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Thema: Französische Küstenbatterie, ca 1805 -1812

  1. #11
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    Standard Zur Vervollständigung

    Zuerst die Karte.

    Bedenken wir den Ort der Handlung: die Gruppe der Iles du Frioul, südlich der Rade de Marseille. Was den Schiffsverkehr angeht haben wir den Verkehr nach Italien und Korsika der östlich an der Insel und Befestigung Château d'If vorbei geht um dann das Cap Croisette zu umrunden.Schiffsverkehr nach Spanien und aus dem Mittelmeer heraus zieht nordwestlich an der Insel Ratonneau vorbei. Da es ums Segeln geht noch die 2 « markantesten » Winde Mistral NNW und Scirocco S.

    Nach dem Gemälde von Roux würde man die Batterie an an der engsten Stelle der Durchfahrt zwischen Ratonneau und If vermuten, also unter den Ruinen des Marinehospitals de la Caroline. Die Karte zeigt uns aber eine alte Batterie auf der nördlichen Landzunge mit weit grösserem Abstand zum Château d'If. Das macht Sinn – die Geschütze von If überwachen den Ostverkehr, die Geschütze von Ratonneau den Westverkehr. Analysieren wir weiter die Position der Batterie nach Karte. Artillerieexperten werden mir wohl zustimmen dass das Placement ideal ist. Klug installierte Geschütze können eine enorme Fläche bestreichen. Mit den richtigen Traversalschlittenlafetten wäre der Richtaufwand minim und der optimale Wirkungsbereich von Küstengeschützen lediglich durch die Insel im Rücken eingeschränkt. Eine derartige « optimale « Batterie wäre nach meinem Ermessen mit einem Schanzwerk in einer Art Hufeisenform angelegt um von der Vielfalt der Bestreichungswinkel zu profitieren. Artilleristen, korrigiert mich wenn ich Irre: – was man an der Stelle als letztes errichten würde wäre eine lineare Mauer richtung If mit engen Schiessscharten - oder?
    http://www.photos-provence.fr/iles/carte-frioul.jpg
    Folgende Aufnahme zur Erklärung, weshalb ich den « Ort der Handlung » zuerst nicht einmal erkannt habe. Das Foto aus Richtung Süd beweist, dass eine Batterie am Standpunkt die das Gemälde von Roux suggeriert (unter den Ruinen von Caroline) auf einer Steilküste stehen müsste. Weiter zeigt das Foto wie Eng die Durchfahrt ist. Aus der Karte wissen wir, dass Sie nirgends hinführt – ausser man wollte die Quarantänestation (als welche Ratonneau 1805 dient) anlaufen. Deshalb meine zweite Frage – wo will er denn hin, der Yankee? Das Malheur von Bainbridge's USS Philadelphia 1804 muss jedem US-Offizier in den Knochen stecken. Weshalb wählt er das Gässchen mit Untiefen wenn die Autobahn gleich auf der anderen Seite des Château d'If liegt? Hat er Leute mit Fieber? Das wäre den Logbüchern zu entnehmen.
    http://www.photos-provence.fr/iles/panoramique2.jpg
    Nach meiner Interpretation des Gemäldes würde die dargestellte Batterie etwas Links dieser Stelle liegen. Sieht dem Gemälde nicht sehr ähnlich.
    http://www.photos-provence.fr/iles/IMG_0266.jpg
    Bei allem Respekt für das akurate Werk von Roux halte ich meine Meinung aufrecht, dass hier im interesse des Bildaufbaus geschummelt wurde. Das er sich zu damaliger Zeit nicht im Interesse der Kunst auf eine Insel begeben hat die für Seeleute mit allen erdenklichen Seuchen vorgesehen war wäre mir und wohl auch seinen Zeitgenossen verständlich. Das würde erklären weshalb die Soldaten Uniformen tragen die nicht ins Umfeld passen wollen: der Künstler hat sie bei Gelegenheit in den Strassen Marseilles angetroffen. Die Batterie mehr vom « Hörensagen » und von keinem Artilleriespezialisten dargestellt könnte dann ergeben was wir sehen.
    Keine Schande für de Künstler!

  2. #12
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    Standard Chapeau messieurs

    Klasse Diskussion dieses Bildes ... wenn ich mal wieder Luft habe, schau' ich mal ein paar Infos zu den Cannoniers Gardes-Cotes nach ... eine kleine Bitte an die Diskutanten: habt Ihr vielleicht einen Scan einer zeitgenössischen Karte der Gegend um Marseille, auf der man diese schöne Diskussion hier noch anschaulich nachverfolgen kann?

    Schöne Grüße
    Markus Stein
    "Wenn wir geboren werden, weinen wir, weil wir diese große Narrenbühne betreten" (King Lear) ... jedem also sein ganz persönliches (Hof-) Narrenleben

  3. #13
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    eine ganz andere frage, die aber vielleicht weiter fuehrt:

    ist denn bekannt, um welches schiff es sich im hintergrund/links handelt?
    scheint ja die gleiche grøsse/klasse zu sein.
    vielleicht kann man darueber næheres herauskriegen: also, wann traffen die beiden wo aufeinander oder sind die beiden gemeinsam unterwegs gewesen?

    gruss, muheijo

  4. #14
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    Serrezlesrangs; leider sind die verlinkten Bilder nicht zu sehen. Also mittlerweile ist aber dann klar, daß es sich um die Reede von Marseille handelt. Daß das Aquarell keine perspektivisch korrekte Darstellung ist, was die Installation des Bildvordergrunds angeht, ist ja relativ unwichtig. Blessons Vermutung, es handele sich hier lediglich um eine typisierte Darstellung, kann sehr wohl zutreffen - und nicht nur für technische Details, sondern auch die Lage der Batterie gelten, falls es an einer entsprechenden Stelle überhaupt eine gab. Wichtiger ist die Ile d'If, wobei man hier vom Chateau selbst nichts sieht, aber den charakteristischen Turm am nördlichen Ende der Insel - ich denke soetwas ist für das seemännische Publikum (potentielle Landmarke) wichtiger als die dekorative Batterie im Vordergrund.
    Das Bild ganz links in der 6. Reihe von oben kommt der Roux-Persektive doch recht nahe -
    http://www.photos-provence.fr/iles/frioul.html

    Was wollte Constellation zwischen der Ile de Raonneau und Ile d'If? Wahrscheinlich ankern. Wie man auf dieser schönen Karte von 1764 sieht, sind zwischen und neben den Inseln drei Stellen als Ankergrund gekennzeichnet. Die Wassertiefen sind relativ detailliert angegeben.



    Eine weniger genaue englische Karte (weniger Angaben von Wassertiefen, weniger Ankerplätze eingezeichnet) von 1801 ist insofern interessant, als sie das ganze Gebiet zwischen den Inseln als "The Road" (=Reede) bezeichnet .




    Das Schiff am linken Bildrand läßt sich kaum identifizieren. Wie auf der anfänglich verlinkten Seite erwähnt, hielt einmal jemand das Schiff im Vordergrund für Congress, das am linken Bildrand für Constellation. Die US- Fregatte links könnte, da Constellation nun doch recht sicher identifiziert scheint, theoretisch auch Congress sein (die im Linke angesprochenen zu berücksichtigenden Faktoren Broad Pennant, Ankauf der Hornet usf mal außen vor gelassen).

    Es wäre auch denkbar, daß es sich bei dem Schiff links auch um andere Ansicht von Constellation selbst handelt Es war durchaus nicht unüblich für Marinemaler, auf einem Gemälde z.B. eine Seiten- und Heckansicht ein und desselben Schiffs zu zeigen. Falls sich die gleichzeitige Anwesenheit eines amerikanischen Geschwaders von drei Schiffen in Marseille nachweisen ließe, wären diese Interpretation allerdings hinfällig.

    Zur Datierung: Angesichts der Tatsache, daß Constellation nach meinem bisherigen Wissenstand 1805-1812 aufgelegt war bzw umgebaut wurde, weiterhin daß die angeblich dort dargestellte Sloop Hornet (ich bin nicht sicher, ob nicht auch anderen Fahrzeuge in Frage kämen - da müßte ich nochmal nachschlagen) erst 1804/5 angekauft wurde, scheint das dargestellte Ereignis im Jahr 1805 festzumachen. Der mutmaßliche Tschako-Anachronismus deutet darauf hin, daß das Aquarell aber erst einige Zeit später ausgeführt wurde.

    Wie genau dieses Aquarell nach Amerika gelangte, ist mir nicht klar. Es kann wohl nicht z.B. zeitnah etwa vom Kommandanten des Schiffs beauftragt und mitgenommen worden sein, denn dann hätte man wengier Probleme bei der Identifizierung gehabt: Auf der Internetseite des Peabody Essex Museum, Salem, Massachusetts, in dem sich das Gemälde befindet, hat man es immer noch nicht als "Constellation vor Marseille" bezeichnet, sondern nach wie vor nur "American Frigate Entering a French Port". Die Identifizerung als "Constellation" ist noch jüngeren Datums, aber anscheinend mittlerweile anerkannt (z.B. in Canney, Sailing Warships of the US Navy, 2001.)
    Das PEM hatte anscheinend Interesse an den Roux' und anderen Malern des Mittelmeers, weil Amerikas Mittelmeerhandel um 1800 sehr bedeutend war. In den 1920er kaufte man zahlreiche Skizzenbücher Antoine Roux'. Möglicherweise hat man das hier interessierende Aquarell auch erst Ende des 19. oder Anfang des 20. Jahrhunderts erworben.
    Geändert von Canut (19.06.2008 um 09:51 Uhr)
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