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Thema: Napoleon and Love (BBC/Thames Television 1974) neu auf DVD

  1. #11
    Irene Hartlmayr ist offline Erfahrener Benutzer Capitaine
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    Standard Serie

    Zitat Zitat von Marie Beitrag anzeigen
    Liebe Irene,
    ich bin zwar nicht gnlwth, antworte aber trotzdem mal Du kannst die Serie bei amazon kaufen. Einfach 'napoleon and love' eingeben und dann kommen die Verkäufer.
    Alles andere wurde dazu schon gesagt. Ich denke, man muss es sehen, um zu verstehen wo die Faszination liegt. Ich kann gnlwth nur zustimmen: Großaritge Leistung, die Charaktere bringen das rüber, was sie sollen und man vergisst bald, dass die Ausstattung 'naja' ist.
    Ich bin auch begeister von Ian Holmes, obwohl ich da mehr als skeptisch war - aber er gibt Napoleon auf eine Art, wie ich es noch nie vorher gesehen habe und es ist glaubwürdig! Mir gefallen auch die Damen - hübsch und dumm. Das war schon immer mein Eindruck von Napoleons Frauengeschmack (Es gab auch Ausnahmen, aber en gros...)
    Fazit: Auch ich mochte die Serie und bin froh sie angeschafft zu haben (was man von einigen anderen Verfilmungen nicht behaupten kann...)
    Liebe Marie!
    Danke für Deine Antwort,werde mir die Serie beschaffen.
    Was Napoleons Frauengeschmack anbelangt,bin ich da nicht so ganz derselben Ansicht.
    Ich glaube,die Behauptung dass er nicht allzu intelligente Frauen bevorzugte,ge-
    hört auch in die Verleumdungskiste. Er mochte intrigante und allzu intellektuelle
    Frauen nicht,vor allem dann nicht,wenn sie sich in die Politik einmischten-obwohl
    er hier auch großzügig sein konnte,insofern als er deren Wert einsehen konnte.
    Mme de Stael konnte er bekanntlich nicht ausstehen,aber wusste um ihren Wert
    und fürchtete eben deshalb ihren Einfluss in Paris.Er hat sie dann auch noch auf
    St. Helena gewürdigt,trotz Abneigung.
    Er hat sich gerne mit Mme de Remusat,Hofdame von Josephine,unterhalten-die war sehr gescheit und intellektuell- wofür sie ihm mit giftigen Memoiren gedankt hat.
    Auf gut aussehende,charmante und weibliche Frauen legte er Wert;besonders wenn sie dann auch noch gute Mütter und solide Ehefrauen waren.DAS war dem
    Korsen in ihm wichtig!
    Ich glaube,er hat auf Intelligenz bei Frauen sehr wohl Wert gelegt,besonders wenn sie ihm Verständnis entgegengebracht haben.Aber auch so.
    Seine Mutter war intelligent,Marie Walewska war intelligent,Betsy Balcombe
    war intelligent,und noch einige mehr.Hortense ebenso.
    Ich wette,dass er Mme Curie mit dem größten Respekt betrachtet und behandelt hätte!!!
    Vielleicht interessieren Dich ein paar Literaturangaben zu diesem Thema:
    Theo Fleischmann: Napoleon et Les Femmes. Fleischmann war Chef der belgischen Napoleongesellschaft,das Buch stammt aus den Fünfziger Jahren,
    sicher kann man von irgendwoher eine Kopie oder PDF bekommen.
    Sehr aufschlussreich finde ich das Memoirenfragment,das Mme de Montholon hinterlassen hat,das bekommt man sicher auch über eine Bibliothek.
    Gut sind auch die Bücher von Paul und Gertrude Aretz,die findet man noch oft
    in Antiquariaten.
    Sehr interessant,die Memoiren von der Gräfin von Kielmansegge,die man auch noch öfters in Antiquariaten findet.

    Viele Grüsse,IRENE.

  2. #12
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    Standard

    Liebe Irene,


    Zitat Zitat von Irene Hartlmayr Beitrag anzeigen
    Liebe Gnlwth,
    Du hast doch sicher das Buch von Waresquiel über Talleyrand,gilt es doch derzeit als das Standardwerk dazu. Waresquiel behauptet darin,dass diese Beschimpfung nie stattgefunden hat.Was sagst Du dazu??
    Ja, Waresquiel sagt, "Napoleon n'a sans doute pas prononcé l'ultime injure*, mais il y a pensé."

    *"Vous n'êtes que de la merde dans un bas de soie."

    Da ich selbst nicht dabei war, habe ich natürlich keine Ahnung, was wirklich gesagt wurde, und was hinterher dazu gedichtet wurde (Waresquiel schreibt ja auch noch hinten in den Anmerkungen, dass derselbe (oder sehr ähnliche) Ausspruch auch anderen zugeschrieben wurde). Talleyrand und Napoleon waren ja nicht allein, es waren ja noch einige andere anwesend (laut Waresquiel Cambacérès, Lebrun, Gaudin, Decrès und Fouché) - wer von denen hinterher was erzählt hat, und wie sich das dann Stille-Post-artig verbreitet hat... wer weiß das schon.
    Aber: auch ohne "merde dans un bas de soie" war die Beschimpfung sicher nicht sehr angenehm - was auch immer ganz genau gesagt wurde, erfreulich war es jedenfalls nicht.

    Zitat Zitat von Irene Hartlmayr Beitrag anzeigen
    Was die Serie "N. In Love" betrifft, [...]
    ...hat ja Marie schon alles gesagt. Ja, ich mag sowas, vor allem, wenn es eben so ein bisschen montypythonhaft ist. Wenn Du es Dir mal ansiehst, kannst Du vielleicht nachempfinden, was daran gut ist. Es dauert aber eine Weile, bis man es versteht, glaube ich, man muss sich ein bisschen darauf einlassen. Wie gesagt, es geht um die Schauspieler und das, was sie transportieren, nicht um historische Kostüme oder so.

    Viele Grüße,
    Gnlwth


    P.S. Waresquiel weiß aber natürlich auch nicht, was Napoleon wirklich gesagt hat, und ob er es zwar nicht gesagt, aber sehr wohl gedacht hat.
    Geändert von gnlwth (21.04.2013 um 10:30 Uhr)

  3. #13
    Irene Hartlmayr ist offline Erfahrener Benutzer Capitaine
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    Standard Waresquiel

    Zitat Zitat von gnlwth Beitrag anzeigen
    Liebe Irene,




    Ja, Waresquiel sagt, "Napoleon n'a sans doute pas prononcé l'ultime injure*, mais il y a pensé."

    *"Vous n'êtes que de la merde dans un bas de soie."

    Da ich selbst nicht dabei war, habe ich natürlich keine Ahnung, was wirklich gesagt wurde, und was hinterher dazu gedichtet wurde (Waresquiel schreibt ja auch noch hinten in den Anmerkungen, dass derselbe (oder sehr ähnliche) Ausspruch auch anderen zugeschrieben wurde). Talleyrand und Napoleon waren ja nicht allein, es waren ja noch einige andere anwesend (laut Waresquiel Cambacérès, Lebrun, Gaudin, Decrès und Fouché) - wer von denen hinterher was erzählt hat, und wie sich das dann Stille-Post-artig verbreitet hat... wer weiß das schon.
    Aber: auch ohne "merde dans un bas de soie" war die Beschimpfung sicher nicht sehr angenehm - was auch immer ganz genau gesagt wurde, erfreulich war es jedenfalls nicht.



    ...hat ja Marie schon alles gesagt. Ja, ich mag sowas, vor allem, wenn es eben so ein bisschen montypythonhaft ist. Wenn Du es Dir mal ansiehst, kannst Du vielleicht nachempfinden, was daran gut ist. Es dauert aber eine Weile, bis man es versteht, glaube ich, man muss sich ein bisschen darauf einlassen. Wie gesagt, es geht um die Schauspieler und das, was sie transportieren, nicht um historische Kostüme oder so.

    Viele Grüße,
    Gnlwth


    P.S. Waresquiel weiß aber natürlich auch nicht, was Napoleon wirklich gesagt hat, und ob er es zwar nicht gesagt, aber sehr wohl gedacht hat.
    Ja,das ist ja das Kreuz mit Zeugenaussagen und Überlieferungen. Ich habe mich
    auch gewundert wieso Waresquiel das behauptet,es widerspricht ja der üblichen Überlieferung.Ich werde einmal bei den angegebenen Zeugen nachsehen,was die dazu sagen.
    Andererseits wird ja Napoleon von vielen verleumdet,da ist die Möglichkeit groß
    dass man ihm alles Mögliche andichtet.
    Schließlich wäre der Zorn von N. verständlich,er war gerade in Eile aus Spanien
    zurückgekehrt: Österreich ist gegen ihn vorgegangen( gerade auch wegen Infos von Talleyrand),Fouche und T. , mitsamt Murat und seiner eigenen lieben Schwester Caroline , haben gegen ihn intrigiert und über eine "Nachfolge " ver-
    handelt,ohne besonderen Anlass.Man denke,was ein Diktator des 20ten Jahrhunderts da getan hätte!!! Eine Beschimpfung ist da noch relativ harmlos.

    Viele Grüsse,IRENE.

  4. #14
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    Zitat Zitat von Irene Hartlmayr Beitrag anzeigen
    Liebe Marie!
    Danke für Deine Antwort,werde mir die Serie beschaffen.
    Was Napoleons Frauengeschmack anbelangt,bin ich da nicht so ganz derselben Ansicht.
    Ich glaube,die Behauptung dass er nicht allzu intelligente Frauen bevorzugte,ge-
    hört auch in die Verleumdungskiste. Er mochte intrigante und allzu intellektuelle
    Frauen nicht,vor allem dann nicht,wenn sie sich in die Politik einmischten-obwohl
    er hier auch großzügig sein konnte,insofern als er deren Wert einsehen konnte.
    Mme de Stael konnte er bekanntlich nicht ausstehen,aber wusste um ihren Wert
    und fürchtete eben deshalb ihren Einfluss in Paris.Er hat sie dann auch noch auf
    St. Helena gewürdigt,trotz Abneigung.
    Er hat sich gerne mit Mme de Remusat,Hofdame von Josephine,unterhalten-die war sehr gescheit und intellektuell- wofür sie ihm mit giftigen Memoiren gedankt hat.
    Auf gut aussehende,charmante und weibliche Frauen legte er Wert;besonders wenn sie dann auch noch gute Mütter und solide Ehefrauen waren.DAS war dem
    Korsen in ihm wichtig!
    Ich glaube,er hat auf Intelligenz bei Frauen sehr wohl Wert gelegt,besonders wenn sie ihm Verständnis entgegengebracht haben.Aber auch so.
    Seine Mutter war intelligent,Marie Walewska war intelligent,Betsy Balcombe
    war intelligent,und noch einige mehr.Hortense ebenso.
    Ich wette,dass er Mme Curie mit dem größten Respekt betrachtet und behandelt hätte!!!
    Vielleicht interessieren Dich ein paar Literaturangaben zu diesem Thema:
    Theo Fleischmann: Napoleon et Les Femmes. Fleischmann war Chef der belgischen Napoleongesellschaft,das Buch stammt aus den Fünfziger Jahren,
    sicher kann man von irgendwoher eine Kopie oder PDF bekommen.
    Sehr aufschlussreich finde ich das Memoirenfragment,das Mme de Montholon hinterlassen hat,das bekommt man sicher auch über eine Bibliothek.
    Gut sind auch die Bücher von Paul und Gertrude Aretz,die findet man noch oft
    in Antiquariaten.
    Sehr interessant,die Memoiren von der Gräfin von Kielmansegge,die man auch noch öfters in Antiquariaten findet.

    Viele Grüsse,IRENE.
    Die Bücher habe ich gelesen Ich meinte auch nicht, dass er intelligente Frauen nicht mochte - aber für sein Bett suchte er sie (mit wenigen Ausnahmen) nicht unbedingt nach dem Grade ihrer Intelligenz aus. Er schätze viele Frauen mit Intellekt, die du ja auch schon erwähnt hast. Aber wie gesagt, das hatte ich nicht gemeint
    Die beste Möglichkeit Wort zu halten ist, es nicht zu geben.

  5. #15
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    Zitat Zitat von Irene Hartlmayr Beitrag anzeigen
    Andererseits wird ja Napoleon von vielen verleumdet,da ist die Möglichkeit groß dass man ihm alles Mögliche andichtet.
    Sicher - einer der Anwesenden könnte die Tirade auch bewusst, oder aber auch vielleicht sogar unbewusst, übertrieben und entsprechen ausgeschmückt haben - und man muss ja gar nicht so weit wie Waresquiel gehen, der sagt, wenn Napoleon das zwar (vielleicht) gar nicht wirklich gesagt hat, dann hat er es sicher gedacht - das weiß man ja nun noch weniger, was Napoleon gedacht hat. Aber: man könnte sagen, selbst wenn er es noch nicht einmal gedacht hat, dann scheint es zumindest nicht unplausibel, dass er es hätte denken können - und das dachten sich sicher auch diejenigen, die von der Angelegenheit Bericht erstatteten. Und dann ist der Schritt dazu, zu sagen, dann ist es auch nicht unplausibel, dass er es wirklich gesagt hat, ja auch nur ein kleiner - man traut es ihm eben ohne Weiteres zu. Und wie Du sagst - sein Zorn wäre in Anbetracht der Umstände durchaus nachvollziehbar, und dass seine Ausdrucksweise nicht immer höfischen Sitten entsprach, wohl auch bekannt.
    Ich bezweifle übrigens, dass Talleyrand selbst der Urheber der Verbreitung dieses berühmt gewordenen Ausspruchs (ob tatsächlich ausgesprochen oder nicht) war - zwar hat er am Abend alles direkt selbst ausgewählter Gesellschaft (bei der Vicomtesse de Laval) berichtet - das ist zu grob und zu geschmacklos, als dass es seine Idee hätte sein können. (Es gibt eine Anekdote von Talleyrand - steht z.B. bei Orieux - dass er einmal wiederholen sollte, was jemand gesagt hatte (nämlich das Wort "fumier"), und dass er es dann auf einen Zettel schrieb, weil er es nicht in den Mund nehmen wollte - so jemand verbreitet keine Aussagen, in denen das Wort "merde" vorkommt.)
    Und wer weiß? Vielleicht hat Napoleon es ja doch gesagt.

    Zitat Zitat von Irene Hartlmayr Beitrag anzeigen
    Man denke,was ein Diktator des 20ten Jahrhunderts da getan hätte!!! Eine Beschimpfung ist da noch relativ harmlos.
    Ja, aber ich glaube, die allermeisten Biographen sind sich da einig, dass das Ganze sowieso inszeniert und mehr ein geplanter Warnschuss als tatsächlich ein echter Wutausbruch war (ich habe keinen Zweifel daran, dass Napoleon, auch wenn er sich vorher ganz rational vorgenommen hatte, Talleyrand mal ordentlich zusammenzustauchen, trotzdem keine Mühe hatte, dabei so richtig in Rage zu geraten, und dass das kein bisschen weniger unangenehm war - Talleyrand ging es danach nicht gut, er lag einen Tag lang im Bett und wartete auf seine Verhaftung). Der Warnschuss ging sicher auch in Richtung Fouché (der es in diesem Moment ja nicht abbekommen hat, aber ganz genau so verdient hätte). Aber Du hast schon Recht, man kann sich wirklich fragen, warum Napoleon da nicht tatsächlich härter durchgegriffen hat. Da sind vermutlich die Psychologen gefragt, und eine tiefergehende Analyse der Beziehung der beiden Männer zueinander - dass Napoleon Talleyrand eben nicht am Carrousel hat aufknüpfen lassen, so wie er es ihm angedroht, sondern ihn "nur" exemplarisch zur Schnecke gemacht hat, lässt da schon auch tief blicken... Napoleon hat ja Talleyrand noch 1815 das Amt des Außenministers angeboten, da staunt man ja auch.

    Viele Grüße,
    gnlwth


    P.S. Caroline Bonaparte/Murat ist ja auch eine ganz interessante Persönlichkeit, die ist mir gerade in einem alten Roman begegnet ("My brother Napoleon: The Confessions of Caroline Bonaparte", von F.W. Kenyon (1971)). Ich denke, mit der Dame würde ich mich gerne noch etwas ausgiebiger beschäftigen - kennt jemand eine gute Biographie über sie?

  6. #16
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    Zitat Zitat von gnlwth Beitrag anzeigen
    Ja, Waresquiel sagt, "Napoleon n'a sans doute pas prononcé l'ultime injure*, mais il y a pensé."

    *"Vous n'êtes que de la merde dans un bas de soie."

    P.S. Waresquiel weiß aber natürlich auch nicht, was Napoleon wirklich gesagt hat, und ob er es zwar nicht gesagt, aber sehr wohl gedacht hat.
    In der Tat ist die Aussage Waresquiels sehr verwirrend, woher sollte er wissen, dass N. diesen Satz gedacht hat, wenn er ihn nicht sicher ausgesprochen hat?
    Dein P.S. trifft es da besser.

    Die Zweifel an der Aussage gibt es schon bei Dard:
    „Nach Mollien soll er noch hinzugefügt haben:
    Warum habe ich Sie nicht an den Gittern des Karussels aufhängen lassen? Aber dazu ist noch Zeit. Wissen Sie was, Sie sind ein Dreck … in einem Seidenstrumpf.“ [1/ Seiten 292/3] Er setzt die Aussage nicht in Anführungszeichen und Mollien war zudem nicht Ohrenzeuge.

    M.A.n. ist diese Beschimpfung auch nicht wesentlich und musste Talleyrand auch nicht berühren. Anders dagegen dieser Satz, der direkt auf die Ehre des Fürsten abzielt und der bei Orieux (ohne Quelle) zu finden ist:
    „Und Ihre Frau? Sie haben mir nicht gesagt, dass San Carlos der Liebhaber Ihrer Frau ist.“ Talleyrand war getroffen; er sah den, der ein Kaiser war, beherrscht an und sagte: „In der Tat Sire. Ich habe nicht geglaubt, dass ein Bericht darüber für den Ruhm Euer Majestät oder den meinen von Bedeutung sein könne.“ [2/Seite 445]

    Wie auch immer die Szene abgelaufen sein mag, deutlich wird die Ungnade des Fürsten, deutlich wird aber auch im Nichteintreffen weiterer Maßnahmen, dass N. nicht wirklich etwas erfahren hatte bzw. dass es genügend Personen gab, die durchaus mit den Gedanken T. sympathisierten und unsichtbar "die Hand über ihn hielten".

    [1] Dard, Émile: „Napoleon und Talleyrand“, Verlag Emil Roth, Gießen, Berlin, 1938
    [2] Orieux, Jean: „Talleyrand – Die unverstandene Sphinx“, Societäts-Verlag, Frankfurt, 1972

    Zitat Zitat von gnlwth Beitrag anzeigen
    Napoleon hat ja Talleyrand noch 1815 das Amt des Außenministers angeboten, da staunt man ja auch.
    N. hat 1812 erwogen, T. wieder in Warschau zu verwenden und hat ihm schon 1813 das Außenamt angeboten, was T. mit dem Verweis, dass N. nicht seinem Rate folgen würde ablehnte.

    1815 hingegen stellte sich heraus, dass die Wiener Kongress nicht wie erhofft beendet war. N. fand zudem den Vertrag vom 3. Jänner 1815 zwischen England, Österreich und Frankreich und konnte jetzt sicher sein, dass es zwischen den einstmals Alliierten schwerwiegende Differenzen gab. So ist wohl sein Versuch, T. zu gewinnen und Metternich mit 10 Mill. Franc zu bestechen (Montrond war mit diesem Auftrag nach Wien geschickt worden) zu werten. Ein Trugschluss, wie sich herausstellte, denn bereits 1 Woche bevor N. Paris erreichte, war das gemeinsame Vorgehen der Alliierten gegen ihn beschlossene Sache.
    Was T. selbst betrifft, hat N. nicht nur einmal zur Kenntnis gegeben, dass er ihn für den fähigsten Mann hielt, den er hatte/haben konnte.

    Grüße
    excideuil

  7. #17
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    Standard Frauen fürs Bett

    Zitat Zitat von Marie Beitrag anzeigen
    Die Bücher habe ich gelesen Ich meinte auch nicht, dass er intelligente Frauen nicht mochte - aber für sein Bett suchte er sie (mit wenigen Ausnahmen) nicht unbedingt nach dem Grade ihrer Intelligenz aus. Er schätze viele Frauen mit Intellekt, die du ja auch schon erwähnt hast. Aber wie gesagt, das hatte ich nicht gemeint
    Das hatte ich schon verstanden,dass Du eher die Frauen fürs Bett gemeint hast.
    Aber schließlich kennen wir all die Gelegenheitsbekanntschaften ja garnicht so genau.Bzw.deren Intelligenzgrad.Darüber kann man schwer urteilen,wahrscheinlich war die Gesellschaft gemischt! So wie es sich eben ergab.
    Er las einmal auf St.Helena eine Verleumdungsschrift,worin eine ganze Kette
    von angeblichen Geliebten aufgeführt war.Er lachte darüber und stellte fest,er
    sei kein Herkules und hätte so viele Weiber garnicht bewältigen können.
    Seine abfälligen Bemerkungen bezüglich dem anderen Geschlecht entspringen
    meiner Ansicht nach seinen diversen Enttäuschungen mit seinen lieben Ehefrauen;was man sich ja vorstellen kann.Josephine hat ihn drei Jahre lang
    schändlich betrogen und das ganz öffentlich,seine liebe zweite Frau wurde dazu
    angehalten ihn sitzen zu lassen,was sie ursprünglich garnicht wollte-und so häufen sich die Abfälligkeiten dann auch auf St.Helena.Ich denke,das war teils Frust,teils Zorn und vermutlich ein Stück Verlust von Selbstwertgefühl,eventuell
    auch ein Gefühl von Minderwertigkeitskomplex gegenüber Frauen.Auch hat er
    immer gerne,gegenüber Frauen,den Macho hervorgekehrt(im Gespräch mit An-
    deren),was ich eher für eine Maske halte. Man lese dazu die Memoiren der Mme de Montholon,wo dies ganz klar hervorgeht.
    Ich habe einmal einem Graphologen seine Handschrift vorgelegt;der schloss daraus,es seien Elemente von "zartester Ansprüchlichkeit"darin enthalten.
    Andere Graphologen(es haben sich schon viele mit seiner Handschrift befasst)
    schließen generell auf einen "Konflikt zwischen Herz und Verstand"- und zwar
    durchgehend.

    Viele Grüsse,IRENE.

  8. #18
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    Standard Beschimpfung et al.

    Zitat Zitat von gnlwth Beitrag anzeigen
    Sicher - einer der Anwesenden könnte die Tirade auch bewusst, oder aber auch vielleicht sogar unbewusst, übertrieben und entsprechen ausgeschmückt haben - und man muss ja gar nicht so weit wie Waresquiel gehen, der sagt, wenn Napoleon das zwar (vielleicht) gar nicht wirklich gesagt hat, dann hat er es sicher gedacht - das weiß man ja nun noch weniger, was Napoleon gedacht hat. Aber: man könnte sagen, selbst wenn er es noch nicht einmal gedacht hat, dann scheint es zumindest nicht unplausibel, dass er es hätte denken können - und das dachten sich sicher auch diejenigen, die von der Angelegenheit Bericht erstatteten. Und dann ist der Schritt dazu, zu sagen, dann ist es auch nicht unplausibel, dass er es wirklich gesagt hat, ja auch nur ein kleiner - man traut es ihm eben ohne Weiteres zu. Und wie Du sagst - sein Zorn wäre in Anbetracht der Umstände durchaus nachvollziehbar, und dass seine Ausdrucksweise nicht immer höfischen Sitten entsprach, wohl auch bekannt.
    Ich bezweifle übrigens, dass Talleyrand selbst der Urheber der Verbreitung dieses berühmt gewordenen Ausspruchs (ob tatsächlich ausgesprochen oder nicht) war - zwar hat er am Abend alles direkt selbst ausgewählter Gesellschaft (bei der Vicomtesse de Laval) berichtet - das ist zu grob und zu geschmacklos, als dass es seine Idee hätte sein können. (Es gibt eine Anekdote von Talleyrand - steht z.B. bei Orieux - dass er einmal wiederholen sollte, was jemand gesagt hatte (nämlich das Wort "fumier"), und dass er es dann auf einen Zettel schrieb, weil er es nicht in den Mund nehmen wollte - so jemand verbreitet keine Aussagen, in denen das Wort "merde" vorkommt.)
    Und wer weiß? Vielleicht hat Napoleon es ja doch gesagt.



    Ja, aber ich glaube, die allermeisten Biographen sind sich da einig, dass das Ganze sowieso inszeniert und mehr ein geplanter Warnschuss als tatsächlich ein echter Wutausbruch war (ich habe keinen Zweifel daran, dass Napoleon, auch wenn er sich vorher ganz rational vorgenommen hatte, Talleyrand mal ordentlich zusammenzustauchen, trotzdem keine Mühe hatte, dabei so richtig in Rage zu geraten, und dass das kein bisschen weniger unangenehm war - Talleyrand ging es danach nicht gut, er lag einen Tag lang im Bett und wartete auf seine Verhaftung). Der Warnschuss ging sicher auch in Richtung Fouché (der es in diesem Moment ja nicht abbekommen hat, aber ganz genau so verdient hätte). Aber Du hast schon Recht, man kann sich wirklich fragen, warum Napoleon da nicht tatsächlich härter durchgegriffen hat. Da sind vermutlich die Psychologen gefragt, und eine tiefergehende Analyse der Beziehung der beiden Männer zueinander - dass Napoleon Talleyrand eben nicht am Carrousel hat aufknüpfen lassen, so wie er es ihm angedroht, sondern ihn "nur" exemplarisch zur Schnecke gemacht hat, lässt da schon auch tief blicken... Napoleon hat ja Talleyrand noch 1815 das Amt des Außenministers angeboten, da staunt man ja auch.

    Viele Grüße,
    gnlwth


    P.S. Caroline Bonaparte/Murat ist ja auch eine ganz interessante Persönlichkeit, die ist mir gerade in einem alten Roman begegnet ("My brother Napoleon: The Confessions of Caroline Bonaparte", von F.W. Kenyon (1971)). Ich denke, mit der Dame würde ich mich gerne noch etwas ausgiebiger beschäftigen - kennt jemand eine gute Biographie über sie?
    Ich glaube,er wollte sich Talleyrand immer irgendwie "warm halten", da er ihn (wie Excideuil ganz richtig dazu bemerkt) für seinen fähigsten Kopf hielt,was er
    ja auch war. Noch 1814 sagte Napoleon,bei den Verhandlungen des ersten Pa-
    riser Friedens:"Wenn Talleyrand jetzt da wäre,würde er mich da heraus ziehen können".Aber da war T. längst im anderen Lager und nicht mehr gewillt,für N.
    etwas zu tun.
    Was Caroline anbelangt,so gibt es einige Biografien,die ich aber selber nicht habe(auch nicht gelesen),am besten bei einer französischen Buchhandlung
    nachfragen lassen bzw. recherchieren lassen. Das Buch von Kenyon kenne und habe ich auch,ist halt ein Roman.
    Was alle drei Schwestern anbelangt,da gibt es eine sehr gute Schilderung( die
    wurde auch schon mehrfach aufgelegt) von Margery WEINER ie parvenu
    Prinzessinen. Deutsch und Englisch erschienen,allerdings schon vor längerer Zeit. Findet sich aber sicher noch irgendwo,in einer Bibliothek oder anti-
    quarisch.Literatur ist sicher auch über Wikipaedia ausfindig zu machen.

    Viele Grüsse,IRENE.
    Geändert von Irene Hartlmayr (22.04.2013 um 11:42 Uhr)

  9. #19
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    Standard

    Zitat Zitat von Irene Hartlmayr Beitrag anzeigen
    Das hatte ich schon verstanden,dass Du eher die Frauen fürs Bett gemeint hast.
    Aber schließlich kennen wir all die Gelegenheitsbekanntschaften ja garnicht so genau.Bzw.deren Intelligenzgrad.Darüber kann man schwer urteilen,wahrscheinlich war die Gesellschaft gemischt!
    .
    Da gebe ich dir recht. Wahrscheinlich kommt mein hartes Urteil über die Frauen daher, dass viel einem Typ anzugehören scheinen, den ich nicht leiden kann. Denn sind wir mal ehrliche, wie viele seiner Geliebten hätten ihn denn genommen, wenn er nicht der erste Mann im Staat, sondern ein unbedeutender General gewesen wäre? Ich habe einfach was gegen Frauen, die einen Mann nur wegen Macht und Geld haben wollen
    Die beste Möglichkeit Wort zu halten ist, es nicht zu geben.

  10. #20
    Irene Hartlmayr ist offline Erfahrener Benutzer Capitaine
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    Zitat Zitat von Marie Beitrag anzeigen
    Da gebe ich dir recht. Wahrscheinlich kommt mein hartes Urteil über die Frauen daher, dass viel einem Typ anzugehören scheinen, den ich nicht leiden kann. Denn sind wir mal ehrliche, wie viele seiner Geliebten hätten ihn denn genommen, wenn er nicht der erste Mann im Staat, sondern ein unbedeutender General gewesen wäre? Ich habe einfach was gegen Frauen, die einen Mann nur wegen Macht und Geld haben wollen
    Ja,da bin ich einverstanden,obwohl es mir persönlich egal ist was Andere machen.Jedem Tierchen sein Plaisirchen.Vielleicht hat er sich auch deshalb über Frauen öfters abfällig geäußert,weil Einige zu leicht zu haben waren.
    Aber,was weiß man schon darüber!?
    Jedenfalls hatte er auch genug echte Lieben,so dass man ihm nicht die zynische Haltung,die ihm manche Leute unterstellen,vorwerfen kann.Oder zumindest wusste er sicher,welcher mit welcher Haltung zu begegnen war.

    Ich verstehe auch nicht warum man von manchen Leuten als "bekloppt" oder
    ähnlich betrachtet wird,wenn man sich für eine historische Persönlichkeit in-
    teressiert.Das ist jedenfalls viel intelligenter als wenn sich die Leute die Köpfe
    einschlagen wegen einem Fußballspiel oder irgendeiner anderen,materiellen Sache,die vorübergeht oder immer wieder vorkommt.

    Wie bist Du eigentlich ursprünglich zu Napoleon gekommen???

    Grüsse,IRENE.

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