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Thema: Egalisieren der Pelotons bei den Preußen

  1. #1
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    Standard Egalisieren der Pelotons bei den Preußen

    Das Bataillon besteht ja vom organisatorischen Standpunkt aus aus mehreren Kompanien. Letztere bilden die in der Regel jeweils ein Peloton als taktische Grundeinheit.

    Die verschiedenen Kolonnen zu formieren und mit ihnen zu manövrieren, ist einfacher, wenn alle Pelotons gleich stark sind. Zu Beginn des Feldzuges wird das auch vielleicht noch so gewesen sein, doch dürften sich nur in den seltensten Fällen die bald eintretenden Verluste gleichmäßig auf alle Kompanien verteilt haben.

    In der französischen Armee wurden deshalb die Pelotons "egalisiert". Zuständig war der Adjudant des Bataillons, der ranghöchste Unteroffizier, der die Gesamtstärke aller Pelotons addierte, daraus die Durchschnittsstärke errechnete, und die "überzähligen" Rotten der starken Pelotons auf die zu schwachen Pelotons verteilte. Ein Bataillon von 800 Mann ließ sich innerhalb von 5 Minuten egalisieren. (Bardin, Manuel d'infanterie. Deuxième édition, Paris 1808, Tit. III: Devoirs. I.re Lecon: Devoir de l'adjudant. No. 243). Diese "Egalisierung" galt nur für die Dauer des Tages, die Soldaten gehörten organisatorisch, was Sold und Verpflegung angehört, weiterhin ihrer Stammkompane an.

    Wahrscheinlich wurde dieses praktische Egalisieren der Pelotons auch in anderen Armeen angewandt.

    Kennt jemand explizite Berichte über das Egalisieren in der preußischen Armee ? Bisher bin ich nur auf Erwähnungen gestoßen, daß 1813 bis 1815 nach hohen Schlacht-Verlusten jeweils zwei stark geschwächte Bataillone zu einem zusammengefaßt wurden, aber nirgendwo, daß eine Kompanie vorübergehend Männer an eine andere abgab.

  2. #2
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    Standard Sehr interessante Frage ...

    wow, das ist wirklich eine interessante Taktik-Frage ... und das fragst Du als "Preußen-Kenner"? Gibt es denn kein äquivalentes preußisches Reglement, in dem die Funktionen der einzelnen Dienstgrade aufgelistet sind ... im Französischen hast Du es ja auch indirekt heraus bekommen - und, gibt es Ähnliches in den Reglements der anderen Armeen?

    Markus Stein

  3. #3
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    Bis jetzt habe ich dazu bei den Preußen der Napoleonischen Zeit noch gar nichts gefunden, weder eine Anleitung zum Egalisieren, noch eine Erwähnung in Memoiren, noch eine Anweisung, daß es überhaupt geschehen sollte.

    Irgendwann im 18. Jahrhundert, als das Bataillon aus 5 Kompanien (ohne die Grenadiere) bestand, wurden alle Männer eines preußischen Bataillons gemeinsam aufgestellt, dann in 8 Pelotons oder Züge eingeteilt, und dann die Offiziere und Unteroffiziere nach Dienstalter auf diese Pelotons aufgeteilt. Berenhorst beschreibt das irgendwo. Hier blieb also gar nichts mehr von der ursprünglichen Kompaniezugehörigkeit übrig ...

    Im Exerzier-Reglement von 1788, Erster Theil, Titul IV, Art. 4 (S. 36-43), findet sich noch eine Anweisung für das 1. 2. und 3. Bataillon Garde [No. 15] und das Bataillon von Rohdich [Grenadier-Garde-Bataillon, No. 6], die alle noch aus 6 Kompanien (einschließlich der Flügel-Grenadiere) bestehen. Sie werden in 8 Pelotons oder Züge (beide Bezeichnungen sind hier Synonyme, die Bezeichnung "Peloton" wurde aber spätstens mit dem Exerzier-Reglement von 1812 - S. 44, Anm. 1 - abgeschafft) eingeteilt (S. 39):

    Der Adjutant theilt alsdenn die Züge ab, während welcher Zeit der Commandeur des Bataillons die Officiere und Unter-Officiere eintheilt [...]
    Geändert von Sans-Souci (07.11.2006 um 11:46 Uhr)

  4. #4
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    Eine Nebenfrage zum Thema:

    Die Einteilung der Bataillone mit Ausnahme der Garde in 4 Kompanien wurde am 27. Februar 1787 bestimmt. Am 28. Februar 1799 wurde dagegen die alte Einteilung von 5 Musketier-Kompanien pro Bataillon wieder eingeführt. Am 5. Juli 1806 wurde erneut bestimmt, daß jedes Bataillon wieder nur aus 4 Kompanien bestehen sollte, das kam aber wegen des bevorstehenden Krieges nicht mehr zur Ausführung.

    Jany, in seiner Gefechtsausbildung der preußischen Infanterie von 1806, S. 23, geht davon aus, daß nach 1799 jedes Musketier-Bataillon aus 10 Zügen bestand, und widerspricht damit Höpfner (I, 55) und Lettow-Vorbeck (I, 48).

    Könnte es sein, daß Jany sich hier irrt und ab 1799 die 5 Musketier-Kompanien wieder in 8 Züge eingeteilt wurden, wie vor 1787 ? Sonst wären ja Anpassungen im Exerzier-Reglement nötig geworden. Kennt jemand Quellenbelege für oder gegen diese Hypothese ?
    Geändert von Sans-Souci (07.11.2006 um 12:05 Uhr)

  5. #5
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    bei den Engländern galt laut 1801 Reglement "The companies must be equalized in point of numbers, at all times when the battalion is formed for field movement; and could the battalions of a line also be equalised, the greatest advantages would arise; but though from the different strengths of battalions this cannot take place, yet the first requisite always must, and is indispensable". Es würde also Egalisiert, vermutlich auch bei den Preußen.

  6. #6
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    Eine Antwort zur meiner Nebenfrage:

    Aus der Instruktion des General-Lieutenats von Rüchel, d. d. Mühlhausen den 1. Oktober 1806 (abgedruckt bei Höpfner, I, S. XXI-XXV):

    [...] Deshalb also verordne ich hiermit, daß sogleich jedes Infanterie-Regiment sich auf 3 Bataillone setze.

    Das 1. Bataill. zu 3 Kompagnien in 6 Pelotons; das 2. zu 4 Komp. in 8 Pelotons, das 3. Bataill. zu 3 Komp. in 6 Pelotons. [...]
    Ich interpretiere das so, daß Rüchel nur die 10 Kompanien (= 20 Pelotons) seiner Regimenter neu auf 3 Bataillone statt wie bisher auf 2 Bataillone verteilt.

    Jeder Kompanie entsprechen also genau 2 Pelotons, ein Bataillon formierte sich also vor dieser Instruktion in 10 Pelotons.

    Der von Höpfner wiedergegebene Auszug aus der Instruktion findet sich hier:

    http://books.google.com/books?id=TdE...AJ&pg=RA1-PR21
    Geändert von Sans-Souci (28.08.2009 um 13:46 Uhr)

  7. #7
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    Ein weiteres Indiz für die Formation eines Musketier-Bataillons in 10 Pelotons ist der zehnte Punkt in Rüchels Instruktion:

    Gegen die feindliche Kavallerie aber unterläßt die Infanterie das künstliche Feuer von den 5 Pelotons, sondern deckt sich blos mit Pelotons eines oder das Andere in der Division [= zwei nebeneinanderstehende Pelotons] selbst.
    Dies ist eine Abänderung des Befehls des Königs vom 5. Oktober 1805 (s. Jany, Gefechtsausbildung, S. 50 f.), nach dem zur Abwehr von Kavallerie künftig zunächst auf das Kommando des Bataillonskommandeurs alle ungeraden Pelotons (bei 5 Kompanien zu je 2 Pelotons also insgesamt 5 Pelotons) feuern sollten, jedoch "ohne sich einander abzuwarten", und danach jeweils die beiden benachbarten Pelotons sich im Feuer abwechseln sollten.

    Diese erste - sowieso schon unordentliche - "Salve" der 5 ungeraden Pelotons entfällt also nun ganz, und es wird den Divisionen überlassen, ob und wann sie feuern - aber natürlich sicherlich auch weiterhin erst nach dem Befehl des Bataillons-Kommandeurs: "Mit Pelotons chargirt ! Bataillon fertig !".

    Vor 1805 wurde das Pelotonfeuer nacheinander ausgeführt, so daß immer nur ein Peloton auf einmal feuerte. Seit dem 7. April 1772 feuerten zunächst die ungeraden Pelotons hintereinander, dann die geraden, und dann wieder die ungeraden, usw., immer in aufsteigender Reihenfolge, also:

    1, 3, 5, 7, 2, 4, 6, 8, 1, 3 ...

    seit der Reorganisation von 1799 dann:

    1, 3, 5, 7, 9, 2, 4, 6, 8, 10, 1, 3 ...
    Geändert von Sans-Souci (29.08.2009 um 13:54 Uhr)

  8. #8
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    Zum Egalisieren findet sich in dem anonym erschienenen

    Rathgeber für den Adjutanten in den verschiedeen Dienstverhälrnissen desselben. Berlin, Posen und Bromberg 1841.

    über den Dienst des Bataillons-Adjutanten beim Exerzieren (S. 78):

    Wenn der Adjutant hinter der Front die Linie des Bataillons abgeritten ist, [von den Feldwebeln der Kompanien] die Rottenzahl empfangen und vom Commandeur den Auftrag erhalten hat, die Züge zu egalisiren, so bestimmt er den Feldwebeln, welche Compagnien und wieviel Mannschaften dieselben an andere abzugeben haben.

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