Ankündigung

Einklappen
Keine Ankündigung bisher.

Napoleon and Love (BBC/Thames Television 1974) neu auf DVD

Einklappen
X
 
  • Filter
  • Zeit
  • Anzeigen
Alles löschen
neue Beiträge

  • Napoleon and Love (BBC/Thames Television 1974) neu auf DVD

    Guten Tag,

    habe soeben freudig das mir von Play.com zugesandte Paeckchen geoeffnet und die darin enthaltene DVD ausgepackt: Napoleon and Love, eine Thames Television Produktion von 1974, gibt es neuerdings auf DVD (wie ich spaeter gestgestellt habe, uebrigens auch bei amazon.co.uk). 450 Minuten Napoleon in neun Teilen: Bin mal sehr gespannt.

    Den Cast gibt's hier.

    Schoenen Gruss,
    Gnlwth
    Talleyrand - der Mensch und die Persönlichkeit

  • #2
    Die aktuelle Filmkritik

    Guten Morgen,


    hier also meine Filmkritik zu Napoleon and Love:


    Großartig. Ganz große Schauspielkunst. Es hat etwa zwei Folgen gedauert, bis ich über die extrem billige Ausstattung und die grelle Ausleuchtung hinweggekommen bin - daran habe ich mich aber schon bald nicht mehr gestört. Auch nicht an den Frisuren; die (jungen) Männer sehen alle aus wie Popstars 1974 aussahen, bei den Damen haben mich Frisuren und Makeup unweigerlich an die frühen Columbo-Folgen erinnert. Überhaupt sieht alles, Interieur wie Kostüme, eher aus wie 1974 als wie 1800.

    Es ist jetzt aber so: Nach kürzester Zeit wird das völlig nebensächlich. Vielleicht, weil die Art des Schauspiels und auch der Kameraführung etwas ganz leicht theaterhaftes hat - und im Theater oder in der Oper funktionieren klassische Dramen ja auch dann noch (oder erst recht), wenn die Inszenierung modern ist - was in die Moderne transportiert wird, wird uns zu einem bestimmten Grad ja näher gebracht und dadurch vielleicht sogar verständlicher.

    Deshalb kann ich auch über den Cast hinwegsehen: Niemand sieht wirklich so aus, wie die Person, die er oder sie verkörpert, aussah. Und trotzdem funktioniert es, weil man gewissermaßen sofort versteht, "was gemeint ist". Es geht darum, wie die Personen agieren, wie sie sind - nicht darum, ob sie genau so aussehen, wie ihre Rolle.

    Die Schauspieler tragen die Sache also, und hier ganz vorweg Ian Holm als Napoleon. Fantastisch, absolut großartig. Der beste Napoleon-Darsteller ever, das erste Mal, dass ich die Rolle glaubwürdig finde. Das erste Mal, dass ich die cholerischen Anfälle wirklich einschüchternd finde - diese absolute Sebstbezogenheit, die dabei durchkommt, der langsam durchkommende Größenwahn, dieser Wille, alles und jeden zu beherrschen. Von so jemandem möchte man wirklich nicht auf diese Art und Weise angebrüllt werden.

    Die Szene, in der Napoleon Talleyrand beschimpft, er sei nichts als Scheiße in Seidenstrümpfen, ist ja schon xmal verfilmt worden, eigentlich in jedem Film, in dem beide vorkommen. Aber nie so eindringlich, so glaubwürdig. In den anderen Filmen, die ich gesehen habe, wurde meiner Meinung nach nie wirklich klar, dass Talleyrands Stoizismus in dieser Situation wirklich heldenhaft war - es wirkte statt dessen immer einfach wie eine vernünftige Reaktion auf den Ausbruch eines Cholerikers: was soll man bei sowas auch anderes machen, als talleyrandesk erstarrt warten, bis der Sturm über einen hinweggezogen ist? Mit Ian Holm ist das anders, so möchte man wirklich, wirklich niemals angebrüllt werden. Und wenn Talleyrand dann hinterher sagt, "What a pity that such a great man should be so ill-bred", dann versteht man wirklich, wie unglaublich diese Reaktion ist. (Talleyrand (Peter Jeffrey) sieht zwar nicht im allergeringsten aus wie Talleyrand, macht das aber trotzdem sehr gut. Vor allem, dass er immer so freundlich und ruhig und liebenswürdig wirkt, und dann unfassbare Unverschämtheiten von sich gibt - das ist endlich mal gut getroffen.)


    Zurück zu Napoleon: Man möchte diesen Menschen ganz sicher nicht zum Chef haben, und auch ganz sicher nicht zum Geliebten (oder Ehemann). Er ist cholerisch und egozentrisch, und gleichzeitig unwahrscheinlich unsicher im Umgang mit Frauen - auch das kommt unheimlich gut rüber, ebenso die Entwicklung, wie er schließlich die Unsicherheit durch eine bestimmte Art von Grobheit zu überspielen versucht. Mit Georgina möchte man in der Szene, in der sie zum ersten Mal mit ihm alleine ist, auch nicht tauschen.


    Das alles kommt ohne eine einzige Schlachtszene aus - Waterloo wird ganz am Ende mit einigen wenigen Bildern angedeutet, aber mehr nicht. Also für die Freunde lustigen Gemetzels hier ist der Film also ganz sicher nichts. Auch nicht für die Freunde des richtigen Knopfes an der richtigen Uniform - die sind ganz sicher jenseits von allem, was noch als Uniformdarstellung akzeptabel ist. Aber darum geht es eben auch überhaupt nicht. Es geht aber auch nicht nur um Liebesgeschichten (wie der Titel vielleicht suggeriert), auch, wenn das der rote Faden ist, der die Episoden zusammen hält. Es wird eine Geschichte erzählt, und es werden die Menschen, die darin vorkommen, portraitiert. Und zwar ganz gut, finde ich.

    Hin und wieder gibt es auch Szenen, die etwas Monty-Pythonhaftes an sich haben (vor allem in der Folge "Louise"): Mehr als einmal musste ich laut lachen. Am Anfang habe ich das noch für unfreiwillige Komik gehalten (es sind weniger die Dialoge, als die Einstellungen), aber schnell verstanden, dass es sich hier um eine feine, englische Ironie handelt (nur Marie-Louise ist wirklich ganz furchtbar überzogen dämlich, aber trotzdem irgendwie niedlich (und lustig)). Nichts ist unfreiwillig in diesem Film, glaube ich.


    Also Fazit: Unbedingt sehenswert, vor allem wegen Ian Holm als Napoleon. Über die Äußerlichkeiten (Ausstattung, Ausleuchtung, Frisuren, Makeup) muss man hinwegsehen. Die schauspielerische Leistung lässt einen das aber auch alles vergessen.
    Von allen Napoleon- und Talleyrand-Filmen, die ich bis jetzt gesehen habe, der beste, meiner Meinung nach.


    Ich würde mich sehr freuen, wenn ich noch mehr Meinungen zu diesem Film hier lesen könnte!

    Schöne Grüße,

    Gnlwth
    Talleyrand - der Mensch und die Persönlichkeit

    Kommentar


    • #3
      Guten Abend,

      gerade eben habe ich entdeckt, dass irgend jemand genau die Szene

      [...] in der Napoleon Talleyrand beschimpft, [...]
      bei YouTube eingestellt hat: http://www.youtube.com/watch?v=q8KlwSErQ8k

      Also, seht selbst.

      Viele Grüße,
      Gnlwth
      Talleyrand - der Mensch und die Persönlichkeit

      Kommentar


      • #4
        Vielen Dank fuer den Link!

        Stellenweise musste ich etwas grinsen, Aufmachung und Kostueme erinnerten fatal an Monty Python: (Der eine sollte Murat sein?)

        "Ist noch jemandem zumute nach einer kleinen Chelmerei, wenn ich meinen liepen Freund erwæhne, Chwanzus Longus?"



        Insofern konnte ich mich nicht ganz in die Dramatik der Szene hineinversetzen. Naja, vielleicht muss man es øfter sehen, oder besser den ganzen Film.
        Zuletzt geändert von muheijo; 05.02.2011, 10:33.

        Kommentar


        • #5
          Guten Morgen,

          Stellenweise musste ich etwas grinsen, Aufmachung und Kostueme erinnerten fatal an Monty Python:
          ja, und ich zitiere aus meinem Post vom 10.10.2009:

          Hin und wieder gibt es auch Szenen, die etwas Monty-Pythonhaftes an sich haben (vor allem in der Folge "Louise"): Mehr als einmal musste ich laut lachen.
          Bei dieser Szene geht es mir allerdings nicht so. Trotzdem natürlich:

          Es hat etwa zwei Folgen gedauert, bis ich über die extrem billige Ausstattung und die grelle Ausleuchtung hinweggekommen bin - daran habe ich mich aber schon bald nicht mehr gestört. Auch nicht an den Frisuren; die (jungen) Männer sehen alle aus wie Popstars 1974 aussahen, bei den Damen haben mich Frisuren und Makeup unweigerlich an die frühen Columbo-Folgen erinnert. Überhaupt sieht alles, Interieur wie Kostüme, eher aus wie 1974 als wie 1800.

          Es ist jetzt aber so: Nach kürzester Zeit wird das völlig nebensächlich. Vielleicht, weil die Art des Schauspiels und auch der Kameraführung etwas ganz leicht theaterhaftes hat - und im Theater oder in der Oper funktionieren klassische Dramen ja auch dann noch (oder erst recht), wenn die Inszenierung modern ist - was in die Moderne transportiert wird, wird uns zu einem bestimmten Grad ja näher gebracht und dadurch vielleicht sogar verständlicher.

          Deshalb kann ich auch über den Cast hinwegsehen: Niemand sieht wirklich so aus, wie die Person, die er oder sie verkörpert, aussah. Und trotzdem funktioniert es, weil man gewissermaßen sofort versteht, "was gemeint ist". Es geht darum, wie die Personen agieren, wie sie sind - nicht darum, ob sie genau so aussehen, wie ihre Rolle.

          Und ich bleibe dabei, ich fand diese Szene besser als alle anderen, die ich in anderen Filmen bislang gesehen habe. An die Originalbeschimpfung kommt vermutlich sowieso niemand ran ;-)


          Viele Grüße,
          Gnlwth
          Talleyrand - der Mensch und die Persönlichkeit

          Kommentar


          • #6
            Ach ja, und: Napoleon ist natürlich Bilbo Beutlin, da kann man jetzt nichts mehr machen.
            Genau so wie Caroline Murat für mich für immer und ewig Uschi aus Der Schuh des Manitu sein wird (*Die* Uschi?!). Tja.

            Trotzdem, man vergleiche die Verfilmung der berühmten Beschimpfungsszene mit Ian Holmes mal mit der von Sacha Guitry: http://www.youtube.com/watch?v=VKM9QL0qa3E

            Na?!

            Viele Grüße,
            Gnlwth
            Talleyrand - der Mensch und die Persönlichkeit

            Kommentar


            • #7
              Hallo,
              vielen Dank für den Tipp! Habe mir die Sache auf youtube angeschaut und kann dich verstehen. So habe ich mir einen SEINER Wutausbrüche vorgestellt. Die Ausstattung: naja, darüber hast du schon alles geschrieben - aber die Kraft, die in dieser Szene lag...
              Habe die DVD's schon über meine Schwiegermutter als Geburtstagsgeschenk geordert. Vielen, vielen Dank! Ich bin froh zu wissen, dass es noch andere so 'bekloppte' (Zitat meines Mannes) gibt, die meine Faszination teilen.
              Liebe Grüße Marie
              Die beste Möglichkeit Wort zu halten ist, es nicht zu geben.

              Kommentar


              • #8
                Zitat von gnlwth Beitrag anzeigen
                Ach ja, und: Napoleon ist natürlich Bilbo Beutlin, da kann man jetzt nichts mehr machen.
                Genau so wie Caroline Murat für mich für immer und ewig Uschi aus Der Schuh des Manitu sein wird (*Die* Uschi?!). Tja.

                Trotzdem, man vergleiche die Verfilmung der berühmten Beschimpfungsszene mit Ian Holmes mal mit der von Sacha Guitry: http://www.youtube.com/watch?v=VKM9QL0qa3E

                Na?!

                Viele Grüße,
                Gnlwth
                Liebe Gnlwth,
                Du hast doch sicher das Buch von Waresquiel über Talleyrand,gilt es doch derzeit als das Standardwerk dazu. Waresquiel behauptet darin,dass diese Beschimpfung nie stattgefunden hat.Was sagst Du dazu??
                Was die Serie "N. In Love" betrifft,so erinnere ich mich darüber 1974 einen Artikel gelesen zu haben.Hältst Du wirklich was von derlei ??
                Ich habe den Film nicht gesehen,besser gesagt die Serie:kannst Du mir nähere Angaben machen darüber,wo man den jetzt als DVD bekommt!?Ich habe mir
                voriges Jahr einen Blu-ray Recorder gekauft,der auch DVD abspielt,habe ihn aber noch nicht eingeweiht; irgendwann muss ich damit anfangen!!

                Viele Grüsse,IRENE.

                P.S. Georgina beschreibt in ihren Memoiren ihr erstes Zusammentreffen mit
                N. übrigens sehr positiv.

                Kommentar


                • #9
                  Liebe Irene,
                  ich bin zwar nicht gnlwth, antworte aber trotzdem mal Du kannst die Serie bei amazon kaufen. Einfach 'napoleon and love' eingeben und dann kommen die Verkäufer.
                  Alles andere wurde dazu schon gesagt. Ich denke, man muss es sehen, um zu verstehen wo die Faszination liegt. Ich kann gnlwth nur zustimmen: Großaritge Leistung, die Charaktere bringen das rüber, was sie sollen und man vergisst bald, dass die Ausstattung 'naja' ist.
                  Ich bin auch begeister von Ian Holmes, obwohl ich da mehr als skeptisch war - aber er gibt Napoleon auf eine Art, wie ich es noch nie vorher gesehen habe und es ist glaubwürdig! Mir gefallen auch die Damen - hübsch und dumm. Das war schon immer mein Eindruck von Napoleons Frauengeschmack (Es gab auch Ausnahmen, aber en gros...)
                  Fazit: Auch ich mochte die Serie und bin froh sie angeschafft zu haben (was man von einigen anderen Verfilmungen nicht behaupten kann...)
                  Die beste Möglichkeit Wort zu halten ist, es nicht zu geben.

                  Kommentar


                  • #10
                    Für alle Freunde der Rocky Horror Picture Show, die 1975 gedreht wurde. Googelt einfach mal "Tim Curry Napoleon in Love" http://www.youtube.com/watch?v=7jpfxu7tIvw. Der spielte 1974 den Eugene. Ein Jahr später trug er Strapse

                    Verdammt, darf ich das schreiben, ohne das andere User glauben, dass ich Eugene für einen Transvestiten halte?

                    Um alle Missverständnisse auszuschließen, ich meine Tim Curry und der ist natürlich auch kein Transvestit, sondern Schauspieler! Den Link nur mal als Teaser. Das ist wirklich sehr gut gemacht. Kaufen! Bei youtube weiß man ja nie, wie lange das noch online zur Verfügung steht.
                    Zuletzt geändert von KDF10; 20.04.2013, 15:17.

                    Kommentar


                    • #11
                      Serie

                      Zitat von Marie Beitrag anzeigen
                      Liebe Irene,
                      ich bin zwar nicht gnlwth, antworte aber trotzdem mal Du kannst die Serie bei amazon kaufen. Einfach 'napoleon and love' eingeben und dann kommen die Verkäufer.
                      Alles andere wurde dazu schon gesagt. Ich denke, man muss es sehen, um zu verstehen wo die Faszination liegt. Ich kann gnlwth nur zustimmen: Großaritge Leistung, die Charaktere bringen das rüber, was sie sollen und man vergisst bald, dass die Ausstattung 'naja' ist.
                      Ich bin auch begeister von Ian Holmes, obwohl ich da mehr als skeptisch war - aber er gibt Napoleon auf eine Art, wie ich es noch nie vorher gesehen habe und es ist glaubwürdig! Mir gefallen auch die Damen - hübsch und dumm. Das war schon immer mein Eindruck von Napoleons Frauengeschmack (Es gab auch Ausnahmen, aber en gros...)
                      Fazit: Auch ich mochte die Serie und bin froh sie angeschafft zu haben (was man von einigen anderen Verfilmungen nicht behaupten kann...)
                      Liebe Marie!
                      Danke für Deine Antwort,werde mir die Serie beschaffen.
                      Was Napoleons Frauengeschmack anbelangt,bin ich da nicht so ganz derselben Ansicht.
                      Ich glaube,die Behauptung dass er nicht allzu intelligente Frauen bevorzugte,ge-
                      hört auch in die Verleumdungskiste. Er mochte intrigante und allzu intellektuelle
                      Frauen nicht,vor allem dann nicht,wenn sie sich in die Politik einmischten-obwohl
                      er hier auch großzügig sein konnte,insofern als er deren Wert einsehen konnte.
                      Mme de Stael konnte er bekanntlich nicht ausstehen,aber wusste um ihren Wert
                      und fürchtete eben deshalb ihren Einfluss in Paris.Er hat sie dann auch noch auf
                      St. Helena gewürdigt,trotz Abneigung.
                      Er hat sich gerne mit Mme de Remusat,Hofdame von Josephine,unterhalten-die war sehr gescheit und intellektuell- wofür sie ihm mit giftigen Memoiren gedankt hat.
                      Auf gut aussehende,charmante und weibliche Frauen legte er Wert;besonders wenn sie dann auch noch gute Mütter und solide Ehefrauen waren.DAS war dem
                      Korsen in ihm wichtig!
                      Ich glaube,er hat auf Intelligenz bei Frauen sehr wohl Wert gelegt,besonders wenn sie ihm Verständnis entgegengebracht haben.Aber auch so.
                      Seine Mutter war intelligent,Marie Walewska war intelligent,Betsy Balcombe
                      war intelligent,und noch einige mehr.Hortense ebenso.
                      Ich wette,dass er Mme Curie mit dem größten Respekt betrachtet und behandelt hätte!!!
                      Vielleicht interessieren Dich ein paar Literaturangaben zu diesem Thema:
                      Theo Fleischmann: Napoleon et Les Femmes. Fleischmann war Chef der belgischen Napoleongesellschaft,das Buch stammt aus den Fünfziger Jahren,
                      sicher kann man von irgendwoher eine Kopie oder PDF bekommen.
                      Sehr aufschlussreich finde ich das Memoirenfragment,das Mme de Montholon hinterlassen hat,das bekommt man sicher auch über eine Bibliothek.
                      Gut sind auch die Bücher von Paul und Gertrude Aretz,die findet man noch oft
                      in Antiquariaten.
                      Sehr interessant,die Memoiren von der Gräfin von Kielmansegge,die man auch noch öfters in Antiquariaten findet.

                      Viele Grüsse,IRENE.

                      Kommentar


                      • #12
                        Liebe Irene,


                        Zitat von Irene Hartlmayr Beitrag anzeigen
                        Liebe Gnlwth,
                        Du hast doch sicher das Buch von Waresquiel über Talleyrand,gilt es doch derzeit als das Standardwerk dazu. Waresquiel behauptet darin,dass diese Beschimpfung nie stattgefunden hat.Was sagst Du dazu??
                        Ja, Waresquiel sagt, "Napoleon n'a sans doute pas prononcé l'ultime injure*, mais il y a pensé."

                        *"Vous n'êtes que de la merde dans un bas de soie."

                        Da ich selbst nicht dabei war, habe ich natürlich keine Ahnung, was wirklich gesagt wurde, und was hinterher dazu gedichtet wurde (Waresquiel schreibt ja auch noch hinten in den Anmerkungen, dass derselbe (oder sehr ähnliche) Ausspruch auch anderen zugeschrieben wurde). Talleyrand und Napoleon waren ja nicht allein, es waren ja noch einige andere anwesend (laut Waresquiel Cambacérès, Lebrun, Gaudin, Decrès und Fouché) - wer von denen hinterher was erzählt hat, und wie sich das dann Stille-Post-artig verbreitet hat... wer weiß das schon.
                        Aber: auch ohne "merde dans un bas de soie" war die Beschimpfung sicher nicht sehr angenehm - was auch immer ganz genau gesagt wurde, erfreulich war es jedenfalls nicht.

                        Zitat von Irene Hartlmayr Beitrag anzeigen
                        Was die Serie "N. In Love" betrifft, [...]
                        ...hat ja Marie schon alles gesagt. Ja, ich mag sowas, vor allem, wenn es eben so ein bisschen montypythonhaft ist. Wenn Du es Dir mal ansiehst, kannst Du vielleicht nachempfinden, was daran gut ist. Es dauert aber eine Weile, bis man es versteht, glaube ich, man muss sich ein bisschen darauf einlassen. Wie gesagt, es geht um die Schauspieler und das, was sie transportieren, nicht um historische Kostüme oder so.

                        Viele Grüße,
                        Gnlwth


                        P.S. Waresquiel weiß aber natürlich auch nicht, was Napoleon wirklich gesagt hat, und ob er es zwar nicht gesagt, aber sehr wohl gedacht hat.
                        Zuletzt geändert von gnlwth; 21.04.2013, 10:30.
                        Talleyrand - der Mensch und die Persönlichkeit

                        Kommentar


                        • #13
                          Waresquiel

                          Zitat von gnlwth Beitrag anzeigen
                          Liebe Irene,




                          Ja, Waresquiel sagt, "Napoleon n'a sans doute pas prononcé l'ultime injure*, mais il y a pensé."

                          *"Vous n'êtes que de la merde dans un bas de soie."

                          Da ich selbst nicht dabei war, habe ich natürlich keine Ahnung, was wirklich gesagt wurde, und was hinterher dazu gedichtet wurde (Waresquiel schreibt ja auch noch hinten in den Anmerkungen, dass derselbe (oder sehr ähnliche) Ausspruch auch anderen zugeschrieben wurde). Talleyrand und Napoleon waren ja nicht allein, es waren ja noch einige andere anwesend (laut Waresquiel Cambacérès, Lebrun, Gaudin, Decrès und Fouché) - wer von denen hinterher was erzählt hat, und wie sich das dann Stille-Post-artig verbreitet hat... wer weiß das schon.
                          Aber: auch ohne "merde dans un bas de soie" war die Beschimpfung sicher nicht sehr angenehm - was auch immer ganz genau gesagt wurde, erfreulich war es jedenfalls nicht.



                          ...hat ja Marie schon alles gesagt. Ja, ich mag sowas, vor allem, wenn es eben so ein bisschen montypythonhaft ist. Wenn Du es Dir mal ansiehst, kannst Du vielleicht nachempfinden, was daran gut ist. Es dauert aber eine Weile, bis man es versteht, glaube ich, man muss sich ein bisschen darauf einlassen. Wie gesagt, es geht um die Schauspieler und das, was sie transportieren, nicht um historische Kostüme oder so.

                          Viele Grüße,
                          Gnlwth


                          P.S. Waresquiel weiß aber natürlich auch nicht, was Napoleon wirklich gesagt hat, und ob er es zwar nicht gesagt, aber sehr wohl gedacht hat.
                          Ja,das ist ja das Kreuz mit Zeugenaussagen und Überlieferungen. Ich habe mich
                          auch gewundert wieso Waresquiel das behauptet,es widerspricht ja der üblichen Überlieferung.Ich werde einmal bei den angegebenen Zeugen nachsehen,was die dazu sagen.
                          Andererseits wird ja Napoleon von vielen verleumdet,da ist die Möglichkeit groß
                          dass man ihm alles Mögliche andichtet.
                          Schließlich wäre der Zorn von N. verständlich,er war gerade in Eile aus Spanien
                          zurückgekehrt: Österreich ist gegen ihn vorgegangen( gerade auch wegen Infos von Talleyrand),Fouche und T. , mitsamt Murat und seiner eigenen lieben Schwester Caroline , haben gegen ihn intrigiert und über eine "Nachfolge " ver-
                          handelt,ohne besonderen Anlass.Man denke,was ein Diktator des 20ten Jahrhunderts da getan hätte!!! Eine Beschimpfung ist da noch relativ harmlos.

                          Viele Grüsse,IRENE.

                          Kommentar


                          • #14
                            Zitat von Irene Hartlmayr Beitrag anzeigen
                            Liebe Marie!
                            Danke für Deine Antwort,werde mir die Serie beschaffen.
                            Was Napoleons Frauengeschmack anbelangt,bin ich da nicht so ganz derselben Ansicht.
                            Ich glaube,die Behauptung dass er nicht allzu intelligente Frauen bevorzugte,ge-
                            hört auch in die Verleumdungskiste. Er mochte intrigante und allzu intellektuelle
                            Frauen nicht,vor allem dann nicht,wenn sie sich in die Politik einmischten-obwohl
                            er hier auch großzügig sein konnte,insofern als er deren Wert einsehen konnte.
                            Mme de Stael konnte er bekanntlich nicht ausstehen,aber wusste um ihren Wert
                            und fürchtete eben deshalb ihren Einfluss in Paris.Er hat sie dann auch noch auf
                            St. Helena gewürdigt,trotz Abneigung.
                            Er hat sich gerne mit Mme de Remusat,Hofdame von Josephine,unterhalten-die war sehr gescheit und intellektuell- wofür sie ihm mit giftigen Memoiren gedankt hat.
                            Auf gut aussehende,charmante und weibliche Frauen legte er Wert;besonders wenn sie dann auch noch gute Mütter und solide Ehefrauen waren.DAS war dem
                            Korsen in ihm wichtig!
                            Ich glaube,er hat auf Intelligenz bei Frauen sehr wohl Wert gelegt,besonders wenn sie ihm Verständnis entgegengebracht haben.Aber auch so.
                            Seine Mutter war intelligent,Marie Walewska war intelligent,Betsy Balcombe
                            war intelligent,und noch einige mehr.Hortense ebenso.
                            Ich wette,dass er Mme Curie mit dem größten Respekt betrachtet und behandelt hätte!!!
                            Vielleicht interessieren Dich ein paar Literaturangaben zu diesem Thema:
                            Theo Fleischmann: Napoleon et Les Femmes. Fleischmann war Chef der belgischen Napoleongesellschaft,das Buch stammt aus den Fünfziger Jahren,
                            sicher kann man von irgendwoher eine Kopie oder PDF bekommen.
                            Sehr aufschlussreich finde ich das Memoirenfragment,das Mme de Montholon hinterlassen hat,das bekommt man sicher auch über eine Bibliothek.
                            Gut sind auch die Bücher von Paul und Gertrude Aretz,die findet man noch oft
                            in Antiquariaten.
                            Sehr interessant,die Memoiren von der Gräfin von Kielmansegge,die man auch noch öfters in Antiquariaten findet.

                            Viele Grüsse,IRENE.
                            Die Bücher habe ich gelesen Ich meinte auch nicht, dass er intelligente Frauen nicht mochte - aber für sein Bett suchte er sie (mit wenigen Ausnahmen) nicht unbedingt nach dem Grade ihrer Intelligenz aus. Er schätze viele Frauen mit Intellekt, die du ja auch schon erwähnt hast. Aber wie gesagt, das hatte ich nicht gemeint
                            Die beste Möglichkeit Wort zu halten ist, es nicht zu geben.

                            Kommentar


                            • #15
                              Zitat von Irene Hartlmayr Beitrag anzeigen
                              Andererseits wird ja Napoleon von vielen verleumdet,da ist die Möglichkeit groß dass man ihm alles Mögliche andichtet.
                              Sicher - einer der Anwesenden könnte die Tirade auch bewusst, oder aber auch vielleicht sogar unbewusst, übertrieben und entsprechen ausgeschmückt haben - und man muss ja gar nicht so weit wie Waresquiel gehen, der sagt, wenn Napoleon das zwar (vielleicht) gar nicht wirklich gesagt hat, dann hat er es sicher gedacht - das weiß man ja nun noch weniger, was Napoleon gedacht hat. Aber: man könnte sagen, selbst wenn er es noch nicht einmal gedacht hat, dann scheint es zumindest nicht unplausibel, dass er es hätte denken können - und das dachten sich sicher auch diejenigen, die von der Angelegenheit Bericht erstatteten. Und dann ist der Schritt dazu, zu sagen, dann ist es auch nicht unplausibel, dass er es wirklich gesagt hat, ja auch nur ein kleiner - man traut es ihm eben ohne Weiteres zu. Und wie Du sagst - sein Zorn wäre in Anbetracht der Umstände durchaus nachvollziehbar, und dass seine Ausdrucksweise nicht immer höfischen Sitten entsprach, wohl auch bekannt.
                              Ich bezweifle übrigens, dass Talleyrand selbst der Urheber der Verbreitung dieses berühmt gewordenen Ausspruchs (ob tatsächlich ausgesprochen oder nicht) war - zwar hat er am Abend alles direkt selbst ausgewählter Gesellschaft (bei der Vicomtesse de Laval) berichtet - das ist zu grob und zu geschmacklos, als dass es seine Idee hätte sein können. (Es gibt eine Anekdote von Talleyrand - steht z.B. bei Orieux - dass er einmal wiederholen sollte, was jemand gesagt hatte (nämlich das Wort "fumier"), und dass er es dann auf einen Zettel schrieb, weil er es nicht in den Mund nehmen wollte - so jemand verbreitet keine Aussagen, in denen das Wort "merde" vorkommt.)
                              Und wer weiß? Vielleicht hat Napoleon es ja doch gesagt.

                              Zitat von Irene Hartlmayr Beitrag anzeigen
                              Man denke,was ein Diktator des 20ten Jahrhunderts da getan hätte!!! Eine Beschimpfung ist da noch relativ harmlos.
                              Ja, aber ich glaube, die allermeisten Biographen sind sich da einig, dass das Ganze sowieso inszeniert und mehr ein geplanter Warnschuss als tatsächlich ein echter Wutausbruch war (ich habe keinen Zweifel daran, dass Napoleon, auch wenn er sich vorher ganz rational vorgenommen hatte, Talleyrand mal ordentlich zusammenzustauchen, trotzdem keine Mühe hatte, dabei so richtig in Rage zu geraten, und dass das kein bisschen weniger unangenehm war - Talleyrand ging es danach nicht gut, er lag einen Tag lang im Bett und wartete auf seine Verhaftung). Der Warnschuss ging sicher auch in Richtung Fouché (der es in diesem Moment ja nicht abbekommen hat, aber ganz genau so verdient hätte). Aber Du hast schon Recht, man kann sich wirklich fragen, warum Napoleon da nicht tatsächlich härter durchgegriffen hat. Da sind vermutlich die Psychologen gefragt, und eine tiefergehende Analyse der Beziehung der beiden Männer zueinander - dass Napoleon Talleyrand eben nicht am Carrousel hat aufknüpfen lassen, so wie er es ihm angedroht, sondern ihn "nur" exemplarisch zur Schnecke gemacht hat, lässt da schon auch tief blicken... Napoleon hat ja Talleyrand noch 1815 das Amt des Außenministers angeboten, da staunt man ja auch.

                              Viele Grüße,
                              gnlwth


                              P.S. Caroline Bonaparte/Murat ist ja auch eine ganz interessante Persönlichkeit, die ist mir gerade in einem alten Roman begegnet ("My brother Napoleon: The Confessions of Caroline Bonaparte", von F.W. Kenyon (1971)). Ich denke, mit der Dame würde ich mich gerne noch etwas ausgiebiger beschäftigen - kennt jemand eine gute Biographie über sie?
                              Talleyrand - der Mensch und die Persönlichkeit

                              Kommentar

                              Lädt...
                              X