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Thema: Vernagel von Geschützen

  1. #1
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    Standard Vernagel von Geschützen

    Ich möchte hier mal das taktische Mittel des "Geschütz vernagelns" anstossen.
    Die preussischen Husaren hatten 1848 immer auch Nägel zum Vernageln dabei.
    War das in der napoleonischen Zeit auch schon so?
    Es gibt da mehrere Annekdoten in denen Husaren feindliche Artillerie
    überrascht haben und die Geschütze vernagelten.
    Nach dem Sturm auf die Düppler Schanzen ruderte nacht ein Kommando über den Alsensund und vernagelte den Dänen die Geschütze und kam unbemerkt zurück. Was da wohl für ein Donnerwetter war .-).
    Giebt es da Zeichnungen der Nägel oder Geschichten aus den napoleonischen Kriegen ?
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  2. #2
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    Leider kann ich mit Aussagen für die Napoleonische Zeit nicht dienlich sein; aber ich kann bestätigen, daß die österreichische Artilleristen noch im Juli 1866 ihre (Festungs-)Geschütze, die sie beim Rückzug der Süd-Armee zurücklassen mußten, vernagelten.



    MfG Michi
    „No matter how great a wrong is done to the Germans, some obscure German professor will always turn up and rearrange and reconfigure objectivity until he has proven that the Germans themselves did wrong.“
    (De l'Allemagne, ca. 1810)
    Anne-Louise Germaine Necker, baronne de Staël-Holstein, also known as Madame de Staël,
    (Paris, 22nd April, 1766 – 14th July, 1817)
    a French-speaking Swiss author

  3. #3
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    Auch in der Napoleonischen Zeit wurden die Kanonen vernagelt. In einem Roman, wohlgemerkt nur ein Roman, habe ich sogar gelesen, dass die Schlacht von Waterloo verloren ging, weil Ney die Nägel vergessen hatte. Eine historische Quelle zu dieser Behauptung kenne ich nicht.

    Gruss
    KDF10
    Geändert von KDF10 (13.08.2011 um 09:42 Uhr)

  4. #4
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    Ein Beispiel aus napoleonischer Zeit für das Vernageln von Geschützen findet sich hier (vierter Abschnitt):

    http://www.napoleonic-literature.com/Book_3/V2C42.html

    Und hier die Biographie Chambures und das im Text erwähnte Bild von Vernet:

    http://arnauld.divry.pagesperso-orange.fr/chambure.htm

    Gruss, T.
    Geändert von Tellensohn (13.08.2011 um 19:35 Uhr)

  5. #5
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    Bei der sächsischen Artillerie sind in den Laderegistern für die Feldzüge 1806 , 1807 und 1809 für jedes Geschütz ein Nagel zum Stückvernageln, welche in der Stücklade mitgeführt wurden, verzeichnet.
    Im Exerzierreglement für die Fußartillerie von 1811 tauchen diese Nägel allerdings nicht mehr auf.
    Für den Feldzug von 1806 ist das Vernageln eigener Geschütze nachweisbar.
    Wenn der Feind in Schußweite ist, bist Du es auch. Vergiss dabei nie, dass Deine Waffe vom billigsten Anbieter stammt.

  6. #6
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    Noch ein anderes Beispiel aus einer zeitgenössischen Quelle der napoleonischen Kriege. Leutnant Henckens vom französischen 6. Jägerregiment zu Pferd schreibt in seinen Erinnerungen zu dem Gefecht bei Quatre-Bras am 16. Juni 1815 über die als Folge des französischen Kavallerieangriffs fluchtartig aufgegebenen niederländischen Geschütze einer berittenen Einheit:

    "... les pièces restèrent là et ne furent pas enclouées, probablement parce que les moyens faisaient défaut", die Geschütze blieben also da und waren nicht vernagelt, wahrscheinlich, so vermutet Henckens, weil die Mittel hierzu fehlten. Nachdem die französische Kavallerie zum Sammeln abgerückt war, wurden die (allerdings immer noch unversehrt gebliebenen) Geschütze wieder an Ort und Stelle von den niederländischen Kanonieren in Besitz genommen.

    Siehe: Alain Arcq: Les Quatre-Bras 16. juin 1815. Le second prélude à Waterloo. 2e édition. Les Batailles Oubliées, vol. 7, Allonzier, France 2009, S. 59
    << Le Prussien >> links des Rheins
    Les Grognards de la Somme
    4éme régiment d'infanterie de ligne 2éme bataillon
    http://lesgrognardsdelasomme.jimdo.com/

  7. #7
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    Dass zum Vernageln von Geschützen tatsächlich spezielle Nägel benötigt wurden, zeigt ein einigermassen bekanntes Ereignis aus der Zeit des Amerikanischen Unabhängigkeitskrieges. Gegen Ende der Belagerung von Yorktown riskierten die Briten einen Ausfall, um gegnerische Batterien durch Vernageln der Geschütze zum Schweigen zu bringen. Das Unternehmen blieb erfolglos, weil sie anstelle der dafür benötigten Spezialnägel Radnägel (Achsnägel?) mitgenommen hatten, die nicht in die Zündlöcher passten. Also benutzten sie ihre Bajonette, die sie möglichst tief hineintrieben, umbogen und abbrachen. Die Bajonette konnten aber leicht wieder entfernt werden, ich nehme an durch einfaches Hochhebeln der umgebogenen und abgebrochenen Dorne.

    http://www.johnsmilitaryhistory.com/...okexcerpt.html
    Geändert von Tellensohn (19.08.2011 um 22:54 Uhr)

  8. #8
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    Erstmal vielen Dank an alle ....

    Ja die Nägel waren dann wohl auch schon damals extra dafür gemacht worden. Mit tief eingeschlagenen Hieben wie bei Holzraspeln und immer gehärtet.

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