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Thema: Kavallerie: Waffen, Handhabung

  1. #11
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    Nachladen im Trab geht ohne weiteres, man verschüttet zwar einbischen, ( mit übung immer weniger ) aber für einen brauchbaren Schuss genügt es allemal. ( Scharfen Schuss )
    Nachladen war aber nicht unbedingt interessant, da war man ja schon so nahe das man den Säbel nahm.

    Grüsse vom Voltigeur
    Geändert von Voltigeur (19.04.2009 um 17:33 Uhr)

  2. #12
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    Was machst du mit dem Ladestock, also Laden einer Muskete im Gehen - schon möglich aber zumindest beim Ladestock in Lauf und wieder an den Ort ist ein kurzer Stopp doch vom großem Vorteil.

  3. #13
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    Da der Ladestock der Pistole oder des Karabiners kürzer ist als der der Muskete, kann man ihn - theoretisch - leicht direkt am dicken Ende packen, mit dem kleinen Finger derselben Hand die Mündung umfassen und ihn so leicht in den Lauf stecken und weiterladen.

    Natürlich habe ich das noch nicht selber praktisch ausprobiert. Sicherlich braucht man dazu etwas Übung. Die Frage ist auch, wann es nötig sein könnte, im Trab oder gar Galopp zu laden.

    Aus dem 1812er Exerzir-Reglement für die Kavallerie der Königlich Preußischen Armee (S. 144, im vierten Abschnitt: Flankiren.):
    Um sich nicht als sicheres Ziel hinzugeben, bleiben sowohl die Flankeurs als auch die Büchsenschützen in einer fortwährenden mäßigen Bewegung in welcher auch das von neuem Laden bewirkt werden muß. [...] Das Schießen geschieht im Stillhalten, doch darf dies nur augenblicklich sein, um nicht zur Schußscheibe zu dienen.
    Man beachte den Ausdruck "mäßige Bewegung".

    Für das Verfahren bei den Preußen vor 1812 und in anderen Nationen muß man natürlich die jeweiligen Reglements konsultieren.
    Geändert von Sans-Souci (19.04.2009 um 20:43 Uhr)

  4. #14
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    "Der preussische Kavalleriedienst vor 1806" von Jany (herausgegeben 1904 vom Großen Generalstab, Kriegsgeschichtliche Abteilung II) sagt dazu:

    "Die Flankeurs machten immer zu je zweien gemeinsame Sache; sie hatten den Degen (Säbel) am Faustriemen hängen und eine Pistole aufgenommen. So ritten sie im Trabe in einer großen Acht oder in vielen kleinen Volten und hielten möglichst wenig still, vermieden auch große Zirkel, um kein sicheres Ziel zu bieten. Dabei hielten sie den Gegner fortgesetzt scharf im Auge, im günstigsten Augenblick musste geferut und dann im Weiterreiten geladen werden, worauf der begleitende Flankeur zum Schuss zu kommen suchte."

    "Im Kriege bestimmt die feindliche Kugel die Entfernung der Flankeurlinie auf 50 bis 80 Schritt."

    "In dieser Art umschwärmten die Flankeurs auch feindliche Infanterie, indem sie einzeln heranprellten, feuerten oder auch nur durch häufiges Anschlagen die Infanterie unruhig machten. Bei den geringen Schussweiten jener Zeit hatte sie diesem Verhalten wenig entgegenzusetzen. Dem Reiter aber war es möglich, aus nächster Nähe, geschlossene Massen empfindlich zu belästigen."

    "Der geübte Schütze trifft sicher nur auf 15 bis 20 Schritt."

  5. #15
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    Mit einer Pedersoli 1777er Pistole ( Logisch, Nachbau )
    stehend ( einfacher ) auf 50m mit einer Schweizer A Scheibe ( 1 mal 1m )
    war jeder Schuss ein Treffer.
    In einem Viereck von nur 20 mal 20 cm waren alle mit ihren 10 Schuss, 15 verschiedene Schützen haben das zusammen gebracht.
    Da sollte auf 50 Schritt schon einiges möglich sein, vorallem bei geschlossenen Massen wo man nicht ziehlen muss.

    Grüsse vom Voltigeur
    Geändert von Voltigeur (19.04.2009 um 22:14 Uhr)

  6. #16
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    Da besteht halt ein enormer Unterschied zwischen dem Schießstand und im Gefecht Praxis, siehe ja auch die Versuche von Scharnhorst.

  7. #17
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    Lassen wir doch weiter den preussischen Generalstab zu Wort kommen:

    Das Flankieren hatte der König wohl hauptsächlich im Auge, als er nach dem Kriege 1763 den für damalige Schußwaffen reichlich viel verlangten Befehl erließ, die Reuter sollten "sich angewöhnen, im Trab und Galopp mit Karabiner und Pistolen akkurat und nach dem Ziele zu schießen. (Instruktion 11.5.1763) Zur Zeit Friedrichs des Großen wurden bei der Kavallerie 12 Mann jeder Eskadron als Flankeurs ausgebildet.
    Auch die Karabiniers flankierten nicht nur mit den Pistolen, sondern auch mit ihrem gezogenen Karabiner; sie schossen in der Exerzierzeit wöchentlich dreimal nach der Scheibe, die vier bei jeder Eskadron auch außer der Exerzierzeit Diensttuenden den Sommer hindurch zweimal wöchentlich. Verlangt wurde, "daß sie womöglich zu Pferde auf 100 Schritt einen Mann zu treffen imstande sind."

  8. #18
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    Das sind äußerst aufschlussreiche Zitate aus den Reglèments, danke!

    Mich würde auch interessieren wie es diesbezüglich in der bayerischen Armee ausgesehen hat, da werde ich mich wohl einmal schlau machen müssen, obschon ich wohl denke dass das Prinzip recht verbreitet gewesen sein muss.

    Eure Zitate beweisen ja, dass das Schießen zu Pferde im Gefecht jedenfalls praktisch möglich und vor allem tatsächlich vorgesehen war, wenn auch wohl die Frage ist, welchen Stellenwert die Pistolen im Vergleich mit den Blankwaffen tatsächlich einnahmen.
    Après nous le déluge...

  9. #19
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    Bayern war bei der Kavallerietaktik im Prinzip nicht anders als Preußen. Mal davon abgesehen, dass vielleicht bis Ende des 18. Jahrhundert noch mehr als in Preußen geballert wurde.

    War es doch Friedrich der Große, welcher die Attacke allein mit der blanken Waffe als absolutes Muss definiert hatte, um durch Schnelligkeit maximale Schockwirkung zu erreichen.

    Die bayerischen Ulanen und Chevaulegers waren im übrigen noch im 70/71er Krieg mit Vorderladerpistolen bewaffnet. Auf Grund ihrer Kampfentfernung im Vergleich zu den modernen Infanteriegewehren waren sie jedoch mehr oder minder nutzlos. Nach dem Krieg wurden dann auch Karabiner eingeführt. Diese wurden dann jedoch nur mehr für das Gefecht zu Fuss verwendet. Der Mündungsknall der neuen rauchlosen Munition war so hoch, dass man die Pferde in der Regel nicht mehr an den Schuss vom Pferd gewöhnen konnte, zumal das taktisch auch keinen Sinn mehr machte.

  10. #20
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    "sich angewöhnen, im Trab und Galopp mit Karabiner und Pistolen akkurat und nach dem Ziele zu schießen"

    Das lässt mich ernsthaft daran zweifeln, dass Friedrich wirklich was von Kavallerie verstand. Manche seiner anderen Forderungen die Kavallerie betreffend waren genauso sinnlos.
    Da ist das sächsische Kavalleriereglement in der napoleonischen Zeit aber wesentlich realistischer, denn es bezeichnet den Karabiner als Angriffswaffe, die Pistolen als reine Verteidigungswaffe. Im Grunde galt beim Angriff aber nur der Säbel als entscheidend. Es ist ja auch kein Zufall, das in mehreren Armeen die Kavalleristen nur noch je eine Pistole bekamen. Völlig ausreichend zum Lärmschlagen, sonst aber kaum brauchbar.

    Grüße,

    Gunter

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