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Der Amerikanischer Bürgerkrieg...

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  • #31
    Das ist ja eben die Sache, dass es (heute) irre führend ist. 1860 war aber napoleonisch eben mit Bezug auf Napoleon III. gemeint - ist ja auch irgendwie klar (für die Leute damals), wenn er der einzige Herrscher namens Napoleon zu der Zeit ist Nosworthy stellt ganz gut heraus, dass die Militärs (und wissenschaftlichen Zeitschriften) in den Staaten recht genau das Geschehen auf den europäischen Schlachtfeldern begutachteten, und da eben besonders die französischen Erfolge der 1850er.
    "I had not previously known one could get on, even in this unsatisfactory fashion, with so little brain."
    Ambrose Bierce "What I Saw of Shiloh"

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    • #32
      Es gibt im übrigen ein sehr gutes neues Buch zur Entwicklung der Kavallerie über alle Zeitepochen mit einem guten Abschnitt zur Kavallerie des amerikanischen Bürgerkriegs: "War Horse" von Louis DiMarco.

      Die Amerikaner hatten weder eine relevante Kavallerietradition noch professionell ausgebildete Kavallerieregimenter. Deshalb wurde im Krieg viel improvisiert und pragmatisch aus der Praxis entwickelt.

      Auf der einen Seite wurde dadurch das Potential professionell trainierter Kavallerie in diesem Krieg nicht genutzt.

      Auf der anderen Seite wurden neue Einsatzformen entdeckt, welche für die Zukunft Richtungsweisend wurden. Die Verteidigung der Kavallerie im Fussgefecht war im wesentlichen eine Erfindung der Unionskavallerie. Dies ging natürlich dann schon in Richtung berittene Infanterie. Aber in diese Richtung haben sich ja dann auch notgedrungen auf Grund der verbesserten Waffenwirkung die Europäischen Kavallerieverbände im Burenkrieg und Ersten Weltkrieg transformiert.

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      • #33
        das Buch von diMarco ist ganz nett, aber ist nur für die Moderne wirklich interessant. jedenfalls nicht was ich erwartet habe, weshalb es auch gleich ins Regal gewandert ist.

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        • #34
          Es hängt halt immer davon ab, was man erwartet.

          Ich kann es nur empfehlen. Es bietet einen systematischen und ausgewogenen Überblick über die Entwicklung der Kavalleriewaffe in 2500 Jahren. Da gibt es nicht viel Literatur drüber.

          Natürlich gibt es - bei der Fülle des Stoffes nicht anders zu erwarten - manche Details, die man anders sehen kann.

          Das ganze ist für einen anglo-amerikanischen Author erfreulicherweise nicht ausgesprochen Insel-lastig. Die Darstellung der nordamerikanischen Kavallerieerfahrung und des Burenkriegs gibt jedoch erfrischende andere Blickwinkel, die bei europäischen Autoren ansonsten oft übersehen wird.

          Die napoleonische Epoche kommt allerdings kavallerietechnisch bei DiMarco nicht gut weg. Umso besser aber Seydlitz.

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          • #35
            Zitat von Kaiserulan Beitrag anzeigen
            Es hängt halt immer davon ab, was man erwartet.

            Ich kann es nur empfehlen. Es bietet einen systematischen und ausgewogenen Überblick über die Entwicklung der Kavalleriewaffe in 2500 Jahren. Da gibt es nicht viel Literatur drüber.

            Natürlich gibt es - bei der Fülle des Stoffes nicht anders zu erwarten - manche Details, die man anders sehen kann.

            Das ganze ist für einen anglo-amerikanischen Author erfreulicherweise nicht ausgesprochen Insel-lastig. Die Darstellung der nordamerikanischen Kavallerieerfahrung und des Burenkriegs gibt jedoch erfrischende andere Blickwinkel, die bei europäischen Autoren ansonsten oft übersehen wird.

            Die napoleonische Epoche kommt allerdings kavallerietechnisch bei DiMarco nicht gut weg. Umso besser aber Seydlitz.
            ja ich stimm dir generell schon zu, vor allem die Burenkriege sind nicht so selbstverständlich wie man meinen könnte, die meissten Authoren versteifen sich dabei auf die Aspekte der abgesessenen Kriegsführung vor allem im Hinblick auf den folgenden 1. WK.
            was das Buch aber überhaupt nicht erfüllt sind die 2500 Jahre, wenn man es genau nimmt sind es nichtmal 250 Jahre, weder geht er vor dem 19. Jhd. ernsthaft auf aussereuropäische Kavallerie ein, noch fällt es ihm ein nach dem 2. WK hinaus das Pferd in der Kriegsführung Südafrikanischer Länder in den Kriegen der 60er bis 70er zu diskutieren.

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            • #36
              Ich fand es schon ziemlich komplett. Altpersische Reiterei, Alexander der Große, Parther, Sassaniden, Ritter, arabische Reiterei, Mongolen, deutsche Reuter, 30-jähriger Krieg, Seydlitz usw.
              Alle revanten Entwicklungen der Kavallerietaktiken sind doch abgedeckt.

              @Latour-Maubourg: Was fehlt Dir?

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              • #37
                ich hab mir schon überlegt evtl. eine Rezession zu schreiben, na mal sehn.

                also vorneweg, allein wegen dem Titel dachte ich es würde Hauptsächlich auf die verschiedenen Pferderassen eingehn, was es auch generell tut, aber eben nur bei den Themen die er behandelt. was mir sonst so fehlt...die Mongolen hat er ja, und man muss wahrscheinlich nicht auf jedes einzelne Steppenvolk separat eingehn. ob man auf Alexanders und die Persische Reiterei wirklich eingehn muss, naja. bei den Achämeniden war die Reiterei ja nicht die Schlachtentscheidende Waffe, bei den Hellenen immerhin schon, wobei die wiederum eher eine Infanterielastige Armee hatten. bei den Sassaniden hingegen war Kavallerie definitiv das Gros der Armee.

                man muss auch einfach mal so sagen dass Europa bis ca. mitte 17. Jhd. generell den gösseren Asiatsichen Reichen hinterhergehinkt hat, vor allem auch in der Reiterei. z. b. das Moghul Reich in Indien hatte auf ihrem Höhepunkt ca. 300.000-600.000 Reiter, bei einer Papierstärke von einer Million (!), sowas kann man eigentlich kaum ignorieren, generell ging auf dem Indischen Subkontinent in Richtung Kavallerie sehr viel, und diese tradition ging auch nie wirklich verloren, man sehe nur mal 1. & 2. WK die berittenen Regimenter der britischen Kolonialmacht etc. wobei natürlich in der Literatur leider sehr wenig existiert über Indische Kriegsführung.

                was die moderne betrifft, warum redet er über westeuropäische Kavallerie? im europäischen Kontext kommt man eigentlich überhaupt nicht um die poln. Hussaria herum, immerhin war Polen-Litauen auch der grösste zusammenhängende Staat der Renaissance in Europa, und das nicht ohne Zufall. deshalb hätt ich mir als repräsentative Schlacht z.b. Kirchholm gewünscht anstatt von Lützen. speziell im 18. Jhd. hätte man auch noch Nadir Shah in Persien erwähnen können, aber für die meissten Authoren war Asien nach dem 17. Jhd noch nie interessant. in den Nap. Kriegen geht er ja wenn überhaupt nur rudimentär auf Frankreich ein und als Fallbeispiel wählt er Waterloo, da fallen mir bestimmt auf anhieb drei Schlachten ein die besser gewesen wären. deshalb verwundert es auch kaum wenn er Kellermann und Uxbridge lobt - wahrscheinlich kannte er sonst eh niemand...

                Rezonville ist bei ihm die letzte grössere Schlacht in der Kavallerie in klassischer Art gegeneinander gefochten hat, dabei ignoriert er ganz den 1. WK wo es doch in den ersten tagen sogar zu zwei Schlachten zwischen zwei Divisionen kam, Haelen in Belgien und Jaroslawice in Galizien, wobei nur die Belgier bei Haelen abgesessen gekämpft haben. dann gitb es noch mind. eine Schlacht jeweils im Polnisch-Russischen Krieg und im Russischen Bürgerkrieg 1920-21 in dem es zu grösseren Kavallerieschlachten kam, diese aber nicht gut dokumentiert sind. evtl. kam es auch in der Mandschurei 1945 noch zu zusammenstössen Mongolisch-Sowjetischer Kavallerie und der Mongolischen Kavallerie von Mandchukuo, das habe ich mir auch noch nich so genau angesehn, aber das ist auch recht schwierig wenn man nicht gerade Russisch oder Japanisch spricht...

                im Epilog geht er ja noch Afghanistan ein wo US Special Forces zusammen mit Nordafghanischen Rebellen für die Kamera herumreiten... es hätte mir besser gefallen wenn er sattdessen auf die Kriege der 60er-70er in Südafrika eingeganen wäre wo ja teilweise noch berittene Einehtien effektiv zum Einsatz gekommen sind durch Rhodesien im Buschkrieg, Portugal im Kolonialkrieg und auch von Südafrika in Angola und SW-Afrika. Afrika, abgesehn von den Buren wird ja eh nicht behandelt, obwohl im Westafrika das Pferd ab dem Spätmittelalter doch eine grosse Rolle in der Kriegführung gespielt hat. China muss man nicht wirklich behandeln obwohl es vielleicht interessant wäre, Lateinamerika ist da schon viel interessanter, da haben Gauchos unter anderem schon eien wesentliche Rolle gespielt vor allem im Unabhängigkeitskrieg. dann gibt es noch das Volk der Mapuche (Araukos) die im heutigen Chile schon im 16. Jhd. das Pferd für sich entdeckt haben und den Spaniern bzw. später Chilenen bis ins späte 19. Jhd. eben durch ihre Reiterei sehr erfolgreich die Stirn geboten haben. man merkt schon dass das Buch sehr Europa/Nordamerika-lastig ist....

                naja jetzt ist es ja doch fast ne Rezession geworden.. natürlich kann man kaum erwarten dass er all das in einem einzgien Buch abhandelt aber ich finde dass ähnliche Bücher teilweise besser wegkommen bei dem was sie haben als diMarco hier.

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                • #38
                  Da hast du natürlich Recht. Das Thema ist aber auch nicht einfach und für einen Ami ist DiMarco schon ziemlich umfassend. Das eine Buch, wo alles drinsteht, gibts ja eh nicht.

                  Vielleicht ein paar Anmerkungen:

                  Ich halte Alexanders Reiterei deshalb für die Darstellung der Kavallerietaktiken wichtig, da sie a) für ihn schlachtenentscheidend war und er b) eigentlich als einer der ersten die Attacke mit der blanken Waffe perfektioniert hat.

                  Die polnische Hussaria hat leider in der nicht-polnischen Geschichtschreibung noch nicht ihren gebührenden Platz gefunden. Sie waren es, welche die Attacke mit der blanken Waffe und die Schocktaktik wieder nach Europa brachten. Man schreibt dies ja Gustav Adolf zu, doch die Schweden hatten es in leidvoller Erfahrung vorher von den Polen lernen müssen.

                  Im Ersten Weltkrieg hat DiMarco zu sehr die britische Brille auf. Das beste Beispiel ist dabei das Gefecht von Lagarde am 11. August 1914, bei dem die bayerischen Ulanen - die ich ja darstelle - französiche Infanterie und Artillerie in einer Attacke weggefegt haben. Es ist die einzige erfolgreiche Attacke im größeren Verbandsrahmen an der Westfront. Und dann gibts ja noch den Feldzug von 1915 im Osten, bei dem die Kavalleriedivisionen ja eine wichtige Rolle spielten.

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                  • #39
                    "Civil War Tactics in Perspective":

                    http://johnsmilitaryhistory.com/cwarmy.html


                    Und um mit der ewigen Mär von den "schlechten" Bürgerkriegssoldaten aufzuräumen, empfehle ich den Artikel "Drill, Training, and the Combat Performance of the Civil War Soldier: Dispelling the Myth of
                    the Poor Soldier, Great Fighter" von Mark Weitz in The Journal of Military History 62/2 (April 1998).
                    "I had not previously known one could get on, even in this unsatisfactory fashion, with so little brain."
                    Ambrose Bierce "What I Saw of Shiloh"

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                    • #40
                      Hallo,
                      der verlinkte Artikel sagt doch eigentlich aus, dass die ACW-Soldaten eben nicht auf der Höhe der Zeit waren und mit einer Armee wie der preußischen nicht mithalten konnten. Sie mögen gut genug gewesen sein, es ging eben nicht anders, sie kämpften aber nur gegen ihre Landsleute, denen es auch nicht anders ging. Der direkte Vergleich ist schwierig, da kann man sich nur ein Bild aus den Ausssagen der zeitgenösischen Experten machen.
                      Ein wichtiger Punkt wird da genannt, dass die Schlachten im Bürgerkieg die Tendenz hatten, keine entscheidenden Siege hervorzubringen. Das lag aber ganz massiv an dem ebenfalls angeführten Nichtzurückhalten von Reserven, der schlechten Koordination der Waffengattungen und dem Unvermögen im Umgang mit der blanken Waffe. Disziplin war ja nun auch keine besondere Stärke der Bürgerkriegssoldaten, wobei das bei den napoleonischen französischen Soldaten nicht viel anders war.

                      Der Vergleich der Artillerie scheint mir nicht so recht durchdacht. Ein Napoleon-12-pdr ist keineswegs so einfach mit einem Geschütz ähnlichen Kalibers in den napoleonischen Kriegen gleichzusetzen. Ballistisch ist das eine andere Sache und von der verwendeten Munition her auch. Besser wäre es, man hätte die russischen Einhörner und kurzen 12-pdr zum Vergleich herangezogen, die dem Napoleon-12-pdr schon recht nahe kamen. Nur, wer kennt die schon?

                      Grüße

                      Gunter

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                      • #41
                        Napoleonic combat, the ultimate development of linear tactics,
                        Solche Aussagen erschrecken mich immer und dann wird dazu noch die Schlacht von Leuthen gezeigt.

                        Über die Soldaten des ACW - da hab ich eine andere Meinung als Gunther, die waren extrem kriegstüchtig, besonders im Westen.

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                        • #42
                          Zitat von HKDW Beitrag anzeigen
                          Über die Soldaten des ACW - da hab ich eine andere Meinung als Gunther, die waren extrem kriegstüchtig, besonders im Westen.
                          Und doch waren die Taktiken doch recht primitiv und die Einheiten nicht in der Lage die verschiedenen Standardformationen einzunehmen. Man fühlt sich da an den Unabhängigkeitskrieg und Steuben erinnert, der musste für die Amerikaner auch alles vereinfachen. Im Prinzip geht es doch immer wieder um das alte Problem: Wie behalte ich meine Leute unter Kontrolle, während sie gleichzeitig in Schützenlinie vorgehen sollen? Die amerikanische Lösung war dann eben die von den Briten übernommene zweigliedrige Linie, die aber keineswegs immer sinnvoll war. Es erwischt damit eben mehr eigene Soldaten im Gefecht als bei dem Einsatz in lockerer Formation möglich gewesen wäre. Zugleich konnte man so auch nicht richtig mit effektivem Nahkampf drohen (um mehr gings bei den Bajonetten ja meist nicht). Das Gelände war oft recht schwierig, so dass geschlossene Formation wenig Sinn hatten. Die Frage ist, waren die Leute für eigenständiges Kämpfen fit genug und kapierte die Führung diese Notwendigkeit?

                          Für ihre Verhältnisse waren die amerikanischen Soldaten schon recht gut, vor allem nachdem sie genügend Erfahrung sammeln konnten. Grundsätzlich hatte die ganze Nation aber kaum militärische Traditionen, selbst die Offiziere der Vorkriegsarmee hatten keine Erfahrung mit größeren Verbänden. Da waren ihnen die europäischen Armeen durchaus voraus. Kriegserfahrung ist der entscheidende Punkt, der den Unterschied machte, nur die sammelten europäische Armeen auch und konnten zusätzlich auf ihre Friedensstrukturen aufbauen, was schon einen deutlichen Vorteil bedeutete.

                          Ein weiterer Punkt bei einem Vergleich europäischer Armeen mit denen des ACW ist die Bewaffnung. Die war in Europa zu dieser Zeit eindeutig einheitlicher und zum Teil erheblich besser als der amerikanische Durchschnitt, von der Kavallerie mal abgesehen.

                          Wieso waren die Truppen im Westen eigentlich so viel besser als die im Osten? Galt das für beide Seiten? Der Norden hat im Westen schließlich zuerst gewonnen.

                          Grüße

                          Gunter
                          Zuletzt geändert von Gunter; 15.12.2011, 20:35.

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                          • #43
                            Ich meine im Westen besonders die Yanks, die Army of Tennessee zerfleischte sich ja leider selbst mit ihren Kämpfen der Generäle untereinander und wurde auch wenig von Richmond unterstützt.

                            Die Kampfesweise änderte sich im ACW - immerhin wurden Schlachten in fast undruchdringlichen Wäldern durchgeführt, wie Chickamauga - wie soll ich mir da eine europäische Armee vorstellen?

                            Die Soldaten marschierten, kämpften, bauten in Windeseile Verschanzungen, dazu kam eben auch eine funktionierende Logistik - bei den Yanks.

                            Da hätte ich mal eine preußische Armee sehen wollen - vor ähnlichen Herausforderungen gestellt.

                            Hier tat man sich ja anfänglich auch im 1.WK schwer die richtige Taktik gegen befestigte Stellungen zu finden.

                            Also ich seh die amerikanischen Armeen nicht so negativ.

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                            • #44
                              Der Krieg wurde eindeutig im Westen und von Truppen des westlichen Schauplatzes gewonnen. Es waren ja gerade nicht die Entscheidungsschlachten, sondern die strategische Ebene, die dem Norden den Sieg brachten.
                              Der Vergleich mit dem 1. WK zeigt aber doch gerade, dass eine preussische Armee damit auch zurechtkam. Eine funktionierende Logistik hatten sie auch, gerade durch ihr bereits im Frieden auf den Krieg ausgerichtetes Eisenbahnnetz. Im Waldkampf hätten die Preußen auch nichts anderes gemacht. Allerdings kämpfte die preussische Armee in zahlenmäßig größeren Schlachten als im ACW. Ob umgekehrt die Amerikaner das so hinbekommen hätten?
                              Vielleicht ist das schwer vergleichbar, da die Schauplätze sich zu sehr unterschieden. In Europa herrschten Kulturlandschaften vor, in Amerika häufig die reinste Wildnis.

                              Grüße

                              Gunter

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                              • #45
                                Zitat von Gunter Beitrag anzeigen
                                Für ihre Verhältnisse waren die amerikanischen Soldaten schon recht gut, vor allem nachdem sie genügend Erfahrung sammeln konnten. Grundsätzlich hatte die ganze Nation aber kaum militärische Traditionen, selbst die Offiziere der Vorkriegsarmee hatten keine Erfahrung mit größeren Verbänden.
                                Die USA hatten auch schon eine militärische Tradition - hatte ja auch bereits einige Kriege hinter sich, George Washington und Andrew Jackson waren Präsidenten, die vorher Generäle waren. Viele der oberen Generalschargen im Bürgerkrieg auf beiden Seiten hatten ihr Handwerk auf der Militärakademie in West Point gelernt und dort auch eifrig die Entwicklungen in Europa verfolgt und besonders französische Einflüsse. Viele dieser West Pointer hatten sich ihre Sporen im Mexikanischen Krieg von 1846-48 verdient - natürlich noch nicht mit den Massen an Soldaten wie im Bürgerkrieg.

                                Zitat von Gunter Beitrag anzeigen
                                Ein weiterer Punkt bei einem Vergleich europäischer Armeen mit denen des ACW ist die Bewaffnung. Die war in Europa zu dieser Zeit eindeutig einheitlicher und zum Teil erheblich besser als der amerikanische Durchschnitt, von der Kavallerie mal abgesehen.
                                Das große Durcheinander bei der Infanterie war vor allem kurz nach Kriegsbeginn, als die einheimische Produktion noch nicht genug hochgefahren war. Da wurde von alten glattläufigen Musketen aus den Arsenalen bis zu europäischen Importen allerlei geführt. Ab Kriegsmitte konnte der Norden seinen Bedarf an rifle-muskets gut selbst stemmen und wenn man sich Spätkriegsbilder anschaut, sind dort eigentlich nur die Modelle 1861 und 1863 bzw. 64 zu sehen. Die Teile der amerikanischen rifle-muskets waren bei Typen eines Modells untereinander austauschbar (und in den späteren Modellen noch viel vom 1861 enthalten - die auch noch bis Kriegsende weitergebaut wurde, von Arsenalen wie Kontraktoren). Der Süden versuchte ja, gezwungermaßen, seinen Waffenbedarfs mit importierten britischen rifle-muskets zu stillen - wobei der Norden genauso viele dieser "Enfields" kaufte -, was teilweise auch gut gelang (abgesehen davon, dass Beutemusketen gleichzeitig verwendet wurde - die britischen Waffen hatten das Kaliber .577, die amerikanischen Stanardmodelle .58 und konnten somit dieselbe Munition nutzen - eine Standardisierung wurde angestrebt und die älteren Waffen mit Kalibern .69, .54 oder die importierten wurden so weit wie möglich mit der Zeit ausgetauscht bzw. bei akuter Benutzung in Kompanien zusammengezogen). Manche der Freiwilligen besorgten sich auch neuartigere Waffen wie die Spencer- und Henry-Repetierer, allerdings auf eigene Kosten. In der Kavallerie der Nordstaaten einigte man sich schließlich auf sieben "Standard-"Modelle.

                                Österreich hat ja 1866 auch noch die gezogene Lorenz-Muskete benutzt, die von beiden Seiten des Bürgerkrieges importiert wurde. Das Zündnadelgewehr war natürlich ein Quantensprung; die gezogenen Perkussionsmusketen waren aber auch der Endpunkt der Entwicklung der infanteristischen Vorderladerhandfeuerwaffen, technisch ausgereift und funktionssicher.

                                Sie sind auch recht treffsicher; allerdings waren die Soldaten des Bürgerkrieges Übungsschießen mangelhaft bis gar nicht ausgebildet und gaben ihre ersten scharfen Schüsse oft auf dem Schlachtfeld ab. Sie waren in der Bedienung der gezogenen, weitreichenden Musketen mit verstellbaren Visieren und einer gekrümmten Flugbahn nicht wirklich versiert.

                                Dass Disziplin ein Problem war, ist unbestritten - das Berufsheer war klein, die Milizen oft gesellschaftlich angesehene (Schau-)Gruppen, die meisten Bürgerkriegssoldaten im praktischen militärischen Betrieb also unbeleckt. Wenn man plötzlich von seinem Schulbanknachbarn kommandiert wird (oder überhaupt Befehle entgegennehmen und sich unterordnen muss), ist das auch erst einmal Gewöhnungssache in einer als recht individualistisch charakterisierten Gesellschaft. Besonders die Südstaatenarmeen hatten auch mit unerlaubter Entfernung von der Truppe zu kämpfen, da die Heimatorte der Rebellen oft in der Nähe oder innerhalb der Operationsgebiete waren.

                                Bei Bull Run im Juli 1861 flohen beispielsweise viele der grünen Freiwilligen in Panik (die "regulars" waren dagegen in Manövern gut gedrillt); allerdings wurde die Army of the Potomac später über lange Zeiträume unter McClellan gedrillt und versorgt und entwickelte einen esprit de corps, der sich z.B. bei geordneten Rückzugsgefechten in der Sommercampagne 1862 bemerkbar machte. Regimenter auf allen Kriegsschauplätzen waren stolz darauf, als besonders gut gedrillte Einheit bekannt zu sein (wie z.B. die 9th Ohio Infantry, auch "First German Regiment of Ohio" genannt). Allerdings war die Army of the Potomac häufig in Zeiten der relativen Ruhe in Stellungen und hatte Zeit für einen "normalen" Militärbetrieb inklusive Exerzieren. Auf dem Westlichen Kriegsschauplatz wurde dagegen über viel weitere Entfernungen operiert, marschiert und gekämpft (die westlichen Unionstruppen waren wahrhaftig wesentlich erfolgreicher und verloren nur wenige Schlachten im Gegensatz zu denen der östlichen Army of the Potomac) - für Drill blieb oft keine Zeit. Wenn Drill angeordnet wird, wird er zähnknirschend hingenommen. Es wird aber auch berichtet, dass manche Generäle auch auf dem Feldzug exerzieren ließen.

                                Der Infanterist des Bürgerkriegs ist auch ein Universalfußsoldat, da es hier die Aufteilung zwischen Linien- und leichter Infanterie nicht mehr gibt - Johnny Reb und Billy Yank müssen sich in Gefechtslinie und beim Plänklergefecht auskennen.

                                Im Mai 1865 marschierten an zwei Tagen zwei siegreiche Armeen über die Pennsylvania Avenue, beide jeweils gut 100.000 Mann stark. Im Felde standen weitere Unionsarmeen. Auch wenn "was-wäre-wenn" nicht gerade Geschichtswissenschaft ist, so ist es doch interessant, zu spekulieren (ich gehe vom direkten Schlagabtausch auf dem Schlachtfeld mit ausgeglichenem Verhältnis aus und lasse die Versorgung, Verkehrswege, spezifische Gegebenheiten der beiden Kontinente etc. heraus). Ich bin mir sicher, dass die Nordstaatenarmeen des Jahres 1865 bei einem hypothetischen Konflikt es mit den europäischen der Zeit hätten aufnehmen können. Das Zündnadelgewehr war vielleicht schneller zu laden, die Perkussionsmuskete jedoch weitreichender und zielgenauer, die Kavallerie der USA mit Hinterladekarabinern, teilweise mit Magazin, und mit Revolvern ausgerüstet (und hatten somit auf mittlere Entfernung eine hohe Feuerkraft) und als berittene Infanterie für den Plänklerdienst nützlich, jedoch sicherlich nicht auf einen Kampf mit der blanken Waffe gegen schwere europäische Reiterei - die sowie gegen die in der Defensive einfach stärkere Infanterie den Kürzeren ziehen würde. Im Deutsch-Französischen Krieg wurde die Kavallerie ja auch mehr und mehr eher zu Aufklärungszwecken als zu richtigen Reiterschlachten eingesetzt. Die preußische Artillerie hätte aber sicher einen großen Vorteil.

                                Bild: Washington, DC, 24.5.1865, Units of 20th Army Corps, Army of Georgia, passing on Pennsylvania Avenue near the Treasury (Library of Congress)
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                                Zuletzt geändert von Bene; 17.12.2011, 06:05.
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                                Ambrose Bierce "What I Saw of Shiloh"

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