Preußische Feldtrompeter der Kürassier- Regimenter 1806

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  • Spaen
    Erfahrener Benutzer
    Sergent-Major
    • 26.04.2020
    • 215

    Preußische Feldtrompeter der Kürassier- Regimenter 1806

    Mit der Einführung der beiden Trompeter bei den Dragoner-Eskadrons am 01. Juni 1777 wurde erstmals im brandenburgisch-preußischen Heer auf ein sogenanntes "Freysprechen" verzichtet und damit bei den Dragonern fortan keine "gelernten Trompeter" angestellt.
    Bei den Kürassier-Regimenter stellte man dagegen weiterhin bis 1806 grundsätzlich nur die zunftmäßig ausgebildeten " Karoliner" bei den Regimentern an. Diese besaßen im ganzen Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation außerordentliche kaiserliche Privilegien seit 1623/30, hatten aber auch entsprechende Verpflichtungen gemäß den "Artikel-Briefen".
    In den Artikeln war alles geregelt von den Lehrjungen bis zum Umgang mit anderen Trompetern der Zunft, Kosten für die Ausbildung, Herkunft, Verhalten bis zur Versorgung im Todesfall. Usw. usf. Rest ist bekannt.

    Ich suche Antworten auf folgende, nur die Preußische Armee betreffende Fragen:

    Wann übernahm Brandenburg/ Preußen die diesbezüglichen Kayserlichen Bestimmungen?
    Ab wann hörte das "Eigenleben" der Trompeter auf und wann wurden sie fester Bestandteil der Regimentsorganisation?
    Gab es gesonderte Bestimmungen?
    Mit welcher Ordre, wahrscheinlich zwischen 1807 und 1809, wurden die "Karoliner" abgeschafft ?
    Welche sonstigen Sachverhalte hierzu für Preußen sind bekannt ?
    Bei wem erfolgte die Ausbildung ? ( Aus meinem Gedächtnis: Stabstrompeter der Garde du Corps -eventuell kommt auch ein Hoftrompeter in Frage)
    Welches Lehrgeld musste bezahlt werden ?
    Hat jemand schon einmal einen preußischen Trompeter-Lehrbrief gesehen oder davon gelesen?

  • Sans-Souci
    Erfahrener Benutzer
    Major
    • 01.10.2006
    • 1882

    #2
    Abgeschafft wurde das Zunftwesen bei den Trompetern der preußischen Kavallerie am 8. November 1810.

    Schöning, Geschichte Garde du Corps, S. 212:

    Für dieses Mal will Ich zwar auf Euren Antrag für die zuletzt zum Regiment Garde du Corps gekommenen 5 Trompeter das sonst übliche Lehrgeld noch mit 250 Thlr. bewilligen, und habe diese Summe auf meine Schatulle angewiesen, für die Folge aber kann dieses Lehrgeld nicht weiter accordirt werden, so wie Ich überhaupt das bisher bestandene Zunftwesen bei den Trompetern gänzlich aufgehoben wissen will u. s. w.
    Friedrich Wilhelm.
    Potsdam, den 8. November 1810.

    Kabinetts-Ordre an das Allgemeine Krieges-Departement (GStA PK VI. HA, Rep. 92 Nachlaß Vaupel, Nr. 50, Blatt 74):

    Potsdam, 8. November 1810.
    He. A. Rep. 2. Minüte.
    Seien Königliche Majestät wollen das unter den Trompetern der Kavallerie-Regienter bisher bestandene Zunftwesen, vermöge dessen jeder neu eintretende Trompeter sich einer festgesetzten Lehrzeit und einer demnächstigen förmliche Aufnahme als Mitglied der Zunft unterwerfen, auch ein Lehrgeld für ihn an den Stabs-Trompeter bezahlt werden mußte, von nun an völlig aufgehoben wissen. Allerhöchstdieselben tragen dem Allgemeinen Krieges-Departement auf, das hiernach Erforderliche zu publizieren.

    Was ist die Quelle für die Abschaffung (bzw. nicht-Einführung) der "gelernten Trompeter" bei den Dragoern 1771 ?

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    • Sans-Souci
      Erfahrener Benutzer
      Major
      • 01.10.2006
      • 1882

      #3
      Die Ausbildung muß übrigens nicht notwendigerweise beim Regiment stattgefunden haben. Klemcke machte als Jugendlicher zuerst eine Lehre als Trompeter, bei zwei verschiedenen Stadtmusiki, und ging erst später zum Militär (Lebensgeschichte des Trompeters Christian Friedrich Klemcke, Herrnstadt 1844, S. 28-32).

      Kommentar

      • Spaen
        Erfahrener Benutzer
        Sergent-Major
        • 26.04.2020
        • 215

        #4
        Herzlichen Dank für deine umfassenden Antworten Sans-Souci.

        Habe gerade im Schöning noch mal nachgelesen. Da ich alle anderen Kürassier-Geschichten vorher "überflogen" habe-hatte ich an die GdC überhaupt nicht mehr gedacht. Die erwähnte Kabinettsordre war mir nicht bekannt.

        Gewünschte Quelle: Kling, Band II, Anlage 81, Seite 304

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        • Sans-Souci
          Erfahrener Benutzer
          Major
          • 01.10.2006
          • 1882

          #5
          Hier noch etwas zu den Trompetern bei der Infanterie, Stand 1735:

          Ferner sind bey der ganzen Königl. Preußischen Infanterie lauter meßingene Trommeln eingeführet, die einen gewaltigen Lerm machen, absonderlich wann in Berlin, zur Wach-Parade, umgeschlagen wird, so, daß etlich und zwantzig bis dreyßbig Tambours mit einander geben. Auch befindet sich unter denen Hautbois eines jedweden Regiments eine Trompete, die einen ungemeinen Laut von sich giebet, und alle, die es hören, zu ermuntern scheinet. Wie diese Trompeten bey der Königlichen Preußischen Infanterie eingeführet wurden, vermeynten die Trompeter, auch in auswärtigen Landen, etwas dargegen einzuwenden zu haben. Denn es ist bekannt, daß die Trompeter und Paucker des Römischen Reichs sich auf gantz sonderbare Privilegia und Gewohnheiten bey ihrer Profession zu beruffen wissen. Allein des Königs von Preussen Majestat kehrten sich an nichts, und in denen Preußischen Landen hat seit dem kein Trompeter mehr darwider reden dürffen. Es wäre auch fast etwas wunderliches, wann ein Fürst und so grosser Potentat sich, von Trompetern, etwas hierinnen vorschreiben lassen wolte.

          Leben und Thaten des Allerdurchlauchtigsten und Großmächtigsten Königs von Preußen Friederici Wilhelmi. Biß auf gegenwärtige Zeit aufrichtig beschrieben. Hamburg und Breßlau 1735, S. 735

          Einige Infanterie-Regimenter hatten im Jahre 1806 noch silberne Trompeten. Die Trompeter scheinen da aber nicht mehr in den Etats aufzutauchen ?

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          • Da Capo
            Erfahrener Benutzer
            Adjudant
            • 23.10.2006
            • 838

            #6
            In Sachsen gab es bei der Infanterie nur Pfeiffer und Trommler. Die Pfeiffer wurden 1810 zu Hautboisten, während die Trommler Trommlet blieben. Die Pfeiffer spielten aber schon immer - abgesehen von der (Laien-) Janitscharenmusik einiger Regimenter - alle übrigen Instrumente. Auf dem Etat erscheinen nur die Pfeiffer oder später die Hautboisten.

            War evtl. bei Pressens genauso?
            Wenn der Feind in Schußweite ist, bist Du es auch. Vergiss dabei nie, dass Deine Waffe vom billigsten Anbieter stammt.

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            • HKDW
              Erfahrener Benutzer
              Colonel
              • 02.10.2006
              • 2986

              #7
              Einige Infanterie-Regimenter hatten im Jahre 1806 noch silberne Trompeten.
              Welche ? Und wurden die dann überhaupt im Feld - Funktion mitgeführt???

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              • Sans-Souci
                Erfahrener Benutzer
                Major
                • 01.10.2006
                • 1882

                #8
                Ich weiß im Jahre 1806 von je einer silbernen Trompete im IR 4, 8, 10, 11, 13, 14, 15, 18, 30, 33, 35, 36, 38, 41 und 42.

                Die Trompeten waren keine Signalinstrumente, sondern wurden - ich hab inzwischen etwas rumgesucht - nach Jany (Geschichte der Armee, Bd. 1, S. 773) unter Friedrich Wilhem I. von dem Chorführer der sechs Hautboisten gespielt, die andern fünf Instrumente waren 2 Fagotts und 3 Oboen. Jany erwähnt, daß die Trompeter "zuweilen in den Stabsrollen der Regimenter als zum Unterstab gehörig namentlich aufgeführt" wurden. Die Regimenter, die keine silbernen Trompeten hatten, hatten also sicherlich welche aus Messing. Wie sich die Hautboisten bis 1806 etwickelten, weiß ich nicht.

                Also doch ein Unterschied zu den Sachsen.

                Zu einem Infanterie-Regiment gehörten laut Jany (Geschichte der Armee, Bd. 1, S. 649) nach dem Etat von 1739: 1 Regimentstambour und 6 Hautbois beim Regimentsstab, 2 Pfeifer und 31 Tambours bei den beiden Musketier-Bataillonen sowie 4 Pfeifer und 6 Tambours bei den beiden Grenadier-Kompanien.

                Hier noch ein Eindruck wie so ein Hautboisten-Corps in etwa geklungen haben könnte (1 Trompete, 3 Oboen, 1 Fagott):

                Zuletzt geändert von Sans-Souci; 01.05.2021, 15:47.

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