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Thema: Notdurft der Soldaten

  1. #1
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    Standard Notdurft der Soldaten

    Darf ich dieses Thema um eine etwas heikle Facette erweitern: wie verhielt man sich denn früher beim unvermeidlichen Ausscheidungsvorgang in so engen Verhältnissen wie auf einem Schiff? Gab es da auch Regeln, dass man etwa nicht hinschaut, wenn der Herr Leutnant die Hose runterläßt?
    Wie war das denn an Land? Ich gehe davon aus, dass es eigene Offizierslatrinen gab.
    Ich hoffe, das Unterthema wirkt nicht zu abstoßend - aber es gehört doch auch zum Leben. Und in unseren Büchern findet man dazu gar nichts.

  2. #2
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    Aus Otto Freiherr von Odeleben, Napoleons Feldzug in Sachsen, 2. Auflage, Dresden 1816, S. 173 (Beschreibung von Napoleons Stab):

    Sobald Napoleon anhielt, mußten auch die Reitpferde da stehn, und 4 Chasseurs von der Spitze der Bedeckung sprangen ab, pflanzten die Bajonette auf die Karabiner, schulterten, und stellten sich in's Viereck um ihn her. Das nehmliche geschah, wenn ein natürliches Bedürfnis Se. Majestät nöthigte, ab- oder aus- zusteigen [...]
    Offiziere und Soldaten dürften es genauso gemacht haben, nur eben ohne Bedeckung.

    Von einem preußischen Offizier des Schlesischen Kürassier-Regiments gibt es eine Beschreibung (von einem seiner untergebenen Offiziere, der sich zurückgesetzt fühlte), daß er aufgrund von zu viel Alkohol mitten im Gefecht absitzen, sich hinhocken und sein Geschäft verrichten mußte (sein Bursche hielt die Zügel seines Pferdes), und beide dabei beinahe vom nachrückenden Gegner gefangengenommen worden wären.

    Wer bei so was näher hinguckte, war halt selber schuld, und sicherlich nicht gut erzogen.

  3. #3
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    Hallo,

    ich glaube, der Umgang mit natürlichen Bedürfnissen war früher weniger verkrampft als heute - da kam es schon mal vor, dass der König das Lever auf dem Leibstuhl hielt, und umgeben von Ministern und Höflingen seine Verrichtungen vornahm.

    Da fällt mir ein, es gibt in "Die Unterröcke der Revolution" eine Szene, in der Talleyrand zusammen mit seinem besten Freund Auguste de Choiseul und zwei Damen auf einem Sofa abhängt (anders kann man es nicht sagen). Irgendwann muss Choiseul mal, woraufhin ein Lakai kommt, ihm ein Porzellanschüsselchen unterhält (er steht natürlich vorher auf), man hört es eindeutig plätschern, man sieht ihn seinen Hosenladen schließen (den eigentlichen Vorgang kann man nur erahnen, da ist die Kamera diskret), und währenddessen unterhält sich die Gesellschaft angeregt weiter. Heute würde man wohl zum Pinkeln tendentiell eher aus dem Zimmer gehen, wenn man mit Freunden (noch dazu gemischtgeschlechtlichen) auf dem Sofa abhängt. Wie realistisch das jedoch ist, weiß ich nun auch nicht.

    Schönen Gruß,
    Gnlwth
    Geändert von gnlwth (23.06.2008 um 17:48 Uhr)

  4. #4
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    Werter Corporal, nur keine falsche Scham - es ist nun mal eine "elementares Bedürfnis", oder sagen wir eher Notwendigkeit, daher schon interessant.

    Auf Schiff würde ich mal pragmatisch sagen, einfach ins große Klo, natürlich auf der windabgewandten Seite - aber hierzu können die Maritimkenner sicher mehr zu äußern.

    An dieser Stelle muss ich etwas "off-topic" werden, denn eine Passage aus meinem "ersten Pynchon" (der sagenumwobene Amerikaner, der schon seit Jahren ein Geheimtipp für den Literaturnobelpreis ist und der eine mehr oder weniger anonyme Identität in NY hat) findet sich hierzu passend eine "nette Passage", zum Hintergrund: es handelt sich um eine Besatzung eines Zeppelins um 1890 und ein Mitglied der Mannschaft ist ein Hund namens Pugnax:

    Mittlerweile selbst ein alter Hase der Luftschifffahrt, hatte Pugnax wie der Rest der Mannschaft gelernt, einem "menschlichen Bedürfnis" dergestalt nachzugehen, dass er sich an die dem Wind abgekehrten Seite der Gondel verfügte, was Überraschungen unter der Bevölkerung am Boden zur Folge hatte, freilich nicht oft oder auch nur auffällig genug, als dass irgendwer den Versuch unternommen hätte, Berichte über diese urinalen Angriffe aus der Luft aufzuzeichnen oder gar zu koordinieren. Sie gingen vielmehr in das Reich der Folklore, des Aberglaubens oder vielleicht auch - wenn man den Begriff nur entsprechend weit fasst - des Religiösen ein.
    So, das musste jetzt sein ... aber sicher finden sich noch weitere Belege "on-topic"

    ... nettes Thema ...

    Markus Stein
    "Wenn wir geboren werden, weinen wir, weil wir diese große Narrenbühne betreten" (King Lear) ... jedem also sein ganz persönliches (Hof-) Narrenleben

  5. #5
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    Es gibt interessante Stiche, vor Jahren war da mal eine Sonderausstellung im Musée de Carnavalet, hier sah man eine Adelige von vorne, links und rechts 2 Kavaliere als Flankenschutz, die hinten den Roch hochhob und gegen eine Hauswand pißte, die Leute hinten auf dem Balkon haben empört oder amüsiert zugesehen, die Tuillerien Gärten waren eine beliebte Gegend um den metaboliserten Stoffwechsel auszuscheiden, in Avignon sollte die Kacke von den Dächern fliegen, usw, usw ...

  6. #6
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    Guten Morgen,

    in den öffentlich zugänglichen Gärten von Versailles soll es ja so derartig gestunken haben, dass unsereins heute wenig Lust zum Lustwandeln verspüren würde (die Aufstellung von Dixie-Klos hätte natürlich das optische Erscheinungsbild auch ein wenig getrübt).
    Aber was soll man auch von einem Zeitalter erwarten, in dem Klistiere für ein aprobates Mittel gegen alles gehalten wurde, das nicht mit Purgativen, Vomitven oder Aderlässen geheilt (?!) werden konnte...
    Wie gesagt - anscheinend war der Umgang mit Körperausscheidungen damals unverkrampfter als heute.

    Ich hoffe, dass in Avignon die Kacke von den Dächern fliegt, ist nicht wörtlich zu verstehen - nicht, weil es dann vermutlich wenig Freude machte, dort spazieren zu gehen, sondern weil ich es mir unheimlich umständlich vorstelle, jedesmal zum Kacken aufs Dach zu klettern...

    Und Markus - das war dann wohl sowas wie die Astronautenkacke, die da vor ein paar Jahren mal in der Schweiz (gefroren) herunterkam?


    Froh, heute zu leben,
    Gnlwth



    P.S. Und HK, wenn Du mir jetzt noch erklärst, wie eine Dame von hinten gegen eine Hauswand pissen kann... Damals waren die Leute offensichtlich gelenkiger als heute.
    Geändert von gnlwth (24.06.2008 um 08:25 Uhr)

  7. #7
    Avatar von Gunter
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    Zustände wie auf der love parade! Nichts neues unter der Sonne.

  8. #8
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    gnlwth - ja das muss ein Erlebnis für die Schweizer gewesen sein, sicher auch nachhaltiger in der Erinnerung als das Abschneiden bei der diesjährigen EM (sorry an unsere Schweizer Forumsschreiber)

    Ich hatte vor kurzem eine sehr nette und informative "Nachwächterführung" durch die Altstadt von Heidelberg und dort wurde an einem noch vorhandenen "Graben" zwischen zwei alten Häusern, der in späterer Zeit nicht durch eine Fassade verbaut wurde, die Notdurft in (süddeutschen?) Städten erläutert.

    In diese - sehr schmalen und mittels einer Holztür zur Hauptstrasse verschlossenen - Gänge wurde aus den Häusern gepinkelt und gesch... und nachts durften "autorisierte Dienstleister" in diese Gänge und haben die Exkremente entsorgt - dabei "wühlten" sie auch gerne in denselben, da nicht selten Münzen oder auch Schmuck durch das Herunterziehen der Hosen herabfielen.

    Diese Gänge wurden gerne auch als Abkürzungen genutzt, dabei empfahl sich aber doch ein vorsichtiger Blick nach oben ...

    Den "olfaktorischen Genuss" der damaligen Zeit durfte ich vor kurzem bei einer dringend notwendigen Pinkelpause auf einem Autobahnparkplatz in der dortigen Toilette nachempfinden - da ist ein Hühnerstall geradezu parfümiert dagegen ... von daher, ich hätte damals nicht leben wollen

    Markus Stein
    "Wenn wir geboren werden, weinen wir, weil wir diese große Narrenbühne betreten" (King Lear) ... jedem also sein ganz persönliches (Hof-) Narrenleben

  9. #9
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    ja das muss ein Erlebnis für die Schweizer gewesen sein,
    Zumal das Zeug in allen Farben des Regenbogens schillerte. Da waren die Eidgenossen schon verwundert.



    Den "olfaktorischen Genuss" der damaligen Zeit durfte ich vor kurzem bei einer dringend notwendigen Pinkelpause auf einem Autobahnparkplatz in der dortigen Toilette nachempfinden
    Auch wer - so wie ich - in seiner Jugend auf mehrtägige Heavy-Metal Festivals zu gehen pflegte, weiß, wie es ist, wenn sich mehrere tausend Menschen tagelang nicht waschen (können), die (wenigen) Klos überlaufen, und einem Nachts noch jemand ans Zelt pinkelt (zu dem man zu allem Unglück, jung und dumm wie man eben ist, den Unterboden vergessen hat mitzunehmen).

    Wie gut, heute zu leben!

    (Obwohl eine Zeitmaschine zum gelegentlichen Besuch vergangener Epochen doch schon auf meinem Wunschzettel stünde, wenn es eine solche gäbe.)

    Schönen Gruß und nun wieder Schluss mit Off-Topic,
    Gnlwth

  10. #10
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    Wenn wir schon bei Sch..geschichten sind, noch ein Schmankerl vom schönen Wien. Dort wurden bis Anfang des 19.Jhd. die "Geschäfte", welche man in einem Eimer vor die Haustüre stellte, eingesammelt und auf der Donauinsel zusammengetragen, dort anschliessend als Naturdünger verkauft.
    Es bleibt anzumerken, dass die Donau mehrmals jährlich Hochwasser führte mit der Folge, dass die Donauinsel überschwemmt wurde und sich alles bis in die flussnahen Quartiere verteilte.
    -> Das Trinkwasser wurde übrigens auch aus der Donau entnommen (das die kleinen Zuflüsse, die durch Wien flossen wurden schon von damalige Zeitgenossen als übelriechende Kloaken empfunden.

    Pfui bä.

    In Hamburg(?) gab es doch noch bis in die 2.Hälfte des 19.Jhd von der Stadt angestellte Damen, die mit Spezialeimer und grossem Umhang (mit welchem sie den "Gast" umarmten beim "Geschäft", damit niemand zukucken konnte) für Sauberkeit im öffentlichen Raum sorgen sollten. Weis aber deren Bezeichnung nicht mehr.
    Je l'ay emprins

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