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Thema: Linksrheinische Soldaten in der französischen Linieninfanterie

  1. #1
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    Standard Linksrheinische Soldaten in der französischen Linieninfanterie

    Guten Abend allerseits,
    ich bin ganz neu im Forum und möchte euch grüßen! Mein Interesse gilt vor allem französischen Linieninfanterieregimentern, in welchen Deutsche aus den beiden zu Frankreich gehörenden linksrheinischen Departements dienten. Fürs Reenactment möchte ich mir eine entsprechende Uniform - wahrscheinlich eines Füsiliers - anfertigen lassen. Ich bin auf der Suche nach passenden Regimentern, Zeitraum 1800 bis 1813, insbesondere zwischen 1800 und 1809. Gibt es hierzu Dokumentationen und Unterlagen, ggf. sogar mit der Angabe, aus welchen linksrheinischen Gemeinden Angehörige eines entsprechenden Regiments stammten? Mich würden hier vor allem Mainz, Bingen am Rhein, Bonn und Meckenheim im Rheinland interessieren.
    Viele Grüße
    fusilier

  2. #2
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    Standard Röhrig u.a.

    Johann Jakob Röhrig (aus dem Hunsrück) wurde z.B. 1812 Soldat in der 80. Kohorte (Nationalgarde), 1813 in III. Batl./150. IR umgewandelt, siehe

    Röhrig, K. Unter der Fahne des ersten Napoleon : Jugendgeschichte des Hunsrücker Dorfschullehrers Johann Jakob Röhrig, von ihm selbst erzählt. Altenburg : Stephan Geibel Verlag, 1908

    Weitere dt.-franz. Veteranenerinnerungen mit anderen Regimentsangaben (darunter ein Infanterist, der als Schiffssoldat an der Schlacht von Trafalgar teilnahm!) findet man in

    Kermann. Pfälzer unter Napoleons Fahnen : Veteranen erinnern sich. Sonderdruck des Historischen Vereins Neustadt, 1989

    oder hier ein Pontonnier

    Lehr, E., Lehr, H. Ein Mainzer in Napoleons Diensten Das Leben von Johann 'Jean' Moritz : 1785-1837 : Tagebuch - Briefe - Mainzer Skizzen. Mainz: Bonewitz Communication, 2007

    Beste Grüße, Tom

  3. #3
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    Standard

    Hallo fusilier,

    Literatur gibt es da mehr als genug.
    Ein Besuch im Mainzer Stadtarchiv und auf dem Mainzer oder Binger Friedhof hätte Dir Deine Frage schon beantwortet.
    Die Veteranensteine bzw. Napoleonsteine auf den Rheinhessischen Friedhöfen beantworten ebenso Deine Fragen.

    Im Stadtarchiv Mainz kannst Du Dir das Verzeichnis aller Veteranen, mit Einsatzort, Regiment etc. ansehen.


    Grüße,
    lachaussee

  4. #4
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    Oh, da kann ich dir vielleicht helfen.
    In Westhofen (zwischen Mainz und Worms) steht ein Gedenkstein auf dem die Heimkehrer des Russlandfeldzug ihre gefallenen Kameraden der Altrheingemeinden auflisten.
    Die entsprechenden Regimenter sind dort ebenfalls eingetragen.
    Das reicht von mehreren Linienregimentern über Husaren, Kürassiere bis hin zur jungen Kaisergarde.
    Die haben (wohl weil die linksrheinische Seite zu Frankreich "gehörte") eigentlich in allen möglichen Regimentern gedient.
    Ich habe mit meinem Handy den Stein mal fotografiert aber noch nicht nachgeschaut ob die Bilder leserlich waren.
    hab eben mal nachgeschaut, das meiste ist nichtleserlich aber hier ein paar Gefallene (die Namen kann ich schlecht entziffern doch die Regimenter gehen).

    15. Linie
    16. Linie
    54. Linie
    Chasseurs a Cheval
    149 (?) Linie
    13. Dragoner Brigade
    13. Bat. (hier steht ein Wort das ich nicht lesen lann) dÀrtillerie
    13.Linie
    7. Linie
    5.Linie
    17.Linie
    7 Bat. d`Artillerie
    8. " "
    2. Bat. de la youne garde

    Ich werde aber demnächst neue Bilder mit meinem Foto machen und die Namen, Dienstränge und Regimenter auflisten da die Schriften schon zum Teil stark verwittert sind
    Geändert von jokl (20.09.2009 um 12:39 Uhr)

  5. #5
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    Standard Danke!

    Guten Abend,

    herzlichen Dank für die Hinweise und speziell an Jokl für das Nachschauen vor Ort! Ich hätte nicht gedacht, dass die Gedenksteine doch (noch) so zahlreich zu finden sind.

    Viele Grüße
    fusilier

  6. #6
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    Standard Napoleonstein in Bingen

    Guten Abend,

    wohnt vielleicht jemand aus dem Forum in Bingen am Rhein, der 'mal schauen könnte, welche Infanterie-Regimenter auf dem Napoleonstein auf dem Zentralfriedhof in Bingen genannt sind, vielleicht auch mit den Namen der Soldaten und zeitlichen Angaben?

    Besten Dank vom fusilier (und Ex-Binger)

  7. #7
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    Hallo Füsilier,
    aus Rüngsdorf bei Bonn wurde 1811 Heinrich Raaf zum Militärdienst verpflichtet.
    Er zog mit den anderen Verplichteten über Andernach,Koblenz,Boppard,Oberwesel,Bacharach,Bing en,Mainz,Guntersblum,
    Worms,Speyer,Landau,Hagenau,Straßburg,Erstein,Schl ettstadt,Kolmar und Belfort nach Genf.
    Dort wurde er zum 23.Linieninfanterie Regiment gesteckt und gehörte zur 3.Kompanie des 4.Bataillons.
    Seine Erlebnisse im französisch-spanischen Kriege 1811-1815 wurden 1845 von seinem Enkel nach Diktat niedergeschrieben.
    Veröffentlicht wurden sie 1925 in einer Beilage "Unsere Heimat" der Godesberger Volkszeitung. 1998 wurden sie in der Sammlerzeitschrift " Rheinzinn" der Klio Landesgruppe Rheinland Süd nochmal publiziert.

  8. #8
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    Standard Danke!

    Hallo Tino,

    herzlichen Dank für die Infos!

    Viele Grüße
    fusilier

  9. #9
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    Zwischenzeitlich habe ich die Gedenksteine ("Napoleonsteine") mit den Namen von deutschen Veteranen aus der napoleonischen Armee in Mainz (Hauptfriedhof), Bingen (Alter Friedhof), Mainz-Gonsenheim (Pfarrer-Grimm-Anlage), Mainz-Hechtsheim (Am Muckenberg, Kirchhof), Ober-Olm (Martinsplatz, Kirchhof) und Westhofen (mit Bezug auf Westhofen und die umliegenden Gemeinden, Am Markt) besucht. In den folgenden Regimentern haben häufiger Deutsche aus den damals zu Frankreich gehörenden linksrheinischen - hier speziell rheinhessischen - Gebieten Dienst getan (In Klammern steht die Anzahl der auf den Gedenksteinen genannten rheinhessischen Soldaten bis Geburtsjahr 1790, zusammengenommen für alle Denkmäler - ohne Gewähr, dass ich mich nicht verzählt habe, manche Angaben sind auch nicht mehr so leserlich):

    2. (6)
    3. (5)
    5. (5)
    16. (27 !)
    30. (4)
    34. (3)
    36. (3)
    39. (4)
    40. (6)
    50. (7, eine Angabe bezieht sich auf die 50. Halbbrigade)
    51. (6)
    61. (4)
    95. (3)
    117. (8)
    130. (3)
    149. (8)

    Jeweils bis zu zwei rheinhessische Soldaten, deren Namen auf den Gedenksteinen zu lesen sind, waren Angehörige der folgenden französischen Infanterieregimenter der Linie: 4. 6. 7. 8. 13. 15. 17. 18. 19. 21. 24. 26. 27. 28. 29. 31. 33. 35. 37. 44. 45. 46. 48. 49. 52. 54. 60. 64. 65. 69. 86. 102. 105. 114. 120. 122. 127. 146. 150. 152. 154.

    Einige Anmerkungen:
    Daniel Weber tat als Grenadier 8 1/2 Jahre Dienst im 36. Linieninfanterieregiment, Fr. Jos. Herter als Voltigeur für 7 1/2 Jahre im 120., Peter Adam Kappes als Grenadier für 7 1/2 Jahre im 117., Joseph Pabst als Sergent der Voltigeure für 7 Jahre im 40. (alle Gedenkstein Bingen). Ein Gonsenheimer Soldat des 16. fiel in der Seeschlacht von Trafalgar.

    Zuweilen ist es wohl auch denkbar, wenn man einige Namen auf dem Mainzer Gedenkstein liest, dass mancher französische Soldat beispielsweise nach Ende seiner Dienstzeit in seiner früheren Garnisonstadt Mainz (oder aufgrund einer Verwundung am Standort des Lazaretts) blieb.

    Natürlich sind deutsche Veteranen Napoleons auch aus vielen weiteren französischen Einheiten unterschiedlicher Waffengattungen und aus späteren Geburtsjahrgängen auf den Gedenksteinen zu finden. Hierzu gehört auch die Alte Garde einschl. Grenadiere zu Fuß und zu Pferde, Junge Garde und Gardedragoner; ein Mainzer Veteran gehörte den Mameluken an, ein anderer den Pupillen der Garde, ein weiterer war Chirurg bei der leichten Infanterie, ein ehemaliger Hechtsheimer Soldat war Sapeur im 2. Regiment der Grenadiere der Alten Garde. Ebenso sind Angehörige der leichten Infanterie und des Trains, Jäger zu Pferde, Kürassiere, Hussaren, Pioniere, Artilleristen (einschl. der Marine) Regimentsmusiker und frühere Soldaten weiterer französischer Truppenteile genannt. Die Dienstgrade reichen vom einfachen Soldaten bis zum Capitaine.

    Ein anderer mir bekannter Gedenkstein von deutschen Veteranen in Rheinhessen befindet sich in Eimsheim (Alter Friedhof, Verbandsgemeinde Guntersblum). Allerdings sind die verwendeten eingedeutschten Abkürzungen für die französischen Truppenteile für mich nicht immer eindeutig, so dass ich dessen Angaben hier nicht berücksichtigt habe.

    Nicht zu vergessen die vielen Soldaten, die auf den napoleonischen Feldzügen fielen und an die ihre heimgekehrten Kameraden mit den Gedenksteinen erinnern wollten ...
    Geändert von fusilier (03.06.2010 um 23:59 Uhr)

  10. #10
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    Außerdem weiß ich noch von dem "Napoleonstein" in Koblenz. Die Namen der auf diesem Denkmal genannten Soldaten wurden veröffentlicht (Westdeutsche Gesellschaft für Familienkunde e.V., Bezirksgruppe Mittelrhein, Sitz Koblenz, Rundbrief Nr. 23, Dezember 2001, S. 3-9).

    Die Namen sehr vieler gefallener deutscher Soldaten in der napoleonischen Armee und Informationen zu deren Einheiten finden sich auch in den sicherlich vielen Forumsmitgliedern bekannten Listen des Leutnant Heinrich Meier: Listen des Ltnt. Meyer - Rheinland und Westfalen: In Rußland vermisste aus Rheinland und Westfalen nebst angrenzenden Gebieten in Napoleons "Großer Armee" 1812-1813, 3326 Namen nach amtlichen Listen zusammengestellt von Franz Overkott, Verlag Degener & Co. 1963, sowie in: Die in französischen und westphälischen Kriegsdiensten gestandenen, nach Rußland gegangenen und von dort nicht wieder zurückgekehrten Soldaten aus dem Amt Zeven, und deren namentliche Auflistung durch Leutnant Meyer. Diese Quellen wurden im Internet veröffentlicht (im Rahmen des Onlineprojekts Gefallenendenkmäler, 7231 Town Court South Lawrenceville, NJ 08648 USA, Redaktion: Thilo C. Agthe). Es handelt sich um die offizielle Klärung des Verbleibs der nicht heimgekehrten Soldaten aus den Gebieten, die nach der französischen Zeit an Preußen fielen. Hierzu gehören beispielsweise auch Gemeinden aus dem Mittelrheintal zwischen Bingen und Koblenz, aus dem Bonner Raum oder aus der angrenzenden Voreifel.


    Falls jemand Standorte noch anderer Gedenksteine mit den Namen napoleonischer Veteranen kennt, bitte bei mir melden !
    Geändert von fusilier (04.06.2010 um 00:48 Uhr)

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