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Thema: Beschaffung des Verbrauchsmaterials der Armeen um 1798

  1. #1
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    Standard Beschaffung des Verbrauchsmaterials der Armeen um 1798

    Beschaffung des Verbrauchsmaterials der Armeen um 1798


    Bonjour les amis,


    Bei der Erarbeitung eines Scriptkonzeptes hätte ich gerne die Meinung einiger Spezialisten. Es geht um die Versorgung der Armeen mit Verbrauchsmaterial und um Kreigsgewinnler.


    Der Romanautor denkt an das Einbinden einer Person, welche durch gute Verbindungen und konsequente Informationsbeschaffung angehende Truppenbewegungen und gar absehbare Konflikte voraussieht. Aufgrund dieser Grundinformationen kauft der Spekulant Schuhe, Decken und dergleichen auf und verschiebt diese in Aufmarschräume wo sie mit gutem Gewinn weiterverkauft werden können. Wie realistisch ist eine solche Person?


    Bei meinen Recherchen konnte ich bisher nicht viel über die primäre Materialbeschaffung finden – aus der Phase vor dem Russlandfeldzug bin ich auf einen Bericht gestossen dass stationierte Truppen der Grande Armee deutsche Bürgermeister dazu verknurrten, festgesetzte Mengen von Schuhen und Decken zu stellen. Wie diese Amtsstellen aber dann an das Material kamen ist nicht weiter erläutert. Weiter wurde ja gerade von den Revolutionsarmeen fleissig geplündert – konnte also tatsächlich gewinnbringend spekuliert werden? So gewinnbringend, dass ein kleines Nachrichtennetz irgendwo zwischen Mafia und Freimaurerloge mit Bestechungsgeldern und dergleichen noch mit Gewinn betrieben werden kann? Persönlich habe ich Zweifel.... bin aber – zur Verteidigung des Romanautoren auch auf einen Bericht über eine Affäre kurz vor der Invasion der alten Eidgenossenschaft gestossen in der zwei Händler von Schauenburg wegen kriegsgewinnlerischer Umtriebe vor Gericht gebracht wurden.


    Ich kann nirgends direkte Informationen finden wo, von wem und welches Material für die Truppen beschafft wurde. Danke für die Hilfe all jener, die bessere Quellen haben.

  2. #2
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    Sehr schöne detailierte Infos dazu gibt es zum Beispiel in diesem 2004 erschienenen Buch:

    Heinz, Elmar
    Doppelrad und Doppeladler. Die Festung Mainz zwischen Kaiser, Reich und Kurstaat im I. Koalitionskrieg (1792 - 1797)
    ISBN:3-936632-43-X

    Die Österreicher verließen sich hier zur Versorgung ihrer Truppen auf einige wenige Großlieferanten, die ihrerseits Kontrakte mit kleineren Zulieferern abschlossen. Hin und wieder wurden diese Großlieferanten mit der Bezahlung im Regen stehen gelassen, während die kleineren Zulieferer natürlich auf der fristgerechten Bezahlung bestanden - ständige Bankrottgefahr. Man brauchte gute Nerven und Glück, um Kriegsgewinnler zu werden.

    Wenn per direkter Requisition eine Stadt oder ein Dorf eine bestimmte Menge an Gütern (z. B, Schuhe) liefern sollten, so wurde das vom Bürgermeisteramt je nach Leistungsfähigkeit auf die Einwohner/Handwerker (z. B. Schuhmacher) verteilt. Eine finanzielle Entschädigung gab es fast nie, soweit ich weiß, höchstens vage Vertröstungen auf die Zukunft in Form von Quittungen ...

    Natürlich läßt sich nicht alles über einen Kamm scheren. Man muß zwischen den Vorgehensweisen der verschiedenen Armeen unterscheiden, außerdem hing es vom Kriegstheater und den jeweiligen Oberkommandierenden ab, und die angewandten Methoden konnten sich innerhalb einer Nation im Laufe der Zeit ändern.

  3. #3
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    Interessantes Thema, so aus dem Bauch: Die Beitreibungen und Kontributionen wurden von Kriegskommisären / Comissaires des Guerress veranlaßt.

    In Preußen unterstanden diese ab ca. 1812 dem Generalkriegskommissär v. Ribbentrop vom Kriegsökonomiedepartment. Einschläge Vorschriften über die Versorgung der Truppen, die Ausstattung der Kasernen, die Materialien der Monturen und Equipagen etc. waren in Ribentrops "Vorschriften und Anweisungen" fixiert. Das Einquartierungswesen als Teil der Kriegsökonomie ist im Maubillon gut beschrieben. Mehr muß ich nachschlagen.

    Soweit die Vorschriften, die Realität dürfte sehr viel härter ausgesehen haben....

    LB

  4. #4
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    Standard Je vous remercie!

    Herzlichen Dank für Ihre Meinung!

    Es wird den Schreiberling bestimmt freuen dass Sachkenner seinen Charakter nicht für absolut unrealistisch und abwegig halten. Das Projekt ist, in Romanform vom Einmarsch Brunes und Schauenburgs 1798 in die Republik Bern zu berichten. Der Kreigsgewinnler soll in der Geschichte die Funktion eines "Predigers in der Wüste" haben. Nachdem er beim Italienfeldzug gutes Geld verdient hat zählt er anhand neuer Informationen 1 und 1 zusammen. Im Interessenskonflikt zwischen einem ausgeprägten Geschäftssinn, einer Begeisterung für die Ideen liberté, égalité,fraternité und seinen Wurzeln bei den Berner Patriziern versucht der Mann, seine Landsleute diskret zu warnen. Wie die Geschichte zeigt sind die aLteingesessenen Patrizierfamilien welche Bern seit Jahrhunderten regieren schlicht nicht fähig zu sehen, dass vom langjährigen Verbündeten Frankreich Unheil droht.


    Ich werde versuchen, an dem Projekt dran zu bleiben - vielleicht ist da bisweilen Interessantes zu berichten!

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