Baschkiren bei der Völkerschlacht

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  • Gunter
    Erfahrener Benutzer
    Chef de Bataillon
    • 01.10.2006
    • 1377

    #16
    In dem Aufsatz können z.B. manche Angaben zu den Standarten nicht stimmen. Baumgartner behauptet pauschal, die Leibgardekosaken hätten keine gehabt. Wie es scheint, haben sie aber die der 1. Eskadron bei Austerlitz verloren. Es könnte freilich sein, dass die beiden anderen im Feldzug von 1812 ihre nicht führten. Das ist so aber nicht erwähnt.
    Man muss eben sehen, es ist schon ein ziemlich alter Artikel, der genauso wie manche Aufsätze in der "Zinnfigur" bei Einzelinformationen nicht auf dem neusten Stand sein kann.
    Interessant ist auf jeden Fall die Erwähnung, dass bei den Kosakeneinheiten in jeder Sotnie/Eskadron ein Plänklertrupp mit Musketen sein sollte. Das habe ich bisher sonst nirgendwo gelesen. Oft sind die Kosaken ohne Muskete abgebildet.

    Übrigens, ich fand neulich einen interessanten russischen Aufsatz über bei Austerlitz vermeintlich verloren gegangene Fahnen, die von Gefangenen versteckt worden sind, wieder zurück nach Russland gelangten und zum Teil bei ihrem Regiment auch wieder an neue Stangen genagelt wurden. Darauf kann ich vielleicht noch an anderer Stelle eingehen, wenn Interesse besteht.
    Zuletzt geändert von Gunter; 15.05.2009, 08:01.

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    • admin
      Administrator
      Colonel
      • 30.09.2006
      • 2685

      #17
      Zitat von Gunter Beitrag anzeigen
      Übrigens, ich fand neulich einen interessanten russischen Aufsatz über bei Austerlitz vermeintlich verloren gegangene Fahnen, die von Gefangenen versteckt worden sind, wieder zurück nach Russland gelangten und zum Teil bei ihrem Regiment auch wieder an neue Stangen genagelt wurden. Darauf kann ich vielleicht noch an anderer Stelle eingehen, wenn Interesse besteht.
      Unbedingt Gunter - wäre interessant, den Andolenko und andere Literatur dagegen zu stellen.

      Ansonsten klasse Thread, die Herren!

      Schöne Grüße
      Markus Stein
      "Wenn wir geboren werden, weinen wir, weil wir diese große Narrenbühne betreten" (King Lear) ... jedem also sein ganz persönliches (Hof-) Narrenleben

      Kommentar

      • Gunter
        Erfahrener Benutzer
        Chef de Bataillon
        • 01.10.2006
        • 1377

        #18
        Hier mal der Link zu der Seite:

        Es handelt sich um einen Aufsatz von 1906. Ob Andolenko die Informationen verwendet hat, weiß ich leider nicht.

        Grüße,

        Gunter

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        • aba
          Erfahrener Benutzer
          Tambour-Major
          • 02.10.2006
          • 273

          #19
          Hallo Aldhazar,

          das vorletzte Bild aus dem zweiten link stammt aus

          "Armies of the Nineteenth Century. The Armies of Asia: CENTRAL ASIA AND THE HIMALAYAN KINGDOMS" from Wargames Foundry

          Es klärt vor allem zusammenhänge wie z.B. dass die Kirgisen im russischen Sprachgebrauch Kasachen waren etc.

          Nach den Bildern sind übrigens 16 Zeichnungen für 30mm Zinnfiguren von Clive Farmer gemacht worden, die derzeit graviert werden.

          Beispiel anbei :
          Angehängte Dateien

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          • kosak1813
            Neuer Benutzer
            Enfant de Troupe
            • 22.06.2009
            • 1

            #20
            Ein fast vergessenes Volk an der Grenze zwischen Europa und Asien

            Die Franzosen nannten sie „les Amours“ , als sie die Bogenreiter im Frühjahr1814,
            im Zuge der alliierten Armeen die Frankreich querten, erblickten .
            Und meinten dabei wohl den mit Pfeil und Bogen bewaffneten Liebesgott.
            Aber wer waren sie wirklich und wo kamen sie her?
            Warum waren sie im 19. Jahrhundert immer noch mit diesen archaischen Waffen versehen?
            Es waren Baschkiren ; siegehörten zur irregulären russischen Kavallerie und waren in eigenen Einheiten den verschiedenen russisch-preusischen Armeekorps zugeordnet.
            Schon damals bestand die russische Armee aus einem Konglomerat von verschiedenen Völkerschaften die, mehr oder weniger freiwillig, unter Zar Alexander I. gegen Napoleon Bonaparte zu Felde zogen.
            1812 hatte Napoleon I. seine Grande Armée im russischen Winter fast vollständig verloren. Die eilends neu aufgestellte französische Armee erlitt im Oktober 1813, bei der so genannten „Völkerschlacht bei Leipzig“, erneut eine Niederlage gegen die verbündeten Armeen aus Russland, Preußen, Schweden und Österreich. Die immer noch kampfstarke französische Armee setzte sich westlich des Rheins ab, der die damalige Ostgrenze des Kaiserreichs Frankreich bildete.
            Vor allem die verbündeten Preußen und Russen wollten nun den Krieg ins Heimatland
            Bonapartes tragen. So kam es dann, dass Baschkiren, bewaffnet mit Bogen und Pfeil, auf ihren aus den südrussischen Steppengebieten stammenden Pferden, in Westeuropa auftauchten. In Paris ankommend, sollten sie über 4000 km zurückgelegt haben.
            Ihre Heimat lag an den Hängen und den angrenzenden Ebenen des Südwest-Ural.
            Wie ihre Vorfahren, die Alttürken und Mongolen, führten sie dort eine nomadische Lebensweise. Ihre Vorväter waren Teil der legendären „Goldenen Horde2), die letztlich von der Übermacht und dem Expansionswillen des zaristischen Russlands unterworfen wurde.
            Die baschkirischen Kämpfer waren in der Stärke von 518 Mann in einem Polk (Regiment) zusammen gefasst, das von 18 Offizieren und Unteroffizieren geführt wurde. Dieses Polk war in 100er Basiseinheiten (Sotnia) unterteilt. An den Kämpfen in Frankreich nahmen 2 Polks und verschiedene kleinere Einheiten teil.
            Bekleidung und Bewaffnung waren bei den Baschkiren nicht reguliert; d.h. jeder musste selbst dafür sorgen und so mannigfaltig war dann auch ihr Erscheinungsbild. Eine spitz zulaufende Lederkappe mit Pelzbesatz als Kopfbedeckung, ein weiter Kaftan, gehalten durch eine bunte Schärpe oder einen breiten Ledergürtel, trugen die meisten. Bunte Hosen in Lederstiefeln rundeten die farbenfrohe Erscheinung ab. Einige dieser Steppensöhne trugen mittelalterlich anmutende Rüstungsteile aus Eisen oder dickem Leder. Auch mittelalterliche Kettenhauben kamen vor.
            Sie galten als die Paradiesvögel im uniformierten Heerhaufen der Alliierten.
            Ihre Einheiten führten keinen Verpflegungstross mit, geschweige denn eine medizinische Versorgung, wie das bei den regulären Truppen bereits üblich war. Neben ihren Waffen mussten sie Bekleidung und Verpflegung auf ihren Pferden mit sich führen.
            Ausgestattet waren sie mit einer Lanze von 10 bis 14 foot (3 – 4,25 m) mit eiserner Spitze, einem türkischen Säbel (Kilij) und einem gekrümmten doppelschneidigem Kurzschwert (Kinzhal ).
            Der türkische Compositbogen bestand aus Kirschholz, Horn und Sehnen. Manchmal war er mit Haut oder Leder fest umwickelt und wie historische Augenzeugen berichten „… von einer eindrucksvollen Wurfleistung“.6)
            Die befiederten Pfeile hatten eine Länge von 3 foot (90 cm), waren mit eiserner Spitze versehen und wurden vom Pferderücken, wohl auch im wildesten Galopp, geschossen.
            Die zwei Lederköcher für Bogen und Pfeile hingen am Rücken, oder am Bauchgürtel. Seltener auch am lederbezogenen Holzsattel.
            Vereinzelt, meist erst gegen Ende der Befreiungskriege, trugen sie zudem noch Vorderlader-Gewehre und Pistolen. Es dürfte sich hierbei meist um Beutewaffen gehandelt haben.

            Einige zeitgenössische Stimmen:
            „Ihr Kommandeur, wie man sagt, ein asiatischer Prinz, war von Kopf bis zu Fuß ganz
            carmoisin-roth gekleidet…“4)
            „ Ihre Füße sind nach den Pferden schief gewachsen, da sie von der frühesten Kindheit
            an reiten.“4)
            „Ihre Waffen bestanden in Lanze, Bogen und Pfeilen, Flinte, Pistolen und Säbel, so dass also manche eine fünffache Bewaffnung hatten…“4)
            „Ihre Pferde sind klein und sehen elend aus, da sie nicht geputzt werden, jedoch laufen sie gut.“4)
            „…mit verworrenem Haare, auf dem eine zuckerhutähnliche, ziemlich hohe Mütze aus Schafspelz saß, gräulichen Bärten…“1)
            „Die breiten, stumpfnasigen, vom Barte wirr umgebenen Gesichter mit den kleinen Augen
            sahen grauenhaft aus und grinsten uns freundlich an.“1)
            „Übrigens waren diese … äußerst gutmütige, verträgliche Burschen…“1)

            Zeitgenössische Abbildungen sind Verf. etwa zehn bekannt.3)4)5)
            Hier werden die Baschkiren i.d.R. mit Kaftan und hohen, spitzen Pelzmützen bekleidet, und mit Bogen und Peil bewaffnet, dargestellt. Insgesamt kann gesagt werden, dass ihr Erscheinungsbild und ihre Ausrüstung eher mittelalterlich, als die der Kavalleristen des 19. Jahrhunderts war.

            Eine dieser zeitgenössischen Darstellungen sollte hier Erwähnung finden:
            Radierung von J. Kuhbeil, signiert mit: …unter den Linden zu Berlin, 11. März 1813 am Tage des Einzuges der Kais. Russ. Armee...3)
            Das Bild zeigt drei Baschkiren in typischer Bekleidung und Bewaffnung. Umringt von Berliner Bürgern und Soldaten, zeigen die archaisch aussehenden Krieger, einer Gruppe neugieriger Kinder den Gebrauch von Bogen und Pfeil.

            Abschließende Bemerkungen zu den Bögen:
            Soweit man dies auf den alten Darstellungen entnehmen kann, verwendeten die Baschkiren kurze bis mittellange Recurve-Bögen. Auf einigen Zeichnungen sind wohl Reflex-Recurve-Bögen dargestellt. Da jedoch nicht jeder der zeitgenössischen Künstler hier exakt die Bogendetails wiedergegeben haben dürfte, kann abschließend keine genaue Aussage getroffen werden, welcher Bogentyp der gebräuchlichste war. Vielleicht sind verschiedene Typen benutzt worden, was Verfasser am wahrscheinlichsten hält.

            Literaturnachweise:
            1) Dreier Bruno:
            Mit Blücher bei Kaub über den Rhein,
            Blüchermuseum Kaub, 6. Auflage 2005.
            2) Heissig Walter (Hrsg):
            Geschichte der Mongolen und ihres Fürstenhauses (von Sagang Sečen 17.Jhdrt.),
            übersetzt von Isaak Jakob Schmidt 19.Jhdrt., Manesse Verlag, Zürich 1985.
            3) Pflugk-Hartung J. v., Prof., Dr.:
            1813-1815 Illustrierte Geschichte der Befreiungskriege,
            Union Deutsche Verlagsgesellschaft, Berlin 1913,
            Reprint Melchior Verlag, Wolfenbüttel 2007.
            4) Schuchhardt Peter:
            Die Elberfelder Bilderhandschrift,
            (entstanden während der Befreiungskriege von
            J.C. Hackenberg, P. Schulten u. Unbekannt),
            Schulze & Verhülsdonk, Herne 2004.
            5) Schulze Friedrich (Hrsg):
            Die Franzosenzeit in deutschen Landen, Zweiter Band 1812-1815,
            Voigtländer Verlag, Leipzig 1908.
            6) Summerfield Stephen Dr.:
            Cossack Hurrah !, Partizan Press, Essex 2005.

            Kommentar

            • Aldhazar
              Neuer Benutzer
              Cantinière
              • 11.05.2009
              • 5

              #21
              @kosak 1813

              entschuldige bitte vielmals, aber ich habe heute erst deinen ausführlichen Kommentar gelesen, wofür ich dir sehr dankbar bin. Vor allem die Literaturhinweise 1,2,3,5 waren mir bisher noch nicht bekannt und scheinen doch sehr interessant zu sein, sowie es auch deine Angaben zu den Bögen sind.

              Ich konnte mittlerweile auch einige Berichte und Bilder zusammentragen und werde demnächst mal bei Gelegenheit einige "Highlights" hier einstellen.

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              • admin
                Administrator
                Colonel
                • 30.09.2006
                • 2685

                #22
                Baschkir aus der Elberfelder BH

                Da ich gestern in der Lipperheide Kostümbibliothek in Berlin die komplette Elberfelder Bilderserie - und zwar das Original (das man ausdrücklich anfordern muss) - fotografiert habe, anbei der Baschkire aus dieser Serie.

                Beeindruckend, ein solches Primärdokument in den Händen halten zu dürfen - die Leserschaft kann sich hier auf eine wunderbare Quelle freuen.

                Schöne Grüße (noch aus Berlin, heute aber keine Hoch- sondern Kreuz- und Prenzlberger Subkultur)
                Markus Stein
                Angehängte Dateien
                "Wenn wir geboren werden, weinen wir, weil wir diese große Narrenbühne betreten" (King Lear) ... jedem also sein ganz persönliches (Hof-) Narrenleben

                Kommentar

                • Gunter
                  Erfahrener Benutzer
                  Chef de Bataillon
                  • 01.10.2006
                  • 1377

                  #23
                  Die Hose sieht schon mal eher donkosakisch aus.

                  Kommentar

                  • Latour-Maubourg
                    Erfahrener Benutzer
                    Sergent-Major
                    • 01.10.2006
                    • 196

                    #24
                    ja die Hose scheint regulär zu sein aber Anhand der Kopfbedeckung zu 90% Kasache.

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