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Thema: Napoleon und Indien

  1. #1
    KDF10 ist offline Erfahrener Benutzer Chef de Bataillon
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    Standard Napoleon und Indien

    Ich weiß, das ist ein umstrittenes Thema. Hatte Napoleon vor, nach Indien zu marschieren? Quellen dafür gibt es. Gespräche darüber gab es bereits mit Paul I. Auf dem Meer hatte Napoleon keine Chancen gegen England. Blieb also nur der Krieg auf dem Landweg um Englands Handelswege zu stören. Die drei Ziele Napoleons dabei waren Nordafrika (Baumwolle), das Osmanische Reich (Tee, Gewürze, Seide, etc.) und Indien, aus den selben Gründen.

  2. #2
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    Hi!
    Soweit ich weiß, war der Plan England über Indien anzugreifen. Ich meine mich zu erinnern, dass die Idee von Tayllerand stammte? Außerdem hatte Napoleon nach seiner Rückkehr aus Italien den Oberfehl für die England Invasion bekommen und war auch wenige Wochen an der Küste um sich da alles anzuschauen, mit dem von dir genannten Ergebnis. Dass das ein umstrittenes Thema sein soll, ist mir neu. Ich ging immer davon aus, dass das der Sinn der ganzen Ägypten-Episode war. Da ich gerade erst aus Paris zurück bin, brauche ich noch ein Paar Tage, aber wenn du interessiert bist, such ich die Stellen raus.
    LG Marie

  3. #3
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    Napoleon hatte die Bedeutung von Indien fuer England erkannt. In der Tat "træumte" N von Indien wæhrend des Ægypten Feldzuges - oder er hat es spæter zumindest so dargestellt.
    Aber auch nachdem die direkte Landung auf die engl. Insel 1805 auf den St.Nimmerleinstag verschoben werden musste, war Indien nicht vom Tisch:
    Es gab Verhandlungen mit dem Osmanischen Reich ueber Durchmarschrechte, und es war øfter Verhandlungsgegenstand mit dem Zaren Alexander.

    Talleyrand hatte damit høchstens zu tun, indem er es dem Zaren weitervermittelte/vermitteln sollte - da wissen sicher die Talleyrand-Spezialisten mehr dazu. Ich vermute ganz stark, dass er (aktiv?) dagegen war.

    NICHT geplant war hingegen, nach der Einnahme Moskaus weiter nach Indien zu marschieren. Das ist zwar bisweilen behauptet, jedoch weder nachgewiesen noch sinnig, weil der Russlandfeldzug vøllig anders geplant war.

    Gruss, muheijo

  4. #4
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    Ich glaube schon, dass Tayllerand beim Ägyptenfeldzug 1798/99 seine Finger im Spiel hatte. Napoleon und er standen schon seit Italien im Briefwechsel und haben sich danach ja auch getroffen.
    Tayllerand hatte bereits im Juli 1797 eine Rede gehalten in der er riet sich von Amerika ab- und Ägypten und Marokko zuzuwenden (es ging da um wirschaftliche Beziehungen). Er verlangte auch, die Länder nicht auszubeuten, sondern friedlich zusammen zu arbeiten.
    Ganz ähnliches liest man auch in Napoleons ersten Proklamtionen in Ägypten.
    Nach 1805 hab' ich keine Ahnung, wie er dazu stand. Wäre aber interessant.
    Gruß Marie

  5. #5
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    Daumen hoch

    Zitat Zitat von muheijo Beitrag anzeigen
    Napoleon hatte die Bedeutung von Indien fuer England erkannt. In der Tat "træumte" N von Indien wæhrend des Ægypten Feldzuges - oder er hat es spæter zumindest so dargestellt.
    Aber auch nachdem die direkte Landung auf die engl. Insel 1805 auf den St.Nimmerleinstag verschoben werden musste, war Indien nicht vom Tisch:
    Es gab Verhandlungen mit dem Osmanischen Reich ueber Durchmarschrechte, und es war øfter Verhandlungsgegenstand mit dem Zaren Alexander.

    Talleyrand hatte damit høchstens zu tun, indem er es dem Zaren weitervermittelte/vermitteln sollte - da wissen sicher die Talleyrand-Spezialisten mehr dazu. Ich vermute ganz stark, dass er (aktiv?) dagegen war.

    NICHT geplant war hingegen, nach der Einnahme Moskaus weiter nach Indien zu marschieren. Das ist zwar bisweilen behauptet, jedoch weder nachgewiesen noch sinnig, weil der Russlandfeldzug vøllig anders geplant war.

    Gruss, muheijo

    Zitat Zitat von Marie Beitrag anzeigen
    Ich glaube schon, dass Tayllerand beim Ägyptenfeldzug 1798/99 seine Finger im Spiel hatte. Napoleon und er standen schon seit Italien im Briefwechsel und haben sich danach ja auch getroffen.
    Tayllerand hatte bereits im Juli 1797 eine Rede gehalten in der er riet sich von Amerika ab- und Ägypten und Marokko zuzuwenden (es ging da um wirschaftliche Beziehungen). Er verlangte auch, die Länder nicht auszubeuten, sondern friedlich zusammen zu arbeiten.
    Ganz ähnliches liest man auch in Napoleons ersten Proklamtionen in Ägypten.
    Nach 1805 hab' ich keine Ahnung, wie er dazu stand. Wäre aber interessant.
    Gruß Marie
    In der Tat, Talleyrand hat vor dem Nationalinstitut zwei Reden gehalten. Eine, die Handesbeziehungen Amerikas und Englands betreffend, in der er nachwies, dass es für eine dritte Macht schwierig sein würde, sich dort hineinzudrängen, (Sprache, produktive Überlegenheit Englands, traditionelle Einstellungen der Amerikaner ...), und eine zweite, die den Erwerb neuer Kolonien betraf, in der er den Vorteil, näher an Frankreich liegender Länder beschrieb.
    Richtig ist auch, dass er das herrschende Chaos in bestehenden Kolonien durch geeignete Maßnahmen in Ruhe und Ordnung verwandelt sehen wollte.

    Natürlich hatte Talleyrand etwas mit dem Ägyptenfeldzug zu tun, schließlich war er zu der Zeit Außenminister der französischen Republik und natürlich gab es zwischen ihm und Bonaparte Beziehungen seit Italien, aus demselben Grund.
    Damit verlassen wir aber die vornapoleonische Zeit, denn es geht um Indien.

    Von Talleyrand wissen wir, dass er Frankreich in den "natürlichen Grenzen" als satuiert ansah, er sich nach Tilsit aus der Außenpolitik zurückzog. Folgt man seinen Memoiren, war Indien für N. ein wichtiges Thema: er spricht vor Erfurt von seinem "lang geplanten Feldzug".
    Erfurt lag nach seinem Rücktritt, besser seiner Abkehr von der napoleonischen Politik. Warum sollte er einen Zug nach Indien angesichtst der vielen ungelösten Probleme in Europa gutheißen? Warum sollte er den Zaren in die Planspiele N. laufen lassen?

    Grüße
    excideuil

  6. #6
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    Zitat Zitat von muheijo Beitrag anzeigen
    NICHT geplant war hingegen, nach der Einnahme Moskaus weiter nach Indien zu marschieren. Das ist zwar bisweilen behauptet, jedoch weder nachgewiesen noch sinnig, weil der Russlandfeldzug vøllig anders geplant war.

    Gruss, muheijo
    Da stimme ich dir zu. Indien spielte da eine sekundäre Rolle. Nach meiner Überzeugung, wir können gerne darüber diskutieren, war das Primärziel das Osmanische Reich. Napoleon wollte Konstantinopel und Alexander I. auch. Ich halte nicht viel von Napoleon, aber dumm war er ganz sicher nicht. Hätte Russland 1812 eine Niederlage erlitten, wäre der nächste Schritt ein Krieg gegen das Osmanische Reich gewesen. Napoleon hätte Konstantinopel erhalten, dass das eines seiner Ziele war, ist bekannt. Der Handel zwischen England und dem Osmanischen Reich wäre damit zusammengebrochen. Napoleons Target war England und das lebte vom Handel mit Übersee. Mit der Flotte des Osmanischen Reiches, der von Neapel und den Resten der französischen Flotte hätte Napoleon das Mittelmeer beherrschen können. Die logische Konsequenz ist ganz einfach. Russland, Frankreich und Truppen des Osmanischen Reiches marschieren nach Indien. Hätte das geklappt, hätte es England das Genick gebrochen. LG. KDF10

  7. #7
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    Hätte Russland 1812 eine Niederlage erlitten, wäre der nächste Schritt ein Krieg gegen das Osmanische Reich gewesen. [...]Russland, Frankreich und Truppen des Osmanischen Reiches marschieren nach Indien
    .
    Aber auch nachdem die direkte Landung auf die engl. Insel 1805 auf den St.Nimmerleinstag verschoben werden musste, war Indien nicht vom Tisch:
    Es gab Verhandlungen mit dem Osmanischen Reich ueber Durchmarschrechte, und es war øfter Verhandlungsgegenstand mit dem Zaren Alexander.
    Hat da jemand Quellenangaben oder sonst etwas brauchbares? Da ich mich gerade recht ausführlich mit einigen Aspekten des Ägyptenfeldzuges befasse (bei dem Indien ja zumindest eine vage Rolle spielte) würde mich interessieren, was es für zeitgenössische Quellen zu diesen späteren Plänen gibt. Danke, Gruß Marie

  8. #8
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    Vielleicht hilft das:

    Die deutsche Übersetzung findet sich u.a. im Fournier

    Gruß
    Mephisto
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    Gruß
    Mephisto

    "Es sind zwey Formeln, in denen sich die sämmtliche Opposition gegen Napoleon befassen und aussprechen lässt,
    nämlich Afterredung (aus Besserwissenwollen) und Hypochondrie." Goethe 1807

  9. #9
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    Zitat Zitat von Mephisto Beitrag anzeigen
    Vielleicht hilft das:
    Die deutsche Übersetzung findet sich u.a. im Fournier
    Gruß
    Mephisto
    Danke! Da muss ich doch glatt mal hier weitersuchen, denn den Band mit Briefen aus dieser Zeit habe ich hier auch irgendwo. Vielleicht findet sich da ja noch mehr. Gruß Marie
    Die beste Möglichkeit Wort zu halten ist, es nicht zu geben.

  10. #10
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    Standard "Les Indes", nicht "L'Inde"

    Wenn hier von "Indien" die Rede ist, dann ist ja hoffentlich nicht bloss der indische Subkontinent gemeint, oder? Das ergäbe nämlich keinen Sinn. Im von Mephisto geposteten Brief ist von "les Indes" die Rede. Das deckt einen weitaus grösseren Raum ab als bloss den indischen Subkontinent (franz. "l'Inde"). Die Rede ist also von "Ostindien", d.h. im Prinzip vom gesamten südasiatischen Raum von Madagaskar (man könnte sogar sagen: von der Kapkolonie) bis Java und darüberhinaus. Es ging um die Vorherrschaft in diesen Wirtschaftsraum, sowohl über die Produktionsgebiete als auch über die Verkehrswege. Der Krieg um diese Vorherrschaft wurde bis etwa 1812 ununterbrochen ausgefochten, vorwiegend mit den Mitteln des Seekriegs. In ihm mussten die Briten aufgrund ihrer maritimen Überlegenheit notwendigerweise Sieger bleiben: die französisch-niederländischen Besitzungen gerieten alle in britische Hände. Das war's dann. Mit einem Marsch über Land nach Indien - an die vielfältigen Hindernisse, die einem solchen Unterfangen in Wirklichkeit im Wege gestanden hätten, mag man gar nicht denken - hätte Napoleon selbst bei einer Eroberung Indiens und dem Ausschalten der dortigen englischen Häfen kaum viel erreicht, denn die über zahlreiche Inseln verstreuten wichtigen Stützpunkte in dieser Region hätte er ohne Vorherrschaft zur See niemals unter seine Kontrolle bringen können. Man darf m.E. auch getrost davon ausgehen, dass eine französische Armee in Indien innert kürzester Zeit von jedem Nachschub abgeschnitten worden wäre und sich aufgrund diverser Umstände wohl kaum lange hätte halten können. Die Briten hatten ja ihre Vorherrschaft über den Subkontinent auch nicht primär dank eigener Truppen und über den Landweg konsolidieren können, sondern weil sie über die Jahre ein ausgeklügeltes Beziehungs- und Bündnisgeflecht mit den indischen Fürsten aufgebaut hatten, die sie geschickt als mehrheitlich willige Stellvertreter ihrer Herrschaft einzusetzen bzw. gegeneinander auszuspielen wussten und denen sie dank ihrer schlagkräftigen Flotte, die es ihnen ermöglichte, jederzeit Nachschub an Truppen und überlegenen Waffen aus der Heimat heranzuschaffen, im Bedarfsfall den Drohfinger zeigen konnten.
    Geändert von Tellensohn (01.06.2011 um 12:47 Uhr)

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