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Schlagtechnik der Kavallerie

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  • #31
    Dieser hohe Druck, der entstehen kann, hatte mit zur Folge, daß die preußische Kavallerie nach 1808, als die kniehohen Stiefel abgeschafft worden waren, nur noch mit geöffnenten Rotten ritt:

    http://books.google.com/books?id=Rw06AAAAcAAJ&pg=PA138

    (S. 152 f.)

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    • #32
      Sehr interessant, vor allem auch die Bermkungen über das sehr schlechte Pferdematerial der Preußen, war wohl noch schlechter wie bei den Franzosen.

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      • #33
        Dass das Pferdematerial bei den preußischen Regimentern so schlecht war, ist nicht wirklich verwunderlich. Reiterregimenter sind teuer und Preußen hatte 10 Jahre äußerste Mangelwirtschaft hinter sich. Da war der Schwerpunkt einfach wo anders.

        Im übrigen gab es schon 1806 harte Klagen über das Pferdematerial. Aus Sparsamkeit hatte man im Frieden die Pferde über die Sommermonate auf "Grasung" geschickt (um Futter zu sparen). Als dann der Krieg ausbrach, waren die Pferde untrainiert, ohne Muskeln und Kondition. Genauso wie die Mannschaften.

        Und noch 1866 hatte sich die Unterlegenheit der preußischen Kavallerie gegenüber der österreichischen gezeigt. Diese war einfach besser beritten durch die ungarischen Zuchten.

        Besser wurde es dann erst in den nächsten Jahrzehnten durch die Zuchterfolge der Halbblüterzucht in Deutschland.

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        • #34
          Ich frage mich, warum man in Preußen dann nach 1807 eine anteilsmäßig so starke Kavallerie behielt. Sinnvoller wäre ja wohl eine zahlenmäßig schwächere aber qualitativ bessere Reiterei gewesen. Wirklich viel gerissen hat die preußische Kavallerie nach Seydlitz ja nicht mehr. Interessanterweise war die Kavallerie anderer deutscher Staaten trotz aller Probleme doch besser. Wieso haben die Sachsen oder Bayern das geschafft und die Preußen nicht?

          Grüße,

          Gunter

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          • #35
            Ich kann jetzt nur für die bayerische Kavallerie sprechen, deren Geschichte ich sehr genau kenne.

            Die Leistungen der bayerischen Kavallerie im Österreichischen Erbfolgekrieg war ein Fiasko. Veraltete Taktik, schlechte Ausrüstung wegen chronischem Geldmangel, überaltertes Personal und schlechtes Pferdematerial waren die Gründe.

            Besser wurde es schrittweise mit den Rumfoldschen Reformen. Das Gros der Kavallerie wurde auf leichte Kavallerie umgestellt und mit guten Pferden aus der Moldau beritten gemacht. Dazu kam die Möglichkeit, im 1., 2. und 3. Koalitionskrieg schrittweise Kriegserfahrung zu erlernen.
            Dann war Bayern ab 1805 auf der Siegerseite und hatte entsprechende Geldquellen, um die teuren Kavallerieregimenter auf gutem Stand zu halten.

            Die ganze Herrlichkeit war dann aber ab 1820 wieder dahin, als aus Sparsamkeit die reale Dienstzeit und Ausbildung stark gekürzt wurde. 1866 war dann ja auch wieder Fiasko.

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            • #36
              Interessant. In Sachsen schien die Qualität der Kavallerie irgendwie konstant gut gewesen zu sein, oder gibt es da anderslautende Quellen?

              Grüße,

              Gunter

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              • #37
                Ich wäre da nicht so optimistisch. Die einschlägigen Berichte über die Waffentaten der Kavallerie sind ja immer nur punktuelle Schlaglichter auf hervorragende Ereignisse und geben kein gesamtheitliches Bild.

                Die Augen geöffnet haben sich mir auch erst, als ich alle 7 Bände der "Geschichte des bayerischen Heeres" vom bayerischen Kriegsarchiv durchgelesen hatte.

                Die Leistungsfähigkeit der Kavallerie war wesentlich davon abhängig, wieviel Geldmittel der jeweilige Staat bei ihr ausgab. Und bei den typischen deutschen Mittelstaaten sah das nicht gut aus. Typisch war dort z.B. im 18. Jahrhundert, die Regimenter in Friedenszeiten unberitten zu machen oder nur zu 20-30% beritten. Man kann sich vorstellen, welche Auswirkungen das auf den Ausbildungsstand von Mann und Ross im Erstfall hatte. Solche Muster gab es dann auch wieder im Biedermeier. Erst in Folge der preußischen Heeresreform wurde der Leistungsstand durch durchgehend 3-jährige Dienstzeit und ausreichende Remontierung erheblich gesteigert.

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                • #38
                  Naja, wenn wir mal bei den napoleonischen Kriegen bleiben, so hat die sächsische Kavallerie doch höchst selten versagt. Ich wüsste zumindest kein Beispiel dafür. Vielleicht war die sonstige Kavallerie Im Vergleich dazu so schlecht, dass Mängel garnicht so auffielen. Das sächsische Kavalleriereglement um 1811 war meines Erachtens zweckmäßig, was man vom preußischen nicht gerade behaupten kann.
                  Im 18. Jh. war die Leistung dagegen höchst unterschiedlich, z.B. bei Kesselsdorf schwach, bei Kolin eher stark. War der Grund dafür einfach nur die große Kriegserfahrung?

                  Grüße,

                  Gunter

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                  • #39
                    Für mich spielt das Maß der Kriegserfahrung für die Zeit des Beginns der stehenden Heere bis wahrscheinlich 1850 eine entscheidende Rolle. Und symptomatisch ist für mich die Entwicklung der preußischen Kavallerie in den Schlesischen Kriegen.

                    1740/41 ein Ausfall investierte Friedrich der Große viel Aufwand und Zeit in die Ausbildung. Junge, kriegserfahrende Offiziere unter Seydlitz führten den Leistungsstand der Regimenter dann im Siebenjährigen Krieg zur vermutlich höchsten Perfektion in der deutschen Kavalleriegeschichte. Zwischen 2. und 3. Schlesischem Krieg war ja abzusehen, dass es wieder kurz oder Lang zum Krieg kommen würde. Deshalb übten die Regimenter in voller Besetzung und Seydlitz führte die Kampagnereiterei in der Kavallerie auf hohes Niveau.

                    Und die Leistungen der Sachsen in dieser Zeit passen für mich auch in dieses Bild. Im 2. Schlesischen Krieg bei Kesseldorf und Hohenfriedberg der preußischen Reiterei unterlegen, wurden bis zum 3. Schlesischen Krieg die Lehren gezogen.

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                    • #40
                      Die Augen geöffnet haben sich mir auch erst, als ich alle 7 Bände der "Geschichte des bayerischen Heeres" vom bayerischen Kriegsarchiv durchgelesen hatte.
                      Kannst du bitte da mal die genauen Titel angeben ??

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                      • #41
                        "Geschichte des Bayerischen Heeres"

                        Im Auftrag des Kriegsministeriums herausgegeben vom K.B. Kriegsarchiv

                        Erster Band. Geschichte des kurbayerischen Heeres insbesondere unter Kurfürst Ferdinand Maria 1651-1679. München 1901

                        Zweiter Band. Geschichte des kurbayerischen Heeres unter Kurfürst Max II. Emanuel 1680-1726. Erster Halbband. München 1904. Zweiter Halbband. München 1905

                        Dritter Band. Geschichte des kurbayerischen Heeres unter Kurfürst Karl Albrecht - Kaiser Karl VII. - und Kurfürst Max III. Joseph 1726 - 1777. Erster Halbband. München 1908. Zweiter Halbband München 1909.

                        Vierter Band. Geschichte des kurpfälzischen Heeres von seinen Anfängen bis zur Vereinigung von Kurpfalz und Kurbayern 1777 nebst Geschichte des Heerwesens in Pfalz-Zweibrücken. Erster Halbband. München 1925-1928. Zweiter Halbband. München 1925-1928.

                        Fünfter Band. Geschichte des kurpfälzischen Heeres unter Kurfürst Karl Theodor 1777 - 1804. München 1930.

                        Sechster Band. Geschichte des Königlich Bayerischen Heeres unter König Max I. Joseph 1804 - 1825. Erster Halbband. München 1933. Zweiter Halbband. München 1935.

                        Siebter Band. Geschichte des Königlich Bayerischen Heeres von 1815 mit 1866. München 1931.

                        Achter Band. Geschichte des Königlich Bayerischen Heeres von 1867 bis 1914. München 1932.

                        Eigentlich war noch ein neunter Band geplant (Erster Weltkrieg), womit sich der Kreis geschlossen hätte. Dazu kam es aber nicht mehr dazu, oder sollen wir sagen "kam es bisher nicht dazu".

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                        • #42
                          Beeindruckende Serie, vielen Dank

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                          • #43
                            Das die Qualität der sächsischen Kavallerie konstant gut war, ist undifferenziert daher geschrieben. Die Abgabe (fast) sämtlicher Kavalleriepferde an unsere neuen Verbündeten und Freunde Ende 1806 hat erst einmal ein Riesenloch gerissen.
                            Sicher haben die zeitlichen Abstände der folgenden Kriege von 1809 und 1812 die Möglichkeit gegeben, Remonten entsprechend zuzureiten. Der latente Mobilmachungszustand hat überdies das Beurlaubungssystem nicht so ausufern lassen wie vor 1806, was Mannschaft und Pferd im Ausbildungsstand zu Gute kam. Darüber hinaus hatte Sachsen durch seine historischen Beziehungen zu Polen (incl. Ukraine) ein großes Beschaffungsgebiet für die Remonten der leichten Regimenter. Ich kann nicht sagen, ob nach 1806 die für die schweren Regimenter üblichen Holsteiner noch beschafft oder ob auf eigene Zuchten (die in Sachsen sicher weitaus weiter gediehen war als z.B. in Preußen) zugegriffen wurde.
                            Schon 1812 sank die Qualität der Pferde merklich (so waren viele in den Transporten zur Armee gelangenden Ersatzpferde so abgetrieben, dass sie nicht einmal beim Train Verwendung finden konnten) und 1813 war die sächsische Kavallerie genauso im A…. wie bei den restlichen Armeen. Im Herbst 1813 hat die sächsische Kavallerie jeden Tag zig Pferde durch Entkräftung verloren. Solche Pferde in einen Galopp zu bekommen, dürfte Seltenheitswert gehabt haben. Bei jeder schnelleren Gangart dürfte auch kein Linienangriff mehr möglich gewesen sein, sondern die berühmte Keilattacke das Bild geprägt haben.
                            Hier dürfen wir die Rolle der Führung nicht übersehen. Wenn eine Führung von einer solchen Kavallerie nur die Dinge verlangt, die zu leisten sie auch im Stande ist, dann ist die Frage, was als Versagen gewertet wird. Oder der Führer (weil kein Kavallerist) wusste gar nicht, was er zumuten darf und wertete Zufallsergebnisse als hervorragende und wieder abrufbare Leistung. Dazu kommt, dass die Qualität der anderen Truppengattungen gleichfalls rapide nachließ und Masse, das Fehlende ersetzen musste.
                            Wenn der Feind in Schußweite ist, bist Du es auch. Vergiss dabei nie, dass Deine Waffe vom billigsten Anbieter stammt.

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