Ankündigung

Einklappen
Keine Ankündigung bisher.

Brotwagen der frz. Infanterie im Feldzug 1809 und später?

Einklappen
X
 
  • Filter
  • Zeit
  • Anzeigen
Alles löschen
neue Beiträge

  • Brotwagen der frz. Infanterie im Feldzug 1809 und später?

    Der Kriegs-Rat v.Watzdorf, seines Zeichens General-Intendant des sächsischen mobilen Truppenkorps schreibt in einem Bericht vom 02.05.1809 an den König: " ja sogar neulich jedem Bataillon ein 1000 Brot-Portionen à 1 1/2 Pfund fassender Deckelwagen zur eigenen Unterhaltung gegen ein Gebührnis auf Befehl des Kaisers beigegeben worden."

    Gibt es hier im Forum einen Wissenden, der mir sagen kann, wo diese Wagen herkamen (Neuherstellung oder Entnahme aus z.B. bayr. Depots), wie sie bespannt wurden und ob diese Wagen über den Feldzug hinaus beibehalten wurden.

    Vielen Dank.
    Wenn der Feind in Schußweite ist, bist Du es auch. Vergiss dabei nie, dass Deine Waffe vom billigsten Anbieter stammt.

  • #2
    Hier ist ein kaiserliches Dekret vom 7. April 1809 abgedruckt:

    https://books.google.de/books?id=RmA...3&dq=septembre

    Darin wird "jedes Linien und leichten Infanterie-Bataillon unserer Armeen in Deutschland und Italien" (das dürfte die dazugehörigen Rheinbundtruppen mit einschließen) "ohne Verzug" mit einem Wagen [caisson] versehen. Jeder Wagen hat vier Räder und ist vierspännig, er wird von zwei Soldaten gefahren.

    Diese Wagen werden Lebensmittel-Wagen [caissons de vivres] genannt und "ausschließlich zum Transport von Brot oder Zweiback" verwendet. Sie folgen den Truppen auf dem Marsch oder werden zum Transport in den Orten, wo sie stationiert sind, verwendet.

    Zum Ankauf jedes dieser Wagen, samt der vier Pferde und des Geschirrs, werden 2200 Franc gewährt.

    Kommentar


    • #3
      Im sehr hilfreichen Werk von Lechartier über die Services de l'arrière à la Grande Armée 1806-1807 finden sich einige Informationen zu Transportmitteln für Brot (und weiteren Utensilien) ab Seite 96 (Gallica).

      Schöne Grüße
      Markus Stein
      "Wenn wir geboren werden, weinen wir, weil wir diese große Narrenbühne betreten" (King Lear) ... jedem also sein ganz persönliches (Hof-) Narrenleben

      Kommentar


      • #4
        Im Aperçu Historique sur le service des Transports Militaires (A. Pernot, Paris 1894) findet sich auf Seite 173 (Kapitel zum Feldzug von 1809) folgendes Zitat:

        Au commencement d'avril, chaque bataillon d'infanterie de l'armée d'Allemagne reçut un caisson construit sur le modèle de ceux du train des équipages pour le transport du pain ou du biscuit ... L'administration organise quelques convois au moyen d'équipages loués sur le pays et des voitures enlevées à l'ennemi à Landshut (1). Un parti de cavalerie protège le transbordement et un commissaire des guerres dirige les convois de vivres par terre jusqu'à Saint-Polten.
        In der Fußnote wird der von Sans-Souci schon angegebene Befehl als Quelle angegeben, der auch in den Memoiren von Pelet abgedruckt ist. Allerdings dürften die Wagen nicht unbedingt dem vorgeschriebenen Aussehen (des Train des Equipages) entsprochen haben, wenn hier wohl auf requiriertes Fuhrwerk zurückgegriffen wurde. Interessant wären jetzt Darstellungen aus dem Feldzug zu untersuchen.

        Schöne Grüße
        Markus Stein
        "Wenn wir geboren werden, weinen wir, weil wir diese große Narrenbühne betreten" (King Lear) ... jedem also sein ganz persönliches (Hof-) Narrenleben

        Kommentar


        • #5
          Der erste Band des österreichischen Werks zum Krieg 1809, veröffentlicht vom k.u.k. Kriegsarchiv Wien 1907 finden sich einige interessante Passagen im Abschnitt zum "Verpflegs-, Train- und Sanitätswesen" auf den Seiten 92 bis 97.

          Dort ist von "enormen Verlusten an Fuhrwerk nach dem unglücklichen Ausgang des bayerischen Feldzuges" die Rede. Als Fuhrwerk zum Transport von Brot und Zwieback werden zum einen "schwere Wagen" der Fuhrwesen-Transportdivisionen genannt, die sich beim Korps befanden. Die Versorgung der Einheiten erfolgte über deren "Proviantwagen". Eine Anmerkung auf Seite 96 gibt die vorgeschriebenen Proviant- oder Leiter-Wagen für die Einheiten wie folgt an:

          Infanterieregiment: 10 vierspännige Wagen
          Grenzinfanterieregiment: 6 vierspännige Wagen
          Jägerbataillon: 6 zweispännige Wagen
          Pionierdivision: 4 zweispännige Wagen
          Kavallerieregiment: 3 vierspännige Wagen
          Wiener Freiwilligenbataillon: 2 vierspännige Wagen

          Zur Versorgung der französischen Infanterie findet sich auch ein Hinweis auf Seite 126.

          Als Verpflegsausrüstung bei Beginn der Operationen war ein viertägiger Brotvorrat festgesetzt, womit die Truppen zu diesem Zeitpunkt nahezu durchwegs versehen war.
          Am 13. März 1809 bewilligte Napoleon jedem Bataillon ein ärarisches Fuhrwerk, den vierspännigen Lebensmittelwagen, der 1000 Brotportionen verfrachten konnte. Doch dürften nur wenige Truppen rechtzeitig damit ausgerüstet worden sein.
          Wenn nun von Requisitionen nach dem Aprilfeldzug ausgegangen wird, was auch durch das hier erwähnte Zitat der österreichischen Verluste bestätigt wird, könnte die Französische Armee also ab Mai 1809 mit zahlreichen vormals österreichischen Proviantwagen zur Versorgung ihrer Infanterieeinheiten ausgestattet worden sein.

          Schöne Grüße
          Markus Stein
          "Wenn wir geboren werden, weinen wir, weil wir diese große Narrenbühne betreten" (King Lear) ... jedem also sein ganz persönliches (Hof-) Narrenleben

          Kommentar


          • #6
            Vielen Dank für die interessanten Informationen allerseits! Wir müssen uns ohnehin hüten, die heutigen Vorstellungen von Armeen mit einheitlicher Uniformierung und Bewaffnung / Ausrüstung auf die damalige Zeit (unbewusst) zu übertragen. Erstens setzte das Manufakturwesen (im Gegensatz zur nach Normen produzierenden modernen Industrie) einer Standardisierung gewisse Grenzen, wenn auch z.B. in Frankreich bereits stark mit Mustern gearbeitet wurde. Zum anderen wurde, wie wir bspw. von der französischen und preußischen Artillerie wissen, fremdes Material freizügig übernommen und damit improvisiert. Auch die angespannte Finanzlage praktisch aller europäischen Länder - nach jahrelangen Feldzügen - dürfte dabei eine Rolle gespielt haben.
            Gruß, Tom

            Kommentar


            • #7
              Mein Französisch ist nicht das beste, aber wenn ich richtig verstanden habe, dann wurden die Wagen zwar den Bataillonen ins Inventar gegeben, aber in Verpflegungsparks (parc de vivre) zusammengefasst, von einem Kavallerie-Detachement begleitet und als Park von einem Kriegs-Kommissar geführt.

              Eine Zuteilung zu den compagnies d'artillerie regimentaire erfolgte in keinem Fall?

              Wenn den Bataillonen die Beschaffung des Wagens und der Pferde oblag, liegt es nahe, dass sie auch für die Gestellung des Fahrers verantwortlich waren. Oder hatten die Equipage-Train-Kompnaien soviel Überzählige, die diese Wagen bemannen konnten?

              Wollten wir nicht mal ein Symposium zur Heeresversorgung abhalten?
              Wenn der Feind in Schußweite ist, bist Du es auch. Vergiss dabei nie, dass Deine Waffe vom billigsten Anbieter stammt.

              Kommentar


              • #8
                Symposium zur Heeresversorgung - gute Idee, da wäre ich sofort dabei!
                Gruß, Tom

                Kommentar


                • #9
                  Wäre in der Tat ein schönes Thema - das merke ich mir mal
                  "Wenn wir geboren werden, weinen wir, weil wir diese große Narrenbühne betreten" (King Lear) ... jedem also sein ganz persönliches (Hof-) Narrenleben

                  Kommentar

                  Lädt...
                  X