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Karl Friedrich Reinhard: ein Deutscher als französischer Außenminister

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  • Karl Friedrich Reinhard: ein Deutscher als französischer Außenminister

    In der ZEIT Nr. 2/2010 findet sich in der Rubrik "Zeitläufte" ein interessantes Portrait des Württembergers Karl Friedrich Reinhard, der als Deutscher Karriere in französischen (Revolutions-) Diensten machte und schon früh von Talleyrand gefördert wurde ... hier der Text online: http://www.zeit.de/2010/02/A-Reinhard

    Schöne Grüße
    Markus Stein
    "Wenn wir geboren werden, weinen wir, weil wir diese große Narrenbühne betreten" (King Lear) ... jedem also sein ganz persönliches (Hof-) Narrenleben

  • #2
    Guten Abend,

    vielen Dank für den Link!

    Ja, der Graf Reinhard steht für eine Reihe von ausgezeichneten Beamten, die im franz. Außenministerium Dienst taten.

    Sein ehemaliger Chef im Außenamt, Talleyrand, nutzte seinen letzten öffentlichen Auftritt in seinem Todesjahr 1838 vor der franz. Institut, um Abschied von der politischen Bühne zu nehmen. Er wählte den gerade verstorbenen Reinhard, um darzulegen, was einen guten Minister der auswärtigen Angelegenheiten ausmacht:

    "In der Tat, ein Minister des Auswärtigen muss mit einer Art Instinkt begabt sein, der rasch warnend ihn vor jeder Diskussion hindert sich jemals zu kompromittieren. Er muss die Fähigkeit besitzen, sich offen zu zeigen, während er undurchdringlich bleibt; muss mit den Formen der Hingebung zurückhaltend sein, geschickt selbst in der Wahl seiner Zerstreuungen; seine Unterhaltung muss einfach, mannigfaltig, überraschend, stets natürlich und bisweilen naiv sein; kurz er darf binnen vierundzwanzig Stunden nicht einen Moment aufhören, Minister der auswärtigen Angelegenheiten zu sein."

    (Die Rede findet sich bei Sir Henry Lytton Bulwer: "Geschichtliche Charaktere, Band 1: Talleyrand", Leipzig und Mannheim, 1871 Seiten 270-279, das Zitat findet sich auf Seite 275)

    Natürlich begriffen schon die Zuhörer, dass in der Charakteristik vor allem der Meister selbst zu finden ist.

    Grüße
    excideuil

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    • #3
      Die Biografie von Graf Reinhard...

      ... wurde veröffentlicht von:

      Lang, W. Graf Reinhard. Ein deutsch-französisches Lebensbild 1761 – 1837. Bamberg: C. C. Buchner, 1896

      Für die Rheinländer unter uns: Reinhard besaß zeitweilig das Schloss Falkenlust in Brühl (im Rheinland). Er war sicher eine interessante, aber auch sehr widerspruchsvolle Persönlichkeit...

      Gruß, Tom
      Zuletzt geändert von Tom; 16.01.2010, 09:39. Grund: Fakten zu Schloss Falkenlust geprüft...

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      • #4
        Vielen Dank für den Hinweis, der kommt wie bestellt! Durch meine Recherchen über Matthias Claudius und die "Franzosenzeit" in Hamburg bin ich auch auf Reinhard gestoßen, der mit Christine Reimarus verheiratet war; die Familie Reimarus wiederum unterhielt in Hamburg einen sehr bekannten Salon, in dem auch Claudius verkehrte. Claudius war kein Anhänger der französischen Revolution, hatte aber freundschaftliche Beziehungen zu dem fortschrittlichen Kreis um Reimarus/ Sieveking und Reinhard, der auch als frz. Gesandter in Hamburg war. Mich hat das zu der Folgerung gebracht, dass Claudius nicht so unpolitisch sein konnte, wie vielfach in seinen bisherigen Biographien behauptet. Auf den Artikel in der Zeit bin ich daher gespannt, weil über dieses Netzwerk bisher wenig geschrieben wurde.
        Viele Grüße
        Colet

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        • #5
          2 weitere Bücher über Reinhard

          Interessanter Mann, in der Tat. Für tiefergehende Studien:
          1.
          Hamburgische Lebensbilder: Eine Diplomatenehe im Banne von Napoleon und Goethe, Edition Temmen
          2.
          Goethe und Reinhard, Briefwechsel in den Jahren 1807-1832, Insel-Verlag
          "Es gibt nur zwei Mächte in der Welt: Das Schwert und den Geist. Auf die Dauer wird das Schwert immer durch den Geist besiegt."

          "...alle Bestrebungen müssen darauf zielen, durch Frieden zu herrschen. Ich war genötigt, Europa durch Waffen zu bändigen, heute muss man es überzeugen."

          "Genies sind Meteore, bestimmt zu verbrennen, um ihr Jahrhundert zu erleuchten."

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          • #6
            Mon Dieu! Jetzt beschäftige ich mich schon so lange mit Geschichte um nun erst etwas von Karl Friedrich Reinhadt zu erfahren.
            Ein sehr interessanter Beitrag! Und eine Persönlichkeit, die es so sehr verdient hätte, aus der Vergessenheit medialer Geschichtsbetrachtung und geschichtlichem Allgemeinwissen geholt zu werden!

            »Dank ihm der Teufel sein böses Handwerk!«
            Nun gut! Heinrich Heine hat ja Arndt dann etwas später, ausführlicher für seine demagogischen Betrachtungen gedankt. Und wie ich finde, mit mehr eloquentem Witz, als einem Diplomaten erlaubt gewesen wäre.

            "Talleyrand - der Meisterintrigant" das hätte man nicht zutreffende formulieren können.

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            • #7
              Ja, viele der deutsch-französischen Lebensläufe aus dieser Zeit sind in Vergessenheit geraten (oder "geraten worden"), und in der Publizistik ist es nicht einfach, jemanden dafür zu begeistern. Nächstes Jahr geht aber eine digitale Zeitschrift an den Start für LeserInnen von historischen Romanen und Sachbüchern und meine Beiträge werde ich gerne solche Personen widmen. Mehr dazu mal hier an anderer Stelle.
              Viele Grüße
              Colet

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