Ankündigung

Einklappen
Keine Ankündigung bisher.

Festungsmauern

Einklappen
X
 
  • Filter
  • Zeit
  • Anzeigen
Alles löschen
neue Beiträge

  • #16
    Ich möchte die Ausführungen noch für die Zeit 1700-1820, also der Periode der bastionären Befestigungsmanier, ergänzen. Torbauten sind schon ein Thema mit verblüffender Vielfalt, wo sich die ganze Rafinesse der Bautechnik austoben kann, so daß ich hier aus der LaMäng nur einige Hauptlinien hervorheben will.

    Grundsätzlich sucht man bei Festungen in der Ebene die Tore des Hauptwalls der direkten Sicht und damit dem Beschuß der Belagerungsartillerie zu entziehen. d.h. die Sicht wird verdeckt 1. durch das Glacis und 2. durch Vorwerke, klassischerweise einem Ravelin (Wallschild), durch welches die Zufahrten geleitet werden. Siehe beigefügte Abbildung zur Belagerung von Freiburg 1744.

    Die Sohle des Tores liegt im allgemeinen auf der Höhe des Bauhorizontes, also auf ebener Erde. Daher waren immer Brückenkonstruktionen notwendig, die über den trockenen oder nassen Graben geführt wurden. Der Abschnitt vor dem Tor wurde durch Klappbrücken, Zugbrücken und verwandte Konstruktionen gesichert, so daß eine direkte Annähnerung bei aufgezogener Brücke nicht möglich war. Das Tor konnte durch weitere zusätzliche Torflügel oder Fallgatter verstärkt werden. Der Tunnel wurde i.a. gekrümmt durch den Wall geführt, um den direkten Durchschuß zu erschweren.

    In aller Regel liegt das Tor in der Mitte der Kurtine, also dem Wallstück, welches zwei Bastionen verbindet. Die Deckung des Tores erfolgte durch die Flankenbatterien der benachbarten Bastionen, ggf. auch Dechargengalerien.

    Erst in der Epoche nach 1815 wurden die Tore auch auf das Niveau der Grabensohle abgesenkt. Diese Tore wurden in der Regel dann durch einen kleinen zusätzlichen Graben, dem Diamantgraben geschützt. Ihr Aufgabe war es, schnelle Ausfälle in das Vorfeld zu erleichtern. Sie waren der Sicht des Vorfelds völlig entzogen, wurden also dem Angreifer erst bei der Krönung des Glacis sichtbar.

    Die Wälle der Vorwerke, wie z.B. die Raveline, die von den Durchfahrten zerschnitten wurden, hatten in der Regel keine permanenten Torbauten, deren Aufzug ja ohnehin zu hoch für die dahinterliegenden, überhöhenden Werke gewesen wäre. Sie wurden durch Gattertore, vorgelegte spanische Reiter, KLappbrücken etc. gesichert. Die Durchfahrten wurden seitwärts gelegt, so daß sie frontal nicht einzusehen waren. Die Tore und Durchlässe folgen also dem Prinzip der abschnittsweisen Verteidigung. Die Deckung der Durchfahrten erfolgte durch frontales Feuer vom Wall des Vorverks und durch flankierendes Feuer der seitwärts liegenden Werke (z.B. einer Bastion) bzw. durch den gedeckten Weg.

    Bei den selbständigen Außenwerken befanden sich die Tore auf der Kehlseite, d.h. sie waren von der Feindseite abgekehrt, waren in der Regel durch die dahinter liegenden Werke oder durch das Gelände gedeckt.

    Bei Belagerungen wurden Tore (und Poternen) zur Kommunikation mit den Vorwerken und für die Ausfälle genutzt. Tore einer angegriffenen Fronte pflegte dann zu verfüllen, daher auch die Versatzfalze in den Torbogen.

    Mir ist aus der Kriegsgeschichte nur 1 Fall bekannt, wo der Angreifer suchte, das Tor im direkten Beschuß zu zerstören (Toul, 1870). Tore konnten auch durch Petarden gesprengt werden, hierfür ist mir aus der Kriegsgeschichte 1789-1815 kein Beispiel bekannt.

    LB
    Angehängte Dateien
    Zuletzt geändert von Blesson; 26.03.2008, 00:53.
    Do, ut des

    http://www.ingenieurgeograph.de

    Kommentar


    • #17
      Ich kann nur ein schlichtes Danke schreiben für all die aufgewendete Mühe.
      Es wird aber sicher nicht nur mich interessiert und weitergebildet haben ...

      Kommentar


      • #18
        Darf ich schon wieder was fragen?
        Nach eifrigem Herumgoogeln bin ich noch immer auf keinem grünen Zweig mit der Frage, wie man denn auf den Wallgang hinaufkam. Über eine Rampe? Stiegen - aus Stein, aus Holz? Wurden schwere Sachen (Kanonen uä) mit Flaschenzügen aufgezogen?
        Aus einem der bisherigen Bilder wäre auf eine Rampe zu schließen - aber ich will's mal wieder ganz genau wissen ...
        Danke für jede Hilfe!

        Kommentar


        • #19
          So aus der LaMäng im Telegrammstil:

          wir haben den ganzen Zoo der konstruktiven Möglichkeiten, je nach Epoche, Finanzmitteln, verfügbaren Materialien, Handwerkskunst und Wissen des Ingenieurs. Die Zugänge befanden sich immer auf der Kehlseite der Werke, also:

          Bei Geschützen:
          Auffahrten (Rampen) mit einer Steigung 1:4 oder weniger an der Innenseite der Wallböschung. Das Hinaufziehen konnten durch Seilzüge oder Umlenkrollen unterstützt werden, meist war allerdings menschliche Kraft gefordert, da der Raum für das Maneuvrieren mit bespannten Protzen i.d.R. nicht ausreichte. Die Fahrspuren konnten durch Bohlen oder ausgelegte Platten befestigt werden.

          Diese ERd-Rampen sind z.b. in den Kehlen der Halbbastionen des Kronwerks von Bourtange deutlich zu sehen. Bei den Außenwerken bevorzugt man aus Kostengründen eigentlich immer Erdrampen, nicht zuletzt, um die Splitterwirkung der gemauerten Rampen oder der Bomben zu mindern.

          Bei großen gemauerten Werken (i.d.R. Reduits, Kehlkasernen etc.) konnten die Auffahren auch in den Gebäuden liegen (mir allerdings nur aus der 2. Hälfte des 19. JH bekannt).

          Wenn aus Platzgründen keine Auffahrt konstruiert werden konnte, dann wurden die Geschütze per Kran, Flaschenzug oder Rollen auf das Verdeck befördert - leichte Geschütze als ganzes, schwere Geschütze in Einzelteilen - Rohr, Laffette, Räder, Ladezeug etc.

          Bei einigen Höhenfestungen auch Schrägauffahrten mit einem Göpelwerk über den Hang.

          Bei der Infanterie:
          Wallgang und Schützenauftritt (hinter der Brustwehr) konnten meist direkt vom Terreplein über die leicht geneigte Böschung (1:1 bis 1:2) betreten werden - gesonderte Rampen sind hier nicht notwendig. In Erde geböschte Wälle konnten direkt vom Terreplein aus bestiegen werden.

          Dann haben wir noch abwerfbare Stege aus den dahinterliegenden Werken, welche den Graben überquerten; diese endeten allerdings meist auf der Höhe des Terrepleins, nicht auf dem Wallgang, wo sie zu exponiert gewesen wären.

          Desweiteren kennen wir in der gemauerten Conterescarpe eingelassene Treppen (z.B. bei Ravelins der Vauban-Festungen).

          Wendeltreppen von den unteren Geschossen auf das Verdeck. Auch improvisierte Zugänge durch Leitern.

          Bei älteren Festungen aus dem 16.-17. JH auch Treppentürme.

          LB
          Do, ut des

          http://www.ingenieurgeograph.de

          Kommentar


          • #20
            Schön langsam entwickelt sich diese Kolumne zu einem Buch über Festungswesen ...
            Vielen Dank wieder für die umfassende und neuerlich hochinteressante Darstellung.

            Kommentar


            • #21
              Für diejenigen, die sich für Modelle interessieren:

              http://theminiaturespage.com/boards/msg.mv?id=156952

              Da gibt es gleich beim ersten Beitrag links zu den Bildern der Anlage, die von paperterrain.com produziert wird. Wenn ich nicht schon so viel Arbeit in meine eigenen "Mauern" gesteckt hätte ...
              Ich finde das Papiermodell sehr attraktiv - vielleicht erspart sich jemand anderer durch diesen Hinweis einige Mühe.
              Das Unternehmen unter Scott Washburn kann ich nur empfehlen - habe einiges von ihm bezogen und war immer zufrieden.

              Kommentar


              • #22
                Nicht übel für den Anfang,

                aber ein paar Dinge fallen bei dem Pappmodell doch sofort auf:

                Es fehlt der Graben, der gedeckte Weg und das Glacis. Der Bauhorizont ist also zu tief gelegt (besonders Tor und Hof), er muß dagegen etwa auf der hälfte zw. Grabensohle und Kordonstein liegen. Der Graben muß mindestens 10 Fuß tief sein.

                Das Parapet ist ein bißchen mickrig, aber für die früheren Kolonien mag es hinreichen, aber ob die so reichlich Ziegel brennen konnten? Es war eigentlich weniger üblich, die Brustwehr aufzumauern, vierlmehr wurde ab dem Kordonstein die Brustwehr mit Erde aufgeführt, stichwort Splitterwirkung der Steine und Geschoßdämpfung durch die Erde. Der hohe Aufzug erhöht zwar die Sturmfreiheit, andererseits exponiert sich das Mauerwerk einem Angreifer. Die Lösung sind also ein tieferer Graben und ein Glacis, so daß vom Glacisfuß nur noch die Wallkrone sichtbar ist.

                Mir scheint auch der Schützenauftritt zu fehlen, wie sollen denn die armen Kerls ein Kleingewehrfeuer über die Brustwehr unterhalten?

                Ein Unterstand fehlt, ebenso ein bombensicheres Pulvermagazin. Wahlweise Quartier in Zelten, in an die Wallböschung gelehnten Brettern oder in Strohütten (letztere brennen zu leicht).

                Die Futtermauern scheinen mir zu stark geneigt zu sein. 85° sollten es sein.

                Wie brachte man bloß die Geschütze auf den Wall? Es fehlen also Rampen.

                Man kann sich über die Aufstellung der Artillerie bei den Facen trefflich streiten. Gerade bei den kleineren Forts halte ich die Aufstellung auf der Bastionsspitze und das feueren en Barbette (nicht durch Scharten) für typischer, weil man ein Streichwinkel von 120° und mehr erreichen kann. Eine Dotierung von 4 Geschützen pro Bastion erscheint mir doch für ein Förtchen äußerst reichlich, da gabs eher nur ein Geschütz pro Bastion, wenn überhaupt. Die Schartenbacken stehen ziemlich weit auseinander, eigentlich sollte nur das Rohr in den Schartenmund hineinreichen, um es etwa bis zu max. 30° schwenken zu können. Weiter schwächt jede Scharte die Brustwehr.

                Ich glaube also nicht, daß das Modell auf einer realen Vorlage beruht (wenn ja, haben sie nicht richtig hingesehen), sondern primär der Phantasie seiner Erbauer entspringt. Die Vaubanschen Küstenforts am Atlantik geben eigentlich sehr viel Anschauungsmaterial....

                Meine persönliche Empfehlung, ein Modell aus Pappe / Gips / ton selber nachzubauen, und zwar als Erdwerk- oder Holzwerk... Der Enthusiasmus auf der o.g. englischen Seite will sich mir nicht recht mitteilen.

                Ich sehe schon wieder, eine Kriegsschule für den Infanterieoffizier thut not...

                LB
                Zuletzt geändert von Blesson; 10.12.2008, 19:54.
                Do, ut des

                http://www.ingenieurgeograph.de

                Kommentar


                • #23
                  Eine ausführliche Besprechung durch unseren geschätzten Blesson - genau darauf hatte ich abgezielt.
                  Danke!
                  Einige der Punkte wären mir - dank der in dieser Kolumne erworbenen Informationen - bereits selbst aufgefallen.
                  Wir dürfen aber wohl nicht außer Acht lassen, dass es sich nicht um ein um völlige Authentizität bemühtes Modell für eine Museum etwa handelt, sondern um ein vereinfachtes Stück für den Wargame-Tisch - und dafür ist es mE recht gut geeignet.

                  Kommentar


                  • #24
                    Lange, lange, lange hat es gebraucht - und rausgekommen ist auch nicht mehr als eine für den Wargame-Tisch halbwegs brauchbare Simplifikation.
                    Aber weil's denn mein Werk ist, hab ich's auch gern ...
                    Angehängte Dateien

                    Kommentar


                    • #25
                      Und noch was, habe gar geglaubt, dass die Bilder auch nach Verkleinerung noch so pixel-groß sind ...
                      Angehängte Dateien

                      Kommentar


                      • #26
                        und noch eines mehr
                        Angehängte Dateien

                        Kommentar


                        • #27
                          in der Hoffnung auf nicht zu argen Verriss ...
                          Angehängte Dateien

                          Kommentar


                          • #28
                            Die Häuser sind Papiermodelle von paperterrain.com
                            Angehängte Dateien

                            Kommentar


                            • #29
                              So, das letzte.
                              Die Aufstellung ist natürlich auch nur sehr behelfsmäßig. Letztlich soll der Festungsteil auf ein Grasgelände kommen, innen mit Steinpflaster oä. Einen Graben habe ich auch - bemalte Bleifolienstücke, die man außen rundherum legen kann. Die offene U-Form wurde bewusst gewählt, die Öffnung steht am Rande des Spieltisches - so habe ich mir zwei Eckstücke erspart und außerdem bleibt die Größe unbestimmt: es kann entweder eine kleine Festung sein oder der Teil einer größeren.
                              Ach ja, dat Janze ist ein Art Modulsystem und kann man es daher auch aufstellungsmäßig variieren. Der Nachteil sind naturgemäß die Zusammenstöße der einzelnen Teile. Man kann nicht alles haben ...

                              Jedenfalls danke ich allen, die mir auf dem Weg zu diesem Ziel geholfen haben - dass es ein recht bescheidenes wurde, konnten die wohlmeinend Ratenden nicht wissen und bleibt in meiner Sphäre /das soll jetzt kein verstecktes "fishing for compliments" sein, so wie "na, eh ganz schön ...", ich wollte das Ergebnis meiner Fragen einfach nur nicht im Verborgenen halten/
                              Angehängte Dateien

                              Kommentar


                              • #30
                                Hier als Anmerkung, wie Festungsmodelle für Unterrichtszwecke im Maßstab 1:288 aussehen können. Die Farbgebung orientiert sich an den bekannten Zastrow-Modellen, wie z.B. in Rastatt. Zu sehen sehen ist eine Redoute aus Ton mit verschiedenen Annäherungshindernissen wie Graben, Palisaden, span. Reiter, Abatis, Sturmfpfähle, Sturmbalken, Flatterminen, Wolfsgruben. Grundriß und Wallprofil des Erdwerks nach Struensee, keine Überhöhung des Profils. Die Wallkrone ist etwa 8 Fuß über dem Bauhorizont, also ist der Aufzug in der Ebene nur als leicht erhöhter Kamm zu bemerken.
                                Angehängte Dateien
                                Zuletzt geändert von Blesson; 28.03.2012, 21:18.
                                Do, ut des

                                http://www.ingenieurgeograph.de

                                Kommentar

                                Lädt...
                                X