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preußische Militärschuhe: benagelt oder nicht ?

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  • #16
    Ein weiteres Indiz findet man in der Geschichte des 3. Westfälischen Landwehrregimentes, speziell des 4. Bataillons:

    4tes Bataillon.
    Am 13.2.1814 an Bekleidung komplett. [Kochendörffer, Berichte, S.62] [Garrelts, S. 57]
    An Bekleidung hatte das Bataillon bis Mitte Februar 1814 in jedem Stück
    nur die Hälfte des ihm zustehenden Quantums erhalten. [Organisationanisation. S.95]
    1.12.1813 Ausschreibungen für das Bataillon:
    2.800 Berl. Ellen dunkelblaues Tuch zu Litewkas ‑ 3,5 Ellen
    14.800 Knöpfe dazu ‑ 18,5 Knöpfe
    1.600 Berl. Ellen graues Tuch zu Beinkleidern ‑ 2 Ellen
    4.000 Berl. Ellen graues Tuch zu Capot‑Röcken ‑ 5 Ellen
    8.864 Ellen Löwendlinnen zur Fütterung ‑ 10,08 Ellen
    263 Berl. Ellen rotes Tuch zu Aufschlägen und Kragen ‑ 0,32875 Ellen
    600 Ellen Löwendlinnen zu Gamaschen ‑ 0,75 Ellen
    1120 Knöpfe dazu ‑ 1,4 Knöpfe
    36 Ellen schwarzes Tuch zu Binden ‑ 0,045 Ellen
    4 Kalbfelle zu den Binden
    750 Patronentaschen für die Soldaten
    52 Kartouschen für die Unteroffiziere
    1.600 Paar mit Nägeln beschlagene Kommisschuhe
    800 Stück Tornister von zubereiteten Kalbfellen.
    Verarbeitung der Stoffe durch örtliche Handwerker. [Hagedorn, S. 52]
    Im Sommer 1814 Sammlung von Leinewand im Kreis, um die Landwehrleute
    mit Drillichsachen zu versehen. [Hagedorn, S. 53]
    Dies ist eine Zusammenstellung von Quellen, da mir nicht alle vorliegen, kann ich die Aussagen nicht prüfen

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    • #17
      Könnten die Schuhnägel auch als Rutschutz auf feuchtem Boden gedient haben (ähnlich den Stollen bei Fußballschuhen) ? Da ich noch keine Schuhe fürs Reenactment besitze, was sagen denn die Praktiker hierzu ?
      << Le Prussien >> links des Rheins
      Les Grognards de la Somme
      4éme régiment d'infanterie de ligne 2éme bataillon
      http://lesgrognardsdelasomme.jimdo.com/

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      • #18
        @ fusilier - eher nicht.
        Schnelles Rennen und plötzliches Stoppen gehörten (anders als beim Fußball) damals nicht primär zum Einsatzkonzept der Schuhträger.

        Jahrelanger Selbstversuch hat im Gegenteil gezeigt, daß ungenagelte Ledersohlen auf Erde + Gras kein Gefahrenpotential darstellen.

        Im Gegensatz dazu verlangen genagelte Schuhe auf Innenraumfußböden (Terazzo, Fliesen... war damals eher irrelevant, schon klar) höchste Konzentration beim Laufen.

        Gruß
        Jörg
        The light at the end of the tunnel
        is from an oncoming train.

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        • #19
          Es ist allerdings festzustellen, dass genagelte Schuhe an Böschungen oder im hügeligem Terrain die Steigung oder das Gefälle besser bewältigen als solche mit blanker Ledersohle, um so mehr, wenn's feucht ist.

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          • #20
            Bonsoir,
            meine Erfahrungen mit den genagelten Schuhen, die ich seit einiger Zeit habe, bestätigen jene von Haupti: Das 4e hatte letztens einen Marsch bei feuchtem, regnerischem Wetter. Es waren auch einige Interessierte mit Sportschuhen dabei, und die sind doch ziemlich gerutscht, als es bergauf ging. Ich hatte da weniger Probleme, also die Nägel haben schon Vorteile als Rutschschutz.
            << Le Prussien >> links des Rheins
            Les Grognards de la Somme
            4éme régiment d'infanterie de ligne 2éme bataillon
            http://lesgrognardsdelasomme.jimdo.com/

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            • #21
              Wobei wir beim Winter wären, auf Eis und hartem Schnee sind genagelte Schuhe gold wert.
              Und Winter gab es damals auch.

              Grüsse vom Voltigeur

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              • #22
                In einem Aktenverzeichnis - leider gibt es nur noch das Verzeichnis, die Akten selbst sind nicht mehr vorhanden - wird die folgende Akte erwähnt (GStA PK IV. HA Rep. 4, Nr. 136, p. 51):

                Acta betr. die Schuhe mit Nägeln zu beschlagen, die hiezu gehörenden Berichte der Truppen pp. 1815.
                Dabei ein Vermerk: "Die Verhandlungen über das Beschlagen der Schuhe mit Nägeln und der Schuhe mit verlängertem Hackenladen daraus entnommen [...]"
                Was sind Hackenladen ?

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                • #23
                  Auszug aus dem Tagesbefehl des Majors v.Ryssel (Intendant VII.Armeekorps) vom 02.06.1812:
                  „Es müßen durchaus alle Schuhe mit Zwecken beschlagen sein, wo dieses nicht durchgängig gefunden wird, wird der Compagnie-Commandant zur strengsten Verantwortung gezogen. Auch müßen die Schuhe durch das fleißige Schmieren derselben stets geschmeidig gehalten werden, außerdem sie bey großer Hitze brechen.“
                  Wenn der Feind in Schußweite ist, bist Du es auch. Vergiss dabei nie, dass Deine Waffe vom billigsten Anbieter stammt.

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                  • #24
                    Aus:

                    https://www.verlag-koester.de/buch/t...rck-1790-1873/

                    Seite 190, Tagebucheintrag vom 27. Dezember 1813. Der Autor ist Offizier im 1. Garde-Regiment zu Fuß, und ärgert sich so über den Lärm, den eine tanzende Gesellschaft im Stockwerk direkt über seinem Nachtquartier verursacht, daß er nicht einschlafen kann:

                    Tausendmal verwünschte ich den, welcher zum ersten Mahl auf den Einfall gekommen war, unsern Leuten, welches im Vorbeygehen gesagt die Haupttänzer waren, die Schuhe mit Nägeln zu beschlagen.
                    Bismarck bezeichnet die Gesellschaft als die "Beaumond Rohrbachs" (beau monde - schöne Welt, die besser situierten Kreise), Rohrbach selbst war jedoch nur ein kleines Dorf, heute Stadtteil von Heidelberg. Da Bismarck am Ende die ganze Gesellschaft durch die Wache nach Hause schicken ließ, dürften die militärischen Gäste nur Mannschaften oder vielleicht auch freiwillige Jäger gewesen sein.

                    Das 1. Garde-Regiment zu Fuß ist natürlich nicht repräsentativ für die ganze Armee.

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                    • #25
                      Bemerkenswert ist, dass das Thema Schuhe seit je her in den Reglements und Montierungsvorschriften in Preußen eine untergeordnete, besser gesagt kaum eine Rolle spielte. Gemäß den früheren Reglements standen dem Gemeinen jährlich 2 Paar Schuhe und 2 Sohlen zu, die zu den kleinen Montierungsstücken zählten. ( 1713: 2 Paar 3-solige Schuhe) Für die Beschaffung war der Kompaniechef verantwortlich.
                      Mit dem Entfall der Soldabzüge für Bekleidung etwa 1725 wurden die Regiments und Kompanieunkostenkosten erst etatmäßig.
                      So blieb es auch in der Folgezeit.
                      1802 z.B. wurden für 2 Paar Schuhe 1 Taler 2 gr. und für die Sohlen 6 gr. gegeben. Die Form der Schuhe wechselte von stumpf auf rund. Im Jahre 1804 wurden die Tragezeiten für Schuhe auf den ersten Sohlen mit 4 Monaten und für versohlte Schuhe mit 2 Monaten festgeschrieben. Die Rekruten der Königswerbung erhielten nur alte Schuhe für 12 gr., die Rekruten der Regimentswerbung dagegen neue Schuhe für 1 Taler 4 gr. Beurlaubte bekamen alle 2 Jahre neue Schuhe.
                      Bestand früherer Bedarf war der Kompaniechef zur unentgeltlichen Lieferung verpflichtet. Dies machte sich besonders in Kriegszeiten mit den langen Märschen finanziell bemerkbar.

                      Mit den Tragezeiten 2x4 + 2x2 Monate kam man auf das volle Jahr. Um die Sohlen zu befestigen brauchte es Hilfsmittel. Da ein Leimen oder Nähen besonders in Kriegszeiten kaum in Frage kommt und darüber hinaus Spezialkenntnisse erforderte, bleiben m. E. nach nur Befestigungen mit Metall-oder Holznägeln übrig, die jeder Soldat nach Bedarf selbst vornehmen konnte. Die Rutschfestigkeit und die Abnutzung scheinen mir dagegen eher Nebeneffekte zu sein.
                      Da das Benageln höchstwahrscheinlich Sache des einzelnen Soldaten war, erklärt auch das Vorhandensein ungenagelter Schuhe. Neu gelieferte Schuhe dürften wohl kaum benagelt gewesen sein. Die Nägel selbst waren, wie Martin oben schon feststellte, kein großen Kostenfaktor und wurden wohl eher aus den pauschalen Kompanieunkosten bestritten.

                      Die abgebildeten Schuhe bei Horath, Band I, S. 96 ff gehörten zu einer lebensgroßen Figur und es erscheint mir fraglich ob sie jemals im alltäglichen Gebrauch waren oder ob es sich hierbei nur um ein Probestück handelt. Die so randgenähten Schuhe dürften sich schnell abgelaufen haben.
                      Übrigens Holznägel verwendet man auch heute noch, um bei ausgefallenen Metallnägeln den neuen Nägeln wieder besseren Halt in den meist erweiterten alten Nagellöchern zu geben.

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