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Thema: (Verlorene) Ehre - gesellschaftliche Reaktion?

  1. #1
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    Standard (Verlorene) Ehre - gesellschaftliche Reaktion?

    Aus akt. Anlass beschäftigt mich die Frage, wie man vor 200 Jahren in Deutschland mit einem Fall von verlorener Ehre (nehmen wir mal als Bsp. an, ein Adliger habe sein öffentlich gegebenes Ehrenwort gebrochen) umgegangen wäre. Ich würde hierbei gern zwei Sphären unterscheiden:

    1) Militär: Hier scheint mir der Fall klar. In den meisten deutschen Armeen gab es Ehrengerichte der Offizierkorps der jeweiligen Regimenter. Der Fall wäre vor´s Ehrengericht gekommen, dieses hätte konstatiert, dass das betr. Mitglied sein Ehrenwort gebrochen habe, demzufolge seiner Ehre verlustig gegangen wäre. Das vereinigte Offizierkorps des Regiments hätte dem Dienstherrn erklärt, mit dem Ehrlosen nicht mehr zusammen dienen zu wollen. Der solcherart Gebrandmarkte wäre anschließend mit Schimpf und Schande davon gejagt worden. (Ich erinnere mich dunkel, von solchen Fällen - insb. bei Feigheit vorm Feind - gelesen zu haben, habe im Moment aber außer dem preuß. Gen.-Stabswerk über "1806 Das Pr. Offizierkorps..." keine konkrete Fundstelle.)

    2) Zivil: Ich vermute, hier gab es keine vergleichbaren Gerichte, d.h., es wäre wahrscheinlich zur informellen Ächtung durch die "Standesgenossen" gekommen. Der Ehrvergessene wäre dadurch gesellschaftlich "erledigt" gewesen.

    Liege ich mit diesen Vermutungen / Ansichten richtig?

    Beste Grüße, Tom

  2. #2
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    Standard

    Salut,

    ein weites Feld.. Natürlich wurde ein Offizier, der vor einem Ehrengericht negativ beurteilt wurde, das Weiterdienen unmöglich gemacht. Ebenso haben diese Ehrengerichte teilweise zu völlig überzogenen Reaktionen bei teilweise eingebildeten Insulten geführt, was Duelle zur Folge hatte, die fast in jedem Land verboten ware.
    Ebenso war das bei Beamten der entsprechenden Grade.
    Aber das war ein auf bestimmte Schichten begrenztes Phänomen.

    Regierende Fürsten haben z. B oft ein Verhalten an den Tag gelegt, das vor keinem Ehrengericht Bestand gehabt hätte. Beispiele unehrlichen Verhaltens sind hier sicher zur Genüge bekannt. Wortbrüche, Vertragsbrüche etc.
    Je höher der Rang, desto schwerer war es, jemanden zu Belangen.
    Was macht ein Hauptmann, den sein Regent oder Oberkommandierender bei einer Gelegenheit zusammenfaltet?
    Oder wie bei Friedrich II., bei dem der Offizier (Name fällt mir nicht ein), der das Brühlsche Palais auf Befehl des Königs verwüsten und plündern sollte, diesen Befehl verweigerte und lieber seinen Abschied nahm. Sein Nachfolger hatte diese Skrupel nicht und führte diesen Befehl aus.

    Nun, wenn jemand bei seiner Ehre erklärt, etwas getan oder nicht getan zu haben und sich das als Lüge herausstellt, wäre ist er damals, rein theoretisch, als Lügner und Ehrlos betrachtet worden. Manche haben sich auch da heraus laviert.
    Was wir Heute davon halten, bleibt jedem Einzelnen überlassen.

    Cordialement

    Chasseur

  3. #3
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    Standard ehre

    ohh ja,...beamte,regierende...höherer rang...,ja..ja die höheren..sie konnten u.können sich noch heute über gesetze,vorschriften hinweg-
    setzen,sie können geistiges eigentum mausen o.sich mit anderen ar-
    beit schmücken...u.als die ihrige ausgeben...,andere niedrige menschen-
    kinder wurden u.werden da..für gehangen,suspendiert und..und..und..
    aber die hohen herren haben halt nur vergessen,nicht gewust uzw.
    da giebt es doch..so ein jüngstes beispiel ! mmmmm..dieser minister...
    äääähhhhhh...wer war das denn noch mal ? mmmmmmm ?
    nun ! es war früher so u.es ist heute so...vieleicht heute etwas moderner..
    aber im prinzip immer das gleiche....ehre ? das ist nur was für kleine !
    ,,für höhere nur hohes,, ;-)

    gruß le tabac

  4. #4
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    Standard

    Das Wort " Ehre " wie es vor 200 Jahren angewand wurde, kann man in der heutigen Zeit nichtmehr so benützen.

    Diese art von Ehre gibt es heute nicht mehr.
    Heute sind das andere Kriterien die, die Masstäde setzen.

    Grüsse vom Voltigeur

  5. #5
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    Oder wie bei Friedrich II., bei dem der Offizier (Name fällt mir nicht ein), der das Brühlsche Palais auf Befehl des Königs verwüsten und plündern sollte, diesen Befehl verweigerte und lieber seinen Abschied nahm. Sein Nachfolger hatte diese Skrupel nicht und führte diesen Befehl aus.

    Es handelte sich um einen von der Marwitz.
    Die Legendenbildung hat -wie man an der angeführten Darstellung sieht- voll durchgeschlagen -Marwitz ist der Ehrenhafte, Quintus Icilius, der Führer eines Freicorps, der Böse.

    Unter den Tisch gekehrt wird dabei, daß Marwitz wegen des Rüffels, den er für die Befehlsverweigerung von seinem Obersten Dienstherren einfing, seinen Abschied einreichte. Als der König diese Kündigung nicht akzeptierte, blieb Herr Obrist von der Marwitz ein geschlagenes Jahr dem Dienst bei seinem Regimente fern. Dann akzeptierte der König seine Demission.
    Wie ehrenhaft ist es denn, wegen gekränkter Eitelkeit mal eben ein Jahr die Arbeit zu verweigern?
    Nachzulesen (ohne meine Wertung der Sachlage) bei Fontane in seinen "Wanderungen.."

    Andererseits war ein Spruch des Ehrengerichtes wohl tatsächlich oft das AUS.
    Rahden berichtet von zwei Kameraden, die wegen Verwundung sich nicht rechtzeitig in ihrem Regiment zurückmelden konnten (nach Großgörschen?) und dafür wegen "unerlaubter Entfernung" gerichtet wurden. Die bekamen wohl nie wieder einen Fuß in die preußische Armee.

    Gruß
    Jörg
    The light at the end of the tunnel
    is from an oncoming train.

  6. #6
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    Salut,

    eigentlich ist es auch egal, wie der Ehrenbegriff damals war, da es um einen heutigen Fall geht.

    Es gab eine Zeit, da war eine Flasche Schnaps und ein geladener Revolver die Folge solchen Tuns.
    Aber damit einen Menschen der Bruch seines Ehrenwortes (nichts anderes ist eine Ehrenerklärung) schmerzt, muß man seiner Ehre einen gewissen Stellenwert einräumen.
    Manche tun das eben nicht....

    Cordialement

    Chasseur

  7. #7
    Avatar von Gunter
    Gunter ist offline Erfahrener Benutzer Chef de Bataillon
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    Der Zusammenhang mit den "Großkopferten" ist dabei immer wieder interessant. Solche Typen wie Großfürst Konstantin, der Bruder von Zar Alexander I., hätten ohne ihren geburtsmäßigen Rang keine Woche überlebt vor lauter Duellen.

    Viele Grüße

    Gunter

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