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Das dritte kleine Bilderrätsel

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  • Das dritte kleine Bilderrätsel

    Athena, Juno & co. lassen mich nicht los. Hier mal ein richtiges Frontispiz aus Johann Gottlieb Tielkes "Unterricht für die Offiziers, die sich zu Feld-Ingenieurs bilden wollen" in der Ausgabe von 1795.

    Was ist also an griechischen Göttern und Halbgöttern zu sehen, und was bedeuten sie? Wie immer, gibt es eine luzide Beziehung zum Inhalt des Werkes


    Viel Vergnügen am Sonntag abend.

    LB, der Rätselhafte
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    Zuletzt geändert von Blesson; 20.01.2009, 17:45.
    Do, ut des

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  • #2
    Hm, also mal gucken was von der Schulbildung übrig geblieben ist.

    Zeus auf dem Olymp mit seinem Sohn Ares zu Füssen.

    Ist der kleine mit Helm vielleicht Herakles?
    "Eine schmucke Uniform und ein schönes Pferd sind wichtiger als ein voller Bauch!"
    Zitat: Laetitia Ramolino

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    • #3
      Vom Betrachter aus links sitzt Athena/Minerva, mit Speer, Schild und Helm, und möglicherweise einem Abbild des Gorgonenhaupts auf der Brust ? (Die Auflösung des Bildes ist etwas klein, finde ich.)

      Ganz oben sitzt Herkules, an der Keule erkennbar, mit der er den nemeischen Löwen erschlug, dessen Fell liegt zu seinen Füßen.

      Der Kleine mit Helm ist wahrscheinlich Ares/Mars, aber in der Antike wurde er meines Wissens immer als erwachsener Mann dargestellt ?

      Der unten am Boden herumlungernde Greis soll vielleich wieder die flüchtige Zeit symbolisieren ?

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      • #4
        Ja, an Athene habe ich auch gedacht, aber eher vermisst, da ich keine Göttinnen erkennen konnte?
        "Eine schmucke Uniform und ein schönes Pferd sind wichtiger als ein voller Bauch!"
        Zitat: Laetitia Ramolino

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        • #5
          Zitat von Sans-Souci Beitrag anzeigen

          Der unten am Boden herumlungernde Greis soll vielleich wieder die flüchtige Zeit symbolisieren ?
          Nein, Chronos ist es diesmal nicht. Bei dem Greis handelt es ich um einen rüstigen Mann, ja sogar eine Gottheit, dem hier ein wichtiges Attribut fehlt (warum werde ich noch zu erklären suchen), aber eines hat er zu seiner Rechten in der Hand, das zweite an seinem Linken Fuß. Nicht sein Heim & herd auf dem Lande.

          LB
          Zuletzt geändert von Blesson; 20.01.2009, 17:21.
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          • #6
            Zitat von Sans-Souci Beitrag anzeigen
            Vom Betrachter aus links sitzt Athena/Minerva, mit Speer, Schild und Helm, und möglicherweise einem Abbild des Gorgonenhaupts auf der Brust ? (Die Auflösung des Bildes ist etwas klein, finde ich.)

            Ganz oben sitzt Herkules, an der Keule erkennbar, mit der er den nemeischen Löwen erschlug, dessen Fell liegt zu seinen Füßen.

            Der Kleine mit Helm ist wahrscheinlich Ares/Mars, aber in der Antike wurde er meines Wissens immer als erwachsener Mann dargestellt ?

            Mit Athena, Herkules & Co geht man niemals fehl. Den kleinen mit Helm deute ich wieder als des Herkules Genius - starke Männer brauchen anscheinend auch welche, nicht nur die klugen. Also warum hier der Herkules?

            In der Kultur des europäischen Mittelalters galt Herakles als Vorbild für tugendhaftes Verhalten und für vorbildliches Kriegertum. Darstellungen der Heldentaten des Herakles und vor allem auch das Motiv des Herkules am Scheidewege finden sich daher während des gesamten Mittelalters und wurden auch während der Renaissance und des Barock in großer Zahl geschaffen.
            Voila, hier die bessere Auflösung:

            http://books.google.de/books?id=AfuE..._brr=1#PPP6,M1

            LB
            Zuletzt geändert von Blesson; 20.01.2009, 17:47.
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            • #7
              Prima, im größeren Detail lassen sich Ruder und wasserverströmender Krug, die Attribute eines Flußgottes, leicht erkennen, und auch das Greisengesicht wirkt jünger ... außerden ist er noch durch seinen Fluß von Minerva. Herkules und dem geflügelten Genius getrennt.

              Wurde die Elbe im 1778er Krieg irgendwann mit Hilfe eines findigen Feldingenieurs überbrückt, oder ist der "letzte Krieg" einer gegen die Türken ?

              Und hast Du einen ikonographischen oder schriftlichen Beleg für die Existenz eines "Genius des Herkules/Herakles" ???

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              • #8
                Wurde velleicht sogar ein Fluß umgeleitet ? Das würde zu Herakles und seiner eleganten Lösung für die schmutzigen Ställe des Augias passen ...

                Minerva zeigt auf ihrem Schild ein sächsisches Wappen ? Sachsen war aber doch am Bayrischen Erbfolgekrieg nicht beteiligt ?

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                • #9
                  Oli,

                  das ist heiß, äußerst heiß sogar. Nur der Herr Tielke ist nicht mit unserem Ludwig Müller zu verwechseln. Herr Tielke ist kursächsischer Artillerieoffizier, also liegt es nahe, an Sachsens Amazonas, die Elbe, zu denken. Herr Tielke schreibt aus eigener Anschauung über den siebenjährigen Krieg, wo er auch mehrfach Brücken über die Elbe schlagen ließ...

                  Sein Werk zu den Feldingenieurs beschäftigt sich unter anderem auch mit Brückenköpfen (also Sicherung von Flußübergängen) und dem Bau von Kriegsbrücken. Hier ist also der Bezug zu Poseidon: Die menschliche Vernunft, dargestellt durch Athena, besiegt den wilden unbändigen Fluß durch den Triumph des Baukunst. Deshalb darf sich der besiegte Poseidon nur demütig in die rechte Ecke kauern, ja er hat sogar seine Waffe, den Dreizack, niederlegen müssen. Nur Ruder und Amphore darf er zeigen.

                  LB
                  Zuletzt geändert von Blesson; 20.01.2009, 19:05.
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                  • #10
                    Meiner Meinung nach hat Poseidon/Neptun niemals einen Wasserkrug, sondern manchmal Pferde, aber auf jedne Fall immer den Dreizack, der wiederum an Flußgötter nicht vergeben wird ?

                    Immerhin ist Poseidon ja der Gott des Meeres, nicht der Flüsse, schon in der Antike gab es hierfür ja besondere Flußgötter oder Quellnymphen.

                    Der Titel des Buches stellt ja den Bezug zum "letzen Krieg" her, deswegen meine Frage nach der Rolle Sachsens.

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                    • #11
                      Nun zu Herkules, Ärrkül, wie der gemeine Franzmann sagt: Aufgebaut sind die Trophäen eines Siegers, dem sein Genius den Lorbeerkranz des Ruhmes reicht. Weiterhin sehen wir das üblichen Attribute, nämlich Fahne, Brustpanzer und Helm, einen Bogen, ein Liktorenbündel.

                      Brustpanzer und Helm sind sehr oft das Signum für das Ingenieurcorps, z.B. in Frankreich. Hier also wieder ein Bezug zum dargestellten Metier.

                      Ob nun die Apotheose dem Herrn Tielke als Person gilt, lassen wir mal dahingestellt. Jedenfalls gilt sie dem tapferen Krieger im Allgemeinen, und ich finde, daß er das als erfahrener Kriegersmann auch darf. Ihm beiseite gestellt ist Athena, die personifizierte Vernunft, sie steht also für die beginnende Verwissenschaftlichung der Kriegskunst am Ausgang des 18. Jahrhunderts, und für Tielke als "Homme de lettre".

                      LB
                      Zuletzt geändert von Blesson; 20.01.2009, 19:25.
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                      • #12
                        Zitat von Sans-Souci Beitrag anzeigen
                        Meiner Meinung nach hat Poseidon/Neptun niemals einen Wasserkrug, sondern manchmal Pferde, aber auf jedne Fall immer den Dreizack, der wiederum an Flußgötter nicht vergeben wird ?

                        Immerhin ist Poseidon ja der Gott des Meeres, nicht der Flüsse, schon in der Antike gab es hierfür ja besondere Flußgötter oder Quellnymphen.

                        Der Titel des Buches stellt ja den Bezug zum "letzen Krieg" her, deswegen meine Frage nach der Rolle Sachsens.
                        Die allegorische Darstellung der Elbe (also nicht Poseidon) paßt natürlich noch viel besser in das Bild. LB
                        Do, ut des

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                        • #13
                          Mir erscheint das, was der Genius in der Hand hält, eher als eine Schnupftabakprise denn als ein Lorbeerkranz, so klein wie es ist. Und zwei Zwergenkränze, einer in der linken und einer in der rechten Hand, machen auch noch keinen "richtigen" Kranz, selbst wenn man annimmt, daß der arbeitsame Herakles gerne bastelt.

                          Ich würde mich aber über andere Deutungsvorschläge der dargereichten Objekte freuen ...

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                          • #14
                            Nun, mei Gutster,

                            auf der zuerst gezeigten Version des Kupferstichs von 1795 ist der Lorbeerkranz gar kräftig anzuschauen, Tielkes Ruhm ist also im Vergleich mit früheren Auflagen gewachsen. Ein Döschen ist das nimmermehr.

                            Außerdem bastelt Ärrkül nicht, er läßt seinen Genius basteln. Viel zu filigran für ihn, er wirft lieber Baumstämme.

                            LB
                            Zuletzt geändert von Blesson; 20.01.2009, 19:37.
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