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Thema: Kosten einer russ. Husarenuniform

  1. #21
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    Zitat Zitat von Gunter Beitrag anzeigen
    Ich meinte Eduard von Löwenstern. Seine Erinnerungen "Mit Graf Pahlens Reiterei gegen Napoleon" dürften bekannt sein. Er berichtet mehrfach, dass er sich Uniformen vor Ort anfertigen ließ. Wahrscheinlich hatten die Schneider durch die vielen stationierten russischen Offiziere ein allgemeines Bild davon wie das aussehen sollte. Der Stil der einzelnen Uniformen war aber sicherlich durchaus etwas individuell.

    Hier noch ein paar Angaben zum jährlichen Einkommen der russischen Offiziere:
    Fähnrich: 125 Rubel
    Unterleutnant: 142 Rubel
    Leutnant: 166 Rubel
    Stabskapitän: 192 Rubel
    Kapitän: 200 Rubel
    Artillerie und Kavallerie erhielten 20% mehr, Gardeoffziere zwischen 20 und 50% mehr.
    Literatur: Alexander Mikaberidze, The Russian Officer Corps in the Revolutionary and Napoleonic wars, 1792-1815, S. XXXII.


    Viele Grüße

    Gunter
    Da haben wir's - wörtlich genommen, sind die 6000 Rubel für die Equipage absolut unglaubwürdig. Dennoch zeigt es, daß mit dem Offizierspatent auch gleichzeitig weiteres Vermögen für die Equipage eingebracht werden mußte.

    Vielleicht ist sind 6000 Rubel ein einfacher Übersetzungsfehler, und es sind ganz andere Münzen gemeint? Aber wie war es mit den Lebenskosten bestellt? Was bekam man für einen Rubel?

  2. #22
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    Im Wiskowatow-Band zur russischen Kavallerie unter Alexander I. (engl. Übersetzung durch Mark Conrad) werden entsprechend der Order vom 30.04. (12.05.) 1802 folgende Beschaffungskosten für (Mannschafts)pferde zugelassen. Billiger war sicher möglich, die Lieferkosten sind ausdrücklich ausgenommen.
    Husaren 40 Rubel
    Dragoner 50 Rubel
    Kürassiere 100 Rubel

    Conrad bringt dann noch einige Anmerkungen aus einem Artikel des russischen Magazins "Zeughaus", darin werden die Beschaffungskosten für einfache Knöpfe (Messing?) ohne Muster bei den Kürassieren mit 5 Kopeken je Dutzend angegeben.
    Im Band zur Fußartillerie (engl. Übersetzung durch Lawrence Spring) werden die Gesamtkosten der Uniform eines Fußartilleristen 1812 inklusive Mantel, Tornister etc. einzeln aufgeschlüsselt, man kommt auf einen Gesamtbetrag von 145,65 Rubel.

    Gruß
    Henning
    Wenn man merkt, dass man auf einem toten Pferd sitzt, sollte man absteigen!

  3. #23
    Avatar von Gunter
    Gunter ist offline Erfahrener Benutzer Chef de Bataillon
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    Da dürften wir uns einig sein, selbst wenn man die Kosten für eine Offiziersausstattung multipliziert erreicht man sicher keine solch hohe Summe wie oben genannt.
    Die Gehälter der unteren Offiziersränge dürften gerade so zum Leben gereicht haben. Für die Ausstattung war man auf externe Geldquellen oder Schuldenmachen angewiesen. Alexander Mikaberidze schreibt, dass die Oberoffiziere häufig nicht mehr Besitz hatten als sie am Mann trugen. Vierstellige Summen überhaupt in den Händen zu haben dürfte für den russischen Durschnittsoffizier kaum erreichbar gewesen sein. Bei solchen Summen sprechen wir hier schon von Vertretern der gesellschaftlichen Elite, zu denen der Otto-Normal-Offizier ganz sicher nicht gehörte.

    Viele Grüße

    Gunter

  4. #24
    KDF10 ist offline Erfahrener Benutzer Chef de Bataillon
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    Nach wie vor ein interessantes Thema. Erklärt das doch, warum (nicht nur in der russischen Armee) meist der vermögende Adel die Offiziere stellte. Wie Gunter richtig feststellt, ein Otto-Normal-Offizier konnte sich das gar nicht leisten. Wie sah das denn in den anderen Armeen aus, oder sollte man da einen allgemeinen Thread "Uniformkosten" aufmachen?

    Wer nicht vermögend war, oder von den Eltern unterstützt wurde, hatte in der rusischen Armee eigentlich nur zwei Möglichkeiten: Schulden machen oder anderweitig Geld aufzutreiben. Mir fällt da Löwenstern ein (Woldemar). Dem fiel eine üppige Kriegskasse der Franzosen in die Hände. Das Geld hat er behalten.

    Gruß

    KDF10

  5. #25
    Avatar von Gunter
    Gunter ist offline Erfahrener Benutzer Chef de Bataillon
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    Schulden waren immer ein großes Thema im Offizierskorps. In der russischen Armee konnte ein Offizier nicht wegen seinen Schulden belangt werden, wenn er sich gerade auf einem Feldzug befand.

    In der Regel war es so das in den meisten Armeen die Offiziere ob adlig oder nicht von ihren Familien finanziell unterstützt wurden, weil ihre dienstlichen Bezüge nicht zum Leben reichten. Gerade bei den Adligen erbte meist der älteste Sohn das Gut, der Rest wurde in die Armee abgeschoben. Geistig begabte Adlige gingen eher in die Staatsverwaltung, während die zweite Wahl zur Armee ging.

    Es gab mehrere Möglichkeiten dem Problem mit den Lebenshaltungskosten abzuhelfen. In der britischen Armee taten sich die Offiziere innerhalb ihrer Regimenter zur sogenannten Messe zusammen, wo sie die Kosten für die Mahlzeiten gemeinsam bestritten und so günstiger kamen. In den Memoiren liest man häufig, dass Offiziere bei íhren Vorgesetzten zum Essen eingeladen worden sind. Die Stabsoffiziere und Generale wussten sehr genau dass bei ihren jungen Leuten Schmalhans Küchenmeister war. Ähnliches findet man aber auch im Zivilleben, da hielten die Universitätsprofessoren auch Tafeln für ihre Studenten. Was die Erstausstattung betraf, so gab es zuweilen Zuschüße, die aber nicht die Regel waren.

    Die wenigen aus dem Mannschaftsstand beförderten Offiziere hatten es da ziemlich schwer, da sie keinen vermögenden Hintergrund besaßen.

    Wie das freilich in der sozial anders strukturierten französischen Armee war, ist mir nicht so genau bekannt. Dort gab es eine Clique von Napoleons Günstlingen, zu denen auch eine Reihe von Emigranten und deren Söhnen zählte, seine sonstigen Anhänger und den Rest. Solche Einrichtungen wie die Gardefüsiliere, die Ehrengarden und Ordonnanzgendarmen oder die Kavallerieschule deuten darauf hin, dass die vermögenden Schichten aufwendig zum Armeedienst geködert werden mussten. Das war in den traditionellen Monarchien offenbar nicht ganz so, obwohl in Russland der Adel nach 1800 nicht einfach durch sein Geburtsrecht Karriere machen konnte, sondern eine Mindestbildung vorweisen musste, um Offizier werden zu können. Gelang das nicht bis zum 16. Lebensjahr, dann drohte Zwangsdienst als einfacher Matrose.

    Viele Grüße

    Gunter

  6. #26
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    Zitat Zitat von Gunter Beitrag anzeigen
    In den Memoiren liest man häufig, dass Offiziere bei íhren Vorgesetzten zum Essen eingeladen worden sind. Die Stabsoffiziere und Generale wussten sehr genau dass bei ihren jungen Leuten Schmalhans Küchenmeister war.
    Hab das schon öfter gelesen, aber nie mit dem Thema Sold in Zusammenhang gebracht. Du hast mir die Augen geöffnet.

    Grüße

    KDF10

  7. #27
    Avatar von Gunter
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    Von unserem Forumskollegen kiks erhielt ich neulich genauere Informationen über das jährliche Einkommen der russischen Husarenoffiziere. Es setzte sich zusammen aus dem Gehalt und der Ration für den Unterhalt der Pferde.

    Nachfolgend die Angaben für Offiziere der Armeekavallerie von 1802:
    Oberst: 1800 + 480 Rubel
    Oberstleutnant: 730 + 240 Rubel
    Major: 464 + 156 Rubel
    Rittmeister: 375 + 120 Rubel
    Stabsrittmeister: 375 + 120 Rubel
    Leutnant: 311 + 84 Rubel
    Kornet: 200 + 48 Rubel

    Leibgardehusaren:
    Rittmeister: 651 + 240 Rubel
    Stabsrittmeister: 526 + 192 Rubel
    Leutnant: 502 + 156 Rubel
    Kornet: 276 + 84 Rubel

    Das sind natürlich völlig andere Zahlen als die vorher von mir aufgelisteten. Die Ursache dafür ist mir nicht klar. Obwohl die Gardeoffiziere mit ihrem Armeerang zwei Ränge höher als bei ihrem Regiment zählten erhielten sie nicht die vollen Bezüge dieses höheren Ranges. Die Angaben zur Leibgarde haben als Quelle eine Regimentsgeschichte der Leibgardehusaren.

    Viele Grüße

    Gunter

  8. #28
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    Ein interessantes Buch, in dem der Preis für ein „ausgesuchtes vier- bis fünfjähriges Pferd“ mit 80-100 Kupferrubel angeben wird (1813 in Saratow).

    http://openlibrary.org/works/OL11185717W/Friedrich_Peppler_Schilderung_meiner_Gefangenschaf t_in_Rußland_vom_Jahre_1812_bis_1814


    Seite 80

    Peppler war hessischer Offizier. Das Buch ist nicht sehr umfangreich und gut zu lesen. Manches scheint auf den ersten Blick etwas übertrieben, aber das meiste stimmt mit den Schilderungen anderer Soldaten, die in russische Kriegsgefangenschaft gerieten, überein. Die entlassenen gefangenen Offiziere erhielten 100 Rubel für ihre Equipierung.
    Geändert von KDF10 (25.02.2011 um 19:15 Uhr)

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