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Thema: Verrat in Waterloo?

  1. #11
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    Nun, die Garde mit fairen Mitteln schlagen ist eigentlich nicht das Thema sondern vielleicht ein Motiv eine solche Verratsgeschichte in die Welt zu setzen.
    Es gab (und gibt?) vielleicht genug Leute die selbst nach Waterloo an diese Unbesiegbarkeit glauben und meinen dies konnte nur durch unfaire Mittel (Verrat) geschehen.
    Dies nur als mögliches Motiv
    .
    Ich glaube weder diese Geschichte noch halte ich sie prinzipiell für erfunden.
    Sondern man sollte versuchen erst einmal die vorhandenen Angaben zu überprüfen.

    Motiv mal aussen vorgelassen, was haben wir denn an Aussagen hier?

    1. den Namen des Offiziers - also gab es den überhaupt = 1. Frage

    2. Wo waren die 2.(vielleicht auch die 1.) Carabiniers zu diesem Zeitpunkt.
    Napoleon soll in Begleitung einiger Kavallerieeinheiten bis La Haye Sainte kurz vor dem Angriff der Garde vorgerrückt sein.
    War da dieser Offizier dabei, dann mag er die Befehle vernommen haben. = 2. Frage

    3. die Sprache:Konnte der Offizier englisch? Wohl kaum, also konnten seine Gegenüber (die 2 englischen Offiziere) französisch?
    Vermutlich eher, vor allem wenn sie dem Adel angehörten ist dies durchaus möglich = 3.Frage

    4. Quellen: Schöpfen all diese Hinweise aus derselben Quelle und wenn welche ist das? Der erste Hinweis steht bei der Geschichte der KGL, 2 weitere sind aus französischen Puplikationen und eine ist von Wenzlik. = 4.Frage

    Natürlich wäre es für mich deutlich von Vorteil jetzt französisch zu können doch damit erfahre ich mit den mir jetzt bekannten Fakten kaum viel mehr zu den 4 Fragen.
    Die einzige Tatsache die ich hier in der ganzen Geschichte sehe ist die , daß wohl der Pulverrauch den Aufmarsch zumindest verschleierte. Die Garde marschierte zuerst vor La Haye Sainte auf und schwenkte dann nach links , parallel gingen wohl auch andere Einheiten über eine breite Front vor.
    Die Truppenkonzentration Wellingtons an dieser Stelle konnte wohl demnach nicht auf Beobachtungen beruhen.
    Das Wellington wegen den Preussen den linken Flügel entlasten konnte war zumindest für ihn nachvollziehbar.
    Genauso gut hätte aber die Garde weiter bis Hougomont gehen könne und dort durchbrechen.

    Die Geschichte hat natürlich Napoleon zu schreiben versucht was ihm bestimmt zumindest im französischen Sprachraum gelungen sein mag.
    Doch wenn man die Masse der Puplikationen zugrunde liegt liegt das Schwehrgewicht doch hauptsächlich auf englischen Büchern.
    Und diese stellen zumeist die Variante Wellingtons bzw. der Engländer dar (z.B. Hougomont wurde von der englischen Garde verteidigt)

  2. #12
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    Als Primär-Quellen kommen die "Waterloo Letters 276, 280 und 283"
    von General Adam, Major Blair, Col. Colborne in Frage ( nach Houssaye, III, 5)

    Auch Cotton "A voice of Waterloo" erwähnt besagten Offizier - allerdings ebenfalls ohne Namen.
    Er will den Offizier auch Jahre nach der Schlacht noch getroffen haben.
    (Cotton betätigte sich später als Schlachtfeldführer - wohl in Altersteilzeit :-)
    Der späte Zeitpunkt des Überganges dieses verkappten Royalisten soll darauf zurückzuführen gewesen sein,
    dass er andere Kameraden mitreissen wollte.

    Habe momentan aber keinen Zugriff, sorry.

    Was die Mehrsprachigkeit angeht - die engl. Offiziere werden wohl eher Französisch verstanden haben als umgekehrt.
    Geändert von Mephisto (26.10.2009 um 10:46 Uhr)
    Gruß
    Mephisto

    "Es sind zwey Formeln, in denen sich die sämmtliche Opposition gegen Napoleon befassen und aussprechen lässt,
    nämlich Afterredung (aus Besserwissenwollen) und Hypochondrie." Goethe 1807

  3. #13
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    Und hier noch die vorgenannte Quelle Frazer:

    http://books.google.de/books?id=3XVJ...terloo&f=false
    S.552
    Gruß
    Mephisto

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  4. #14
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    Das mit den englischen Offizieren denke ich mir auch so.
    An französischen Berichten und Foreneinträgen zu diesem Vorfall findet man einiges.
    Letztendlich sind ja mehrere Fälle von Überläufern unter den französischen Offizieren bekannt, warum dann nicht gerade gegen Ende der Schlacht.
    Immerhin wuchs die Zahl der eintreffenden Preussen und alle Attacken gegen die Engländer waren ohne grosse Erfolge.
    Vielleicht Zeit auf die Seite der Sieger zu wechseln für so manchen.
    Mag sein, daß dieser Carabinier je nach seiner Aufgabe recht gut informiert war.

    Leider erfährt man wirklich nirgends mehr als die eigentliche Begebenheit.

    Edit:
    Endlich die erste Erwähnung in einem englischen Bericht der sogar direkt von einem namentlich bekannten Beteiligten dieses Vorfalls stammt auf Seite 552 dieses Briefes.

    Zwar wird der Verräter als Offizier der Kürassiere beschrieben doch trugen die Carabinier ebenfalls Kürasse, von daher wohl diese Zuweisung.

    Welche Einheiten waren eigentlich die Dienstschwadronen des Kaisers an diesem Tag?
    Geändert von jokl (26.10.2009 um 11:12 Uhr)

  5. #15
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    Gruß
    Mephisto

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  6. #16
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    Ich habe mal ein bisschen dazu in meinen Büchern geschnüffelt und in dem Buch von Alessandro Berbero: The Battle a history of the battle of Waterloo auf Seite 347 eine fast einseitige Passage zu diesem Vorfall gefunden.
    Hier wird der Reiter als Kürrassier der bis vor die Linien des 52 . britischen Regiments (Colborne) ritt, und vor der Linie hielt und seine Warnung in französisch rief.
    Colborne beschrieb den Deserteur als Colonnel (Captain) der Kürassiere, ihm gegenüber äußerte er seine Warnung detailliert.

    Er wurde hinter die Linien des 52.geleitet und von Frazer verhört während Blair (General Adams Brigade Major) ihn bewachte.
    Blair beschrieb ihn später als einen Offizier der Husaren.
    Sir Augustus wurde zu Wellington mit dieser Neuhigkeit geschickt.
    Frazer übergab ihn Adam und berichtete später in einem Brief an seine Frau davon, beschrieb aber den Deserteur ebenfalls als Captain der Kürassiere.

    In den Fussnoten dieses Buches (Nr 32) wird berichtet,daß 1844 Seargeant Cotton als Touristenführer in Waterloo diesem Captain begegnete der zugab desertiert und damals Captain bei den 2. Carabiniers gewesen zu sein.
    Kapitän Duthilt soll ebenfalls festgestellt haben, daß "dieser berüchtigte Verbrecher ein Hauptmann der Carabinier war."

    Laut Barbero sollen sehr viele Augenzeugen diesen Vorfall beobachtet und später zu Papier gebracht haben.
    Der Name des Franzosen wird hier allerdings nicht erwähnt.

  7. #17
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    Hallo !

    Es scheint diesen Mann wohl wirklich gegeben zu haben.

    Ich frage mich nur, was seine "verräterische Meldung" an die Briten bewirkt haben soll.

    Die Kolonnen der Garde mussten doch den ganzen Weg von ihrer Bereitstellung beim Gehöft Belle Alliance bis auf den Höhenzug, auf dem die Briten standen, zu Fuss zurücklegen. Wer diesen Weg einmal selber zu Fuss gegangen ist, weiss genau, dass man für diese Strecke gut 15 min benötigt.

    Den Anmarsch dieser Verbände konnte Wellington also ohnehin erkennen und Gegenmaßnahmen einleiten.

    Waren also die 10 min., die eventuell durch diesen Überläufer gewonnen wurden, für den Ausgang der Schlacht noch entscheidend ??

    Ich möchte dies bezweifeln, denn in der Flanke und im Rücken drückten die Preussen schon in Napoleons Stellungen.

    Solche "Verräter-Geschichten" sind in den Jahren, die Napoleon in St. Helena verbrachte, doch immer wieder hochgekocht worden.

  8. #18
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    Alle Quellen sind sich einig, daß der Aufmarsch von den Briten wegen des Pulverrauchs nicht gesehen werden konnte.
    Auch soll die Bereitstellung zuerst woanders erfolgt (näher an La Haye Sainte) erfolgt sein.
    Wenn ich mich recht entsinne nannte der Verräter einen Zeitraum von einer halben Stunde bis zum Angriff.
    Parrallel wurde ebenfalls an mehreren anderen Stellen angegriffen.
    Der Schwehrpunkt war also den Briten vor allem wegen den allgemeinen Bewegungen und der Sichtverhältnisse nicht bekannt.
    Wellington hatte Zeit genug Truppen wonders abzuziehen und an der genannten Stelle zu sammeln,was er nachweislich auch tat.

    An seiner linken Flanke wo ebenfalls angegriffen wurde sorgten die Preussen durch ihr Eingreifen nach einigen Augenzeugenbereichten wohl für die erste Auflösung der Angriffsfront was sich dann fortsetzte.
    Geändert von jokl (20.12.2009 um 11:33 Uhr)

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