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Thema: Psychologie bzw. Psychopathologie Napoleon Bonaparte

  1. #11
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    Napoleon Gegner? Ich doch nicht, als kritischer Betrachter wohl schon eher, vor allem muß man sich hüten die Schleimspur der Napoleon Propaganda zu folgen, aber brauch ich dazu eine psychologische Betrachtung? Da ist es doch eben viel interessanter, wie ist es damals abgelaufen und wie wurde es soweit verdreht dass die Nachwelt auf eine ersatzreligiöse Heldenverehrung abfährt?
    Schöne Beispiele dazu sind eben Bernadotte - der angebliche Verräter - oder die offizielle napoleonische Sicht von Marengo -

  2. #12
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    Da liegen wir doch nicht mehr weit auseinander - denn das "Verdrehen" bzw. die Legendenbildung ist ja schon die "psychologische Komponente", also warum hat Napoleon es so dargestellt (Geltungsbedürfnis aus einem, Minderwertigkeitskomplex heraus?) und nicht anders. Übrigens ist diese Deutungshoheit der Geschichte nicht unbedingt nur Napoleon anzulasten, denn ich denke, auch Cäsar hat schon gewußt, wie er für die Nachwelt seine Erorberungsfeldzüge aufbereitet.

    Ein weiterer Aspekt, warum die Psychologie Napoleons interessant erscheinen mag, ist doch, dass sich erstaunlich viele Menschen für seinen Charakter (siehe einige Diskussionen in den Foren), seine Beweggründe, ja auch für seine Affären und sein Verhältnis zu den Frauen interessieren.

    Also, Leser(innen) für ein Psychogramm Napoleons gäbe es genügend.

    Schöne Grüße ins Fränkische
    Markus Stein

  3. #13
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    Warum schreibe ich hier eine Antwort ? Was bin ich nun ? Hilfe ich muss mich analysieren lassen

  4. #14
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    Zitat Zitat von HKDW Beitrag anzeigen
    Warum schreibe ich hier eine Antwort ? Was bin ich nun ? Hilfe ich muss mich analysieren lassen


    Komm, lass Dich analysieren ... am Besten bei einem oder mehreren

  5. #15
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    Genau - in vino veritas

  6. #16
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    Genau - in vino veritas

    Müßtes es angesichts der Smilies nicht heißen IN PIVO VERITAS ?
    Jörg

  7. #17
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    Zitat Zitat von joerg.scheibe Beitrag anzeigen
    Genau - in vino veritas

    Müßtes es angesichts der Smilies nicht heißen IN PIVO VERITAS ?
    Jörg
    Wieso? Ist Euch denn die CERVISIA ausgegangen???
    Gruß
    Mephisto

    "Es sind zwey Formeln, in denen sich die sämmtliche Opposition gegen Napoleon befassen und aussprechen lässt,
    nämlich Afterredung (aus Besserwissenwollen) und Hypochondrie." Goethe 1807

  8. #18
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    Guten Tag,


    um nochmal auf das Ausgangsposting zurückzukommen, und auf den Hernn Edmund Bergler: Auf der Suche nach den von Markus zitierten Artikeln bin ich bei http://www.talleyrand.org auf folgende Aussage gestoßen:

    Deux essais de Edmund Bergler, " Talleyrand. Ein Beitrag zur Psychologie des Zynikers ", et " Napoleon und Talleyrand. Ein Beitrag zur weltgeschichtlichen Wirkung des unbewubten Strafbedürfnisses ", dans Talleyrand. Napoleon. Stendhal. Grabbe. Psychoanalytisch-biographische Essays (Vienna, 1935), sont fondés sur des affirmations historiques incorrectes et une compréhension imparfaite de la période.

    Also Vorsicht mit dem Herrn Bergler und seinen Essays.

    Schönen Gruß und frohe Weihnachten,
    Gnlwth

  9. #19
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    Guten Abend,

    nun antworte ich mal auf diesen bereits drei Jahre alten Thread - der Grund dafür ist, dass ich das diskutierte Werk von Dr. Edmund Bergler, Talleyrand - Napoleon - Stendhal - Grabbe -- Psychoanalytisch-biographische Essays, seit heute besitze, und die beiden Essays über Talleyrand und Napoleon und Talleyrand jetzt selbst gelesen habe. Mein Urteil: Puh. Ich glaube, diese Einschätzung "sont fondés sur des affirmations historiques incorrectes et une compréhension imparfaite de la période", trifft die Sache sehr genau. Inwiefern Psychoanalyse an sich richtig, oder besser gesagt, ein angemessenes Werkzeug zum Verständnis der Motive und Handlungen von Menschen sein kann (und das ob aus dem Abstand von mehr als hundert Jahren), kann ich überhaupt nicht beurteilen; verstörend finde ich, dass alles, wirklich alles auf die Beziehung zu Mutter und Vater zurückgeführt wird.

    Vielleicht finde ich die Zeit, die beiden Essays zusammenzufassen und hier zu posten. Ein Vorgeschmack: Nach 25 Seiten kommt Dr. Bergler etwa zu folgendem Schluss:

    "Wollte man bei Talleyrand eine Diagnose stellen, könnte man sagen: er war ein passiv-femininer, unbewusst homosexueller, sehr narzistischer Neurotiker mit den für diesen Typus typischen lauernd-hinterlistig-rachsüchtig-boshaft-"zynischen" Attituden, wobei hinter seiner zur Schau getragenen Aggression und Selbstsicherheit viel Kindheitsenttäuschung, -verbitterung und Kastrationsangst verborgen war. Atypisch wäre bloß seine Über-Ich-Beschwichtigung nach dem Mechanismus der "Ausnahmen", [...]"


    Nun ja.

    Napoleon hat natürlich einen Ödipuskomplex und personifiziert Talleyrand mit

    1.) dem geliebten Gönner (=Marbeuf)
    2.) der Vater-Imago, die den Vatermord billigt, inspiriert und organisiert (=Marbeuf)
    3.) dem gehassten Vater als Objekt infantiler Rachetendenzen (=Marbeuf)

    Und der Knüller: Der Bruder desjenigen Marbeufs, der Napoleons Mutter zwar nicht verführt hat, sie aber (mit Billigung des Vaters) hätte verführen können (!) (und daher die Wurzel allen Übels ist) ist nun ausgerechnet jener Bischof von Autun, dem der Abbé de Périgord nachgefolgt war... Wenn das keine Aufforderung zum Völkermord ist!

    Apropos infantiler Tendenzen (jesweglicher Art): Dass Talleyrand Catherine Grand geheiratet hat, liegt nicht nur daran, dass sie ihm ähnlich sah (Narzissmus), oder dass es eine Rache an seiner eigenen Mutter war (weil die natürlich erwartungsgemäß entsetzt war), sondern dass es sich dabei um eine "Rettungsidee der Dirne" handelt, wobei mit der Dirne die Mutter identifiziert wird (aha? Warum?). Auch andere seiner (doch durch und durch positiven und tatsächlich selbstlosen) Handlungen, wie etwa die Petition zur Stellung der bretonischen Fischersfrauen, deren Männer nicht mehr zurückgekommen sind, oder die Eingabe zur bürgerlichen Gleichstellung der Juden, wird auf eine "infantile Rettungsfantasie" zurückgeführt, die nur wieder irgend etwas mit der Mutter zu tun hat.

    Jetzt weiß ich natürlich nicht, ob das das Wesen der Psychoanalyse ist: Dass man nichts tun (oder lassen) kann, ohne dass ein Zusammenhang zu der Beziehung zu den Eltern, dem Lustprinzip, oder irgendwelchen infantilen Trieben hergestellt wird (alles hängt irgendwie miteinander zusammen: bei Napoleon: Korsika, die Mutter=das Vaterland, der Vater, Marbeuf=Talleyrand),... oder ob Edmund Bergler da einige Dinge wirklich überhaupt nicht in Betracht gezogen hat (nicht in Betracht hatte ziehen können, da er seine "Patienten" nicht persönlich kannte, die Zeit nicht kannte, und ihm auch die Quellen gar nicht zugänglich waren (im Fall von Talleyrand bezieht er sich im Wesentlichen auf dessen Memoiren und die (nicht übermäßig positive) Biographie von Fritz Blei (von 1934) - und ob der Herr Bergler nicht da eine sehr persönliche Ansicht gewisser Dinge mit hineingemischt hat.

    Wie auch immer, interessant ist es auf jeden Fall, das mal zu lesen, und vieles, was der Herr Bergler schreibt, ist auch nicht nur nicht abwegig (natürlich hatte sowohl Talleyrand als auch Napoleon ganz gehörig einen an der Klatsche, und natürlich kam vieles davon aus der Kindheit/der Beziehung zu den Eltern) - viele Paradigmen aus der Psychoanalyse sind uns ja heute so geläufig, dass man sie gar nicht mehr als etwas Besonderes erkennt, und beim Lesen nur noch beifällig nicken kann - aber manche Dinge geben einem dann doch zu denken (beziehungsweise: auf die Idee wäre ich jetzt wirklich nicht gekommen, aber ja: klingt plausibel. Zum Beispiel:

    "Wie sehr Napoleon seine eigene Jugend verdrängt hatte, beweist die Tatsache, dass er die nationale Bewegung in Spanien nicht verstand, obwohl er selbst an der korsischen teilgenommen hatte."

    Ja, stimmt: Wie konnte sich eigentlich jemand, der einen quasi mit Guerrillamethoden geführten Freiheitskampf in seiner Kindheit nicht nur miterlebt, sondern sich ja auch irgendwie damit identifiziert hatte, so dermaßen verschätzen?

    Nun ja, also der Herr Dr. Edmund Bergler schrieb das alles ja nun 1935, seine Quellen waren begrenzt, ob die Psychoanalyse so das Wahre ist, kann ich nicht sagen, und ob man historische Persönlichkeiten post mortem (und aus dem Abstand von Raum und Zeit und Kultur heraus) analysieren kann, ist doch sehr die Frage. Aber spannend ist es schon - zumindest regt es zum Nachdenken an, und das ist doch schon mal was!

    Einen wundervollen guten Abend,
    Gnlwth
    Geändert von gnlwth (06.12.2009 um 00:01 Uhr)

  10. #20
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    Zitat Zitat von gnlwth Beitrag anzeigen
    natürlich hatte sowohl Talleyrand als auch Napoleon ganz gehörig einen an der Klatsche
    Danke für diese ersten Eindrücke der Lektüre einer Seance, wollte natürlich meinen Analyse der beiden Herren. Habe mich mal wieder an Deinem wunderbaren Stil erfreut

    Natürlich würde ich mich über mehr Aussagen, gerne auch über Napoleon, freuen ... also nur mehr davon!

    Bergler hört sich nach einem echten Freudianer an, ich denke, die Psychoanalyse hat sich heute doch etwas weiter entwickelt - aber wie Du richtig sagst, ist es äußerst schwierig, ohne direkter Kommunikation "auf der Couch" treffsichere Aussagen über die Persönlichkeit zu äußern. Man kann sich daher nur indirekt über die Memoiren von Zeitgenossen dem "Inneren" nähern.

    Schöne Grüße nach München
    Markus Stein
    "Wenn wir geboren werden, weinen wir, weil wir diese große Narrenbühne betreten" (King Lear) ... jedem also sein ganz persönliches (Hof-) Narrenleben

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