Ankündigung

Einklappen
Keine Ankündigung bisher.

Wirkung von Regen und Nässe auf Schußwaffen

Einklappen
X
 
  • Filter
  • Zeit
  • Anzeigen
Alles löschen
neue Beiträge

  • #16
    Major Hiller von Gaertringen schreibt in seinen Denkwürdigkeiten (S. 163), daß die Gewehre der Franzosen an der Katzbach "eher" unbrauchbar wurden als die der Preußen (die ja bei den konischen Zündlöchern kein Pulver auf die Pfanne schütten mußten). Die preußischen "Jäger und ein Teil der Schützen" hatten Regendeckel, mit denen sich auch bei Regen leidlich schießen ließ. Allerdings galt das wohl auch nur für den Beginn der Schlacht, später standen seinen Leuten "die Läufe voll Wasser".

    Von einem Eindringen feindlicher Reiterei in seine vier Karrees (1. Bataillon Brandenburgisches Infanterie-Regiment, 3. Bataillon 5. Schlesisches Landwehr-Infanterie-Regiment, 4. Bataillon 14. Schlesisches Landwehr-Infanterie-Regiment, Thüringisches Bataillon) schreibt Hiller nichts, nur daß er "ganz von der feindlichen Kavallerie umschwärmt" gewesen sei.

    Müller's 1896er Regimentsgeschichte des 12. Regiments berichtet jedoch (S. 58), das 1. Bataillon dieses Regiments wäre von französischen Chasseurs "nahe bedroht" worden: "Einzelne Reiter sprengten bis dicht heran, versuchten einzudringenm, und hieben und stachen auf das erste Glied los; aber die Brandenburger [...] gebrauchten ihre Bajonette ebenfalls kräftig, und verwundet mußten die braven Chasseurs von ihrem Vorhaben abstehen."

    Das deckt sich ziemlich mit Marbots Angaben.

    Kommentar


    • #17
      Nocheinmal zu den Kanonen.

      Ihr habt ja bisher nur von der Tribeladung gesprochen, die feucht werden könnte.
      Aber was ist mit der Zündladung im Zündgatt des Geschützes.
      Wenn man von strömendem Regen ausgeht, könnte da nicht auch die Gefahr sehr viel größer sein, dass die Zündladung gar nicht abbrennt und es so zu Problemen auch bei der Artillerie kam?
      "Revolution: eine Meinung, die auf Bajonette trifft."
      Napoleon Bonaparte (1769-1821)

      Kommentar


      • #18
        Französische Musketen an der Katzbach

        Der von Oli beschriebene Nachteil der Franzosen wird zumindest annähernd im o.g. Buch bestätigt ... denn in Bezug auf die russischen Kavallerieattacken auf dem Felde westlich der Neiße wird geschrieben:

        Die Angriffe wurden mit großer Energie und Zähigkeit geführt, mehr als 10 mal soll die russische Kavallerie gegen die französischen Kolonnen angeritten sein, und nur mit Mühe konnten sich diese, da auch ihre Gewehre infolge des Regens fast sämtlich versagten, des Ansturms erwehren.
        Da ergibt sich schon eine "interessante" Gefechtsweise ... denn so wie es aussieht, war es an der Katzbach zumindest bzgl. des Musketenfeuers "recht ruhig".

        Markus Stein

        P.S. Sattig zog für die Betrachtung der Franzosen das französische Generalstabswerk von Fabry heran - der Titel muss "Katzbach" lauten; leider habe ich nur den Band für den Zeitraum vom 5. bis 21. September 1813, kann es also nicht verifizieren, aber vielleicht hat ja jemand Anderes Zugang zu diesem Band
        "Wenn wir geboren werden, weinen wir, weil wir diese große Narrenbühne betreten" (King Lear) ... jedem also sein ganz persönliches (Hof-) Narrenleben

        Kommentar


        • #19
          Gneisenau über Katzbach

          Hallo Markus,

          ja, interessanter Thread! Hier noch der Augenzeugenbericht des Generalstabschefs der Schlesischen Armee.

          Gneisenau schreibt (am 28.08.1813 an Clausewitz): "Ein Landwehrbataillon v Thiele ward von feindlicher Reiterei umringt und aufgefordert, sich zu ergeben. Es feuerte; nur ein Gewehr ging los; dennoch ergaben die Landwehrmänner sich nicht. ´Nein! Nein!´schrien sie und stießen mit den Bajonetten. [...] Die Schlacht hatte ganz das Aussehen einer antiken. Das Feuer während derselben schwieg gegen Ende des Tages ganz, bis wir durch den durchweichten Boden wieder Geschütz herbeirufen konnten. Nur das Geschrei der Streitenden erfüllte die Luft; die blanke Waffe entschied."

          Quelle:
          Gneisenau, N.v. Ausgewählte militärische Schriften. Berlin : Militärverlag, 1984 (S. 289) [tlw. auch bei Delbrück zitiert]

          Viele Grüße, Thomas H.

          Kommentar


          • #20
            Murat,
            ich denke nicht, dass das so ein großes Problem war. Schließlich wurde da nicht einfach Pulver aufs Zündloch geschüttet, sondern der Zündsatz dürfte sich ein einer Art Röhre befunden haben, die ins Zündloch gesteckt wurde. Es kam natürlich darauf an, welche Qualität das ganze hatte. Versagte da mal mal was, zog man das Teil einfach raus und setzte ein neues ein. Es gab da auch spezielle Typen, die bei Regen benutzt wurden.

            Kommentar


            • #21
              Major von Thiele kommandierte das in Löwenberg formierte 2. Bataillon des 14. Schlesischen Landwehr-Infanterie-Regiments.

              Kommentar


              • #22
                Zitat von Gunter Beitrag anzeigen
                Murat,
                ich denke nicht, dass das so ein großes Problem war. Schließlich wurde da nicht einfach Pulver aufs Zündloch geschüttet, sondern der Zündsatz dürfte sich ein einer Art Röhre befunden haben, die ins Zündloch gesteckt wurde. Es kam natürlich darauf an, welche Qualität das ganze hatte. Versagte da mal mal was, zog man das Teil einfach raus und setzte ein neues ein. Es gab da auch spezielle Typen, die bei Regen benutzt wurden.
                Oh, entschuldigung, das wusste ich nicht. Ich bin davon ausgegangen, dass man an Land genauso wie auf See vorging, nämlich, dass man das Pulver aus einem Pulverhorn so ins Zündgatt schüttete, nachdem man die Kartusche durchstochen hatte.


                Gruß,
                Marshall Murat
                "Revolution: eine Meinung, die auf Bajonette trifft."
                Napoleon Bonaparte (1769-1821)

                Kommentar


                • #23
                  Murat,
                  interessant wäre dabei die Frage, warum man auf See keine kompakten Zündsätze benutzte. Vielleicht weil die Röhre beim Schuss rausflog und dann ggf. noch glimmte. Das lose aufgeschüttete Pulver verbrannte vermutlich stattdessen vollständig. Ich bin allerdings kein Experte auf dem Gebiet.

                  Kommentar


                  • #24
                    Sanctas simplicitas, was für Vorstellungen über die Artillerie!

                    1) Feldgeschütze: Die Zündung der Kanonen und Haubitzen (nicht der Mörser) erfolgte über Schlagröhren oder Stoppinen, die oben mit Wachspapier oder einem anderen Papier umwickelt waren. Die Anfeuerung, auch Näpfchen genannt, konnte einen Satz mit einer weniger feuchtigkeitsempfindlich Beimengung von Phosphor enthalten. Erst kurz vor dem Schuß wurde die Schlagröhre aus der Schlagöhrentasche gezogen, in das Zündloch gesetzt und das Papier von die Hülse abgezogen. außerdem soll es üblich gewesen sein, daß Zündloch mit der Hand (!) abzudecken. Die bei den Engländern üblichen blechenen Schlagröhren dürften am wenigsten empfindlich gewesen sein. Weiter waren Hülsen aus Holz oder Schilf üblich. Da Steinschlösser bei kontinentalen Armeen (Außer Hannover bis 1803) nicht verbreitet waren, brauchen sie hier nicht betrachtet zu werden. Letzte Sicherheit gegen Regentropfen dürfte es hier auch nicht gegeben haben - Literaturstellen hierzu wären hilfreich.

                    2) Belagerungen: Zündung über Zündkraut war nur bei Mörsern (siehe Zündmuschel), gelegentlich bei schweren Belagerungsgeschützen, üblich, wo keine hohe Schußkadenz, sondern der genau gerichtete Schuß gefordert war. Bei schwerem Regen war dann ein Feuern nur aus Kasematten oder gedeckten Batterien (ähnlich wie bei den Schiffsgeschützen unter Deck) möglich.

                    3) Bei Regenwetter war es üblich mit Zündstöcken (auch Zündlichter genannt, engl. fast match), nicht mit den empfindlicheren Lunten (engl. slow match) zu zünden. Durch eine Beimischung von Phosphor brannten diese auch unter Wasser - allerdings laut Scharnhorst je nach Satz nur ca. 7-15 Minuten. Der Zündstock brennt mit so hohen Temperaturen (weiße Glut!), daß er durch seine Hitze selbst ein angefeuchtetes Näpfchen gezündet haben dürfte.

                    4) Die Lunten oder Zündstöcke wurden am Luntenspieß entzündet - es kam also darauf an, diesen weiter unter Glut zu halten. Auch hier war ein weniger feuchtigkeitsempfindlicher Satz üblich. In wieweit noch Luntenberger bei den verschiedenen Artillerien üblich waren, wäre zu klären (z.B. Rußland).

                    5) Um Feuerbereitsschaft herzustellen, wurde gleich bei Beginn der Gefechts der Befehl "Lunten an" gegeben. Bei Regen für Geübte wohl auch kein Problem.

                    6) Die kartuschierte Munition mit den Treibladungen wurde ja in regengeschützen Munitionswagen oder Kastenprotzen transportiert; die Treibbeutel waren durch Leinenanstrich o.ä. zusätzlich vor unmittelbar eindringenden Regen geschützt. Allerdings konnte die Wirksamkeit der Treibladung durch die Luftfeuchtigkeit, die nur schwer herausgehalten werden konnte, beinträchtigt werden. Meist wogen wohl die mechanischen Schäden durch den Transport schwerer, da die Körnung durch das Stampfen und Rütteln verlorengehen konnte. Schlecht gemahlenes Pulver konnte sich auch wieder in seine Bestandteile zersetzen...

                    Man sieht, daß viele Faktoren die Feuerbereitschaft und Wirkung der Artillerie beinträchtigen konnten - allerdings weitaus weniger, als bei der Infanterie.

                    LB
                    Zuletzt geändert von Blesson; 25.06.2007, 21:41.
                    Do, ut des

                    http://www.ingenieurgeograph.de

                    Kommentar


                    • #25
                      Vielen Dank für die fachkundige und übersichtliche Erklärung. So ganz falsch lag ich ja nicht. Ich meine gelesen zu haben, dass die Russen ihr patronierte Munition in Blechhülsen steckten um die Form der Kartuschen zu erhalten.

                      Kommentar


                      • #26
                        Die einschlägigen Verdächtigen zeigen jedenfalls für die russische Artillerie Luntenberger aus Messing.

                        Jörg
                        The light at the end of the tunnel
                        is from an oncoming train.

                        Kommentar


                        • #27
                          Die Russen hatten ohnehin die vermutlich eine der modernsten Artillerien der damaligen Zeit. Das ganze französische Gribeauvalzeug war dagegen längst veraltet. Selbst einen Vergleich mit den Briten brauchten die Russen nicht zu scheuen, wenn man die Artillerie mal unfassend hinsichtlich Technik, Organisation, Taktik usw. betrachtet.

                          Kommentar

                          Lädt...
                          X