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Die Nachfahren Lucien Bonapartes.

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  • #16
    Interessant ist auch die von kaum ermessbarer Größe gewesene Bibliothek des Wissenschaftlers Roland Bonaparte, der noch kurz vor seinem Tode
    -wie es heißt- tausende von Farnarten nennen und auseinanderhalten konnte!
    Marie hatte Phobien bezüglich dieser Bibliotek. Noch als bereits älteres Kind hatte sie abermals Visionen, dass einer der Skelette, die Roland wohl dort zum Zwecke seiner anthropologischen Forschungen aufgestellt hatte, plötzlich lebendig werden würde...

    BibliothekRoland.jpg

    Bibi.jpg
    "Da nichts im Laufe unseres Lebens ausgelöscht wird, ist jeder von uns wie ein Dokument, in dem, zwar gekürzt, die ganze Geschichte und die ganze Frühgeschichte der Menschheit niedergeschrieben ist"

    Marie Bonaparte (1882-1962)

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    • #17
      Wow, in so einem Schloss würde ich mich auch mal gerne langweilen!
      Wenn Maries Kinder also nach Italien geheiratet haben, haben sie ja "back to the roots" geheiratet. Wo fängt dein Bonaparte-Stammbaum an? Bei Napoleon? Dem Vater? Oder einfach sooo weit zurück wie es geht? Ich war vor Jahren mal in Florenz, irgendwo ist mir da mal eine Bemerkung über die Bonapartes begegnet, aber da ich damals für das Thema nur mäßiges Interesse hatte, ist mir das leider entfallen.
      Deine Erklärungen zu den Erbangelegenheiten Maries haben mir jetzt auch erklärt, warum sie mit diesen Schuldgefühlen unterwegs war, im Film kam das nicht ganz so rüber. Da wird sie insgesamt eher als willensstarke, durchsetzungsfähige Person gezeigt, die ihe Entscheidungen nicht vom Wohlwollen anderer abhängig macht. Ich hatte mich daher gewundert, dass sie ein Fall für die Psychoanalyse war, denn es war bei ihr ganz offensichtlich keine Modelaune. Welche wesentlichen Erinnerungen haben denn ihre Enkel an Marie? Irgendwelche Anektoden?
      Und neugierig gemacht hat mich die Bemerkung über Pierre-Napoleon: Wer war dieser Victor Noir? Und warum hat er den umgebracht?
      Wenn dein Artikel über Marie fertig ist, gibt es den doch bestimmt hier? Hat dich der Vortrag in Bad Homburg erst auf sie gebracht?
      Grüße
      Colet

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      • #18
        Hallo Colet,

        Den Bonaparte Stammbaum versuche ich jeden Tag ein wenig zu allen Seiten hin auszuweiten, auch zu den Habsburgern, den Savoyern, Coburg-Gotha und den anderen hin, die mit den späteren Bonapartes in Verwandtschaft stehen und/oder durch Heirat verbunden waren. Die Bonapartes kann man bis ins Mittelalter zurückverfolgen, zum Beispiel steht in meinem Buch "Die Bonaparte" von Rioux (das ist das erste Buch, das ich las, und mich auf das Thema überhaupt gebracht hat!), dass bereits im 12. Jahrhundert ein bedeutender Gibelline, Guglielmo Bonaparte, zu verzeichnen sei, welcher dem Rat von Florenz beitrat und von den Gegnern, den Guelfen, wieder vertrieben wurde. (Der Name, was auch in dem Buch steht, entstand während italienischer Bürgerkriege und bedeutet "richtige Partei", ein Ehrenname für jene, die einst die Siegerpartei gewählt hatten) Später siedelte dieser Guglielmo nach Sarzana in Ligurien über, während eine andere Linie der Familie nach San Miniato zog. Bis 1520 lassen sich 7 Generationen nachweisen.
        Allerdings ist es hier mit den öffentlichen Angaben, wie z.B. Internet, doch etwas beschwerlich, weil sich manche Angaben einfach nicht decken und von einander zu stark abweichen. Im Moment habe ich daher den Stammbaum einige Generationen vor Napoleon angefangen, möchte ihn aber noch ausweiten, auch nach oben hin.
        Es ist daher gut möglich, dass in Florenz einmal etwas darüber geäußert wurden, dass die Bonapartes ihren Ursprung dort haben. Schade, dass Du nicht mehr weißt um was es genau ging. Irgendwie hat mich das schon immer begeistert, da ich ja schon in der Schule angefangen hatte Italienisch zu lernen, und auch mein Bonaparte Interesse fing damals schon an...
        Bezüglich das Films ist es sicher nicht ganz einfach alles zu verstehen, wenn man das Buch nicht vorher gelesen hat. Ich denke, mir wäre es ähnlich gegangen. Als vor etlichen Jahren, ich war gerade neu an der Uni, das erste Mal im Zusammenhang mit Psychoanalyse der Name Marie Bonapartes fiel, hatte ich gar keine Ahnung, um wen es sich da handelte, denn bis dahin hatte ich mich nie mit so "späten" Verwandten des Kaisers beschäftigt. Erst als dann der Vortrag hier in der Nähe von Bad Homburg (Steinbach) stattfand, gehalten und sehr lebhaft erzählt von einer deutschsprachigen Französin, begann sich mein Interesse richtig zu entfalten. Schon Jahre vorher war ich in der Grundschule in einem Heft über Bad Homburg auf die Geschichte der "Madame Blanc aus Friedrichsdorf" gestoßen, die den reichen Spielbankpächter von Bad Homburg, Francois heiratete, "eine Geschichte, die wahrlich wie ein Märchen klang, aber doch wahr war". Ich las auch, dass ihre Töchter, wie es damals in dem Heft aus den Achtzigern für uns Kinder erklärt wurde "zwei richtige Prinzen" heirateten, jedoch wusste ich damals den Bezug zu Marie noch nicht, das wurde mir dann alles erst durch den Vortrag klar, der mich darauf brachte, das Buch zu lesen und so weiter.
        Leider hat Carlo Alessandro natürlich eher weniger Erinnerungen, sagte mir aber, dass er sich an Marie als liebe Großmutter erinnere, die ihn als kleinen Jungen mit auf interessante Ausstellungen und ähnliches mitgenommen hatte. Auch empfand er ihren Schreibstil als sehr frisch und aufgelockert, ungewöhnlich für eine Frau ihrer Zeit (das bezog in erster Linie auf das Buch "Topsy" von Marie, ich finde nämlich, dass gerade die psychoanalytische Lektüre von Marie sehr schwer zu lesen ist und Du ohne Vorkenntnisse große Verständnisschwierigkeiten hast) Mehr hätte ich sicher von Tatiana erfahren, weil sie viel älter ist, aber leider hat diese meinen Brief nicht beantwortet. Schade.
        Es stimmt auf jeden Fall, dass Marie als eine willensstarke Person im Film geschildert wurde (daher auch ihr Satz "In meiner Familie liebt man die Herausforderung"...), dieses war sie auch! Schon alleine, dass sie Freud immer wieder mit Fragen "gelöchtert" hat, obwohl ihm diese Wissbegierde seiner Patientin am Anfang sogar eher widerstrebte, so lange und immer wieder bis sie sich selber in das Thema einarbeiten konnte. Immerhin steckte die Psychoanalyse damals in den Kinderschuhen und Marie hatte ja kein Studium der Medizin oder etwas dergleichen, alles hat sie sich aus eigener Willenskraft und Wissbegierde angelesen, bis sie selber vieles aus ihrer Kindheit endlich verstand und sogar anderen helfen konnte, dieses ebenfalls zu tun. Trotz ihrer Willensstärke und Kraft, die Du ja auch genannt hattest, hatte sie Zeit ihres Lebens mit ihren Phobien, dunklen Erinnerungen und Alpträumen aus der Kindheit zu kämpfen, sowie mit dem für sie am schlimmstem empfundenen Problem, der Frigidität...
        Zuletzt geändert von Britt.25; 15.11.2008, 20:02.
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        Marie Bonaparte (1882-1962)

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        • #19
          1. Teil "Pierre Napoleón Bonaparte" von Gerti Brabetz


          Pierre-Napoléon Bonaparte wurde am 11. Oktober 1815 – also erst nach Waterloo – als Sohn von Lucien Bonaparte und dessen Frau Alexandrine Jacob de Bléchamp in Rom geboren. Lucien, ein jüngerer Bruder von Napoléon I., war ein brillanter Kopf, ein engagierter Mitstreiter Napoléons auf dessen Weg zur Macht, überwarf sich jedoch später mit ihm – nicht zuletzt, weil seine schöne und geistreiche Frau aus bescheide-nen Verhältnissen kam, ein Makel, den Napoléon seinem Bruder nie verzeihen konnte. Papst Pius VII. hatte Lucien 1806 ein 8.000 Hektar großes Gebiet um Canino verkauft und es zum Fürstentum erhoben. Es lag etwa 60 km nordwestlich von Rom in einer öden, sumpfigen, ungesunden Gegend, der Maremma. Auf diese Ländereien zog sich Lucien zurück und widmete sich sehr erfolgreich der archäologischen Erforschung Etruriens; er gilt u.a. als der Entdecker der Nekropolen von Vulci/Latium. Anfangs lebte die Familie in einem alten Kloster in der Nähe des Schlosses Musignano, später im Palazzo Farnese am Bolsena-See. Während der „Hundert Tage“ Napoléons im Jahr 1815 stand Lucien couragiert hinter seinem großen Bruder, woraufhin er von ihm in den Rang einer König-lichen Hoheit erhoben wurde. Lucien starb 1840 und ist in der Kollegiatskirche von Canino begraben. Die 14-köpfige Kinderschar des Fürstenpaares Lucien und Alexandrine war viel sich selbst überlassen, da die Eltern ihren höfischen Ver-pflichtungen nachkamen. Dennoch erhielten sie eine umfassende Bildung und Erziehung durch hervorragende Lehrer. Prinz Pierre-Napoléon war das sechste Kind. Wann immer er dem Leben am Hof entkommen konnte, rannte er in die Maremma hinaus. Die Kinder der Schäfer und Bauern waren seine Spielkameraden. Die Sorgen der Armen wurden ihm vertraut, ihr Kampf gegen Missernte, Malaria, Hunger und Elend. Fast alle Schäfer trugen Gewehre mit sich, hielten Hunde, um sich, die Familie und die Herde zu verteidigen; denn das Banditentum im Italien des 19. Jahrhunderts gehörte zum Alltag. Arm und Reich war gleichermaßen in Gefahr, die korrupte Polizei schaute weg. Am Hofe Luciens lebte zwar ein kleiner Trupp Soldaten aus der Grande Armée Napoléons sowie eine päpstliche Reitergruppe, teils zum Schutz, teils zur Überwachung, aber sie konnten nicht verhindern, dass Banditen eines Tages sogar Lucien selbst vorübergehend als Geisel nahmen, und auch Pierre entkam einmal nur mit knapper Not dem Banditen Decasaris durch die Flucht in den Wald. In diesem Umfeld lernte der junge Prinz, dass man, falls nötig, sich selbst Gerechtigkeit verschaffen muss – eine ihn fürs Leben prägende Erfahrung. Schon bald trug er ständig eine Waffe bei sich. Er liebte die freie Natur, besonders die Jagd, lernte glänzend zu fechten und perfekt zu schießen. Er wuchs zu einem stattlich gebauten jungen Mann von robuster Gesundheit und breit gefächertem Wissen heran, ein rebellischer Hitzkopf und Draufgänger, sensibel für die Nöte der einfachen Leute. Das schöne Geschlecht reizte Pierre offenbar sehr früh, schon mit dreizehn Jahren war er in einen handfesten Streit um ein Schäferstündchen mit einer Dame von zweifelhaftem Ruf verwickelt … 1831, mit sechzehn Jahren, floh er mit einem seiner Brüder von daheim, um beim Aufstand der Carbonari ge-gen den Papst mitzukämpfen, an dem auch sein Cousin Louis-Napoléon (der spätere Napoléon III., ein Sohn von Ludwig, ebenfalls ein Bruder Napoléons, und Hortense de Beauharnais) beteiligt war. Die beiden Ausreißer aus Canino wurden schnell gefasst und aufgrund ihrer Jugend nur zu 6 Monaten Gefängnis verurteilt.
          Nach seiner Entlassung aus dem Gefängnis in Livorno wurde Prinz Pierre aus Italien verbannt, schiffte sich 1832 in die USA ein, um bei seinem Onkel Joseph, dem älteren Bruder Napoléons und Ex-König von Spa-nien, zu leben, der in Pointe Breeze am Delaware, zwischen Philadelphia und New York, residierte. Auch Pierres Cousin Louis-Napoléon hielt sich dort auf. Mit ihm und seinem Cousin Jérôme Bonaparte-Patterson machte er eine Zeit lang die Salons von New York unsicher. Jérôme stammte aus der Ehe von Jérôme, dem jüngsten Bruder Napoléons, mit der amerikanischen Kaufmannstochter Elisabeth Patterson, die er als Ma-rineoffizier in Baltimore kennen gelernt und geheiratet hatte. Auf Befehl von Napoléon I. hatte der spätere „König Lustik“ sich 1807 von der Bürgerlichen scheiden lassen müssen.1 Obwohl Pierre ein großer Frauenheld war, behagte ihm dieses müßige Dandy-Leben nicht lange. Seine Abenteuerlust trieb ihn nach Südamerika, wo Kolumbien und Ecuador seit Jahren gegeneinander Krieg führten. General Santander nahm den Siebzehnjährigen mit dem Grad eines Kommandanten in die Armee Kolum-biens auf. Pierre stürzte sich sofort in die Kämpfe. Seine Opferbereitschaft und sein Mut beeindruckten den General derart, dass er den jungen Mann am Ende des Krieges in der Armee behalten wollte. Aber die europäischen Mächte liefen Sturm gegen die Idee, einem Mitglied der geächteten napoleonischen Familie einen solchen Popularitätsaufstieg zu ermöglichen. Santander musste ihn entlassen. Enttäuscht streifte Prinz Pierre als Tourist durch die Anden, im Januar 1833 kehrte er krank und vom Fieber geschwächt nach New York zurück.
          Einige Monate später erlaubte ihm Papst Gregor XVI. endlich, nach Canino zurückzukehren. Dort führte Prinz Pierre ein sehr einfaches Leben, das hauptsächlich mit der Jagd ausgefüllt war. Allerdings hatte er schon bald Probleme mit der päpstlichen Polizei, weil er sich zu oft in ihre Arbeit einmischte. Durch seine heißblütigen Aktionen und Reaktionen geriet er immer wieder in blutige Händel mit mehr oder weniger berüchtigten Ban-diten, der Polizei und der Armee, erstach eines Tages bei einem Hand-gemenge einen jungen Offizier. Pierre wurde verhaftet, in der Engelsburg in Rom eingekerkert und zum Tode verurteilt. Der Papst begnadigte ihn zwar, verbannte ihn aber erneut aus Italien.
          Im Februar 1837 schiffte sich Prinz Pierre wieder nach Amerika ein, aber seine Ver-wandten empfingen ihn dort sehr kühl. Innerhalb kürzester Zeit war er in eine Schießerei in New York verwickelt, flüchtete nach London. Er trug seine Dienste dem russischen Zaren, dem Khédive von Ägypten, den Spaniern und anderen an, aber alle winkten ab. Er reiste nach Korfu. Die Insel begeisterte ihn wegen des reichen Wildvorkommens, sie war aber auch die Spielwiese von Verbrecher-banden und zweifelhaften Ehrenmännern. Es kam, wie es scheinbar kommen musste: Bei einem Ausflug erschoss er zwei albanische Banditen, die seine Jagdgesellschaft bedrohten. Die Tat verursachte wieder großes Aufsehen. Pierre musste Korfu auf der Stelle verlassen, ging nach England. Dort verliebte er sich in die junge Französin Rose Hesnard, die 14 Jahre lang seine Lebensgefährtin blieb. Mit ihr verließ er England, ver-lebte in den belgischen Ardennen bei Mohimont, in einem Bauernhof mitten im Wald, ungefähr zehn glückliche Jahre. Der schießwütige Heißsporn geriet in Vergessenheit.
          Zuletzt geändert von Britt.25; 15.11.2008, 20:04.
          "Da nichts im Laufe unseres Lebens ausgelöscht wird, ist jeder von uns wie ein Dokument, in dem, zwar gekürzt, die ganze Geschichte und die ganze Frühgeschichte der Menschheit niedergeschrieben ist"

          Marie Bonaparte (1882-1962)

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          • #20
            2. Teil "Pierre Napoléon Bonaparte" von Gerti Brabetz


            Mit der Revolution 1848, die König Louis-Philippe entmachtete, glaubte Prinz Pierre, der ein überzeugter Republikaner war, seine Stunde sei ge-kommen. Seit Januar 1816, nach dem Wiener Kongress, waren alle Bonapartes vom französischen Boden verbannt, aber trotz der Gefahr, verhaftet zu werden, reiste Pierre Hals über Kopf nach Paris, nicht zuletzt auch angelockt von Versprechungen der provisorischen Regierung. Er ließ sich für die Wahlen aufstellen und wurde von den Departments Ardèche und Korsika als Abgeordneter gewählt. Er entschied sich für Korsika.
            Zur Wahl stellten sich übrigens auch drei seiner Cousins: die Prinzen Jérôme Bonaparte und Lucien Murat (aus der Ehe der Annunciata, gen. Karoline, Schwester Napoléon I., mit Marschall Joachim Murat, König von Neapel) sowie Louis-Napoléon. Nach dem Tod des Herzogs von Reichstadt, dem einzigen Sohn Napoléons, im Jahr 1832 war er das Familienoberhaupt der Bonaparte und hattedem Ziel gewidmet, die Ehre und Macht seiner Familie wieder herzustellen. Man könnte also von einer Prinzenwahl spre-chen! Jetzt erst gab der Dichter Alphonse Lamartine, Mitglied der Académie und Abgeordneter der Kammer, zu bedenken, dass die ganze Bonaparte-Sippschaft doch eigentlich aus Frankreich verbannt sei! Aber eine flammende Rede von Prinz Pierre vor der Nationalversammlung zur republikanischen Gesinnung seiner Groß-Familie zerstreute alle Bedenken gegen die „prinzlichen Republikaner“ und verhalf damit Louis-Napoléon letzt-endlich zur Macht. Er dankte es ihm nicht. Nachdem Louis-Napoléon bei den abschließenden Wahlen im Juni 1848 von vier Departements als Abgeordneter in die Konstituierende Versammlung gewählt und im Dezember 1848 zum Präsidenten der Republik ernannt worden war, tat er alles, um Pierre auf Distanz zu halten, untersagte ihm sogar, wegen seiner Vorstrafen und Delikte seinen zweiten Vornamen zu benutzen. Er
            schickte Pierre als Kommandant der Fremdenlegion (ein Grad, den dieser seinen Meriten in Kolumbien zu verdanken hatte) nach Algerien, wo er einen Aufstand bei Zaatcha erfolgreich niederschlagen konnte. (Über diese Zeit verfasste Pierre später ein Buch: „Un mois en Afrique“.) Stolz und überzeugt, zur Festigung der Kolonialmacht Frankreichs beigetragen zu haben, kehrte er nach Paris zurück, musste aber frustriert zur Kenntnis nehmen, dass der Präsident keine Verwendung für ihn hatte, weder in der Armee noch in der Administration. Am Staatsstreich Louis-Napoléons im Dezember 1851, der ihm die Präsidentschaft auf 10 Jahre sicherte und letztendlich zum Erbkaisertum zurückführte, hatte Pierre keinen Anteil. Obwohl der Umsturz seiner politischen Haltung total widersprach, verur-teilte er aus Loyalität seinen Cousin nicht öffentlich. 1852 starb seine Frau Rose. Sie ist in dem Dorf Allemagne bei Caen beerdigt; auf ihrem Grabstein ist zu lesen: „Rose Hesnard, zur Erinnerung an die Gefährtin eines Geächteten.“ Pierre soll ihr Grab sehr oft besucht haben. Trotz seines Kummers verliebte er sich schon ein paar Monate nach Roses Tod in ein neunzehnjähriges Mäd-chen, Eleonore Nina Ruffin, die Tochter eines Kupferschmieds, und ließ sich heimlich mit ihr von seinem alten Hauslehrer, Abbé Casa-nova, trauen. 1858 wurde Sohn Roland, 1861 Tochter Jeanne geboren. Die nicht standesgemäße Ehe seines Vaters Lucien mit einer Bürgerlichen hatte diesem viel Ärger mit Napoleon I. eingebracht; auch der Präsident Louis-Napoléon war außer sich, als Pierres Hochzeit mit Nina ruchbar wurde. Pierre zog sich 1852 nach Korsika zurück, wo man ihn zum „Conseiller Général“ wählte. Offiziell hatte er den Auftrag, den Banditen Serafino dingfest zu machen, ihn mit der Aussicht auf einen Ausreisepass in die USA wegzulocken. Im Laufe der Verhandlungen, die zu nichts führten, entwickelte sich zwischen den beiden aftlicher Umgang. Serafino wurde später von Gendarmen erschossen, nachdem er einen Freund Pierres, den Bürger-meister des Nachbardorfes, ermordet hatte. Bei Lutzibeu, 10 km südlich von Calvi, nahe der Ruine eines Genuesischen Turms, dem „Torre Mozza“, ließ er ein Haus errichten. Er mietete eine Jagd und kaufte 25 Hektar Land, das er kultivierte. Nachdem alles eingerichtet war, reiste Prinz Pierre im November 1852 nach Paris, um Nina abzuholen. Louis-Napoléon ließ sich in dieser Zeit als Napoléon III. zum Kaiser der Franzosen proklamieren, und am 30. Januar 1853 fand seine Hochzeit mit Eugénie de Montijo statt. Pierre durfte als einer der Trauzeugen zwar die Papiere abzeichnen, aber er bekam weder das Brautpaar zu sehen, noch wurde er zu der pompösen Hochzeitszeremonie in der Nôtre-Dame eingeladen. Erneut gedemütigt kehrte Pierre mit Nina nach Korsika zurück. Es gelang ihnen, sich dort einen angenehmen Freundeskreis aus Mitgliedern einer alten Florentiner Familie, aber auch aus ehrenwerten korsischen Bürgern zu schaffen. Nach wie vor war die Jagd Pierres große Leidenschaft, bei der ihn Nina oft begleitete. Es heißt, dass sie einander sehr geliebt hätten, aber auch, dass Pierre die Jagd nach hübschen Bauerntöchtern gefiel und dass die Nachkommen einer großen Zahl illegitimer Sprösslinge heute brave Bürger Calenzanas sind ... Pierre scheint in diesen elf Jahren auf Korsika zufrieden und glücklich gewesen zu sein. Neben seinen „Jagdgelüsten“ nahm er sich auch die Zeit, ein episches Gedicht über „La Bataille de Calenzana“ zu schreiben. Es geht darin um eine heroische Schlacht der Calenzaner gegen die Genuesen im Jahr 1732. Bei den Wahlen auf Korsika im Juni 1863 hätte Prinz Pierre aufgrund seiner Volksnähe und großen Beliebtheit mit Sicherheit eine deutliche Mehrheit erhalten, wenn nicht Napoléon III. eingegriffen und sich nach-drücklich für Pierres Mitbewerber ausgesprochen hätte. Verbittert schrieb er an den Kaiser: „Ich konstatiere meine hybride Position. Sie macht aus mir eine Art Paria, eine Eisenmaske des XIX. Jahrhunderts. Ich bin weder Prinz noch Bürger, weder Wähler noch wählbar, scheinbar zu keiner öf-fentlichen Funktion und für kein Industrieunternehmen tauglich, die meine Zukunft sichern könnten.“ Im Herbst des gleichen Jahres entschied er sich, Korsika endgültig zu verlassen und übertrug die Verwaltung seines Besitzes einem Freund. Den Calenzanern, die ihn leidenschaftlich liebten und verehrten, schenkte er zum Abschied jenen eingangs erwähnten Brunnen, durch den der Ort zu den ersten der Insel gehörte, der über einen aufwändigen Trinkwasserbrunnen verfügte. Einige seiner „natürlichen Kinder“ nahm er mit, und Nina war so großherzig, sie mit den eigenen zu erziehen. Zunächst lebte Pierre-Napoléon mit seiner Familie in Belgien in ihr Epioux, später in Paris, im Maison d’Auteuil. Im Laufe seines bewegten Lebens hatte er den Ruf der napoleonischen Familie wiederholt beschä-digt, aber der nächste Skandal überbot alles: Ende 1869 hatte in Paris das kaiserliche autoritäre Regime einem liberaleren Platz gemacht. Die genuesischen Truppen wurden damals von 800 deutschen Söldnern unterstützt; 500 von ihnen liegen auf dem „Campo Santo dei Tedeschi“ in Calenzana begraben.
            Die Pressefreiheit bewirkte eine hemmungslose Polemisierung. Der Kaiser und seine Regierung, die ganze Familie Bonaparte, ihre Herkunft, Korsika, wurden lächerlich gemacht und hart angegriffen. Wenn er auch nie Gu-tes durch das Kaiserhaus erfahren hatte, den Namen Bonaparte ließ Pierre-Napoléon von Journalisten nicht beschmutzen. Ein Hitzkopf wie er musste die Ehre verteidigen! Briefe gingen hin und her, beleidigende Arti-kel in politisch unterschiedlich ausgerichteten Zeitungen schaukelten ein-ander hoch, und binnen Kürze forderte Pierre einen Journalisten, der un-ter einem Pseudonym schrieb (und als Marquis de Rochefort-Lucay natürlich satisfaktionsfähig war!), zum Duell. Am 9. Januar 1870 tauchte ein gewisser Victor Noir mit einem Begleiter in Pierres Wohnung auf, um als Sekundant eines Journalisten Grousset eine weitere Duellforderung zu überbringen. Pierre hielt sie für Abgesandte des Rochefort. Es entstand ein totales Missverständnis, und im Verlauf eines heftigen Streits ohrfeigte Noir den Prinzen. Sein Begleiter fuchtelte mit einem Revolver herum, Pierre zog den seinen und schoss Noir in die Brust. Victor Noir schleppte sich aus der Wohnung, starb auf der Straße. Pierre und Nina hielten die empörten Nachbarn und Passanten eine Weile mit ihren Waf-fen in Schach, bis Pierre schließlich doch aufgab, verhaftet und in die Concièrgerie gebracht wurde. Dieses Ereignis erschütterte das kaiserliche Imperium in allen Fugen, Pierre verlor jede Sympathie beim Volk. Napoléon III. ordnete an, daß Pierre Napoléon vor den Haute Cour in Tours, der der kaiserlichen Familie vorbehalten war, zu stellen sei. Jetzt erst sprach man Pierre den Rang zu, den er schon immer hatte, aber nie ge-nießen konnte. Nina und seine beiden Kinder begleiteten ihn auf der Ei-senbahnfahrt nach Tours, streng bewacht von einer Eskorte. Im Mai 1870 begann der Prozess. Pierre-Napoléon Bonaparte wurde von der Anklage des Mordes freigesprochen, da er überzeugend darstellen konnte, dass er aus Notwehr gehandelt hatte und den Tod Noirs tief bedauerte. Er wurde zu einer Geldstrafe von 25.000 F. verurteilt, zu zahlen an Noirs Eltern. Napoléon III. forderte zusätzlich, dass Pierre Paris verlassen sollte, aber er weigerte sich, da er sich unschuldig fühlte.
            Zuletzt geändert von Britt.25; 15.11.2008, 15:46.
            "Da nichts im Laufe unseres Lebens ausgelöscht wird, ist jeder von uns wie ein Dokument, in dem, zwar gekürzt, die ganze Geschichte und die ganze Frühgeschichte der Menschheit niedergeschrieben ist"

            Marie Bonaparte (1882-1962)

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            • #21
              3. Teil Pierre Napoléon Bonaparte" von Gerti Brabetz



              Als im Juli 1870 Napoleon III. Preußen den Krieg erklärte, bot Prinz Pierre
              sofort – aber vergebens – dem Kaiser seine Dienste an. Tief enttäuscht verließ er im August Paris, begab sich nach Rochefort in Belgien. Von dort erlebte er das Desaster von Sedan und die Kapitulation. Der Zug mit
              dem verhafteten Kaiser auf dem Weg in die Kriegsgefangenschaft fuhr durch den kleinen Ort Jemelles, nicht weit von Rochefort. Pierre eilte mit seinem Sohn dorthin und konnte auf dem Bahnhof einige Worte mit sei-nem Cousin wechseln. Sie sahen sich nie mehr wieder. Napoléon III. ging nach einer halbjährigen Gefangenschaft im Schloss Wilhelmshöhe in Kassel 1871 nach England (Chislehurst) ins Exil. Er starb 1873 und ruht in der Krypta der St. Michael’s Abbey in Farnborough/Hampshire, zu-sammen mit seiner Frau Eugénie und seinem Sohn. Der Zusammenbruch des Kaiserreichs nahm Pierre die finanzielle Basis. Er musste sein Haus in Brüssel verkaufen. Das Maison d’Auteuil in Paris, das die Preußen verschont hatten, wurde von den Kom-munarden geplündert und angezündet, sein Besitz auf Korsika verwüstet. Nina verließ ihn, obwohl er ihr im November 1871 durch eine Ziviltrauung in der französischen Gesandtschaft in Brüssel den Titel „Kaiserliche Prinzessin" verschafft und ihre beiden gemeinsamen Kinder legitimiert hatte. Sie eröffnete mit ihrem nun illustren Namen in London ein Modegeschäft, das sie jedoch bald wieder aufgab. Sie kehrte nach Paris zurück, aber das Ehepaar lebte getrennt und in ziemlich armseligen Ver-hältnissen. Es war ein totales Fiasko. Am Ende seines Lebens war Prinz Pierre ein schwer kranker Mann. Er war Diabetiker, litt unter Rheuma, wurde morphiumsüchtig. 1877 erlaubte man ihm, nach Paris zurückzukehren. In Versailles, in einem kleinen von einem Korsen geführten Hotel, mietete er sich mit seiner Dienerin und Mätresse, Adèle Didriche, ein. Er erbettelte des öfteren bei seinen Nichten und Neffen finanzielle Unterstützung, hier und da ließen ihm auch Marschall Mac-Mahon und König Victor-Emanuel von Italien Geld zu-kommen. Ein letzter Lichtblick war die Heirat seines Sohnes Roland mit Marie Blanc, der Tochter des steinreichen Besitzers des Casinos von Monte Carlo im November 1880. Pierre war bettlägerig und konnte an der großartigen Hochzeitsfeier nicht teilnehmen. Roland tilgte die Schul-den seiner Eltern und sicherte seinem Vater ein geregeltes Einkommen. Am 8. April 1881 starb Prinz Pierre nach einem langen, qualvollen Todeskampf, umgeben von Nina, seinen Kindern und Adèle. Er, der immer gehofft hatte, auf dem Schlachtfeld zu sterben, bestand darauf, wenigs-tens auf dem Fußboden liegend sein Leben zu beenden, denn „ein Soldat sollte nicht im Bett sterben". Prinz Pierre-Napoléon Bonaparte wollte in den Ardennen beerdigt werden. Seine Familie ignorierte den Wunsch und bestattete ihn auf dem Friedhof von Versailles, dem „Cimetière de Gonards". Nina überlebte ihn noch 25 Jahre (....)"
              "Da nichts im Laufe unseres Lebens ausgelöscht wird, ist jeder von uns wie ein Dokument, in dem, zwar gekürzt, die ganze Geschichte und die ganze Frühgeschichte der Menschheit niedergeschrieben ist"

              Marie Bonaparte (1882-1962)

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              • #22
                Hallo du,
                ich bin mal wieder hin und weg von deinen Beiträgen! Das über Pierre muss ich mir aber erst mal wieder ausdrucken (geht es dir auch so, dass dir das am Bildschirm lesen und es sich merken, schwer fällt? äh, krummer Satz)
                Daher zuerst zu Marie: Wie würdest du ihre Bedeutung für die internationale Anerkennung der Psychoanalyse einschätzen? Im Film kam eine kurze Szene in England vor: Freuds Ansätze waren ja ohnehin schon umstritten und dann kommt da auch noch eine Frau daher und will es allen erkären ... Wenn ich das richtig im Kopf habe, hat sie in Frankreich eine/das Journal für Psychoanalyse aufgelegt?
                Worum geht es in ihrem Buch "Topsy" (Es gibt nämlich eine Figur in Harriet Beecher Stowes Onkel Toms Hütte, die so heißt)?
                Tatsächlich kann es sein, dass mir der Name Bonaparte bei einer Führung durch den Palazzo Vecchio begegnet ist, irgendwas mit dem Saal der Fünfhundert ist mir da schwach haften geblieben.
                Zu Pierre demnächst.
                Liebe Grüße
                Colet

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                • #23
                  Hallo!

                  Schön, dass Du mal wieder hineingeschaut hast! Ja, auf dem Bildschirm lesen fällt mir auch schwer. Ich hör immer, "nicht so viel drucken...kann man das nicht auch auf dem Bildschirm lesen?" Ich kann es auch nicht!
                  Leider ist der Text über Pierre nicht von mir, zu schön wäre es. Ich hätte auch nur das wesentliche herausnehmen können und dann hier hineinstellen, aber ich hab es dann doch dabei belassen, den Text komplett zu nehmen. Ich finde ihn sehr interessant, weil eher schwer etwas über Pierre findet- außer im Buch von Célia Bertin! Marie war mehr als fasziniert, wenn man ihr Geschichten über ihren Großvater erzählte, denn wie man ja weiß, faszinierten sie Mörder.
                  Erst bei einem Seminar an der Uni über Psychoanalyse wurde mir klar, warum sie sich später auch so aktiv gegen die Todesstrafe von Kandidaten wie Chessman einsetzte. In der Psychoanalyse wird ja der Mord - so schrieb Marie auch nach dem Krieg ein Werk, wo sie den Holocaust deutete- als Hervorkeimen des menschlichen "Urtriebes", der durch die jahrelange Zivilisation unterdrückt wird, betrachtet.
                  Wenn ich hier Maries Biographie hineinstelle werde ich noch genauer darauf eingehen, welche Publikationen von ihr genau ausgingen etc. Insgesamt kann man sagen, dass Bonaparte die Psychoanalyse in Frankreich eingeführt und bekannt gemacht hat, allerdings werden ihre eigenen Werke, die sie zwar stets mit großem und unermüdlichen Fleiß schrieb, als eher nur durchschnittlich bzw. eine "Bestätigung von Freuds Erkenntnissen, aber nichts wirklich Neues" eingestuft. Allerdings gibt es ein Werk, nämlich über Edgar Ellen Poe, welche heute noch gelesen wird und große Beachtung gefunden hat. Selbst mein Dozent in Romanistik erzählte mir, dieses Werk gelesen zu haben. Dort wird wohl das Leben und die Literatur Poes aus psychoanalytischer Sicht gedeutet auf gewisse Traumata aus der Kindkeit zurückgeführt. Leider kenne ich mich aber sonst in der Psychoanalyse zu wenig aus, um Maries Werke einschätzen zu können. Das erwähnte Buch "Myths of War" herausgegeben 1947 finde ich schon sehr schwer, wenn man keine Vorkenntnisse hat. Auch zitiert Marie bereits auf der ersten Seite, also in der Einleitung, tausende Bücher und Zeitungsartikel aus der damaligen, sowie aus "Mein Kampf", dass man es doch nicht leicht hat, wenn man nicht ganz so extrem belesen war, wie sie.
                  Das Buch "Topsy" handelt letztlich um ein triviales Thema: Um den Chowchow, den Freud ihr geschenkt hatte. Das Buch habe ich, aber noch nicht gelesen.
                  Das mit Florenz klingt interessant. Wie ich schrieb ist ja ein Bonaparte in den Dokumenten erfasst, der einst im Mittelalter dem Rat von Florenz betrat. Vielleicht handelte es davon...ich war ja einmal in Florenz, und dachte dabei immer an die Bonapartes und ihren Ursprung, aber leider ist mir ihr Name bei der Stadtführung niemals begegnet, wenn ja, wäre ich sicher gleich hellhörig geworden....Schon seltsam.
                  Die Marie- Biographie bringe ich noch rein....
                  Zuletzt geändert von Britt.25; 20.11.2008, 17:40.
                  "Da nichts im Laufe unseres Lebens ausgelöscht wird, ist jeder von uns wie ein Dokument, in dem, zwar gekürzt, die ganze Geschichte und die ganze Frühgeschichte der Menschheit niedergeschrieben ist"

                  Marie Bonaparte (1882-1962)

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                  • #24
                    Also beim ersten flüchtigen Lesen muss ich schon sagen: Pierres Leben war ganz großes Kino - sogar mit Duellen (für mich als alten Duell-Fan besonders interessant. Ich habe vor Jahren das Buch "Ehrenmänner" von Ute Frevert gelesen, eine sehr empfehlenswerte Studie zum Thema, die mit so manchem Klischee aufräumt).
                    Aber erst noch eine kleine Off-Frage: Ist dir bekannt, inwiefern sich Napoleon selbst für seine Familie-Genealogie interessierte? Er sah sich ja mehr als Begründer einer Dynastie, aber durch seine Familiewurzeln hätte sich z.B. der Herrschaftsanspruch auf Italien untermauern lassen, oder war das zo sehr "ancien regime"?
                    Grüße
                    Colet

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                    • #25
                      Du hast es schon sehr richtig erfasst, dass das Leben von Pierre sehr ungewöhnlich und unheimlich turbulent gewesen sein muss, wahrlich einem großen Schauspiel auf der Bühne gleichend. In Maries Biographies steht auch eine Menge über ihn. Pierre suchte und brauchte die Herausforderung, um zu fühlen, dass er wer ist. Er musste stets seine Ehre verteidigen, selbst vor dem Tode wurde dabei nicht zurückgeschreckt....
                      Ja, es ist tatsächlich wahr, was Du gesagt hast bezüglich Napoleon und seinem Interesse an den Ahnen. Dazu kann ich einmal den Anfang des ersten Kapitels von meiner Lieblingsbiogaphie über die Familie Bonaparte zitieren:

                      "Einem übereifrigen Gelehrten, der ihm im Jahre 1800 eine schmeichelhafte Stammtafel seiner Vorfahren überreichte, erteilte Bonaparte eine Abfuhr: "Diese Ahnentafel ist ebenso nichtssagend wie lächerlich; solche Nachforschungen sind kindisch. Allen, die zukünftig fragen werden, auf welche Zeit das Haus Bonaparte zurückgeht, sei die schlichte Antwort erteilt: es datiert seit dem 18. Brumaire."
                      Eine schöne und kecke Antwort eines jungen Generals, dem die Fortuna zugelächelt hatte. Vielleicht aber war der 1. Konsul nicht immer so gleichgültig. Bourienne, sein Jugendfreund in der Militärschule, schreibt in seinen Memoiren: "Bonaparte war das, was man von guter Herkunft zu nennen pflegt. Ich habe seine Stammtafel gesehen, die er aus der Toskana nach Mailand kommen ließ und die authentisch ist".
                      Auf jeden Fall interessierte sich die Familie stark für die Herkunft des Namens. Carlo Buonaparte, sein Vater, vervielfachte die Nachforschungen, ließ den Adel des Hauses amtlich anerkennen und sandte stolz im Jahre 1779 eine Beschreibung seines Wappens an Hozier de Sérigny, der als Richter in allen Wappenstreitigkeiten des französischen Adels amtierte. Als die französische Revolution ausbrach, war der älteste Sohn, Joseph, gerade in die italienischen Archive vertieft, um dort auf irgendeine Hinterlassenschaft zu stoßen, die die Familie dringend brauchte. Er stritt verbissen mit dem Notaren in Pisa, deren Honorare sich nach der Zahl der Generationen richteten, welche sie ausgraben sollten, aber die Ergebnisse waren kümmerlich. Nach 1814, als die napoleonische Legende entstand, veröffentlichte Napoléon-Louis, der Neffe des Kaisers und Bruder des künftigen Napoleon III. , eine vollständige Geschlechtertafel (...)
                      Schließlich ermöglichten wissenschaftliche Forschungen unter dem 2. Kaiserreich die Entdeckung einer eindrucksvollen Anzahl hochtalentierter Vorfahren des Herrn von Frankreich (....)

                      Man sieht also, der Vater und die Familie waren sehr auf ihre Herkunft bedacht, besonders der Vater achtete, wie ich auch las, immer darauf, seinem Namen "buona parte" auch alle Ehre zu machen!
                      Napoleon natürlich, auf dem Höhepunkt seiner Macht, stellte sich alleine in den Vordergrund, ihn, der durch seine Taten und seine "Vorhersehung" die Dynastie begründet hat, und wollte daher von "Vorfahren" nichts hören, sicherlich auch eine Folge des Größenwahns, der zynische Satz, der oben erwähnt wurde, spricht Bände....
                      Zuletzt geändert von Britt.25; 22.11.2008, 12:13.
                      "Da nichts im Laufe unseres Lebens ausgelöscht wird, ist jeder von uns wie ein Dokument, in dem, zwar gekürzt, die ganze Geschichte und die ganze Frühgeschichte der Menschheit niedergeschrieben ist"

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                      • #26
                        Buchcover einer älteren und italienischen Version des Buches Topsy:


                        j1990bonaparte.jpg



                        Ich vermute, dass dieses Topsy ist. Das Bild zeigt Marie mit Tochter Eugenie und Topsy, denke ich, oder ist es ein anderer Chow-chow?

                        MarieEugenie.jpg


                        Und noch ein paar Bilder von Marie mit ihren Kindern:

                        mariebonaparte8.jpg

                        mariebonaparte7.jpg


                        Prinzessin Marie mit ihrer Familie:

                        georgfam.jpg
                        "Da nichts im Laufe unseres Lebens ausgelöscht wird, ist jeder von uns wie ein Dokument, in dem, zwar gekürzt, die ganze Geschichte und die ganze Frühgeschichte der Menschheit niedergeschrieben ist"

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                        • #27
                          Hallo du,
                          ganz so zynisch finde ich Napoleons Äußerung nicht: Seine Familie würde bei weitem nicht so viel Aufmerksamkeit bekommen, wenn er nicht gewesen wäre. Das passt zu seinem Satz "Man wird meine Gegner doch nur kennen, weil sie meine Gegner waren." Naja, den einen kennt man noch von halbrohen Steaks, und Blücher hat es passenderweise zu einer Schnaps-Marke gebracht.
                          Marie hat ihre Probleme also durch Psychoanalyse gelöst, Pierre mit der Pistole - so ändern sich die Zeiten! :-) Seine Erfahrungen mit dem 2.Kaiserreich waren ja alles andere als erfreulich - warum war Louis Napoleon so zurückhaltend darin, ihn einzubinden? Lag das wirklich nur an Pierres wildem Lebenswandel? Oder war da auch ein bisschen Fressneid im Spiel? Das führt mich gleich zu Maries Hund: Hat sie also eine "Hundespsychoanalyse" verfasst? (Das interessiert mich als Hundebesitzerin natürlich).
                          Und noch eine Nachfrage zur Ahentafel: Hat sich auch mal jemand die Mühe gemacht, die illegitimen Sprösslinge nachzuhalten? Pierre scheint ja einige davon gehabt zu haben!
                          Liebe Grüße
                          Colet

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                          • #28
                            Tut mir leid, dass ich nicht früher antworten konnte....Bin gerade sehr beschäftigt. Naja, an sich ist Napoleon ja schon auch für seinen Zynismus bekannt gewesen...Klar war an dem Satz auch etwas wahres dran, da ja er die Familie Bonaparte so hoch hinaus gebracht hatte und sie sonst sicherlich niemals alle diese Stellungen bekommen hätten. Auf der anderen Seite schießt er schon ein bisschen sehr weit, Ahnenforschungen über seine Abstammung als total lachhaft hinzustellen, denn immerhin hatte er schon Vorfahren edlen Geblüts.
                            Naja, was Napoleon III. und Vetter Pierre betrifft... Sicherlich hatte es mit seinem Lebenswandel zu tun, aber die Linie Lucien hatte ja schon vorher diese Abseitsstellung, letztlich seit Lucien die Damen geheiratet hatte, die der Bruder Napoleon nicht tolerieren wollte. Daher waren auch die Nachfahren Lucien nicht so eingebunden in das Kaiserreich, die meisten waren Wissenschaftler und widmeten sich Studien über Flora, Fauna, Sprachen, Dichtung etc. , allerdings trieb es Pierre mit seinem Lebenswandel auf die Spitze und machte sich damit auch einiges kapputt, denke ich. Ich muss aber unbedingt, wenn ich wieder mehr Zeit habe, nochmal über Pierre bei Célia Bertin nachlesen. Vieles überblicke ich jetzt nicht mehr.
                            Wie tief die Analyse bezüglich Topsy geht weiß ich leider nicht. Es kann sein, dass Du recht hast. Ich muss mir das Buch mal richtig anschauen. Sorry für meine "schwache " Antwort diesmal, aber momentan hab ich sehr viel zu lernen für die Uni.
                            PS. Bezüglich Deiner einstigen Erwähnung des Heiratens "back to the roots". Ja, das ist tatsächlich so, fast alle der heutigen Nachfahren Lucien Bonapartes wohnen in Italien und leben in allen möglichen italienischen Fürsten-und Grafenfamilien fort. Und: Pierres Nachfahren: Leider sind keine Nachfahren namentlich bekannt, vieles mag spekuliert sein, außer einem Pascal, der später Stallbursche war, und für Marie auch wieder eine Bedeutung hatte.
                            "Da nichts im Laufe unseres Lebens ausgelöscht wird, ist jeder von uns wie ein Dokument, in dem, zwar gekürzt, die ganze Geschichte und die ganze Frühgeschichte der Menschheit niedergeschrieben ist"

                            Marie Bonaparte (1882-1962)

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                            • #29
                              Hallo du,
                              mich hat ein böser Schnupfen ein bisschen aus dem Verkehr gezogen, aber unsere Marie läuft uns schon nicht weg :-). Die Bemerkung mit dem Stallburschen Pascal hat mich schon wieder neugierig gemacht: Wie stand Marie zu dem? Oder soll ich einfach auf die kleine Biographie an dieser Stelle warten? Eine kleine Zeittafel über Maries Leben wär mir sehr hilfreich, um alle die Infos besser einordnen zu können, aber nur, wenn du mal Zeit hast ...
                              Es wundert mich trotzdem ein bisschen, dass so viel "Standesdünkel" in der Familie unterwegs war. Immerhin haben auch andere Familienzweige unter Napoleons Heiratspolitik leiden müssen, ich hätte da eher auf etwas mehr Solidarität getippt (mit dem nicht standesgemäßen Pattersonkind schien Pierre sich ja gut verstanden zu haben.) Ich erinnerne mich noch an ein Bild aus der Kasseler Ausstellung, das den Patterson-Jungen mit einem traurigen Blick übers Meer zeigt, dem dynastisch geschiedenen Vater nachtauernd.
                              Das Motiv "Feldherren und Forscher" scheint sich auch in der Lucien-Familie durchzuziehen, ein bisschen hatte ja auch Marie etwas von beiden. Ist die Bertin-Biographie ergiebig, was Pierres Leben angeht? Dann werde ich sie mir wohl doch mal leihen.
                              Dir frohes Schaffen an der Uni (Psychologie, tippe ich mal?)
                              Colet

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                              • #30
                                Hallo!
                                Ja, die Biographie von Marie gibt eine ganze Menge über Pierre her. Sie rollt die Biographien von 1. Lucien, 2. Alexandrine Jacob de Bleschamp, 3. Pierre, 4. Roland auf der einen Seite, und die von 5. Nina Ruflin, 5. Francois and 7. Marie-Félix Blanc sehr gut auf, als Einstieg in das Leben von Marie, sozusagen als Vorspann, aber recht ausführlich!!!
                                Oftmals versteht man viele Probleme und Phasen in Maries Leben dann auch besser.
                                Auch Pascal spielt da eine Rolle, leider existieren nur wenige Details aus seinem Leben, auch kein Foto, zumindest aber steht, dass er bei den Bonapartes angestellt war und sehr wahrscheinlich einer der unehelichen Söhne des Pierre Bonaparte war (die er alle in einem Rattenschwanz hinter sich herzog, und zwischen Belgien und Korsika irgendwo zeugte) Nina war ja so nett, diese Kinder mit in die Familie aufzunehmen!
                                Pascal hatte aber noch eine andere Bedeutung in Maries Leben, nicht alleine, dass er nur ihr Halbbruder war: Marie hatte jahrelang wieder-und wiederkehrend einen seltsamen Traum über den Geschlechtsverkehr zweier erwachsener Menschen, während sie selber in einem Kinderbette liegt und dieses beobachtet. Dieses alles erzählt sie später Freud zur Deutung und siehe an, es stellt sich nach Recherchen heraus, dass jener Stallbursche Pascal damals einige Zeit lang ein intimes Verhältnis mit Maries Amme unterhielt, dies alles geschah in einer Zeit, als Marie Bonaparte noch ein Baby war. Scheinbar schliefen sie miteinander, als Marie daneben stand. Auch wenn sie an sich ja noch viel zu klein war und es nicht bewusst wahrnehmen konnte, ihr Unterbewusstes hatte es doch aufgenommen und quälte sie später in Träumen, die sie erst nicht verstand. Eine etwas komische und groteske Geschichte! Sie steht auch bei Célia Bertin. Interessant sind noch zwei andere Anekdoten von ihr, welche ebenfalls sehr deutlich zeigen, dass Marie sowohl gedanklich als auch faktisch sehr die Grenzen der damaligen Zeit sprengte. Alle unter 18 sollten vielleicht besser wegschauen
                                Zum ersten soll Marie als Kind vor einem Exhibitionisten erschreckt worden sein, und beschäftigte sich auch später immer wieder mit diesem Ereignis. So ging sie später, als Analytikerin war, auf einen dieser Männer zu, wie es heißt, und sagte wörtlich: "Packen Sie das alles weg! Das ist überhaupt nicht interessant. Aber ich würde Sie gerne therapieren."
                                Darauf soll Bonaparte doch tatsächlich dem Sittenstroch eine Visitenkarte überreicht haben, aber wie man sich denken kann, war der Gemeinte mehr als verschämt und meldete sich niemals bei der Analytikern! Und noch eine weitere Anekdote gibt es: Im Hospital Saint-Anne wurde Marie ein neuer Patient vorgestellt von einem Professor oder dem Leiter des Instituts. Dieser Patient hatte eine Seifenphobie, und Marie, die ja an sich keine Ärztin war (auch wenn sie über viele medizinische Kenntnisse verfügte, und immer eigentlich Medizin hatte studieren wollen, welches aus "standesrechtlichen Gründen" aber nicht ging) stand auf dem Standpunkt, dass dieses einzig und alleine daher rühren könnte, dass der Patient einen unterbewussten Wunsch hege, den Hoden seines Vaters streicheln zu wollen! Der Professor wurde daraufhin heftig rot und sagte empört, dass seine Töchter niemals auf solche Gedanken kämen, und dass diese "Diagnose" Bonapartes Unsinn sei. Als er vor der Prinzessin reiß aus nehmen wollte, hielt Bonaparte ihn am Arm und entgegnete:" So können Sie sich doch nicht benehmen!"
                                Soviel zu den Anekdoten....
                                Und nun zu den morganatischen Ehen. In der Familie Lucien sind sie wirklich mehr als üblich (noch gerade habe ich eine sehr nette Nachfahren von Lucien Bonaparte kennengelernt, die als ital. Adlige mit einem Metzger zusammenlebt, jedoch nicht mit diesem verheiratet ist), aber dadurch hatte die Linie eben leider immer so eine Abseitsstellung und verkehrte nach den einzelnen Biographien der Brüder Pierres (also Kinder von Lucien) zu urteilen kaum bei Hofe Napoleons III. Obgleich ja dieser auch nicht überall beliebt war, denn immer wieder ging ja das Gerücht, dass die wenig treue Hortense "den falschen Louis" gemacht habe (Louis Bonaparte hatte anfänglich tatsächlich die Vaterschaft nicht anerkennt, wohl aus Ärger wegen der Untreue seiner Frau, später revidierte er das) wie es so schön in "die Bonaparte" von Rioux heißt (vergleiche mit Plon-Plon, der Napoleon wie aus dem Gesicht geschnitten scheint"). Auch Pierre und Roland glichen Napoleon I im Sinne der etwas kompakten Statur, nicht aber von der Größe her, denn Roland soll sehr groß gewesen sein! Bei Pierre weiß ich es nicht, Napoleon III. war wieder recht klein dagegen, während der Herzog von Reichstadt nach Angaben seiner Mutter "ein Riese war" (Er muss in kurzer Zeit sehr schnell gewachsen sein, was ihn gesundheitlich sehr belastete)
                                Wie gut sich Pierre mit dem Halbbruder Plon-Plons aus der Ehe von Elizabeth Patterson verstand muss ich erst nochmal nachlesen. Ich weiß nur, dass zum Beispiel Prinzessin Mathilde und Prinz Napoléon (also PLon-Plon) sogar für die Ausstaffierung der Unform etc für die Miltärausbildung von Roland aufkamen, weil das Geld bei Nina, der Frau von Pierre-Napoleón war, sehr knapp war (Allerdings wollte Roland ursprünglich gar nicht Offizier werden, seine Mutter drängte ihn, weil sich das für "einen Bonaparte" so gehöre, Roland interessierte sich aber mehr für eine Farne)
                                Ja, an das Bild von dem kleinen Sohn von Jerome kann ich mich erinnern. Die Austellung war einfach toll. Anscheinend warst Du ja auch da. Ich hatte es gerade noch am letzten Tag geschafft. Ja, über die Linie Bonaparte-Patterson möchte ich einen eigenen Thread noch erstellen. Das Buch "die amerikanischen Bonapartes" von Mario Marquet soll sehr informativ sein und sehr amüsant ebenfalls, es ist zwar nicht mehr im Druck, wird aber noch antiquarisch verkauft. Ich möchte es mir unbedingt noch anschaffen (wenn mal nicht schon alles so voll wäre in meinem kleinen Zimmer...)
                                Zuletzt geändert von Britt.25; 14.12.2008, 11:16.
                                "Da nichts im Laufe unseres Lebens ausgelöscht wird, ist jeder von uns wie ein Dokument, in dem, zwar gekürzt, die ganze Geschichte und die ganze Frühgeschichte der Menschheit niedergeschrieben ist"

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