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Die preußische Angriffskolonne 1812-1815

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  • Die preußische Angriffskolonne 1812-1815

    Hallo,
    ich beschäftige mich gerade mit der preußischen Angriffskolonne 1812-15 und beim studieren meiner Literatur ist mir aufgefallen,dass die Angriffskolonne immer wieder mit der französichen Colonne d'attaque gleichgesetzt wird.Aber müsste die preußische Angriffskolonne nicht viel mehr der französichen Colonne serre entsprechen???

    Schöne Grüße ,
    Rangar

  • #2
    Die preußische Kompanie zerfiel in zwei Züge. In Linie standen diese 8 Züge von rechts nach links in aufsteigender Reihenfolge nebeneinander:

    8-7-6-5-4-3-2-1

    und formierten die Angriffskolonne rückwärts nach der Mitte:

    5-4
    6-3
    7-2
    8-1

    Die französischen Kompanien bildeten jeweils ein eigenes Peloton, das in zwei Sektionen zerfiel. Bis 1808 gab es 8 Zentrumskompanien pro Bataillon, die ebenfalls von rechts nach links rangierten:

    8-7-6-5-4-3-2-1

    Die Colonne d 'attaque (1791er Reglement, Bataillons-Schule, §§. 663-673) wurde ebenso gebildet wie die spätere preußische:

    5-4
    6-3
    7-2
    8-1

    Also kann man beide gleichsetzen.

    Die übliche Bataillons-Kolonne der Franzosen wurde mit rechts- oder linksabschwenken in Pelotons oder Divisionen (= jeweils zwei Pelotons) gebildet. Bei einer geschlossenen Kolonne (colonne serrée) rückten die Unterabteilung dabei so dicht wie möglich auf.

    Die Colonne serrée par division (1791er Reglement, Bataillons-Schule, §§. 71-107) sieht also so aus:

    2-1
    4-3
    6-5
    8-7

    Eine einfache Colonne par peloton (z. B. 1791er Reglement, Bataillons-Schule, §§. 47-56) dagegen sähe so aus:

    1
    2
    3
    4
    5
    6
    7
    8

    Hoffe, das ist einigermaßen klar.

    Kommentar


    • #3
      Danke für die schnelle Antwort,
      es ist jetzt einigermaßen klar wie die Colonnen sich formierten,aber die Distanzen zwischen der preußischen u. französischen Angriffscolonne sind doch unterschiedlich.Einmal aufgeschlossen(preußisch) u. einmal Sections-Abstand (franz.)??!!

      Grüße

      Kommentar


      • #4
        Einmal aufgeschlossen(preußisch) u. einmal Sections-Abstand (franz.)??!!
        Ja, genau. Das wesentliche an der Kolonne ist aber weniger der Abstand, als wie die Kolonne aus der Linie formiert wird.

        Kommentar


        • #5
          Verstehe, aber die Abstände würden bei der preuss. Angriffscolonne zur franz. Angriffscolonne ein Unterschied von ungefähr 20m machen (franz. Colonne ungfähr doppelt so tief wie preuss. Colonne). Das würde wiederum bedeuten, dass die preuss. Colonne anfälliger gegen Kanonenfeuer, Kartäschenfeuer gewesen wäre (da dichter zusammen gedrängt). Oder wurden beim Anmarsch der preuss.Colonne die Abstände geöffnet und erst beim eigentlichen Antritt zum Bajonett-Angriff wieder geschlossen??

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          • #6
            Warum sollte eine geschlossene Kolonne anfälliger sein als eine halboffene?
            Meines Erachtens sind doch die Anzahl der Glieder entscheidender - was die Anfälligkeit ausmacht - wie die Frontbreite.

            Kommentar


            • #7
              Was mich interessieren würde, wäre, wann und in welcher Nation die Angriffskolonne (also die rückwärts nach der Mitte formierte Kolonne) zuerst aufkam.

              Der Vorteil der Angriffskolonne ist, daß sie die schnellste Methode ist, aus der Linie in die Kolonne und zurück überzugehen. Bei jeder anderen Art, die Kolonne bei Beibehaltung der Front zu formieren, hat irgendeine Untereinheit einen längeren Weg und das Formierne dauert dadurch länger.

              Zur Anfälligkeit würde ich sagen, daß die Kolonne mit der größeren Grundfläche das bessere Ziel bietet. Es ist sehr selten, daß eine Kolonne direkt aus der Flanke beschossen wird und Kugeln durch die sektionsgroßen Abstände zwischen den Zügen durchgehen. Beim Beschuß direkt von vorne macht der Abstand gar keinen Unterschied. Bei Beschuß schräg von vorne gehen manche Kugeln zwar erst einmal durch die Lücken durch, treffen dann aber dann aber doch auf Leute, die mehr in der Mitte, nicht am Rand der Kolonne stehen.

              Die offene oder halboffene Kolonne bietet also gegenüber Beschuß nur einen geringen Vorteil gegenüber der geschlossenen Kolonne - wenn überhaupt, da die geschlossene Kolonne insgesamt das kleinere Ziel bietet und so mehr Kugeln links oder rechts vorbeigehen können.

              Die geschlossene Kolonne hat außerdem den Vorteil, daß sie zur Verteidigung gegen Kavallerie im Prinzip nur stehenbleiben muß, während bei der Kolonnen mit Distanzen Zeit verloren geht, weil die Lücken duch Aufschließen oder durch Einschwenken von Unterabteilungen geschlossen werden müssen.

              Kommentar


              • #8
                Ich denke der größte Vorteil der Colonne d'attaque mit Sections-Abstand war die Manövrierfähigkeit beim Vormarsch gegenüber der aufgeschlossenen Colonne ( Probleme durch Stockungen der Glieder bei weiteren Strecken-laut Griesheim).Im preußischen Reglement von 1812 steht glaube ich,das auch die Preußen die Abstände vergrößerten wenn über weite Strecken marschiert wurde (also Angleichung an Colonne d'attaque).Zur Anfälligkeit der aufgeschlossenen Colonne gegenüber der Colonne d'attaque denke ich,das gerade bei Regenwetter die auf geschlossene im Nachteil war,da die Kanonenkugel bei Treffern nicht vom Boden abprallten und im Boden stecken blieben.Die abgeschlossene Colonne gibt auch ein massiveres Ziel ab.

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                • #9
                  Eine Frage in diesem Zusammenhang, wenn es gestattet ist ?

                  In den ausgewählten Schriften Scharnhorst´s favorisiert Scharnhorst unbedingt den Angriff in der Kolonne, was von Vorteil sei und den Sieg vollständiger mache.

                  Hier spricht er vom Prinzip des konzentrischen und des umfassenden Angriffs.

                  Ich habe da zwar Vorstellungen, würde aber gerne Meinungen dazu hier lesen.
                  Tu´ im Kriege das, was der Gegner für unmöglich hält.

                  Alexander W. Suworow

                  Kommentar


                  • #10
                    Gut , noch mal nachgebessert.

                    Meine Frage zielt eigentlich in folgende Richtung.

                    Der Stoß mit einer Angriffskolonne war wohl damals das stärkste offensive Element in einem Angriff.
                    Einmal dazu entschlossen musste dieser Stoß Erfolg bringen, sprich den Durchbruch, um nachfolgend den Erfolg durch einzuführende Reserven zu sichern.
                    Gelang das nicht, brach der Stoß zusammen, war die Kolonne so gut wie verloren.

                    D.h. so wie ich das verstehe, der Stoß einer Kolonne mußte überraschend erfolgen !
                    Mich interessiert, wie dieses Überraschungsmoment " organisiert " wurde.

                    Die Entwicklung einer Angriffskolonne aus der Linie erforderte Zeit und Raum und war vom Gegner wohl auch zu beobachten.
                    Damit hatte dieser wiederum Zeit zu reagieren, meine ich.

                    Geben Quellen darüber Auskunft aus welcher Lage oder aus welchem Treffen sich so ein Stoß formieren konnte ?
                    War es nicht zweckmäßig, so eine Angriffskolonne in der Tiefe der Angriffsformation zu bilden, um diese dan in einer günstigen Richtung zu entwickeln ?
                    Einhergehend natürlich mit der Massierung von Kräften und Mitteln in dieser beabsichtigten Linie
                    Tu´ im Kriege das, was der Gegner für unmöglich hält.

                    Alexander W. Suworow

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                    • #11
                      Der Stoß einer Angriffskolonne war nicht das stärkste Element offensive Element in einem Angriff - gerade die Angriffskolonne - die klassische colonne d'attaque - konnte jederzeit wieder in einer Linie deploiren - man behielt sich sozusagen eine zweite Chance.

                      Gerade die colonne d'attaque bietet eine enorme Flexibilität taktischer Formationen, nämlich Linie und Karree.

                      Es griff ja auch nicht nur eine colonne d'attaque an, sondern vielleicht ein ganzes erstes Treffen in colonne d'attaque.

                      Das entscheidene eines Angriffes war, reichte die Drohung des Angriffes aus - um den Verteidiger in die Flucht zu schlagen, da war es egal ob der Angriff in Linie oder in Kolonne erfolgte.

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                      • #12
                        Zitat von HKDW Beitrag anzeigen
                        Der Stoß einer Angriffskolonne war nicht das stärkste Element offensive Element in einem Angriff - gerade die Angriffskolonne - die klassische colonne d'attaque - konnte jederzeit wieder in einer Linie deploiren - man behielt sich sozusagen eine zweite Chance.

                        ............

                        Das entscheidene eines Angriffes war, reichte die Drohung des Angriffes aus - um den Verteidiger in die Flucht zu schlagen, da war es egal ob der Angriff in Linie oder in Kolonne erfolgte.
                        Wenn es gestattet ist, teile ich diese Ansicht nicht umfänglich.
                        Sicher, die Evolution von Linie in Kolonne & zurück war möglich und wurde sicher angewendet.
                        Ob es aber nach einem erfolglosen Stoß einer Kolonne noch eine zweite Chance in Form des Deploirens in die Linie gab, wage ich zu bezweifeln.
                        Weiterhin war es wohl auch damals nicht immer möglich einen Feind durch die nackte Drohung einer Angriffsformation in die Flucht zu schlagen.

                        Scharnhorst wies in seinen militärtheoretischen Schriften darauf hin, dass der Angriff der Kolonne einen wesentlichen Vorteil gewährte um einen Sieg über den Feind zu erringen.

                        ( Quelle . Usczeck /Scharnhorst Theoretiker-Reformer-Patriot S.100-101)

                        Das erscheint in sofern logisch, um vor allem entscheidente Schläge entlang einer günstigen Operastionslinie ( Hauptschlagrichtung ) zu verwirklichen.
                        Ziel war es also aus meiner Sicht, die feindlichen Linien zu durchbrechen, um sie danach zu zerschlagen.
                        D.h. die Überlegenheit durch die Konzentration von Kräften & Mitteln in einer ausgwählten Richtung.
                        Das " Schieben " der Linien hatte lediglich einen Abnutzungseffekt für beide Seiten zur Folge.
                        Einen entscheidenden Sieg brachte diese Form der taktischen Handlungen wohl nach 1800 nicht mehr !?
                        Zumal es kaum noch große geschlossene Linien gab, sondern die Handlungen in Divisionen.
                        Die wiederum Angriffskolonnen erst effektiv ermöglichten.
                        Tu´ im Kriege das, was der Gegner für unmöglich hält.

                        Alexander W. Suworow

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                        • #13
                          Ich habe jetzt mal in den Schwarz (Gefechtsformen der Infanterie in Europa) und den Rüstow (Geschichte der Infanterie) geschaut - dort wird die zwar die Geschwindigkeit der Kolonnenformation über die Mitte hin gewürdigt, aber nirgends auf einen "überraschenden Moment" eingegangen. Das leuchtet mir auch insofern nicht ein, als eine Migration von einer Linie zur Kolonne doch etwas Zeit bedarf und vom Gegner in Sichtweite sicher nicht verborgen werden konnte. Aber über die genaue Dauer zur Formation einer (Bataillons-) Kolonne kann hier sicher einer der Reenactor Auskunft geben, da die es live einstudieren dürfen.

                          Schöne Grüße
                          Markus Stein
                          "Wenn wir geboren werden, weinen wir, weil wir diese große Narrenbühne betreten" (King Lear) ... jedem also sein ganz persönliches (Hof-) Narrenleben

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                          • #14
                            Ich stimme Markus zu, die Formation von Linie in Kolonne in der Nähe des Gegners ist doch unwahrscheinlich. Angriffe in Kolonne erfolgten mittels bereits in Kolonne anmarschierten Bataillonen. Anders sah die Sache mit der Linie aus, das war die normale Gefechtsformation, auf die sich auch die Grundaufstellung und Organisation der Bataillone bezog. In der Regel wurde in Kolonne angerückt, weil man so besser auf dem Gefechtsfeld manövrieren konnte, dann sollte in Linie umformiert werden um zu kämpfen. Das gelang natürlich nicht immer, oder man ließ diesen Schritt aus verschiedenen Gründen aus.

                            Grüße

                            Gunter

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                            • #15
                              Wie auch immer, Scharnhorst nutzte den Begriff des Überraschungsmomentes beim Einsatz der Angriffskolonne.

                              Wie muß man sich das vorstellen ?

                              Aus meinem Verständnis her konnte so eine " überaschender Stoß " sowohl zum Beginn eines Gefechtes erfolgen, als auch im Verlaufe der Gefechtshandlungen.
                              Hier mußte man verschiedene Faktoren berücksichtigen !
                              Einmal die Disposition des Feindes, sowie seine Stärke und vor allem das Gelände.
                              Letzteres aus meiner Sicht ein entscheidenter Faktor für überraschende Schlägen !
                              Denn die Entwicklung einer Angriffskolonne mit nachfolgendem Stoß, was wie richtig erkannt Zeit und Raum erfordert, kann nur überraschend erfolgen, wenn weitestgehend gedeckt vorgegangen wird.

                              D.h. ein überraschender Stoß konnte entweder durch ein kühnes Manöver zu Beginn der Handlungen erfolgen oder aber aus dem zweiten Treffen heraus im Verlaufe des sich entwickelnden Gefechtes.

                              Das werden wir so nicht in Regularien finden, befürchte ich.
                              Das hing sehr stark von den entsprechenden Heerführern ab, deren Übersicht, Findigkeit , Kühnheit und Entschlossenheit.
                              Also nur in Paxi der dokumentierten Handlungen.

                              Ich selber habe unlängst in Leipzig bei der Gefechtsdarstellung in der Preußischen Brigade in einem " Bataillon " im Glied gestanden.
                              Unser " Bataillon " formierte zweimal eine Angriffskolonne aus der Linie heraus.
                              Die Einheit bestand aus vier Sectionen a 6-8 Rotten.
                              Die Evolutionen erfolgten jeweils aus der stehenden Linie.
                              Die gefühlte Zeit dabei war jeweils 2-3 Minuten.
                              Vielleicht kann man das hochrechnen, ich weiß es nicht.
                              Tu´ im Kriege das, was der Gegner für unmöglich hält.

                              Alexander W. Suworow

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