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Thema: Verrat in Waterloo?

  1. #1
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    Standard Verrat in Waterloo?

    ich habe auf der Seite www.klg.de unter Geschichte, schlacht von Waterloo in diesem Bericht folgende Passage gefunden von der ich bisher nirgends etwas gelesen habe:

    "Verrat erleichterte dem Herzog die Abwehr dieses letzten und schlimmsten Angriffs. Ein Kapitän der Karabiniers jagte zu der feindlichen Höhe hinüber und teilte mit, daß Napoleon mit der Garde noch vor einer halben Stunde angreifen würde."

    Was ist dran, bzw. gibt es noch andere Quellen die davon berichten?

  2. #2
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  3. #3
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    Ja, in dem Link von jokl war ein Buchstaben-Dreher.

    Also ich habe davon noch nicht gehørt oder gelesen. Fuer mich klingt es auch sehr unrealistisch. Da reitet also ein frz. Offizier zu den Englændern, um die zu warnen. Warum sollte er das tun? Und wuerde er nicht aufgehalten werden, von seinen eigenen Leuten? Oder erschossen von den Briten, bevor er diese wichtige Meldung machen kann. Konnte der eigentlich Englisch? Oder haben die Englænder Franzøsisch verstanden?

    Aber es wære doch schøn, endlich haben wir EINEN Menschen gefunden, der Schuld an der Niederlage ist. Ein Verræter, der im richtigen Moment die Front wechselte. Der war's!

    Vielleicht sollte man mal die Betreiber der Seite befragen, welche Quelle sie denn hierzu benutzt haben.

    Gruss, muheijo

  4. #4
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    Angeblich soll es ein Capitaine du Barail vom 2. Carabinier-Regiment gewesen sein.

    Hab aber den ursprünglichen Augenzeugenbericht, der diese Episode erzählt, bisher nicht finden können - allerdings auch nicht intensiv gesucht.

  5. #5
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    Hier hab ich eine kurze Erwähnung in französisch gefunden:

    http://napoleonbonaparte.ifrance.com/waterloo.htm

    Ebenfalls hier wird der Verrat an einen englischen Offizier namens Fraser erwähnt:

    http://users.skynet.be/ym04/waterloo.htm

    Leider kann ich kein französisch und bediene mich hier bei Übersetzungsprogrammen.
    So dürften mir natürlich die Feinheiten und verhergehenden sowie die folgenden Erklärungen entgehen.

    Trotz allem finde ich es sehr interressant ob es sich hierbei um eine wahre Begebenheit oder eine "Schutzerfindung" zur Aufrechterhaltung der (fairen) Unbesiegbarkeit der Garde handelt.

  6. #6
    Avatar von Gunter
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    Man sollte bei dem namentliche genannten Offizier erstmal herauszufinden versuchen, ob es ihn überhaupt gab. In anderen Fällen existierte die Person, der üble Dinge vorgeworfen wurden, garnicht.

    Die Garde von 1815 war sowieso nicht besonders toll. Mit ihrer Disziplin war es wohl nicht so weit her. Halbgottähnlich waren ihre Eigenschaften aber auch in früheren Feldzügen nicht gerade.

  7. #7
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    Ich habe natürlich was die Unbesiegbarkeit der Garde betrifft den Mythos als solchen gemeint.

    Sprich, falls es eine Erfindung ist, dann um der Garde zu bestätigen das sie mit fairen Mitteln nicht besiegt worden wäre.

    Oftmals werden solche Geschichten nachgesteuert um sich in der Geschichte wieder ins rechte Licht zu rücken.

    Aber es ist natürlich ebenfalls durchaus denkbar,daß Wellington dieses (wahre?) feine Detail bewusst in seinen Berichten verschwiegen hat um damit nicht seinen Ruhm zu schmälern (quasi als Abstauber der sich zusätzlich auch noch von den Preussen retten lassen muss).

    Zumindest was die Rolle der Preussen in Waterloo betrifft liegt das gar nicht so fern.

  8. #8
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    Wellington hat ja sein Statement zu Waterloo ganz treffend abgegeben:

    "Ich glaube nicht, dass es geklappt hætte, wenn ich nicht dabei gewesen wære."
    Und damit hat er (leider) Recht, Preussen hin oder her.
    Er hatte einfach immer die richtigen Antworten zur Hand, um eben solange auszuhalten, bis die Preussen kamen. Andere Feldherren wæren vielleicht schon auf dem Rueckzug gewesen, ehe Bluecher eingreifen konnte.

    So ganz ideenreich war Napoleon allerdings auch nicht an dem Tag.

    Den ominøsen Kapitæn kann ich mir immer noch nicht vorstellen, dass wære doch ein gefundenes Fressen fuer die napoleonische Propaganda gewesen.

    Mir mag auch nicht einleuchten, dass ausgerechnet dieser Kapitæn præzise wusste, wann N gedachte, seine Garde einzusetzen. Und vor allem: Wo?

    Davon mal ab, wird sich auch ein Wellington ausgerechnet haben, dass am spæten Abend soviel andere Reserven ausser der Garde bei den Franzosen nicht mehr uebrig waren.

    Gruss, muheijo

  9. #9
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    Zuerst schreibt immer der Sieger mal die Geschichte, ob es so war oder nicht.
    Was zumindest erst einmal stimmig ist zu dieser seltsamen Anektode, ist die Tatsache, daß Wellgnton exakt im richtigen Zeitpunkt seine Truppen an der richtigen Stelle massiert hat.

    Gut, der linke Flügel konnte wohl sowieso durch die Ankunft der Preussen geschwächt werden, doch auch vom rechten Flügel zog er Truppen ins Zentrum ab.

    Auch wenn er den Aufmarsch des Gegners in seinem Zentrum sehen konnte, war doch wohl das Ziel dieser Truppenbewegungen nicht unbedingt von vornherein klar.
    Da seine Truppen wohl ebenso lang (wenn nicht sogar länger wie die Franzosen) für die Verlegung brauchten war das auch hoch gepokert.
    Zumindest würde die kleine "Vorwarnung" diese Umverteilung erklären.
    Das dieser Offizier von dem geplanten Angriff Bescheid wissen konnte ist meiner Meinung nach möglich.
    Das 2. Treffen der Garde ist meinen Informationen von Kavallerie begleitet worden.
    Als Captain sollte er entsprechende Order bekommen haben.

    Interressant ist zumindest erst einmal ob ein Offizier mit dem Namen "du Barrail" überhaupt bei diesem Regiment gedient hat.
    Vielleicht sagen da die französischen Quellen was.
    In englischen wird man ja wohlweißlich nichts dazu finden und Preussen haben nichts mitbekommen.

    Was ist überhaupt dann aus besagtem Offizier geworden und hat er sich später selber als Verräter geoutet oder warum taucht dann diese Information (außer bei der KGL) nur in französischen Quellen auf?

    Soeben habe ich in dem Buch Waterloo2 von Detlef Wenzlik auf Seite 138 ebenfalls eine Passage über diesen verrat gefunden:

    Über dem Schlachtfeld lag dichter Pulverrauch, der die Bewegungen der Franzosen verdeckte. Anscheinend wurde Wellington erst durch einen Verräter vom bevorstehenden Angriff der Garde informiert. Als Drouot die Garde zusammenzog, jagte ein Hauptmann der Carabiniers trotz der feindlichen Geschosse im Galopp durch das Tal, den Säbel in der Scheide und den rechten Arm hochgehoben auf die Schützen der 52.Foot zu.
    Gegenüber Oberst Colborne, dem Kommandeur dieses Regiments, und Oberst Fraser, Kommandant der leichten Artillerie, berichtete er:

    Es lebe der König! bereiten Sie sich darauf vor, daß dieses Vieh von Napoleon Sie in einer halben Stunde angreifen wird.

    ...Oberst fraser ritt zu Wellington, um ihn von dieser Mitteilung in Kenntnis zu setzen.

    Sofort erteilte der Herzog die entsprechenden Befehle um die Truppen auf den Angriff vor zu bereiten."

    Wie weit Wenzlik glaubwürdig ist kann ich nicht nachvollziehen.
    Leider fehlt hier ebenfalls die Quellenangabe.
    Geändert von jokl (24.10.2009 um 15:09 Uhr)

  10. #10
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    Also, was hat denn ein Carabiniers à Cheval Offizier überhaupt gewußt?
    er diente ja in der Kavallerie, und der Angriff der Garde wurde ja im wesentlichen von Infanterie durchgeführt.

    Er war ja auch wohl nicht in der Befehlskette eingebunden.

    Veilleicht hat er gesehen, dass sich die Garde formiert oder etwas vorwärts ging. Aber was denn sonst noch?

    Er konnte gar nicht wissen an welchem Punkt die Garde angreifen sollte, woher auch? Napoleon selbst hat ja sogar während des Angriffes Dispositionen geändert.

    Das alles kann man gut in den Carnets nachlesen, die sind halt in Französisch aber das kann man ja lernen wenn einem die Zeit interessiert - und insbesondere die französische Armee.

    Wellington konnte ja Truppen ins Zentrum ziehen, da zumindest zu diesem Zeitpunkt sein linker Flügel berreits durch die Preußen gedeckt war.

    Zudem schreibt eigentlich über die Napoleonische Zeit eher der Verlierer Napoleon die Geschichte und alles was auf Helena gequakt wurde wird als Wahrheit verkauft.

    Ich denke die Geschichte mit dem Offizier der 2.CaC ist eine im Nachhinein aufgebauschte Geschichte.

    Und was heißt die Garde mit fairen Mitteln zu schlagen? Sie wurde geschlagen, das Resultat zählt, unter anderem auch von Hannoveraner Landwehr.

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