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Kantonnement des 94e de ligne im Sommer 1806?

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  • #16
    Zum Thema musiciens habe ich in meinen Unterlagen folgende Zeitungsauschnitte gefunden:

    Nürnberg, den 15. März 1806, gab Herr Nager Kaiserlich franz. Musikus im 95. Regiment im Gasthof zum rothen Roß
    alhier ein Concert für Flöte und Flageolet. Entrée 48 kr.

    Nürnberg, den 18. März 1806 gab im rothen Roß alhier Herr J. S. Nicolai ein Instrumental-Conzert, wobei…
    Den Nager habe ich in den Büchern Vincennes gefunden (Seite 291 Nr. 1744). Der Nicolai ist evtl. von einen anderen Regiment.

    Ob und wo die beiden einquartiert waren kann noch nicht sagen, da ich die Listen noch nicht durchforstet habe.
    Viele Grüße
    J. S.

    Kommentar


    • #17
      Danke für die Hinweise.


      Der Nager stand schon auf meiner Liste. Interessant ist der Hinweis auf die Instrumente, die er spielte (Flöte und Flageolet). Er könnte also in der Regimentsmusik die (1.?) Flöte gespielt haben, wobei interessant ist, dass er nicht etwa "musicien gagiste" war. Ursprünglich als "fusilier" dem 1. Bn., 7. Komp., zugeteilt, wurde er als "musicien" - wie alle als "Musiker" ausgewiesenen Angehörigen der Regimentskapelle (gleich ob Gagiste oder nicht) - zwar dem État-major angegliedert, war aber nach wie vor Musicien soldat. Hier wird im übrigen deutlich (es gibt etliche weitere Zeugnisse dazu), dass nicht nur professionelle Vertragsmusiker "musicien de l'état-major" werden konnten, sondern eben auch "musiciens soldats".

      Den Memoiren Sabons etwa kann man entnehmen, dass "musiciens soldats", die dem Regimentsstab zugewiesen wurden, offenbar dieselbe Uniform mit denselben Abzeichen trugen wie die dem Regimentsstab zugeteilten "musiciens gagistes" (doppelte Kragentresse, nach Sabon) und ein weit höheres Honorar bezogen als Soldaten, die zwar als Musiker fungierten, aber nicht "musiciens de l'état-major" waren. Dieses Honorar fiel aber gewöhnlich (oder anfänglich?) noch immer um einiges niedriger aus als das von "musiciens gagistes". Bevor er dem Regimentsstab zugeteilt wurde, erhielt Sabon nach eigenen Angaben, nebst dem regulären Sold, lediglich 3 Francs pro Monat zusätzlich. Nachdem er dem Regimentsstab zugeteilt worden war, erhielt er 60 Francs pro Monat zusätzlich, ein "musicien gagiste" aber 90 Francs (vgl. "Mémoires du Petit Louis/de Jean-Louis Sabon", in: Soldats suisses au service étranger, Genève 1910, S.59,76,89). Sabon war übrigens ein sehr guter Musiker. Eingetreten in sein Regiment (69e de ligne) war er als Zwölfjähriger (1803). Zunächst spielte er den Triangel. Bald spielte er auch Becken und Klarinette, je nach Bedarf. Bereits 1806 übernahm er den Part der melodieführenden F-Klarinette, und zwar, so sagt er, von einem "musicien gagiste", der sich, zusammen mit anderen Gagisten, zur Italienarmee auf und davon gemacht hatte, weil es im Preussenfeldzug zu ungemütlich zu werden drohte. Im Prinzip wurde er also mit 15 Jahren 1er Clarinette des Regiments, als sehr junger "musicien soldat", der noch nicht einmal dem Regimentsstab zugeteilt war. Das kam erst 1808, Sabon war noch keine 17 Jahre alt.


      Beim Herrn "J.S. Nicolai" vermisse ich einen expliziten Hinweis darauf, dass er zu einem französischen Regiment gehörte...?

      Falls dem aber so gewesen sein sollte und er Angehöriger eines der beiden Linienregimenter (94./95.) war, dann könnte es sich möglicherweise um einen Herrn gehandelt haben, der eigentlich etwas anders hiess...:

      Im 94. konnte ich für den fraglichen Zeitraum keine passende Person finden, im 95. lediglich zwei. Der eine ein Caporal (S.100, Nr.600: Nicolas, Jean), ohne irgendeinen Hinweis darauf, dass er musikalisch aktiv bzw. in der Musik war; wohingegen der andere eigentlich ganz gut passen würde. Der war zwar als Musiker in die Armee eingetreten, gehörte jetzt aber nicht mehr zur Musik. Wenn es der Mann ist, den ich meine, dann könnte das von Dir angeführte Zeugnis darauf hinweisen, dass er - in der Freizeit? - dennoch weiterhin aktiv musizierte und sogar Konzerte gab...:

      SHD/ GR 21 YC 712 95e demi-brigade de ligne, 5 floréal an XI-25 brumaire an XIII [25 avril 1803-16 novembre 1804] (matricules 1 à 3 024)/:

      S.150, Nr.900: Nicolle, Joseph, damals (1806) fourrier, später (1807) sergent, und schliesslich (1808) sergent-major.

      Wenn ich das richtig sehe, war er 1792 Musiker im 75. Regiment, nachmalig 139e demi-brigade. Im Vendémiaire an V (September 1796) schied er aus diesem Regiment aus. Dann trat er im Vendémiaire an VIII (September 1799) in die 95e demi-brigade ein, aber nicht mehr als Musiker, sondern als gewöhnlicher Fusilier. Kein Hinweis darauf, dass er der Musik zugeteilt wurde. Im Juli 1801 wurde er zum Caporal befördert (und war damit wohl eher nicht mehr als Regimentsmusiker einsetzbar). Schon einen Monat später wurde er zum Fourrier befördert, und das war er auch noch 1806.

      Ich würde also sagen, dass der Mann möglicherweise "Nicolle" hiess, nicht "Nicolai". Sein Vorname "Joseph" passt eigentlich auch nicht schlecht zu "J[oseph?]. S."...?

      Gruss, T.
      Zuletzt geändert von Tellensohn; 14.08.2016, 12:15.

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      • #18
        Hier der Link
        https://books.google.de/books?id=u20AAAAAcAAJ&pg=PA170&dq=1806+rothen+ro%C 3%9F+nicolai&hl=de&sa=X&ved=0ahUKEwjSwL-ks-DMAhUlD8AKHaDjBh8Q6AEIHjAA#v=onepage&q=regiment&f= false

        Interessant ist Seite 148, 170, 171.
        In einem Buch auf Gallica ist ein Abdruck des Exercitiums auf dem Judenbühl zu finden. Dort die nicht colorierte Version. Leider kann ich das Buch nicht mehr finden.
        Viele Grüße
        J. S.

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        • #19
          Sehr interessant. Danke.


          Ich sehe allerdings weiterhin keine Verbindung zwischen Nicolai und dem 95e de ligne (bzw. der französischen Armee überhaupt).


          Ausserdem glaube ich, dass der Name nicht J. S. Nicolai, sondern J. G. Nicolai lautet, und somit vielleicht ein damals in Deutschland mehr oder weniger bekannter Komponist/Pianist gemeint sein könnte:


          https://books.google.ch/books?id=Jtw...0j%20g&f=false


          Gruss, T.
          Zuletzt geändert von Tellensohn; 19.05.2016, 08:17.

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          • #20
            Zu dem Bild der exerzierenden Franzosen - Gallica link - http://gallica.bnf.fr/ark:/12148/btv...rg%201806.zoom

            Eventuell ist der Tambour Major bei der Musik, derjenige der das Notenblatt hält.
            Bei den Trommlern würde ich auch eher den Caporal Tambour vermuten. Es ist schon interessant dass diese alle klein - Trommlerjungen - dargestellt sind, aber die findet man ja ab und an auf zeitgenössische Abbildungen - siehe Mannheimer Wachtparade.
            Da würde mich schon mal interessieren wie sehr Trommlerjungen verbreitet waren, da doch ein Tambour mehr verdient als ein Grenadier, war also ein lukrativer Job, enfants de troupe verdienten ja weit weniger.
            Baron de Dedem schreibt ja in seinen Memoiren über die 14 - 15 Jahren alten Trommlerjungen, die er abwechselnd auf seinen Pferd reiten ließ. Zäh mussten sie ja sein, die Trommel tragen und die üblichen Strapatzen eines Feldzuges - sicherlich große Herausforderungen.
            Die Musiker tragen wohl noch den Zopf, sogar gepudert.
            Die ersten drei Abteilungen auf der linken Seite tragen alle ein Säbelbandelier - also 3 Abteilungen Grenadiere, dann eine der Füsilere und ganz rechts eine der Voltigeure noch ohne Säbel, was auch wegen der Neuformation während des Feldzuges von 1805 plausibel erscheint, den gelben Kragen haben sie immerhin schon.

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            • #21
              Zitat von HKDW Beitrag anzeigen
              Eventuell ist der Tambour Major bei der Musik, derjenige der das Notenblatt hält.
              Das kann man ausschliessen. Tambour Majore hatten mit der Regimentskapelle - auf musikalischer Ebene - nichts zu schaffen. Einzig zuständig für die Ausbildung der Musiker (nicht der Tambouren natürlich), für die Beschaffung des Notenmaterials, die Arrangements der Stücke, etc. war der Chef oder Maître de musique. Derjenige, der das Notenbatt hält, ist also mit ziemlicher Sicherheit der Chef de musique.



              Zitat von HKDW Beitrag anzeigen
              Die ersten drei Abteilungen auf der linken Seite tragen alle ein Säbelbandelier - also 3 Abteilungen Grenadiere, dann eine der Füsilere und ganz rechts eine der Voltigeure noch ohne Säbel, was auch wegen der Neuformation während des Feldzuges von 1805 plausibel erscheint, den gelben Kragen haben sie immerhin schon.

              Interessante Beobachtung, könnte zutreffen.


              Kann man annehmen, dass die beiden Treffen jeweils "en bataille" angetreten sind?

              Insgesamt kommt mir die hintere Formation allerdings ziemlich improvisiert vor (wenn die Abteilungen denn so gestanden haben, wie sie der Künstler dargestellt hat).

              Würde es sich um ein 1. Battalion handeln, würde die Aufstellung dem m.W. 1806 noch gültigen Reglement von 1791 in diesem Fall nicht entsprechen, oder? (Grenadiere sollten rechts von den Füsilieren stehen)

              Handelte es sich um ein 2. Battalion stünden die Grenadiere an der richtigen Stelle: links der Füsiliere (...und die neu aufgestellten Voltigeurs halt rechts von ihnen).

              Aber wieso derart viele Grenadierabteilungen? Könnte es sein, dass einige Füsilierabteilungen reglementswidrig auch Säbel trugen?

              Zur Formation rechts kann man ja leider nicht viel mehr sagen, als dass die links stehenden Grenadiere zur Aufstellung der Grenadiere eines 2. Bataillons gemäss dem Reglement von 1791 passen würden...
              Zuletzt geändert von Tellensohn; 31.05.2016, 17:35.

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