festung 200 bis 300 Wallbüchsen oder Hakenbüchsen, und ebensoviele gezogene Hakenbüchsen:

          https://books.google.de/books?id=20mLMjhp0fMC&pg=PA605&dq="fusils+de+rempa rt"

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          • #6
            [QUOTE=Sans-Souci;27704]1794/95 wurden sie nicht mehr produziert. Foissac schreibt, man könne sie daher nur in den Festungen verwenden, wo sie vorhanden sind:

            Dies deckt sich mit einer Feststellung die Blesson hier im Forum schon einmal gemacht hat. Nämlich das die Wallbüchse während der Befreiungskriege kaum verwendet wurde. Nach Carnots Forderung wäre dann aber das Vorhandensein von Wallbüchsen in Wittenberg nicht ganz auszuschliessen.

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            • #7
              Über den Wallbüchsen liegt ein Schleier der Ungewißheit.

              Für unser Buchprojekt Belagerungen 1813-14 haben wir nur einen einzigen Hinweis finden können, nämlich eine Wallbüchsenkompanie in Hamburg 1813/14, die mit Sicherheit bei der Blockade nicht in Aktion getreten ist. Bei den förmlichen Belagerungen von Danzig, Torgau, Wittenberg und Hüningen, wo typischerweise die Wallbüchsen verwendet werden könnten, haben wir keine Nachrichten gefunden. In den Zeughausbeständen lassen sich gleichwohl noch die älteren Hakenbüchsen oder Wallbüchsen nachweisen.

              Nach 1815 wurde in Preußen eine Wallbüchse neuer Konstruktion wieder eingeführt.
              Do, ut des

              http://www.ingenieurgeograph.de

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              • #8
                Vielen Dank für eure Informationen.

                Mit diesem Thema ist es, wie mit vielen anderen Themen dieser Art der Kriegsführung. Leider sind die entscheidenden Informationen oftmals irgendwo beiläufig erwähnt und man muss sich durch einem Haufen Literatur durch arbeiten um diese Erwähnungen zu finden. Das Internet ist dabei heutzutage sehr hilfreich, denn über die Suchfunktion lassen sich z.B. bei Googlebooks immer relativ schnell Passagen zu dem jeweiligen Thema finden. Wenn ich mir vorstelle, daß man vor 30 Jahren in über die ganze Welt verstreute Bibliotheken gehen musste, um die richtigen Informationen zu erhalten, wächst mein Respekt vor historischer Genauigkeit der alten Dioramenbauer ins Unermessliche.

                Da ich die Wallbüchse immer wieder erwähnt finde und aus Blessons Text schliesse, daß diese auch im Arsenal von Wittenberg vorhanden war, will ich mal sehen, wer mir eine Figurenserie mit französischen Wallbüchsenschützen (ich denke da an drei Zweiergespanne, wie es zur Bedienung dieser Büchse wohl üblich war) mastern kann.

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                • #9
                  Guten Morgen,

                  mal wieder ein spannendes Thema ... im Boudriot (Armes à feu francaises modèles d'ordonnance) habe ich im Cahier Nr. 16 über die "Armements divers" einen Beitrag über das wohl erste reglementierte Fusil de rempart aus dem Jahre 1828 gefunden. Im Text finden sich auch Hinweise auf die Versuche in den Jahren davor. Angehängt ein PDF mit dem Text sowie der Tafel (leider geht diese über A4 hinaus) zu dieser Wallbüchse.

                  Außerdem habe ich mal meine digitalisierten Artikel aus Uniformes, Tradition etc. durchsucht und fand in einem Beitrag zu den Karabinern aus den Werkstätten von Versailles zur Revolutionszeit diese Passage:

                  Si l'on se servait d'un fusil de rempart carabiné pour Ia guerre de montagne (certainement des espingoles ou des fusils de rempart rayes, non-reglementaires), les systèmes français n'avaient pas prévu de carabines rayées pour l'infanterie et Ia cavalerie.
                  Schöne Grüße
                  Markus Stein
                  Angehängte Dateien
                  "Wenn wir geboren werden, weinen wir, weil wir diese große Narrenbühne betreten" (King Lear) ... jedem also sein ganz persönliches (Hof-) Narrenleben

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                  • #10
                    Zu Wittenberg: Vorsicht, Wittenberg war vom 7JK bis 1813 keine Festung, also würde, wenn überhaupt, ein sächs. Bestand von Wallbüchsen im alten Zeughaus des Schlosses wahrscheinlich sein. Zweckmäßig wäre aber so ein Bestand in Dresden oder auf dem Königstein gewesen? So auf die Schnelle habe ich keinen nachweis für ein ausgestattetes Zeughaus aus dieser Zeit gefunden, erst nach 1815 ist wohl das noch bestehende Gebäude angelegt worden, heute Museum für Stadtgeschichte im Zeughaus, Arsenalplatz.

                    Dort gibt es auch ein Modell der Stadtbefestigung, einschließlich der Schloßfronte, welches zu bewerten wäre.

                    https://lutherstadt-wittenberg.de/ku...adtgeschichte/
                    http://test.wittenberg.de/staticsite...58&topmenu=218

                    Das alles sind natürlich keine harten Fakten, sondern Plausibiltätsbetrachtungen, die aber die weiteren Recherchen in die richtige Richtung lenken könnten.

                    Dann zu Google books: Es sind bestenfalls die gedruckten Werke erschlossen, nicht aber das, was in den Archiven als handschriftliche Quellen schlummert, und was wir für die Detailrecherche eigentlich auswerten müssten. Das Staatsarchiv in Dresden könnte evtl. solche Quellen besitzen?
                    Zuletzt geändert von Blesson; 25.04.2018, 21:28.
                    Do, ut des

                    http://www.ingenieurgeograph.de

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                    • #11
                      Der Besuch im Museum für Stadtgeschichte war schon zweimal geplant. Über Weihnachten war leider geschlossen und über Ostern wurde meine Frau krank. Jetzt bin ich am 03. Mai in Leipzig und werde mich im Anschluss zwei Tage in Wittenberg rumtreiben, bevor ich übers Scharnhorstfest in Gross-Görschen den Heimweg antrete.

                      Ich hoffe im Archiv Angaben über das befestigte Krankenhaus vor dem Schlosstor zu finden, welches als Ravelinersatz diente. Das Stadtmodell stellt laut Herrn Wurda (Leiter der städtischen Sammlung) Wittenberg kurz vor der Entfestigung, also 1873 dar. Da die Festung nach den Freiheitskriegen durch die Preussen erweitert und modernnisiert wurde, werde ich mich bei der Gestaltung der Schlossfront (soweit ich sie baue) mehr an den Belagerungsplan von Major Vogel halten.

                      Heute hatte ich Gelegenheit mir in der Waffensammlung des Sigmaringer Hohenzollenschlosses ein paar Wallbüchsen anzuschauen. Leider durfte man nicht fotografieren. Junge, das waren Wummen. Kein Wunder, daß die durch eine Faschine durch schossen, wie nix.

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                      • #12
                        Bei den mir vorliegenden Transportlisten zur Ausrüstung der Festung Torgau (Lieferungen erfolgten aus dem Hauptzeughaus Dresden in der Zeit von 02 – 07/1813 auf dem Land- und Wasserweg) sowie der Übergabeliste des Hauptzeughausbestandes an die Franzosen (Dresden 30.10.1813) haben sich keine Wallbüchsen auffinden lassen. Zu Wittenberg habe ich in den Unterlagen nichts gefunden.

                        Bei den Transporten nach Torgau werden 6-, 12- und 18-pfündige Wallaffuiten sowie 24-pfündige gribeauvalsche Wallaffuiten mit Bettungsrahmen aufgeführt.

                        Auch aufgeführt werden u.a. 27 Pechkellen an langen Stielen.
                        Wenn der Feind in Schußweite ist, bist Du es auch. Vergiss dabei nie, dass Deine Waffe vom billigsten Anbieter stammt.

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                        • #13
                          Zitat von Da Capo Beitrag anzeigen
                          Auch aufgeführt werden u.a. 27 Pechkellen an langen Stielen.
                          Hoyer schreibt in seinem Buch über die Kriegsbaukunst im Teil über den Angriff und die Verteidigung fester Plätze, daß sich in den Magazinen befindliche Hellebarden, Lanzen und Morgensterne trefflich bei der Verteidigung des Walls einsetzen lassen. So hatten also auch eigentlich schon überalterte Waffen ihren Stellenwert bis in die napoleonische Zeit.

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                          • #14
                            Zitat von Mr. Pett Beitrag anzeigen
                            Hoyer schreibt in seinem Buch über die Kriegsbaukunst im Teil über den Angriff und die Verteidigung fester Plätze, daß sich in den Magazinen befindliche Hellebarden, Lanzen und Morgensterne trefflich bei der Verteidigung des Walls einsetzen lassen. So hatten also auch eigentlich schon überalterte Waffen ihren Stellenwert bis in die napoleonische Zeit.
                            Ich würde eher sagen, die alterrtümlichen Hieb- und Stichwaffen waren halt noch im Bestand, so wie manch eine Hakenbüchse. Diese werden auch noch z.b. im Armierungsplan von Jülich für ca. 1820 aufgeführt. Zur Abwehr eines Sturms durch die Bresche oder einer Eskalade mögen sie einen gewissen Wert gehabt haben. Für den Sturm auf Wittenberg im Januar 1814 habe ich jedoch keine Hinweise gefunden, hier entschieden das Bajonett, Musketenfeuer und die Kartätschen; bei den bis zum letzen Blutstropfen durchgefochtenen Belagerungen auf der iberischen Halbinsel 1809-1813 (siehe Saragossa, Badajoz, Gerona etc.) mag es sich anders verhalten haben.,
                            Zuletzt geändert von Blesson; 25.04.2018, 22:07.
                            Do, ut des

                            http://www.ingenieurgeograph.de

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                            • #15
                              Da ich im Moment im Urlaub bin, nutze ich diesen unter Anderem die zeitgenössischen Bücher zur Belagerung Wittenbergs ein zweites mal zu studieren.

                              In Major Vogels Buch zur Belagerung Torgaus und Wittenbergs wird auf Seite 121 in Wittenberg der Gebrauch von Wallbüchsen zur Bekämpfung der Sappenspitze erwähnt. *Wirksames Feuer aus Wallbüchsen vom gedeckten Wege aus*.

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