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Wie kommt ein Sauerländer nach Spanien ?

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  • Wie kommt ein Sauerländer nach Spanien ?

    Hallo Zusammen,

    vorweg, ich betreibe ein wenig Ahnenforschung in meiner Familie - u.a. stöbere ich dazu in Kirchenbüchern.

    Nun habe ich im Kirchenbuch St. Lambertus, Ense-Bremen / Sauerland (heute Kreis Soest), bei einem Ur-Großonkel folgenden Eintrag gefunden:

    Gestorben am 27.08.1811 im Lazarett in TALAVERA de la Rayna, Spanien, Füselier im Regiment des Groß- und Erbprinzen

    Stellt sich für mich "Ahnungslose" erst einmal die Frage:

    - Wie kommt ein Sauerländer nach Spanien ?
    - Wie in das Regiment des Groß- und Erbprinzen ?

    ...und, soweit ich das auf den Napoleon online Seiten nachlesen konnte, war die Schlacht bei Talavera 1809, also zwei Jahre früher als der Sterbeeintrag.

    - Welche Schlacht gab es noch in / um Talavera, die die 2 Jahre Differenz erklären könnte ?

    Ich bedanke mit jetzt schon für jede Info!!!

    Grüße aus dem Sauerland
    Heike

  • #2
    In Spanien fand ja ein ununterborchener Kleinkrieg statt, Kampfhandlungen fast täglich, dazu starben ja 90 % der Soldaten an Krankheiten und nicht durch Kampfhandlungen.

    In den größeren Städten gab es eben auch feste Lazarette.

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    • #3
      Das genannte Regiment Groß- und Erbprinz ist, glaube ich, eines aus dem Großherzogtum Hessen (Hessen-Darmstadt).

      Hier ein Link:

      http://www.napoleon-online.de/armee_...inz_teil2.html
      Zuletzt geändert von Sans-Souci; 21.11.2007, 14:54.

      Kommentar


      • #4
        Die Seite hatte ich schon gefunden! Aber trotzdem DANKE!

        In der Zeit zwischen 1802 - 1818 (gröblichst) war das Sauerland nicht mehr "kurkölsch" sondern "hessisch".

        Was mich interessiert ist daher die Rekrutierung, speziell über "Westfalen" im Regiment des Groß- und Erbprinzen Hessen/Darmstadt.

        Haben die sich freiwillig gemeldet, wurden die geworben oder einfach eingezogen ?

        Kommentar


        • #5
          Die territoriale Zugehörigkeit ein wenig präziser: Das ehemals kurkölnische Herzogtum Westfalen (in etwa dem heutigen Regierungsbezirk Arnsberg entsprechend) wurde mit dem Reichsdeputationshauptschluß 1803 (oder wenig später) dem Großherzogtum Hessen-Darmstadt zugeschlagen, welches Hilfskontigente für den iberischen Feldzug 1808-1813 stellte.

          Siehe auch:

          http://de.wikipedia.org/wiki/Herzogt..._Alten_Reiches
          Zuletzt geändert von Blesson; 22.11.2007, 23:42.
          Do, ut des

          http://www.ingenieurgeograph.de

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          • #6
            Zitat von die_bertholds Beitrag anzeigen
            Was mich interessiert ist daher die Rekrutierung, speziell über "Westfalen" im Regiment des Groß- und Erbprinzen Hessen/Darmstadt.

            Haben die sich freiwillig gemeldet, wurden die geworben oder einfach eingezogen ?
            Diesbezüglich habe ich mal die Veröffentlichungen unserer Heimatforscher aus dem Kreis Olpe (Südsauerland) gewälzt und folgendes gefunden:

            [...] Unsere strammen sauerländischen Burschen und Männer, die im hessischen Heere notgedrungen als Verbündete Napoleons diesen Feldzug nach Russland mitmachen mussten, sie sollten fast alle die Heimat nicht wiedersehen.
            Auch in den Feldzügen 1806/07 gegen Preußen, 1809 gegen Österreich, 1809-12 in Spanien und in der ersten Hälfte des 1. Befreiungskrieges mussten unsere (hessischen) Truppen für die Interessen Napoleons kämpfen und bluten, während sie 1814 und 1815 mit den deutschen Brüdern vereint gegen Frankreich fochten. [...]
            "Die Beteiligung heimischer Soldaten an den Feldzügen in den Jahren 1806-1815" von Norbert Scheele. Heimatblätter aus dem Kreis Olpe, Band 6, Seite 50.

            Hört sich also ganz so an, als seien die "Burschen und Männer" mehr oder weniger gezwungen worden.
            Zuletzt geändert von Madame de Canisy; 25.11.2007, 16:51. Grund: oller Schreibfehler
            Adrienne-Louise-Hervé Carbonnel de Canisy

            "Ein jeder soll nach seiner Fasson selig werden." Friedrich II von Preußen

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            • #7
              Aber meine liebe Madame Canisy,

              Ihre Aussage
              Hört sich also ganz so an, als seien die "Burschen und Männer" mehr oder weniger gezwungen worden.
              ist geradezu von entzückender Unschuld. Einem Militair hätte ich das nicht verziehen, aber Ihnen, Madame...


              In Großherzogtum Hessen-Darmstadt wird ab 1806, wie in den anderen Rheinbundstaaten mit den Bündnispflichten gegenüber Frankreich, die Konskription, vulgo Kriegsdienstpflicht, eingeführt worden sein, für die nur wenige Exemptionen galten. Nach franz. Vorbild waren wohl auch Remplacanten, also notariell geregelter Freikauf der meist besser Begüterten, erlaubt. De Facto war es also die Einführung der allgemeinen Wehrpflicht. Freiwillig wird fast niemand nach Spanien gegangen sein, es sei denn aus drückender Not oder manchmal auch aus Abenteuerlust.

              Siehe zum Einstieg z.B.

              Markus Gärtner: Großherzoglich hessische Truppen im spanischen Feldzug 1808-1812, in: Jahrbuch der Gesellschaft für hessische Militär- und Zivilgeschichte Band 3, 2005 [darin auch weitere Primärquellen; Über die Gesellschaft auch Kontakte zum Autor und anderen Quellen]

              Fleck, Peter: Konskription und Stellvertretung. Die Behandlung der Kriegsdienstpflicht im hessen-darmstädtischen Landtag von 1820 bis 1856, in: AHG NF 43 (1985). [Vermutlich wird hier auch auf die Vorgeschichte eingegangen...]

              Das Reglement zur Conscription u.ä. wird sicher in der Landesbibliothek Darmstadt finden.

              LB
              Zuletzt geändert von Blesson; 27.11.2007, 16:44.
              Do, ut des

              http://www.ingenieurgeograph.de

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              • #8
                Lieber Blesson,

                dann habe ich ja zumindest keine falsche Aussage gemacht mit dem "mehr oder weniger gezwungen".

                Zitat von Blesson Beitrag anzeigen
                De Facto war es also die Einführung der allgemeinen Wehrpflicht.
                Dass eine Wehrpflicht bestand, konnte ich meiner Quelle nicht entnehmen, es also auch nicht einfach behaupten. Deshalb habe ich diese unkonkrete Ausdrucksweise verwendet. Ich hatte darauf gehofft, dass jemand mit dem entsprechenden Wissen bessere Auskunft geben könnte. Nun dürfte aber wenigstens die Frage von "die_bertholds" bezüglich der Rekrutierung beantwortet sein.

                Ich kann mich glücklich schätzen, kein Militär zu sein! Bedeutet das "Narrenfreiheit"?

                Auf bald! rost:
                Adrienne-Louise-Hervé Carbonnel de Canisy

                "Ein jeder soll nach seiner Fasson selig werden." Friedrich II von Preußen

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                • #9
                  Madame,

                  solange die "armes savantes", nicht âmes savantes, hinter Euch stehen, dürft ihr getrost fechten.

                  LB
                  Do, ut des

                  http://www.ingenieurgeograph.de

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                  • #10
                    D A N K E !!!

                    Wenn auch verspätet, allen herzlichen Dank für die umfangreichen Informationen.

                    An dieser Stelle, fröhliche Weihnachten und guten Rutsch!

                    Grüße aussem Sauerland
                    Heike

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