Wegnahme der sächs. Kriegskasse am 19.08.13

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  • Da Capo
    Erfahrener Benutzer
    Adjudant
    • 23.10.2006
    • 836

    Wegnahme der sächs. Kriegskasse am 19.08.13

    Am 19.08.1813 geriet ein Teil der sächsischen Feld-Kriegs-Kasse in der Gegend von Sonnewalde (heute Landkreis Elbe-Elster an der B96 gelegen) in Gefangenschaft.
    Vom Kommissariats-Train betraf es 7 Trainsoldaten, 18 Zug- und 1 Reitpferd (so die Monatsliste vom August 1813). Einer Gefangenahme entkommen bzw. nicht betroffen waren 1 Train-Corporal, 6 Trainsoldaten, 6 Zug und 1 Reitpferd. Angaben zur evtl. Gefangenahme von Administrationspersonal werden in den Trainmonatslisten nicht gegeben, die Listen der Generalstabsbranchen für den Feldzug 1813 haben sich bisher nicht auffinden lassen.
    Im Quistorp (Geschichte Nordarmee) wird der Vorfall nicht erwähnt, ebenso nicht bei Cerrini (Feldzüge der Sachsen).
    Kennt zufällig jemand Berichte über den Vorfall? Welche Truppen können für die Wegnahme in Frage kommen, da Winzingerode seine 3.000 Kosaken wohl erst am 20.08. zur Beobachtung von Elbe und Elster in Bewegung setzte?
    Danke für Eure Unterstützung.
    Wenn der Feind in Schußweite ist, bist Du es auch. Vergiss dabei nie, dass Deine Waffe vom billigsten Anbieter stammt.
  • Sans-Souci
    Erfahrener Benutzer
    Major
    • 01.10.2006
    • 1873

    #2
    Angeblich waren es Kosaken:



    Nach Kursächsische Streifzüge von Otto Eduard Schmidt, Bd.2, Leipzig 1904, S. 242, gehörten die Kosaken zu Tschernitscheffs Korps.
    Zuletzt geändert von Sans-Souci; 22.05.2011, 21:36.

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    • Tom
      Erfahrener Benutzer
      Chef de Bataillon
      • 03.10.2006
      • 1076

      #3
      W. v. Löwenstern

      Der Überfall wurde von der Kosakenbrigade Woldemar v. Löwensterns (Kos.-Rgt. Popow XIII und Rebrejew) ausgeführt, s. hier:



      Ich finde bei der Lektüre besonders interessant, dass Löwenstern ganz offen beschreibt, wie er anschließend einen großen Teil der Beute "privatisiert".

      Gruß, Tom
      Zuletzt geändert von Tom; 23.05.2011, 07:33.

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      • Da Capo
        Erfahrener Benutzer
        Adjudant
        • 23.10.2006
        • 836

        #4
        Euch beiden erst einmal vielen Dank für die schnellen Antworten. Das bringt mich ein ganzes Stück weiter.

        Bleiben da noch einige kleine Detaildifferenzen.

        Dressler gibt an Bedeckung 1 Offizier und 60 Mann (dies entspricht dem Standardvorgehen in der sächs. Armee), Löwenstern 20 Offiziere und etwa 528 Mann (von denen kein einziger entkommen ist!? Und natürlich ist Garde dabei ;-)). Leider habe ich nichts zur Stärke der beiden Kosakenregimenter gefunden, um hier eine vernünftige Relation zu bekommen.

        Dressler gibt an Geldbetrag 50.000 Dukaten, Löwenstern 700.000 Francs (was ein Umrechnungskurs von 1:14 wäre, ich habe irgendwie 1:6 im Hinterkopf).

        Dann hat Löwenstern Pferde in Sonnewalde requiriert, um die Bespannung zu verdoppeln. Bei den 3 sechsspännigen Kassenwagen dürfte er also 18 Pferde requiriert haben, wie er die aber ein- bzw. angespannt haben will, bleibt wohl sein Geheimnis.
        Den 4.Wagen sowie 6 Zugpferde und auch einige Trainsoldaten hat er nicht bekommen, also scheint die Geschichte wohl etwas anders abgelaufen zu sein.
        Wenn der Feind in Schußweite ist, bist Du es auch. Vergiss dabei nie, dass Deine Waffe vom billigsten Anbieter stammt.

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        • Tom
          Erfahrener Benutzer
          Chef de Bataillon
          • 03.10.2006
          • 1076

          #5
          Stärke Kosaken-Regimenter 1813

          Irgendwo habe ich die Stärken schon gelesen, müsste ich noch raussuchen - grob geschätzt würde ich von 200-250 Pferden pro Regiment ausgehen, also zusamen 400-500 Kosaken.

          Es gibt auch noch eine - wohl umfangreichere - Ausgabe der Erinnerungen Löwensterns auf Französisch (Memoires), vielleicht über eine Recherche in Google oder Gallica zu finden...

          Gruß, Tom
          Zuletzt geändert von Tom; 23.05.2011, 17:46.

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          • Gunter
            Erfahrener Benutzer
            Chef de Bataillon
            • 01.10.2006
            • 1380

            #6
            Kann man bei den Geldbeträgen dem notorischen Spieler und Schuldenmacher Löwenstern wirklich trauen? Irgendwelche Zahlenangaben von russischen Autoren sind stärkstens in Zweifel zu ziehen, da wurde vom Prinzip her mächtig aufgerundet.

            Wenn einer der Wagen entkommen konnte, stimmt da doch etwas gewaltig nicht. Mobilere Einheiten als die Kosaken gab es garnicht, wie kann da ein Wagen einfach abhauen? Alternativ haben die den einfach übersehen, als sie schon den Rest plünderten.

            Grüße

            Gunter

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            • Tom
              Erfahrener Benutzer
              Chef de Bataillon
              • 03.10.2006
              • 1076

              #7
              Eduard v. Löwenstern - der Spieler

              Hallo Gunter,

              evtl. handelt es sich um eine Verwechselung mit Eduard v. Löwenstern? Der war notorisch Spieler und Schuldenmacher (sowie jüngerer Bruder von Woldemar):

              Löwenstern, W. v. Denkwürdigkeiten eines Livländers. Hrsg. F. v. Smitt, Leipzig, Heidelberg: C. F. Winter`sche Verlagsbuchhandlung, 1858, 320, 303 S.

              Löwenstern, E. v. Mit Graf Pahlens Reiterei gegen Napoleon. Denkwürdigkeiten des russischen Generals Eduard von Löwenstern.
              Hrsg. G. v. Wrangell, Berlin: E. S. Mittler, 1910, 338 S.

              Woldemar wird immer Eitelkeit vorgeworfen; ich finde seine Memoiren glaubwürdig und sehr offen geschrieben (wer sonst bezichtigt sich schon selbst der Unterschlagung :attention.

              Beide - militärisch sehr tüchtig - sind übrigens noch bis zum General aufgestiegen.

              Beste Grüße, Tom

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              • Ludwig Hußell
                Erfahrener Benutzer
                Sergent
                • 01.01.2011
                • 125

                #8
                Bleiben da noch einige kleine Detaildifferenzen.

                Dressler gibt an Bedeckung 1 Offizier und 60 Mann ...

                Geht es bei Dressler um sein Heftchen, das oben in google.books angegeben wird?

                (DRESSLER VON SCHARFENSTEIN) D., F. v. Bericht eines Augenzeugen von den Operationen des 4ten, 7ten und 12ten französischen Armeecorps, unter Anführung der Generale Bertrand, Reynier und Oudinot von Aufkündigung des Pleischwitzer Waffenstillstandes, bis nach der Schlacht bei Jüterbock, vom 14. August bis 6. September 1813. Dresden: Arnold, (um 1813)

                Wenn ja, hat jemand eine Idee, was den Offizier getrieben hat, seine Geschichten zu veröffentlichen? Meines Wissens war er (Franz) meist mit Sonderaufgaben versehen. zwar der Garde zugehörig, aber kaum im Liniendienst. Auch interessant, dass ich noch nichts gefunden habe, das auf seine Beziehung zu seinem Bruder(?) Friedrich deutet. Dieser war als Capitain der Garde im August kommissarischer Chef und nach seiner Beförderung zum Major blieb er dies bis November 1813.

                Wenn es dazu weiteren Stoff gibt, was die Dresslers nach 1813 getan haben (abgesehen von den bekannten Stationen nach den Rang- und Stammlisten), interessiert mich dies.

                LH





                Zuletzt geändert von Ludwig Hußell; 26.06.2011, 11:00.

                Kommentar

                • Tom
                  Erfahrener Benutzer
                  Chef de Bataillon
                  • 03.10.2006
                  • 1076

                  #9
                  Im Hauptquartier Napoleons...

                  ... vielleicht in diesem Zusammenhang noch interessant:



                  Gruß, Tom

                  Kommentar

                  • Ludwig Hußell
                    Erfahrener Benutzer
                    Sergent
                    • 01.01.2011
                    • 125

                    #10
                    Danke für den Hinweis, steht mit in meiner Bibliothek. Ich glaube, dass sich Franz von Dressler 1814 einiges von der Seele geschrieben hat, ohne seine persönlichen Erfahrungen in den Mittelpunkt zu stellen. Er betont mehrfach, dass er Fakten und Beschreibungen den nachfolgenden Generationen und Historikern üerlassen möchte.
                    Wenn man so ein Originalheftchen in der Hand hat, ist das für jemanden, der auf Bücher steht, schon spannend.
                    Nach 200 Jahren wird ja nun einiges wieder ausgegraben ...

                    Kommentar

                    • Tom
                      Erfahrener Benutzer
                      Chef de Bataillon
                      • 03.10.2006
                      • 1076

                      #11
                      Nieritz über Wegnahme der sächs. Kriegskasse / Leibgarde 1813

                      Manchmal wird man ja auch in Memoiren von Zivilisten zu milit. Themen fündig. Der sächische Volks- und Jugendschriftsteller Gustav Nieritz, 1813 als 17-jähriger in Dresden lebend, schreibt auf S. 142 seiner "Selbstbiographie" (von 1872) folgendes:
                      "Eine sächsische Kriegskasse, welche unsern, mit den Franzosen auf Berlin losmarschirenden Truppen einen Geldbetrag von etwa 150,000 Thlrn. zuführen sollte, war von den Kosaken in einem Walde unvermuthet überfallen und genommen worden. Der Officier, welcher die aus sächsischer Leibgarde bestehende Bedeckung der Kriegskasse befehligte, hatte, im sorglosen Vertrauen auf die weite Entfernung der feindlichen Armee, zwischen welcher er noch die französisch-sächsische wußte, seine Leute weder scharf laden lassen, noch kampfbereit zusammengehalten. Mit der militairischen Bedeckung zugleich wurde auch der Kassenbeamte gefangen genommen, daher die Reihe des Marschirens nun meinen Bruder traf. Derselbe machte die Schlachten bei Großbeeren und Dennewitz mit und kam nach der großen Völkerschlacht mit der Kriegskasse nach Leipzig zu stehen, von wo er nach Dresden zurückberufen wurde."
                      Der Bruder Carl Nieritz war seit 1809 beim Generalkriegszahlmeister angestellt, wurde selber Kriegszahlmeister und diente insg. 50 Jahre. Da quasi aus erster Hand stammend, scheinen mir die Angaben Nieritz´ glaubwürdig zu sein.

                      Gruß, Tom

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                      • Tom
                        Erfahrener Benutzer
                        Chef de Bataillon
                        • 03.10.2006
                        • 1076

                        #12
                        Friedrich v. Dressler über den Überfall

                        Hier noch eine Info (Hervorhebung von mir), die mir Reinhard Münch gab, der gerade ein Buch über die Erlebnisse von Friedrich v. Dressler (Offizier bei der Leibgrenadiergarde und Bruder des bekannten Autors Franz v. Dressler) von August bis November 1813 vorbereitet:

                        "In der Akte schreibt Friedrich von Dressler im Eintrag 22. August:
                        ´Bei einbrechender Dunkelheit rückte die I. Division nach der diesseits Wietstock befindlichen Windmühlenhöhe, wo sie Biwak bezogen. Sämtliches Fuhrwesen traf ein, zugleich aber auch die unerfreuliche Nachricht, dass die sächsische Kriegskasse unter Bedeckung unter Bedeckung von 40 Mann am 20. August von 1000 Mann Kosaken gefangen genommen worden sei. Der Premierlieutnant von Schulz vom Garderegiment geriet bei dieser Gelegenheit in Gefangenschaft. Die ganze Nacht durch fiel ein dichter nebelartiger Regen, welcher mit einiger Unterbrechung den Tag und die folgende Nacht immer fortdauerte.´"

                        Damit dürfte klar sein, dass ein Detachement der sächs. Garde von Löwensterns Kosaken überfallen wurde.

                        Beste Grüße, Tom

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                        • Da Capo
                          Erfahrener Benutzer
                          Adjudant
                          • 23.10.2006
                          • 836

                          #13
                          Adolf Heinrich Ludwig von Schultz (Sltn. 07.03.1807, Pltn. 03.07.1813) war Offizier in der Leib-Grenadier-Garde.
                          Ich will kein Spielverderber sein und die Wahrscheinlichkeit, dass es sich bei der Bedeckung um Leib-Grenadiere gehandelt hat, ist sicher weiter gestiegen, ein endgültiger Beweis ist das aber leider noch nicht.
                          Die Sachsen haben im Herbstfeldzug 1813 Offiziere vor allem nach Bedarf und weniger nach Regimentszugehörigkeit eingesetzt. So befehligte der Major v.Holleufer von der Leib-Grenadier-Garde das Regiment Prinz Anton und oder Major v.Bünau von der leichten Infanterie das Regiment König.
                          Wenn der Feind in Schußweite ist, bist Du es auch. Vergiss dabei nie, dass Deine Waffe vom billigsten Anbieter stammt.

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