Fahnenbeute nach der Kapitulation von Neisse am 16.06.1807

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  • Da Capo
    Erfahrener Benutzer
    Adjudant
    • 23.10.2006
    • 835

    Fahnenbeute nach der Kapitulation von Neisse am 16.06.1807

    Nach den Kapitulation der Festung Neisse fielen den Siegern 4 preußische Fahnen in die Hände; 3 Stück erhielten die Württemberger, 1 Stück wurden dem Obersten des sächsischen Regiments von Niesemeuschel, von Göphardt, übersandt mit der "Anweisung", diese dem sächsischen König durch einen sich bei der Belagerung ausgezeichneten Offizier überbringen zu lassen.
    Die Besatzung von Neisse war durch I + II/ IR Pelchrzim No. 38 und III/ IR Müffling No. 49 sowie 4 Rekrutenbataillone gebildet worden.

    Ist ein Wissender im Forum, der darüber aufklären kann, und welche Fahnen es sind sich handelte und wer welche bekam?

    Vielen Dank.
    Wenn der Feind in Schußweite ist, bist Du es auch. Vergiss dabei nie, dass Deine Waffe vom billigsten Anbieter stammt.
  • Sans-Souci
    Erfahrener Benutzer
    Major
    • 01.10.2006
    • 1870

    #2
    Es dürfte sich um die vier Fahnen des Infanterie-Regiments Pelchrzim (je 2 pro Musketier-Bataillon) gehandelt haben (So auch: Fiebig, Unsterbliche Treue, S. 118). Die anderen Bataillone hatten keine Fahnen. Vielleicht ging die weiße Leibfahne nach Sachsen, und die drei roten Regimentsfahnen nach Württemberg, aber das ist Spekulation.

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    • Spaen
      Erfahrener Benutzer
      Sergent-Major
      • 26.04.2020
      • 202

      #3
      "Nach den Kapitulation der Festung Neisse fielen den Siegern 4 preußische Fahnen in die Hände; 3 Stück erhielten die Württemberger......."
      "Es dürfte sich um die vier Fahnen des Infanterie-Regiments Pelchrzim .... gehandelt haben.."

      Beides ist richtig! - Die Württemberger, die u.a. 4 große Ausfälle abgewiesen und einen blutigen Sturm unternommen hatten, erhielten nach württembergischen Quellen als Belohnung: 3 Fahnen, 273 Pferde, 600 Gewehre, 200 Karabiner und 150 Büchsen. Das Aussehen der Fahnen konnte nicht ermittelt werden.

      Die Übergabe von den 4 Fahnen des Regiments Pelchrzim wird in der Geschichte preußischer Fahnen I/124 bestätigt. Die anderen Truppen der Festungsverteidigung führten keine Feldzeichen, wie
      Müffling 3.4.5 Bataillon, 4.5. Bataillon Pelchrzim (3. Bat. in Cosel), 2 Invaliden-Kompanien, Garnison-Artillerie-Kompanie, Mineur-Kompanie, Jägerdetachement, Detachement des 2. FAR etc.

      Weit komplizierter wird es für die sächsische Seite. Oberst Göphardt war ursprünglich Führer der mobilen Brigade (Gren. Bat. Steindel, 1 Bat. Low und seinem Regiment Niesemeuschel u.a.) die ursprünglich nicht für den Feldzug 1807 mobil gemacht wurde, später aber in Schlesien einrückte.
      Für eine direkte Beteiligung sächsischer Truppen an der Belagerung von Neisse konnten trotz intensiver Suche in sächsischen, bayerischen und württembergischen Quellen keine eindeutigen Belege gefunden werden. Zu mindestens bei den geschilderten Kampfhandlungen um die Festung werden Sachsen nirgends erwähnt. Eine sächsische Quelle sagt zwar vom Regiment Niesemeuschel " ist zur Belagerung von Neisse abgegangen" aber das war´s. Dann wird das Regiment in einer anderen Quelle als in Frankendorf stehend beschrieben (aus meiner Erinnerung genannt, müsste ich noch mal nachschlagen !).

      Dagegen wird das 2. Bataillon des Regiments (Stärke 300 Mann) Niesemeuschel unter Oberst Klüx als Ursache für die bayerische Niederlage im Mai bei Canth namhaft gemacht. Außer den Toten sind von den 300 Mann allein 10 Offiziere und 260 Mann durch die Preußen gefangen worden. Das auch am Gefecht beteiligte bayerische Leibregiment erhielt dagegen von Napoleon für sein Verhalten trotz Niederlage als Ersatz für seine im Gefecht verlorene Fahne 3 preußische Fahnen überreicht.

      Da die erfolgreiche Teilnahme bei den Kampfhandlungen von Danzig, Heilsberg, Friedland, Graudenz eindeutig beschrieben und feststeht, erhebt sich bei mir die Frage warum die Fahne gerade für Neisse übergeben wurde und warum sie in keiner wichtigen sächsischen Quelle (Habe aber auch nicht alles!) Erwähnung findet.

      Vielleicht klärt sich aber alles auf, eventuell durch andere, mir nicht bekannte Quellen, Inventarverzeichnisse von Museen, Depots, Kirchen oder anderen in Frage kommende Stellen.


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      • Da Capo
        Erfahrener Benutzer
        Adjudant
        • 23.10.2006
        • 835

        #4
        Nun, irgendetwas müssen sie bei der Belagerung richtig gemacht haben, denn der Divisionsgeneral Hedouville, Chef des Generalstabes IX.AK, vermerkt im Begleitschreiben vom 16.06.1807 an den Obersten von Göphardt:

        "Diese Fahne ist ein sicheres Pfand der Zufriedenheit, welche Ihro Kaiserl: Hoheit über das gute Benehmen des Regiments von Niesemeuschel, so lange als es einen Teil des Belagerung Korps ausgemacht hat, zu bezeigen geruhen."
        Wenn der Feind in Schußweite ist, bist Du es auch. Vergiss dabei nie, dass Deine Waffe vom billigsten Anbieter stammt.

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        • Sans-Souci
          Erfahrener Benutzer
          Major
          • 01.10.2006
          • 1870

          #5
          Das Regiment Niesemeuschel traf anscheinend am 25. Mai 1807 vor Neiße ein:


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          • Spaen
            Erfahrener Benutzer
            Sergent-Major
            • 26.04.2020
            • 202

            #6
            "Nun, irgendetwas müssen sie bei der Belagerung richtig gemacht haben"- kann schon sein !
            Tenor meines Beitrages war der, dass mir von einer direkten Kampfbeteiligung keine Informationen bekannt sind und trotzdem diese Übergabe stattfand. Auch muss man in Sachsen wohl darauf weniger Stolz gewesen sein, weil der Vorgang in der zutreffenden Militärliteratur m.E. nicht erwähnt wurde.


            "Das Regiment Niesemeuschel traf anscheinend am 25. Mai 1807 vor Neiße ein."
            Es gibt natürlich einige punktuelle Hinweise, die aber kein vollständiges Bild der ununterbrochenen Tätigkeit dieser Brigade sächsischer Truppen sowohl vor Ort als auch seit dem Einmarsch in Schlesien ergeben. Auch gab es laufende Veränderungen in der Zusammensetzung des Belagerungskorps, die im Einzelnen nicht mehr nachvollziehbar sind.

            In dem Sinn noch ein Zitat aus dem Breslauischen Erzähler: Die Belagerung von Neisse vom 23. Februar bis 16. Juni 1807 nach einem sorgfältig geführten Tagebuch:

            "Ein Corps meist württembergischer und sächsischer Truppen besetzte die Stadt." (16.Juni)
            Zuletzt geändert von Spaen; 09.02.2023, 16:29.

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