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  • #46
    Hallo Bene,

    die USA waren keinesfalls so militarisiert wie Europa, denn die Bundesarmee war vergleichsweise winzig. Auch die Absolventen von West Point stellten nur eine kleine Elite dar. Unter den Generalen gab es ziemlich viele, die keine richtige militärische Ausbildung genossen hatten. Was die Einwanderer betrifft, so profitierten die Amerikaner sicher nicht wenig davon, dass viele von ihnen bereits in europäischen Armeen gedient hatten. Das wollten sie nur nicht zugeben.

    Zum "was wäre wenn":
    Die Österreichen sind 1866 mit ihren Lorenzgewehren gegen die Preußen ziemlich eingegangen. Gleiches wäre wohl den Amerikanern auch passiert. Die preußische Artillerie war 1866 noch nicht viel anders als die amerikanische, ein Mischung aus 12-pdrn und gezogenen Geschützen. 1870 sah das schon anders aus.

    Grüße

    Gunter

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    • #47
      Zitat von Gunter Beitrag anzeigen
      Hallo Bene,

      die USA waren keinesfalls so militarisiert wie Europa, denn die Bundesarmee war vergleichsweise winzig. Auch die Absolventen von West Point stellten nur eine kleine Elite dar. Unter den Generalen gab es ziemlich viele, die keine richtige militärische Ausbildung genossen hatten. Was die Einwanderer betrifft, so profitierten die Amerikaner sicher nicht wenig davon, dass viele von ihnen bereits in europäischen Armeen gedient hatten. Das wollten sie nur nicht zugeben.
      Dass die USA so militarisiert wie Europa waren, habe ich auch niemals behauptet. Allerdings waren die West Pointer sehr wohl wichtig und auch keine Ausnahme, und sie stellten den Großteil und das Rückgrat der Generäle auf beiden Seiten (Grant, Sherman, Meade, Sheridan, Custer, McClellan, Halleck, Lee, Jackson, Longstreet, J. Johnston, Hardee, Hood, um nur einige zu nennen - die Liste geht immer weiter). Einige der "politischen" Generäle hatten keine militärische Ausbildung, aber deren Zahl ist weitaus geringer als die der West Pointer; sogar ein politischer General wie Sigel hatte an der badischen Militärakademie studiert. Einige wenige schafften es auf Grund ihrer Befähigung natürlich auch vom Private bis zum General.
      "I had not previously known one could get on, even in this unsatisfactory fashion, with so little brain."
      Ambrose Bierce "What I Saw of Shiloh"

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      • #48
        @Bene,
        der von dir verlinkte Artikel sagt aber auch, dass es unterhalb der Brigadeebene nicht gut aussah mit dem Knowhow der Offiziere. Letztlich war es doch so, die West Pointer waren vor dem Krieg entweder in der regulären Armee, meist auf subalternen Posten, oder ins Zivilleben zurückgekehrt. Dann wurden sie ziemlich schnell in Stabsoffiziers- und Generalsränge befördert, die meisten natürlich nur mit Brevetrang. Damit ließen sie allein schon in der regulären Armee massive Lücken. Wer sollte die denn schließen? Für eine ordentliche Ausbildung war da keine Zeit. Man hätte die Berufsarmee schon komplett auflösen und verteilen müssen und es hätte trotzdem noch lange nicht gereicht. Dabei muss man auch erwähnen, dass die Regulären nicht zwingend die besseren Soldaten waren. Sicher war die Vorkriegstruppe halbwegs solide gedrillt, das dürfte sich aber im Verlauf des Krieges auch verloren haben. Zusätzlich gab es dann noch Engpässe mit dem Personal, das dann doch lieber zu den Freiwilligenverbänden ging. Ganz übel traf es die Artillerieoffiziere der Union, die während des Krieges kaum befördert wurden, wenn sie nicht die Waffengattung wechseln wollten. Der Qualität war das sicher nicht zuträglich, auch wenn einige Unentwegte ihrer Waffe treu blieben.

        Europäische Armen waren da schon wesentlich professionalisierter und im Frieden wurde da schon für größere Kriege vorgesorgt.

        Grüße

        Gunter

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        • #49
          Natürlich war der Großteil der Offiziere der "volunteers" nicht professionell ausgebildet, sondern ging nach dem Prinzip "trial & error" vor und musste das Kriegshandwerk überhaupt erst einmal lernen. Die Regularien und Exerzierschriften, aus denen sie lernen mussten, waren aber von West Pointern geschrieben. Zudem wurden ja am Anfang des Krieges die Offiziere erst noch gewählt, aber schon bald wurde die Spreu vom Weizen getrennt und die wirklich Unfähigen wurden entlassen oder nahmen selbst ihren Abschied - Beförderung gingen dann ihren normalen Weg (also auf der unteren Einheitsebene). Große Lücken hinterließen ja bereits die Abgänge derjenigen Offiziere der regulären Armee, die sich der Sache des Südens anschlossen, und wie du richtig festgestellt hast, hat mancher Offizier in den Freiwilligenveränden größere Aufstiegschancen gesehen als in der 16.000 Mann Vorkriegsarmee. Im Vergleich zu den Freiwilligenverbänden war ja auch die reguläre Armee im Bürgerkrieg verschwindend gering (habe gerade keine genauen Zahlen parat, aber waren ja beispielsweise nur an die 15-20 reguläre Infanterieregimenter im Gegensatz zu hunderten der Einzelstaaten). Für eine profunde Ausbildung wie in einer Konskribierten-(Friedens-)Armee à la Preußen war auf Grund der schnellen Aufstellung und baldigen Einsatzes nicht wirklich Zeit. In Sachen Disziplinierung und Ausbildungsstand kommt es auch immer auf den Einzelfall an, zu welchem Zeitpunkt im Krieg, etc. Wie gesagt, manche Regimenter waren gut aufgestellt, andere "funktionierten" einfach einigermaßen und mehr schlecht als recht.

          Allerdings muss man auch die verschiedenen Vorausetzungen und Unterschiede der US-Armee und bspw. der preußischen Armee in Bedacht ziehen. Preußen, im Herzen Europas, war natürlich immer von potenziellen Gegnern umgeben und musste daher para bellum bereit sein; hatte neben einem professionellen Teil des Heeres durch die Konskription ein großes Reservoir an ehemaligen Gedienten, die im Kriegsfall herangezogen wurden konnten. Außer im Unabhänigkeitskrieg und im Krieg von 1812 mussten die USA nicht wirklich eine Invasion ihres Landes befürchten; viele hatten Vorbehalte gegenüber einem stehenden Heer, dass als potenzielles Instrument von etwaigen Tyrannen argwöhnisch betrachtet und daher klein gehalten wurde; das Haupteinsatzgebiet der antebellum U.S. Army war die Grenze mit Native Americans als Gegnern und der konventionelle Krieg gegen Mexiko eher die Ausnahme, aber dennoch eine lehrreiche Episode.

          Wo die Preußen sicherlich viel weiter waren, ist mit ihrem Großen Generalstab. Manche amerikanische Generäle wie Robert E. Lee befassten sich zu sehr mit Detailfragen, die bei einem entsprechenden Stab von Subalternen hätten bearbeitet werden könnten und dem Oberbefehlshaber Zeit für die "wichtigeren" Aspekte der Kriegführung gegeben hätten. Später hat die US-Armee ja auch ihren Generalstab nach dem der Preußen aufgebaut.
          Zuletzt geändert von Bene; 17.12.2011, 16:47.
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          • #50
            Empfehle Jay Luvaas, The Military Legacy of the Civil War: The European Inheritance. Interessant zu lesen, was die Europäer (nicht) gelernt haben.

            Häufigster Kritikpunkt der Preußen: Das amerikanische Rekrutierungssystem (Milizen und Freiwillige statt Wehrpflichtigen - die Ausbildung verlängerte den Krieg) und das Fehlen eines Großen Generalstabes. Das militärische Eisenbahnsystem der Union wurde kopiert. Der Vorteil der Defensive bei eingegrabenen Truppen mit gezogenen Waffen nicht erkannt. Dass die geographischen Gegebenheiten in Amerika anders sind, wird anerkannt. Trotz aller Kritik: Der amerikanische Veteran von 1865 wird als sehr gut, wenn nicht sogar ebenbürtig angesehen.

            Selbiger Autor hat in einem Artikel in in Stig Förster und Jörg Nagles (Hg.), On the Road to Total War: The American Civil War and the German Wars of Reunification, 1861-1871 die umgekehrte Sicht beschrieben. Die amerikanischen Offiziere scheinen die eigenen Bürgerkriegserfahrungen und die Lehren aus den europäischen Kriegen besser synthetisiert zu haben als die meisten ihrer europäischen Kollegen.
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